Test - GOALS : Test: Ein Fußballspiel, bei dem nur der Skill zählt?
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Die Fußball-WM in Nordamerika ist in vollem Gange. Die Fans freuen sich darauf, Superstars wie Kylian Mbappé, Vinícius Júnior oder Harry Kane auf dem Platz zu sehen. Doch was wäre, wenn solch große Namen gänzlich fehlen würden? Statt Wirtz und Woltemade laufen für Deutschland plötzlich Watz und Winkelmeier über den Platz. Und im Tor stehen weder Neuer noch Baumann, sondern Niemer oder Birkendamm – mit Gesichtern wie frisch aus dem Editor. Genau das ist in GOALS die Realität.
Das verantwortliche Studio aus Stockholm, das genauso heißt wie sein Spiel, verzichtet im Gegensatz zur Genre-Konkurrenz komplett auf Lizenzen. Es gibt keine realen Namen, keine echten Ligen, keine authentischen Stadien. Stattdessen werden sämtliche Spieler prozedural generiert. Beim ersten Start erstellt das System einen kompletten Kader voller Fantasienamen und -gesichter. Mit dieser Truppe bestreitet man fortan hauptsächlich Online-Matches. Turniere gegen Bot-Gegner existieren zwar, sind aber nicht mehr als ein nettes Zwischenspiel. Im Mittelpunkt von GOALS steht eindeutig der Wettkampfgedanke.
Eine Mannschaft mit Potenzial
Die Spielerkarten mit ihren kleinen Porträts und verschiedenen Werten erinnern sehr an EA Sports FC. Damit enden die Gemeinsamkeiten nicht, denn wer Karten liest, denkt vermutlich an Ultimate Team – und ja, ein vergleichbares System bildet auch das Grundgerüst von GOALS. Über mehrere Arten von Packs lässt sich das eigene Team erweitern und verbessern. Eine Währung darf erspielt werden, die andere gelangt ausschließlich über Mikrotransaktionen aufs In-Game-Konto. Die Preise der virtuellen Tütchen variieren – je teurer es wird, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, eine starke Karte zu erhalten. Ebenfalls käuflich sind Torjubel-Animationen und Trikots, teils von echten Marken.
Sämtliche Profis, egal ob seit Anbeginn im Team oder durch Packs erhalten, dürfen verbessert werden: mit Erfahrungspunkten aus gespielten Partien oder über den Abschluss zahlreicher Aufgaben, beispielsweise das Vorbereiten und Erzielen von Toren. Dabei gilt: Je höher die Gesamtbewertung ausfällt, desto mehr XP braucht es für das nächste Upgrade. Zudem wird erspielte Währung benötigt, um die Verbesserung tatsächlich vornehmen zu können.
Dabei ist jedoch Umsicht geboten, denn Spielerinnen und Spieler verfügen über ein unterschiedlich hohes Entwicklungspotenzial. So kann es sein, dass der lahme Flügel mit mageren 45 Punkten am Ende besser dasteht als ein Konkurrent, der bereits mit 75 Punkten startet. Ein weiterer Aspekt: Mit jeder Woche aktiver Spielzeit altern sämtliche Profis im Kader um ein Jahr. Ab Mitte 30 kann es passieren, dass eine Spielerin oder ein Spieler die Karriere beendet. Selbst erlebt habe ich das nicht. Es dürfte jedoch sehr ärgerlich sein, den Top-Torjäger des Clubs in Rente gehen zu sehen …
Skill und sonst nichts?
Die zusammengewürfelte (oder eingekaufte) Mannschaft schickt man in diverse Turniere, Ranglisten-Matches und schnelle Partien. Zeitlich begrenzt sind Spiele im Knockout-Modus: Mit jedem Sieg steigen die Belohnungen, wogegen der Lauf mit einer Niederlage endet. Überall zu verdienen gibt es Spielerpacks, Erfahrungspunkte und Geld.
Der eigens entwickelte Sentec-Netcode soll dafür sorgen, dass keine Lags auftreten und jedes Match absolut sauber abläuft. Grundlage dafür ist, die Eingaben der beiden Spielenden möglichst gleichzeitig zu verarbeiten. Allein das Können entscheidet in GOALS über Sieg oder Niederlage, so die markigen Worte der Entwickler. Ausreden wie "Das Spiel hat entschieden" soll es nicht geben.
Wer den Modus Ultimate Team in EA Sports FC über die Jahre gespielt hat, weiß um die wiederkehrenden Verbindungsprobleme und das teils enorm träge Verhalten der eigenen Spieler, das dem Gegner die Tür zum Tor oftmals sperrangelweit aufmacht. In diesem Zusammenhang fällt bis heute immer wieder der Begriff Skript, um auszudrücken, dass bestimmte Abläufe einer Art Muster folgen und von einem fairen Ablauf darum keine Rede sein kann.
Tatsächlich vermittelt GOALS ein anderes Spielgefühl. Die Fußballerinnen und Fußballer bewegen sich sehr direkt und ohne spürbare Verzögerungen, etwa bedingt durch überflüssige oder zu lange Animationen. Ebenso zackig werden Pässe gespielt, Sprints ausgeführt und Torschüsse abgegeben – alles ist auf Tempo und damit Arcade-Atmosphäre getrimmt. Daran muss man sich erstmal gewöhnen. Aber das gilt auch für die Gegner.
Bereits im dritten Spiel treffe ich einen, dessen Team auf dem Papier klar überlegen ist. Drei Offensivspieler mit mehr als 80 Gesamtpunkten stehen meinen Innenverteidigern mit läppischen 60er-Werten gegenüber. Doch vom vermeintlichen Klassenunterschied ist nichts zu sehen. Klare Aktionen in der Defensive und effektive Dribblings in der Offensive sorgen dafür, dass ich bereits zur Halbzeit mit fünf Toren Vorsprung führe – obwohl auch die Verteidiger bessere Werte mitbringen als meine Angreifer. Beim Stand von 4:9 gibt mein Gegenüber auf. Allerdings wird die Freude über den Sieg vom Gefühl überschattet, beim Matchmaking einfach Glück gehabt zu haben.
Erfolg kann man kaufen
Kurz darauf spiele ich gegen jemanden, der eine noch bessere Mannschaft hat – und sie richtig einzusetzen weiß. Ich bin absolut chancenlos, weil auch bei GOALS die individuellen Werte der Kicker von großer Bedeutung sind. Auch danach bekomme ich immer wieder Gegner vorgesetzt, die meine Gurkentruppe mühelos in die Tasche stecken. Obwohl alle Partien in der gleichen (niedrigen) Division stattfinden, kann von fairen Bedingungen keine Rede sein.
Grund dafür ist der Pay-to-win-Charakter des Spiels. Wer massig Packs im Store kauft, bekommt entweder direkt erstklassige Akteure oder holt sie sich über das Tausch-System. Dabei wird eine gewisse Anzahl von Karten abgegeben, um im Gegenzug etwas bessere zu bekommen, ähnlich den Squad Building Challenges in EA Sports FC. So kann man Personal mit 85-plus-Gesamtbewertungen erhalten, ohne ein einziges Mal den virtuellen Rasen betreten zu haben.
Um auf spielerischem Weg an derartige Top-Leute zu gelangen, muss man unzählige Matches bestreiten, jede Herausforderung abschließen und sehr viel Frust runterschlucken, der nach krachenden Niederlagen gegen Kreditkarten-finanzierte Teams aufkommt. Der Zeitaufwand ist hoch, egal ob man auf Packs abzielt oder bereits vorhandene Karten aufleveln will.
Taktik? Rennen und dribbeln!
Damit man einen solchen Grind auf sich nimmt, sollte das eigentliche Spiel sehr gut funktionieren und motivieren. Aber leider ist das nicht der Fall. Es braucht intensive manuelle Eingaben, ansonsten läuft bei GOALS wenig zusammen. Die Positionierung meiner wenig begabten Akteure ist mies, und zwar vorne wie hinten. Ohne aktives Zustellen, auf Knopfdruck ausgelöste Läufe oder Signale, dem Passgeber entgegenzukommen, bleibt das Geschehen auf dem Grün extrem statisch. Taktische Einstellungsmöglichkeiten beschränken sich auf gewöhnliche Aufstellungen und minimale Anweisungen für die Profis – darüber kommt kein Schwung rein.
Diese Umstände führen dazu, dass die Partien sehr gleichförmig ablaufen. Die unfassbar träge Abwehr ist mit dribbelstarken und schnellen Profis völlig überfordert. Also werden Verteidiger im Eins-gegen-eins vernascht oder einfach überlaufen. Pässe versprechen kaum Erfolg, weil der Ball oftmals nicht beim angedachten Mitspieler landet, sondern auf dem Weg dorthin verhungert oder in die falsche Richtung geht. Obwohl 11 Spielerinnen und Spieler in den eigenen Reihen stehen, bringen Alleingänge ab der Mittellinie wesentlich mehr als tatsächliches Fußballspielen.
Grafik und Präsentation offenbaren ebenfalls Schwächen. Passend zur Arcade-Ausrichtung kommt alles in einem Comic-Look daher, der sich ganz klar dem Spielablauf unterordnet. Damit sämtliche Controllereingaben ohne Verzögerung umgesetzt werden, wirken Animationen oft hastig oder werden abgebrochen, sobald ein neues Kommando erfolgt. Das ist nicht schön anzusehen, sondern lässt GOALS über weite Strecken hölzern erscheinen. Zusammen mit dem Fehlen authentischer Namen und Gesichter kommt wenig Fußball-Atmosphäre auf.
Greift zu, wenn...… du ein schnelles Online-Fußballspiel suchst und auf Lizenzen verzichten kannst.
Spart es euch, wenn...… du authentische Fußball-Atmosphäre haben willst und von Pay-to-win-Elementen genervt bist.


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