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Test - Terrinoth: Heroes of Descent : Test: Das (ganz) kleine Baldur’s Gate III

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Brettspiel-Fans dürften bei dieser Ankündigung aufgehorcht haben: Mit Terrinoth: Heroes of Descent erhält das beliebte Fantasy-Brettspiel Descent endlich eine Videospielumsetzung im Dungeon-Crawler-Gewand. Doch taugt der virtuelle Ausflug in die Katakomben etwas oder bleibt der Brettspielabend mit den Kumpels weiterhin das Maß aller Dinge?

Die Descent-Reihe zählt zu den bekanntesten Fantasy-Brettspielen überhaupt. Terrinoth: Heroes of Descent erzählt jedoch eine eigenständige Geschichte, die ein Jahr vor den Ereignissen von Descent: Legends of the Dark angesiedelt ist und damit sowohl Veteranen als auch Einsteiger abholen möchte.

Dungeons & Dragonkins

Insgesamt warten 20 Dungeons auf euch, deren Handlung sich über vier Akte erstreckt. Vor jedem Abenteuer stellt ihr eure vierköpfige Heldentruppe zusammen, verteilt Fertigkeitspunkte und rüstet die Gruppe aus. Mit fortschreitender Kampagne wächst der Kader auf acht einzigartige Charaktere an. Darunter befinden sich so illustre Gestalten wie der Dragonkin-Krieger-Tank Kharaz mit seinem Helfer-Komplex oder Druidin Finniel die mindestens so gerne eure Wunden schließt, wie sie Feinde mit explodierenden Giftwolken malträtiert.

In den meisten Dungeons ist einer der Helden fest vorgegeben, weil seine persönliche Geschichte eng mit den jeweiligen Ereignissen verknüpft ist. Die übrigen Plätze dürft ihr frei besetzen. Ganz so simpel wie „Tank, DPS, DPS, Heiler“ fällt die Entscheidung allerdings nicht aus. Zwar lassen sich die Figuren grob klassischen Rollen zuordnen, mindestens genauso wichtig sind aber ihre Fähigkeiten außerhalb der Kämpfe.

Kharaz verschießt beispielsweise einen Feuerball, der Gegner verspottet und Schaden verursacht. Während der Erkundung entzündet dieselbe Fähigkeit jedoch Fackeln aus der Distanz, sprengt explosive Fässer oder räumt Hindernisse aus dem Weg. Schurke Cedwin wiederum überwindet mit seinem Seil Höhenunterschiede, für die andere Helden erst mühsam den Weg zur nächsten Treppe suchen müssten. Das erspart Fallen, verkürzt Laufwege und kann im Gefecht sogar entscheidende Aktionspunkte einsparen. Die Zusammenstellung der Gruppe will also gut überlegt sein.

Auch in kleineren Rätsel- und Dialogpassagen zahlt sich die richtige Auswahl aus. Manche Optionen bleiben euch schlicht verschlossen, wenn der passende Charakter fehlt. Schade nur, dass diese Abschnitte insgesamt recht einfallslos geraten sind und eher als Verschnaufpause zwischen den Kämpfen dienen. Hier wäre deutlich mehr drin gewesen. Der Schwerpunkt liegt in Terrinoth aber ohnehin klar auf den Gefechten.

Mehrzweck-Helden

Der Schwerpunkt liegt in Terrinoth aber ohnehin auf den Gefechten. Und genau hier drängt sich der Vergleich zu Baldur's Gate III geradezu auf. Besonders die rundenbasierten Kämpfe erinnern an Larians Rollenspiel. Meist beginnt ein Gefecht erst, wenn ihr eine bestimmte Linie auf dem Boden überschreitet. Das Spiel markiert diese Grenze sogar deutlich, sodass ihr in vielen Fällen noch Gelegenheit habt, euch auf die bevorstehende Schlacht vorzubereiten. Vor Überraschungsangriffen schützt euch das zwar nicht immer, häufig verschafft es euch aber einen wertvollen taktischen Vorteil.

Genau dazu ermutigt euch das Spiel auch. Wer die Umgebung vor Kampfbeginn gründlich erkundet, entdeckt regelmäßig Aussichtspunkte, von denen aus sich das Schlachtfeld analysieren lässt. Dadurch schaltet ihr verschiedene Gelände-Vorteile frei, die euch im Kampf spürbar in die Karten spielen und nicht selten über Sieg oder Niederlage entscheiden.

Ist einer eurer Recken schließlich am Zug, stehen ihm drei Aktionspunkte zur Verfügung. Damit bewegt ihr euch über das quadratische Spielfeld, greift an, setzt Fähigkeiten ein oder interagiert mit der Umgebung. Gerade Letzteres sorgt regelmäßig für spannende Situationen. Ein gezielter Stoß über Klippen befördert selbst starke Gegner ins Jenseits, Barrikaden schützen beide Seiten nur so lange, bis jemand sie kurzerhand einreißt und an manchen Stellen strömen endlos Gegner nach, bis ihr drei bestimmte Wurzeln zerstört habt. Wer nur auf seine Fähigkeiten achtet und das Schlachtfeld ignoriert, macht sich das Leben unnötig schwer.

Natürlich winkt nach jedem erfolgreichen Dungeon auch Beute. Allerdings setzt Terrinoth bewusst nicht auf eine Loot-Lawine wie Diablo. Münzen liegen zwar in zahlreichen Kisten, wertvolle Ausrüstung oder neue Fähigkeiten verstecken sich jedoch meist an abgelegenen oder leicht zu übersehenden Orten. Ein weiterer guter Grund also, jeden Winkel gründlich abzusuchen. Dafür fühlt sich jedes einzelne neue Ausrüstungsteil tatsächlich wie eine kleine Belohnung an.

Zwischen den Missionen investiert ihr euer Gold in Rüstungen, Tränke und neue Fähigkeiten, verteilt die Ausrüstung innerhalb der Gruppe und macht euch anschließend direkt auf den Weg in den nächsten Dungeon. Eine frei erkundbare Oberwelt oder eine zentrale Stadt sucht man dagegen vergeblich.

Ein Freund, ein guter Freund

Was macht mehr Spaß, als Fantasy-Bösewichten mit Schwert und Zauber ordentlich den Tag zu vermiesen? Genau: Gemeinsam mit Freunden Fantasy-Bösewichten den Tag zu vermiesen! Der Koop-Modus entpuppt sich als heimliches Glanzstück von Terrinoth. Bis zu vier Spieler stürzen sich gemeinsam in die Dungeons, wobei jeder die Kontrolle über einen Helden übernimmt. Gerade während der taktischen Kämpfe entstehen dadurch herrlich chaotische Diskussionen darüber, wer jetzt eigentlich zuerst handeln oder welchen Gegner als Nächstes ausschalten sollte.

Auch bei der Länge der Abenteuer beweisen die Entwickler ein gutes Gespür. Ein Dungeon beansprucht ungefähr zwei bis drei Stunden und eignet sich damit hervorragend für einen gemeinsamen Spieleabend oder eine entspannte Heldenrunde nach Feierabend. Gleichzeitig bleibt der Schwierigkeitsgrad meist angenehm fair. Selten zwingt euch das Spiel zu stundenlangen Taktikdebatten oder Optimierung, wodurch auch Genre-Neulinge problemlos mithalten können. Gerade für Gruppen, die sich nicht regelmäßig an einem Tisch treffen können, aber zumindest online gemeinsam Abenteuer erleben möchten, bietet Terrinoth eine exzellente Alternative zum Brettspielabend.

Bleibt also nur noch die Frage, ob der Vergleich mit Baldur's Gate III nun unfair oder berechtigt ist. Die Antwort lautet: beides. Natürlich spielt Terrinoth nicht in derselben Liga. Das muss es allerdings auch nicht. Schließlich kostet es nur etwa die Hälfte und verfolgt einen völlig anderen Ansatz.

Statt ein gigantisches Rollenspiel mit Hunderten Stunden Spielzeit zu liefern, konzentriert es sich auf einen ganz bestimmten Bestandteil von Baldur's Gate III: die taktischen Dungeon-Abenteuer. Wer genau darauf Lust hat, sich aber nicht durch ein Mammut-RPG mit unzähligen Nebenquests, Dialogen und Entscheidungsmöglichkeiten arbeiten mag, bekommt hier ein überraschend rundes Gesamtpaket. Und genau darin liegt die größte Stärke von Terrinoth: Heroes of Descent.

Greift zu, wenn...

... ihr taktische Rundenkämpfe liebt, aber kein Mammut-Rollenspiel erleben möchtet.

Spart es euch, wenn...

... ihr eine epische Rollenspielgeschichte mit weitreichenden Entscheidungen erwartet.

Fazit

Sebastian Ruppert - Portraitvon Sebastian Ruppert
Der kurzweilige Helden-Happen für den Feierabend

Terrinoth: Heroes of Descent schafft etwas, woran viele Brettspielumsetzungen scheitern. Es kopiert nicht einfach die Vorlage, sondern übersetzt deren Kerngefühl erfolgreich in ein Videospiel. Die taktischen Kämpfe machen Spaß, die Helden unterscheiden sich angenehm voneinander und im Koop-Modus entfaltet das Abenteuer seine größte Stärke. Dass jeder Dungeon in zwei bis drei Stunden abgeschlossen ist, macht das Spiel außerdem zum perfekten Feierabend-Dungeon-Crawler für feste Spielgruppen.

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Natürlich muss man Abstriche machen. Die Rätsel bleiben blass, eine frei erkundbare Welt fehlt komplett und erzählerisch erreicht Terrinoth nie die Wucht eines Baldur's Gate III. Genau diesen Vergleich will es aber gar nicht gewinnen. Stattdessen konzentriert sich das Spiel auf gut designte Dungeons, clevere Kämpfe und kooperativen Fantasy-Spaß ohne überbordende Komplexität.

Wer Lust auf die taktischen Gefechte eines großen Rollenspiels hat, aber keine 150 Stunden investieren möchte, findet mit Terrinoth: Heroes of Descent eine angenehm kompakte Alternative. Und Brettspielfans bekommen eine Umsetzung, die das Gefühl gemeinsamer Abenteuer erstaunlich gut auf den Bildschirm transportiert.

Überblick

Pro

  • taktische, abwechslungsreiche Kämpfe mit sinnvoller Umgebungsinteraktion
  • acht unterschiedliche Helden mit nützlichen Fähigkeiten, auch außerhalb der Gefechte
  • gelungener Koop-Modus für bis zu vier Spieler
  • angenehm kompakte Dungeon-Länge von zwei bis drei Stunden

Contra

  • Rätsel und Dialogpassagen bleiben deutlich hinter den Kämpfen zurück
  • keine frei erkundbare Oberwelt oder zentrale Stadt

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