News - Tencent : Tech-Riese plant Verkauf von Anteilen an japanischen Studios
Der chinesische Branchenriese Tencent bereitet offenbar eine spürbare Kehrtwende bei seiner globalen Investment-Strategie vor. Wie ein aktueller Bericht der Wirtschaftsunion Bloomberg offenlegt, befindet sich das Unternehmen in aktiven Gesprächen, um seine Minderheitsanteile an mehreren japanischen Entwicklerstudios abzustoßen. Bemerkenswert ist dabei die kompromisslose Haltung des Konzerns: Um die Beteiligungen sauber rückabzuwickeln, ist Tencent laut internen Quellen explizit dazu bereit, die Wertpapiere unter dem damaligen Einkaufswert an die ursprünglichen Gründer- und Management-Teams zurückzuverkaufen und somit finanzielle Verluste in Kauf zu nehmen.
Hintergrund der Verkäufe ist eine grundlegende Neubewertung des riesigen Portfolios, das Tencent insbesondere während einer aggressiven Investitionswelle um das Jahr 2020 herum aufgebaut hat. Ein prominentes Beispiel auf der potenziellen Streichliste ist das in Tokio ansässige Studio Marvelous, welches für Marken wie Story of Seasons oder Rune Factory bekannt ist und an dem Tencent eine 20-prozentige Beteiligung hält.
Die damaligen Einstiege dienten primär als Absicherung gegen die harten regulatorischen Einschränkungen auf dem chinesischen Heimatmarkt. Da viele dieser kleineren Beteiligungen jedoch nicht die erhofften Synergien oder gemeinsamen Spieleproduktionen hervorgebracht haben, zieht die Konzernleitung nun die Reißleine. Tencent möchte sich künftig von der reinen Rolle des passiven Geldgebers verabschieden und stattdessen nur noch dort investiert bleiben, wo eine aktive, direkte Co-Produktion von Videospielen stattfindet.
Zudem reagiert der Tech-Gigant mit diesem Schritt auf den veränderten globalen Markt. Während die Gaming-Industrie weltweit mit einer wirtschaftlichen Abkühlung kämpft, fordert der hocheffiziente KI-Sektor massive finanzielle Ressourcen. Konkurrenten wie Alibaba oder ByteDance investieren aggressiv in künstliche Intelligenz, weshalb Tencent Kapital freimachen muss, um in diesem zukunftsträchtigen Bereich nicht den Anschluss zu verlieren. Der Fokus im Gaming-Bereich soll sich zudem verstärkt auf nutzergenerierte Plattformen verschieben.
Der Rückzug betrifft jedoch keineswegs alle Partnerschaften in Fernost. Hochkarätige und kommerziell extrem erfolgreiche Flaggschiff-Beteiligungen sind laut dem Bericht ausdrücklich vom Tisch und stehen nicht zum Verkauf. Dazu gehören unter anderem die Anteile am Elden Ring-Entwickler FromSoftware (sowie dessen Mutterkonzern Kadokawa) und an PlatinumGames.
In einer offiziellen Stellungnahme gegenüber Bloomberg betonte ein Sprecher von Tencent, dass Videospiele auch weiterhin der absolute Kern des eigenen Geschäftsbleiben. Man sei langfristig vollends bestrebt, die Zusammenarbeit mit den verbleibenden Partnern zu vertiefen und eine starke Präsenz auf dem japanischen Markt aufrechterhalten.

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