Länderauswahl:
Du wurdest von unserer Mobile-Seite hierher weitergeleitet.

Test - Star Fox : Test: Ausgefuchst retro und bombastisch inszeniert

  • NSw2
Von  |  | Kommentieren

Es ist das Remake eines Remakes eines Remakes, und doch ein Spiel, das sich den Kriterien zeitgenössischer Kritikpunkte entzieht. Star Fox für Switch 2 wirkt altmodisch und doch erstaunlich frisch. Nicht, weil es sich neu erfindet, sondern weil es etwas Seltenes vollbringt: Es konserviert ein Gefühl trotz optischer Neugestaltung. Und dieses Gefühl hatte ich, ehrlich gesagt, nicht immer auf dem Schirm.

Gut gegen Böse, der Sohn, der dem Vater folgt, epische Raumschlachten im kalten Weltraum. Es ist Star Wars in Nintendo-Logik, mit anthropomorphen Tier-Helden, Piloten-Klischees und einer ordentlichen Portion Pathos. Wenn eine gigantische fliegende Untertasse ihre Jäger ausschwärmen lässt, während eine Stadt am Boden von einer Doomsday-Waffe bedroht wird, denkt man unweigerlich an eine Art Miniatur-Independence-Day im Arcade-Format – nur mit mehr Cartoon-Charme und weniger Weltuntergangsdepression. Das kann je nach Geschmack nur eines sein: entweder krass Cringe oder endlos episch. Dazwischen gibt es keine Graustufen.

Vom Technikwunder zum Arcade-Ballerfest

Eine persönliche Anekdote hierzu: Als der Rail-Shooter Star Fox 64 im Jahr 1997 erschien – oder Lylat Wars, wie es hierzulande hieß –, war ich nicht im Hype-Modus. Im Gegenteil. Ich kam direkt vom ursprünglichen Star Fox (alias Starwing) auf dem Super Nintendo, dieses kleine Wunder aus Polygonen, das sich anfühlte wie ein technischer Regelbruch. Dieses Spiel war für mich Magie. Irre, wie eine 300-Mark-Spielkonsole einem sündhaft teuren 386er PC auf einmal das Wasser abgrub.

Vier Jahre später kam das N64, auf dem Polygone keine Sensation mehr waren, sondern Standardausstattung. 3D-Welten wirkten auf mich selbstverständlich, und da das neue Star Fox lediglich eine Neuerzählung des Originals darstellte, ließ mich das Spiel unerwartet kalt. Auf mich wirkte es einfallslos.

Dabei war es alles andere als das. Rückblickend stellt Star Fox 64 eine präzise geschliffene Weiterentwicklung der Star-Wars-, Wing-Commander- und Independence-Day-Fantasien dar, die Nintendo in seine eigene, etwas alberne Galaxis gegossen hatte. Mehr Dogfights, dichter inszenierte Missionen, mehr verzweigte Routen – ja. Aber der große technische Staun-Effekt, den ich beim SNES-Teil noch hatte, kam nicht zurück. Selbst das beiliegende Rumble Pak fühlte sich eher wie ein nettes Extra an und nicht wie ein Gamechanger. Ich spielte es damals, zuckte mit den Schultern und legte es beiseite.

Rückblickend ist diese anfängliche Distanz fast ironisch, denn was ich damals als fehlende Faszination wahrgenommen habe, war in Wahrheit nur das Verschwinden des Staunens über technische Muskelspiele, obwohl das N64 viel mehr Muckis unter der Haube hatte. Star Fox 64 war nicht schwach, ich hatte nur keinen Blick für seine klare Struktur. Und genau diese Struktur wirkt heute, im Kontext der Switch-2-Version, fast überraschend modern: weniger als technisches Statement, sondern als präzise getaktetes Spielsystem, das seine Stärke aus Rhythmus und Choreografie zieht.

Es dauerte Jahre, bis sich dieses Bild in meinem Geist verschob. Erst in späteren Sessions, zwischen Nostalgie und spontanen Rückkehr-Momenten, wurde mir klar, wie sauber dieses Spiel eigentlich konstruiert ist. Star Fox 64 ist kein epischer Weltraumgigant, sondern eine perfekt getaktete Stunde Arcade-Gameplay. Kein Level ist zu lang, kein Flugabschnitt verschwendet Zeit, alles ist auf Wiederholung, Verbesserung und Abzweigung gebaut. Dieses Prinzip wirkt heute fast prophetisch – gerade in einer Zeit, in der Spiele auf Mobilität und kurze Sessions optimiert werden. Die Switch-2-Version trifft diesen Kern erstaunlich präzise.

Genau dieser Rhythmus ist es, an dem die Switch-2-Version ansetzt – nicht als Neuinterpretation, sondern als eine Art behutsame Verdichtung. Als hätte Nintendo das ursprüngliche Spiel genommen und all das entfernt, was zwischen den Momenten stand, ohne die Momente selbst anzutasten. Es ist kein Umbau, sondern eine Straffung der Erinnerung.

Feinschliff für Switch 2

Wie damals stürzen wir uns in das Lylat-System, in dem Dr. Andross – ein brillanter, verbannter Wissenschaftler mit Gottkomplex-artigem Ehrgeiz – eine ganze Armada aus Sternenjägern, Schlachtschiffen und Raumstationen entfesselt. Corneria brennt, General Pepper (immer noch gefährlich nah an einem Beatles-Outtake mit Militärlaufbahn) setzt seine letzte Hoffnung auf die Star-Fox-Crew. Fox McCloud führt das Team, Falco grummelt sich durch jede Mission, Peppy schwelgt in Erinnerungen an alte Zeiten mit Fox’ Papa James McCloud und Slippy ist diesmal eher der Mann für die Lösung und weniger das Problem.

Was auffällt: Die Figuren wirken heute greifbarer. Der neue, dezent realistisch angehauchte Render-Stil sorgt erst für Stirnrunzeln, dann für Akzeptanz, weil das Design einen Zweck erfüllt. Er verleiht der Geschichte mehr Substanz. Fox ist weniger selbstloser Held als Auftragnehmer mit Gewissen. Falco bleibt der ewige Querschläger im Cockpit. Peppy ist der Ruhepol mit Veteranenblick und Slippy hat endlich eine Rolle, die über Panik und Rettungsmission hinausgeht: Er ist der Techniker, der das Team überhaupt erst zusammenhält.

Das macht etwas mit der Dynamik der Heldenriege – sie wirkt weniger wie eine Cartoon-Truppe und mehr wie eine eingeschworene, leicht dysfunktionale Einheit. Nicht, dass der Pathosfaktor verringert worden wäre. Gegen einige der nun ausführlich ausgewalzten Dialoge wirkt Star Wars: Episode 2 wie ein Werk von Shakespeare. Aber die Greifbarkeit der Erzählung wurde um ein Vielfaches erhöht.

Altes Rezept – gleicher Spielspaß

Spielerisch bleibt das alles erstaunlich nah am Ursprung. 15 Level, drei Hauptrouten, theoretisch 27 Kombinationen aus Planeten, zerfallenen Raumstationen, Asteroiden und kleinen Überraschungen. Pro Anlauf sind es aber nur sieben Stationen, einschließlich des Startplaneten Corneria und der Endstation Venom, die stets gleich bleiben. Dieses System bleibt das geflissentlich austarierte Herzstück. Eine Runde dauert rund eine Stunde – nicht mehr, nicht weniger. Ein kompaktes, fast schon altmodisch ehrliches Arcade-Fenster, das sich gegen die heutige Open-World-Überfülle trotzig behauptet.

Die Switch-2-Version ergänzt das durch eine deutlich gestraffte Präsentation. Übergänge zwischen den Sektoren wurden verkürzt, die früher etwas ausgedehnteren Überblendungen beim Wechsel zwischen den vier Piloten und ihren Missionen sind nun eher flüchtige Schnitte. Das wirkt unscheinbar, verändert aber das Tempo spürbar: Star Fox kennt keinen Leerlauf mehr.

Das Fliegen und Ballern selbst wird dadurch zu einer einzigen, durchgehenden Bewegungskette. Ein Höhepunkt jagt den nächsten, ohne Atempause. Und wenn das Spiel doch einmal droht zu verharren, zwingt es sofort zur Entscheidung: alternativer Pfad, riskante Abzweigung, Zusatzaufgabe oder optionaler Kampfzweig, der den gesamten Run verschieben kann.

Selbst die reine Fortbewegung unterliegt immer wieder abwechslungsreichen Änderungen. Mal überlebt man die Hitze einer Sonne nicht, ohne stetig Energienachschub zu sammeln, mal erkundet man die Tiefen des Meeres in einem U-Boot, mal rückt man einem Zug mit einem Panzer auf den Leib.

Star Fox wird so zu einer nicht über-intensiven, aber wunderbar choreografierten Achterbahnfahrt aus Laserbeschuss und vor Pathos triefender Sternensaga. Lediglich die letzte Dogfight-Begegnung mit der Star-Wolf-Truppe auf der schwierigsten Route zieht sich noch immer spürbar und wirkt ungemein schwer – genau wie damals auf dem N64. Trotz der Tatsache, dass der Charge Shot endlich auch in den Dogfights Wirkung zeigt.

Remake? Remaster? Egal, es rockt!

Was die Switch-2-Version zusätzlich verändert, ist die Art, wie sie mit Technik umgeht. Star Fox wirkt hier nicht mehr wie ein Spiel, das auf technische Einschränkungen reagieren muss, sondern wie ein durchdesigntes Spektakel. Ob auf einer Sonnenoberfläche zwischen Plasmabögen und glühenden Wasserstoffwellen oder beim Frontalangriff auf eine Armada aus Schlachtschiffen – jeder Moment ist auf Wirkung und Lesbarkeit zugleich optimiert.

Und das alles läuft in stabilen 60 FPS, was gerade in den dichtesten Gefechten nicht wie ein technisches Detail wirkt, sondern wie die Grundlage des gesamten Gefühls. Jede Drehung, jeder Schuss, jede Ausweichrolle funktioniert ohne Reibung. Zugegeben, einige Roboterdesigns und Boss-Arenen sparen weiterhin bei der Geometrie, vermutlich um die Vorlage nicht völlig zu vergessen. Sie kompensieren das aber mit besseren Texturen, klaren Lichtstimmungen und deutlich stärkerer räumlicher Lesbarkeit.

Selbst einzelne Laserschüsse von Fox McCloud zeichnen sichtbar Licht in die Umgebung. Wunderbare HDR-Explosionen schicken euch in einen Rausch aus Feuerwerken auf Planeten, Raumstationen und Asteroidenfeldern, die allesamt mit distinktiven Farbschemen begeistern. Man weiß allein aufgrund des eindeutigen Designs immer, auf welchem Planeten man gerade ist. Und der Soundtrack? Klang nie besser! Monumental, Sci-Fi-typisch und nun von einem Orchester eingespielt. Hammer!

Zugaben, die besser sein könnten

Dennoch gehen nicht alle Neuerungen als Bereicherung durch. Die optionale Maussteuerung per Joy-Con 2 funktioniert grundsätzlich gut, leidet aber unter einer empfindlichen Umschaltlogik: Schon kleine Bewegungen vom Tisch zurück in die Hand reichen, um den Modus zu wechseln. Selbst dann, wenn man sie nur aus Platzmangel neu positionieren will. Zudem ist sie starr an die Cockpit-Perspektive gebunden, ohne sinnvolle Anpassungsoptionen. Eine Idee, die gut gemeint ist, aber zu wenig Freiheit lässt.

Auch der Multiplayer-Versus-Modus bleibt hinter seinen Möglichkeiten zurück. Multiplayer-Schlachten mit klaren Dogfight-Regeln und Power-ups à la Mario Kart? Klingt eigentlich cool. Da steckt enormes Potenzial und Wiederspielwert drin, gerade online. Doch mit nur drei Arenen verpufft diese Idee rasch. Zumal auch Features wie die Echtzeit-Avatar-Animation per Webcam, die eure Gesichtszüge und Bewegungen direkt auf die tierischen Helden überträgt, dadurch wenige Entfaltungsmöglichkeiten erhalten. Schade um die Arbeit, die sich die Leute bei Velan Studios gemacht haben.

Die drei Szenarien mit ihren spezifischen Aufgaben, darunter klassische Zielverteidigung oder Ressourcenrennen, sind zu wenig, um langfristig zu tragen. Gerade hier spürt man am stärksten, dass mehr Raum für Experimente nötig gewesen wäre – die Grundlagen sind da, sie wurden nur nicht konsequent ausgebaut.

Greift zu, wenn...

... ihr Lust auf eine hervorragend modernisierte Version eines Arcade-Klassikers habt, die mit hohem Wiederspielwert, spektakulärer Präsentation und einer perfekt getakteten Spielstruktur begeistert.

Spart es euch, wenn...

... ihr auf umfangreiche neue Inhalte, tiefgehende Multiplayer-Modi oder eine grundlegende Neuinterpretation des Star-Fox-Konzepts gehofft habt.

Fazit

Denis Lucius Brown - Portraitvon Denis Lucius Brown
Endlich zeitlos und ein Knaller für unterwegs

Star Fox auf Switch 2 ist kein Neustart, sondern eine Verdichtung. Ein Spiel, das seine eigene Vergangenheit nicht umschreibt, sondern sie glättet, beschleunigt und noch besser spielbar macht. Meine alte Distanz zum N64-Teil wirkt im Rückblick wie ein Missverständnis – nicht, weil das Spiel sich verändert hätte, sondern weil ich es damals nicht in seiner wahren Form wahrgenommen habe.

Heute dagegen funktioniert genau diese Form erstaunlich gut. Eine Stunde ballern, ein System aus Entscheidungen, Explosionen und Abzweigungen, das sich nicht größer macht als es ist, aber konsequenter denn je wirkt. Und vielleicht ist genau das der Punkt: Star Fox war abseits seiner Inszenierung nie ein großes Weltraumepos. Es war immer eine präzise getaktete Achterbahn aus Laserlicht und Explosionen. Die Switch 2 erinnert nur daran, wie gut sich diese Bahn auch heute noch fährt.

>> Switch 2 - Zubehör-Check: Kamera, Pro-Controller und Co. <<

Sie konserviert ein Spielgefühl, das Star Wars in Nintendo-Form auf seine Grundessenz reduziert – und genau deswegen einen unglaublich hohen Wiederspielwert entfaltet. Medaillen sammeln konnte man früher schon, nun kommen ein paar Herausforderungen mit Spezialaufgaben dazu, aber das ist alles nebensächlich. Es ist der schnelle Adrenalin-Rausch beim Dauerfeuer, der mich immer wieder zum Controller greifen lässt.

In der Kürze liegt die Würze: Star Fox ist ein fast schon idealer Reisebegleiter. Vier Stunden im Zug oder Flugzeug totschlagen? Kein Ding! Vier Anläufe Star Fox, und ihr merkt nicht einmal, wie die Zeit verfliegt. Es sieht super aus, glänzt mit einem epischen Orchester-Soundrack und spielt sich butterweich. Diesem Paket solltet ihr nur widerstehen, wenn ihr das Original schon im Schlaf durchspielen könnt.

Überblick

Pro

  • schöne HDR- und Lichteffekte
  • orchestraler Soundtrack
  • gute (wahlweise deutsche und englische) Synchronsprecher
  • flüssige 60 FPS in sämtlichen Spielsituationen
  • straffere Präsentation verbessert das ohnehin starke Spieltempo
  • verzweigte Routen und Herausforderungen sorgen für hohen Wiederspielwert
  • überarbeitete Charakterdarstellung macht die Geschichte greifbarer
  • Flugmanöver und Kämpfe fühlen sich präzise und angenehm an
  • spektakuläre Schauplätze und Bosskämpfe

Contra

  • Multiplayer-Modi bleiben deutlich hinter ihrem Potenzial zurück
  • Maussteuerung bietet zu wenige Anpassungsmöglichkeiten
  • automatisches Umschalten zwischen Maus- und Standardsteuerung unnötig empfindlich
  • letzte Star-Wolf-Begegnung noch immer schwerer als der Endboss
  • kaum neue spielerische Inhalte für Kenner der Originalversion

Awards

  • Games Tipp
    • NSw2
  • Technik
    • NSw2
  • Sound
    • NSw2

Könnte dichinteressieren

Kommentarezum Artikel