Test - Yakuza Kiwami 3 & Dark Ties : Test: An diesem Remake schieden sich schon vor Release die Geister – zu Recht?
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Es ist eine Geschichte, so alt wie die Zeit: Fans meckern, sobald sich irgendetwas an ihren Lieblingsspielen ändert. Besonders gerne müssen Remakes als Prügelknaben herhalten, denn halten sie sich nicht religiös an die Vorgaben des Originals, ist direkt von einer Beleidigung der ursprünglichen Entwickler und Entwicklerinnen sowie der künstlerischen Vision die Rede. Betrachten wir jedoch Yakuza Kiwami 3, gibt es noch einige Probleme mehr.
Dabei gibt es auf einem grundlegenden Level erstmal nichts zu meckern: Das Entwicklungsstudio Ryu Ga Gotoku hat sich die originalen Szenen aus Yakuza 3 genommen und liebevoll in die hauseigene Dragon Engine übertragen. Fans dürfen sich über haufenweise Original-Shots freuen, auch die Dialoge wurden kaum bis gar nicht verändert. Handelt es sich hingegen um euren Erstkontakt mit dem Spiel, braucht ihr euch überhaupt keine Sorgen machen, eine verfälschte Version der Story vorgesetzt zu bekommen.
Allerdings kann auch Yakuza Kiwami 3 nicht abschütteln, dass die Dragon Engine schon gute zehn Jahre auf dem Buckel hat. Manche Texturen flimmern extrem matschig und detailarm über den Bildschirm und insbesondere unwichtigere NPCs leiden unter steifen Animationen. Auf Okinawa wirkt die Farbpalette zudem noch immer etwas seltsam, viele Punkte sind einfach zu stark gesättigt, auch wenn der versprochene Patch zur Überarbeitung immerhin etwas Besserung brachte.
Dennoch punktet das Remake im Vergleich mit der Remastered-Version vor allem durch höhere Auflösungen und die deutlich realistischeren Charaktermodelle samt schickeren Bärten, Haaren und Schweißperlen. Doch genau in diesem Punkt gehen die Probleme los.
Neu ersetzt alt
Der erste große Kritikpunkt trifft in erster Linie Fans der Originale, dafür aber umso mehr: Einige Charaktere wurden mit neuen Schauspielern bedacht. Darunter fallen Lieblinge wie Nakahara, Rikiya und Hamazaki. Ob einem die neue Besetzung nun gefällt oder nicht, bleibt Geschmackssache. Für alle, die Yakuza 3 mit dem Remake erstmals erleben, sehe ich allerdings keine großen Probleme. Die mitunter enorm emotionslosen und steifen Gesichter laste ich zumindest mehr dem Entwicklungsteam als den Schauspielern an.
Problematischer wird es da schon bei der konkreten Besetzung des Antagonisten Goh Hamazaki. In Yakuza Kiwami 3 übernimmt Teruyuki Kagawa die Rolle und der Schauspieler ist durchaus problematisch. Gegen ihn kamen nämlich 2019 erstmals Vorwürfe wegen sexuellen Fehlverhaltens vor, er gestand 2022 und ist entsprechend ein verurteilter Sexualstraftäter. Die konkrete Tat erspare ich euch, mit etwas Detektivarbeit (Google) findet ihr das aber schnell heraus.
Als ob das nicht schon schlimm genug wäre, gab Ryu Ga Gotoku in einem Interview sogar zu, dass die Wahl des Schauspielers mehr als bewusst war. Sie wollten bewusst einen „Creep", der die unangenehme Natur von Hamazaki verkörpert. Und da kam Teruyuki Kagawa mehr als gelegen. Als wäre all das nicht schon übel genug, haben Ryu Ga Gotoku und Sega bekanntermaßen absolut keine Probleme damit, Schauspieler aufgrund von Fehlverhalten zu feuern. Wir erinnern uns: Pierre Taki wurde nachträglich aus Judgment entfernt, da er aufgrund von Kokain-Konsums mit dem Gesetz aneinandergeriet.
Was ihr mit der Thematik rund um Teruyuki Kagawa macht, bleibt selbstverständlich euch überlassen. Unterstützenswert ist die Entscheidung des Entwicklungsstudios aber nicht. Ich persönlich bin kein Fan davon, die Kunst vom Künstler zu trennen, vor allem in einem solch kritischen Fall.
Frische Aktivitäten und fehlende Inhalte
In einem jeden Yakuza sind die optionalen Aktivitäten ein essenzieller Bestandteil des Spielspaßes und der Motivation. Hier zeigt sich, dass Ryu Ga Gotoku nicht einfach alten Wein in neuen Schläuchen bieten wollte, sondern auch ein paar neue Ideen verbaute. Auf der Insel Okinawa beispielsweise werdet ihr nun zum Anführer der Haisai Girls, einer Biker-Gang. Durch kleinere Nebenmissionen erweitert ihr sie, baut eigene Trupps auf und prügelt euch mit feindlichen Cliquen. All das erinnert an das Kolosseum aus Infinite Wealth oder die Crew von Pirate Yakuza in Hawaii und sorgt für einige Stunden zusätzliche Gaudi.
Dazu dürft ihr im Waisenhaus einige Zusatzaktivitäten absolvieren, um eure Bindung mit den Kids zu steigern, was euren Daddy-Rang erhöht. Blöder Name, ich weiß. Dafür sind die Minispiele beste Yakuza-Kost inklusive der herrlich überzogenen Darstellung. Da wird selbst ein Mathe-Test zum Highlight und mit der Nadel einer Nähmaschine in der Spur zu bleiben, bockt ebenfalls.
Sowohl in Tokio als auch Okinawa dürft ihr jetzt Bösewichte gegen Kopfgeld verdreschen, zudem winken die Foto-Herausforderungen aus früheren Serienteilen. Dazu wurde Kiryus Handy mit etwas mehr Liebe bedacht und kann jetzt vielfältig angepasst werden, außerdem sammelt ihr wie in Infinite Wealth Freunde und Freundinnen auf der Straße, was Belohnungen bietet.
In Kombination mit einigen überarbeiteten und erweiterten Nebenstorys steigt die Spielzeit von Yakuza Kiwami 3 ordentlich an, doch einige Inhalte fielen auch der Schere zum Opfer. Darunter vor allem die Enthüllungen. Diese gewährten euch neue Skills, wenn ihr im First-Person-Modus bestimmte Events beobachtet habt. Legendär ist etwa eine Szene mit einer Oma auf einem Roller, die einen absolut wahnsinnigen Salto hinlegt – den Kiryu sich fortan für die Kämpfe zunutze macht.
Dark Ties: Ein gelungener Blick in die Vergangenheit
Neben den ganzen Überarbeitungen des Hauptspiels, ob man sie nun mag oder nicht, spendiert Ryu Ga Gotoku uns mit Dark Ties auch noch ein eigenes Spiel, das die Vorgeschichte von Yoshitaka Mine erzählt. Der Antagonist von Yakuza 3 erzählt ja bereits in einigen Cutscenes von seiner Vergangenheit, ihr erlebt sie jetzt aber hautnah. Spannend ist dabei auch, wie konkret er an den menschlichen Bulldozer Kanda kam und welche Beziehung sie zueinander pflegten.
Spielerisch fühlt sich Mine zumindest etwas anders an als Kiryu. Seine Kombos dauern länger, sein Kampfstil ist etwas dynamischer und somit brecht ihr die Deckung von Gegnern auch deutlich schneller – im Zusammenhang mit Yakuza 3 ein immens wichtiger Faktor, denn die Unholde blocken noch immer so ziemlich alles weg, was ihr ihnen entgegenwerft.
Doch auch sein kühles, berechnendes und stets auf Profit ausgerichtetes Wesen kommt in Dark Ties richtig gut zur Geltung. In den gerade mal fünf Stunden der Hauptstory entwickelt er sich nicht unbedingt zum Sympathieträger, das ist aber auch nicht das Ziel – wenn er Hilfe für Obdachlose als Schwachsinn abtut, verdeutlicht das seine soziopathischen Züge aber umso deutlicher.
Ausschweifende Nebenmissionen braucht ihr in Dark Ties indes nicht erwarten, immerhin gibt es natürlich wieder eine Art Kolosseum. Welle für Welle prügelt ihr euch durch den Untergrund, sucht nach dem Ausgang und sammelt Power-ups, Lebensenergie und heuert mit dem gewonnenen Geld Söldner an und rüstet Waffen aus. Wie immer ein netter Zeitvertreib, den ihr auch getrost ignorieren könnt.
Hingegen mitnehmen solltet ihr wann immer möglich die Kleinstaufträge, mit denen ihr Kandas Ruf in Kamurocho steigert. Dabei verprügelt ihr Kleinganoven, findet verlorene Ringe oder müsst in Minispielen euer Können beweisen. Die Belohnungen investiert ihr in Charakterupgrades, und wenn satte 50.000 Yen für einen Strike beim Bowling winken, nehme ich das doch dankend an.
Greift zu, wenn...… Yakuza 3 bisher an euch vorbeigegangen ist und ihr mehr zur Hintergrundgeschichte von Mine erfahren wollt.
Spart es euch, wenn...… ihr an den alten Schauspielern und Mechaniken hängt und euch Teruyuki Kagawa als Teil des Casts sauer aufstößt.


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