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Test - Indiana Jones und der Große Kreis : Switch 2 Test: Unglaublich, aber es läuft gut

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Die Ankündigung sorgte ein wenig für Stirnrunzeln: Echt jetzt, Switch 2 bekommt ein technisch anspruchsvolles Abenteuer wie Indiana Jones und der Große Kreis? Welche Hexerei muss da zu Werke sein? Hört ihr schon die Beschwörungsformel? Kali maaaa, Kali maaaa … Shakti deeee! Hat wohl funktioniert, denn das Spiel läuft. Zwar mit Abstrichen, aber zumindest muss sich kein Käufer aus Scham das Herz rausreißen lassen.

Schon kurios: Wo Xbox Series X und High-End-PCs mit 60 FPS und beinahe luxuriöser Bildruhe glänzen, stemmt Nintendos Hybrid-Handheld eine sichtbar abgespeckte, aber überraschend intakte Fassung. Texturen wirken weicher, Schatten simpler, die Bildschärfe schwankt immer wieder. Und doch bleibt ein Großteil der Atmosphäre erhalten. Selbst Raytracing-basierte Global Illumination hat es auf die kleine Konsole geschafft – reduziert, aber präsent wie das letzte Flackern einer Fackel tief im Tempelinneren. Gerade Innenräume profitieren enorm davon.

Und Atmosphäre besitzt The Great Circle reichlich. MachineGames versteht erfreulich gut, dass Indiana Jones nie der geschniegelt-coole Superheld war, der mit zwei Sturmgewehren durchs Bild marschiert. Indy stolpert eher durch seine Abenteuer. Er prügelt sich wie jemand, der eigentlich längst Rückenprobleme haben müsste, zieht Gegner mit der Peitsche über Tische, wirft panisch Flaschen umher und löst zwischendurch uralte Rätsel, während irgendwo wieder Nazis an mystischen Artefakten herumfummeln.

Genau dieses leicht chaotische Abenteuergefühl trifft das Spiel erstaunlich präzise. Oft fühlt sich der große Kreis weniger wie ein moderner AAA-Blockbuster an, sondern eher wie eine verloren geglaubte Mischung aus LucasArts-Adventure und interaktivem Spielberg-Film. Wenn ihr mehr über diese gelungene Mischung lesen wollt, legen wir euch gerne unseren Indiana Jones PC-Test ans Herz.

Der Mann der großen Abenteuer

Indy mag tollpatschig sein, aber die Geschichten, die er erlebt, atmen dieselbe Luft wie die großen Matinee-Zelluloid-Schinken der 1920er Jahre. Wortwitz, Verschlagenheit, Galgenhumor und ruhelose Abenteuerlust definieren die von Harrison Ford geprägte Figur so sehr, dass jede Abweichung wie eine Karikatur wirken würde. Gar nicht leicht, so etwas in ein Spiel zu bekommen. MachineGames musste große Geschütze auffahren.

Umso verrückter wirkt es, dass dieses Technikmonster überhaupt auf der Switch 2 existiert. Schließlich gehören Soundtrack, große Kulissen und die zugehörige Beleuchtung zu den größten Stars des Spiels. Auf PC zaubern Raytracing und dynamische Lichtquellen eine fast schon bizarr stimmungsvolle Kulisse auf den Bildschirm.

Tempelräume glimmen im Schein flackernder Fackeln, Sonnenlicht bricht durch uralte Gemäuer von Pyramiden, Staubpartikel schweben durch diffuse Lichtkegel. Man muss schon Cojones haben, wenn man die Sixtinische Kapelle im Vatikan als Schauplatz für ein Abenteuer wählt, bei dem der Titelheld fast so gerne die Fäuste schwingt wie einst Bud Spencer und Terrence Hill.

Hohe Ambitionen

Die Switch-2-Version erreicht das vom PC und den modernen Konsolen etablierte Niveau natürlich nicht. Teilweise erinnert die Bildqualität eher an eine hervorragend restaurierte DVD statt an eine makellose 4K-Blu-ray. Wenn Katzen auf den Dächern der Vatikanstadt aufgrund filziger Felle aussehen wie billig produzierte Stofftiere, wird der Verlust an Pferdestärken besonders sichtbar.

Aber der entscheidende Punkt lautet: Die Stimmung bleibt erhalten. Das sieht am Fernseher angesichts der Möglichkeiten echt gut aus, aber gerade im Handheld-Modus beeindruckt der Grad der Optimierung gehörig. Verdammte Axt, das Ding läuft inklusive Bildschirm auf weniger als zehn Watt. Irre!

Während das Steam Deck im Vergleich nicht nur um Bildraten, sondern quasi um jede einzelne Textur kämpft, läuft der große Kreis auf Switch 2 dank DLSS überraschend sauber. Nicht perfekt, aber kontrolliert. Vor allem die Frame-Pacing-Probleme vieler PC-Konfigurationen treten hier deutlich seltener auf. Das Ergebnis wirkt konsistenter, also „konsoliger“ im besten Sinne.

Natürlich bezahlt ihr dafür einen Preis. Große Außenareale verlieren sichtbar an Details, Vegetation wirkt ein wenig ausgedünnt, manche Texturen sehen aus, als hätten sie kurze Bekanntschaft mit einem Nintendo-64-Filter gemacht. Die Reduzierung auf 30 FPS bleibt allerdings der größte Wermutstropfen. Gerade schnelle Kameraschwenks oder hektische Prügeleien profitieren auf Xbox und PC enorm von der höheren Bildrate. Dort entfaltet das Abenteuer erst jene butterweiche Dynamik, die moderne Hardware inzwischen fast selbstverständlich liefert.

Schwarze Magie

Die Switch-2-Version ist dagegen ein permanenter Balanceakt zwischen technischer Zaubershow und sichtbarem Kompromiss. Auf Standbildern täuscht das Know-how der Entwickler über vieles hinweg, in Bewegung verfliegt dagegen viel vom Zauber. Schon im ersten Kapitel, in dem Indy träumend auf das Intro von Jäger des verlorenen Schatzes zurückblickt, kann sich der kleine Grafikchip kaum entscheiden, welches Detail er einsparen soll.

Schatten und LoD-Modelle von Pflanzen spielen Reise nach Jerusalem im Video-RAM. Der Anblick ist faszinierend. Man bewundert die Ambitionen, zollt Respekt vor dem Ergebnis und lächelt dabei trotzdem leicht gönnerhaft. Ja … schon schön … irgendwie. Indiana Jones und der große Kr…ampf.

Innenräume von Häusern, Höhlen und Gräbern wirken zum Glück um einiges stabiler. Trotzdem: Dieser Port versucht gar nicht erst, euch einzureden, dass Nintendo plötzlich High-End-PCs ersetzt. Stattdessen rettet er souverän genau das, worauf es ankommt: Atmosphäre, Abenteuergefühl und diese herrlich tiefstapelnde Schatzjäger-Romantik.

Alle sieben Kapitel und der Story-DLC schafften es auf ein kleines Modul von 64 GB. Kaum auszudenken, was da an Texturqualität eingebüßt und an Kompression ausgereizt wurde. Dennoch: Das Spiel ist komplett – inklusive 5.1-Surround-Sound, allen Musikstücken und allen Gesprächen.

Ihr kennt Indiana Jones und der Große Kreis noch nicht? Na, dann wird es aber Zeit. Hier auf Gameswelt und bei vielen Action-Adventure-Fans wurde es Ende 2024 als Spiel des Jahres gehandelt. Inhaltlich allemal besser als der vierte und der fünfte Kinofilm kombiniert. Spätestens jetzt solltet ihr einen Blick darauf werfen, nun, da es wirklich überall gespielt werden kann.

Wer die Wahl hat, sollte trotzdem zu stärkerer Hardware greifen. Schon allein 60 FPS machen auf Xbox Series X, PS5 oder PC einen gewaltigen Unterschied. Aber dass Switch-2-Besitzer dieses Abenteuer überhaupt in einer derart beeindruckenden Form erleben können, fühlt sich fast wie ein kleines technisches Wunder an. Oder eben wie sehr effektive schwarze Magie.

Fliegen: ja. Landen: nein

Apropos schwarz: So ganz bugfrei ist der große Kreis auf Switch 2 leider noch nicht. Kurz bevor man den Vatikanstaat betritt – genaugenommen zwei Räume davor – verdunkelt sich die Grafikdarstellung ohne ersichtlichen Grund. Sichtbar bleiben nur die Zielmarkierungen. Wir mussten uns blind an ein paar italienischen Faschisten vorbeiprügeln und unbeholfen zu einer Tür tapsen, die per Schlüssel zu entriegeln war. Schon spannend, so ganz ohne Orientierung. Hoffentlich wird das noch gefixt.

Bei anderen Gelegenheiten verschwanden hin und wieder Schlagstöcke und andere Nahkampf-Objekte. Halb so wild, aber auch das darf gerne per Patch ausgebügelt werden. In allen anderen Belangen blieb das Abenteuer sehr gut spielbar. Jedes kleine Rätsel, jeder Faustkampf, jeder Versuch, an den italienischen Faschisten und den Nazis vorbei zu schleichen, gelang genauso gut wie auf jeder anderen Hardware.

Manchmal ziehen die Entwickler ein paar Tricks aus dem Hut, um das zu garantieren. Siehe etwa die Flugsequenz bei der Flucht aus Shanghai. Um die für Switch 2 leicht verkürzte Sichtweite zu kaschieren, lassen sie mehr dichten Rauch von brennenden Häusern aufsteigen. Das trägt sogar zusätzlich zur Atmosphäre bei.

Greift zu, wenn...

… wenn ihr Indiana Jones unterwegs erleben wollt und euch technische Abstriche nicht stören.

Spart es euch, wenn...

… wenn ihr die beste Grafik, stabile 60 FPS und maximale technische Qualität wollt - greift in dem Fall lieber zur Fassung für PC, PS5 oder Xbox.

Fazit

Denis Lucius Brown - Portraitvon Denis Lucius Brown
Ein unmöglicher Port, fast vollends gelungen

Indiana Jones und der Große Kreis bleibt auch auf Switch 2 ein herausragendes Action-Adventure, das die Stärken von MachineGames erstaunlich gut konserviert. Trotz deutlicher grafischer Einschnitte, reduzierter Schärfe und einer Halbierung der Bildrate auf angepeilte 30 FPS (mit einigen sichtbaren Einbrüchen) gelingt es der Umsetzung, die Atmosphäre, das Pacing und den Geist des Abenteuers fast vollständig zu bewahren. Gerade im Handheld-Modus zeigt sich, wie viel Optimierung in dieser Version steckt – DLSS, stabile Frametimes und überraschend robuste Beleuchtung machen das Erlebnis spielbarer, als man erwarten würde.

>> Best of Mann mit Hut: Die 10 besten Indiana-Jones-Spiele <<

Dennoch gilt: Wer die Wahl hat, sollte klar zur PS5-, Xbox- oder PC-Version greifen, da dort die technische Vision in voller Pracht und mit flüssigen 60 FPS sichtbar wird. Diese Switch-2-Fassung ist mitnichten die beste Version, aber durchaus eine brauchbare. Und sie ist ein Beweis dafür, welches Potenzial in der Hardware steckt, wenn Entwickler bereit sind, sich bei der Optimierung tief in die Materie zu knien. Denn dann gibt es sogar Raytracing auf Switch 2.

Überblick

Pro

  • Großartige Indiana-Jones-Atmosphäre und Abenteuergefühl
  • Überraschend viel Lichtstimmung trotz technischer Kürzungen
  • Vertretbare Performance am TV und im Handheld-Betrieb
  • DLSS sorgt für ein sauber hochskaliertes Bild (maximal 1080p)
  • Komplettes Spiel inklusive DLC auf dem Modul

Contra

  • Deutlich reduzierte Bildqualität gegenüber High-End-Versionen
  • Nur 30 FPS (mit Einbrüchen)
  • Sichtbare LOD-, Schatten- und Texturkompromisse
  • Einzelne Bugs und Glitches
  • Schwankende Bildschärfe im Handheld-Modus

Awards

  • Games Tipp
    • NSw2
  • Technik
    • NSw2

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