Test - Zotac Geforce GTX 1660 Ti : Turing ohne RT und DLSS

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Die Ankündigung der GeForce GTX 1660 und 1660 Ti war eine kleine Überraschung. Setzte Nvidia bei der neuen Turing-Generation der Grafikkarten dick und breit auf die neuen Features Raytracing und DLSS, kommen nun doch noch abgespeckte Karten ohne das neumodische Gedöns und zu moderaten Preisen. An sich kein dummer Schritt, denn kaum ein Spiel unterstützt die neuen Funktionen und nicht jeder will gleich derart tief ins Sparschwein greifen, wie es für die RTX-Karten nötig wäre. Wir haben uns mal angeschaut, was der Turing-Zwerg auf dem Kasten hat.

Um den Preis von derzeit rund 289 Euro zu halten, hat Zotac bei seinem Modell der GeForce GTX 1660 Ti auf nahezu alle Schnörkel verzichtet, dafür aber eine kompakte Karte zusammengebaut. Mit 173.4 x 111.15 x 35.3 mm passt der Kraftzwerg mit seinen zwei Lüftern in so ziemlich jedes Gehäuse und wird damit auch für ein Upgrade älterer Rechner interessant. Zumal aufgrund des geringen Stromverbrauchs von 120W TDP über den 8-Pin-Anschluss auch nicht gleich ein neues Netzteil fällig wird.

Auf aktuelle Anschlüsse müsst ihr trotz der geringen Abmessungen nicht verzichten, wie bei GeForce-Karten üblich, warten drei DisplayPorts und ein HDMI-Port mit aktuellem Versionsstand darauf, an ein Display angeschlossen zu werden. Wer überlegt, zwei der Karten in seinen Rechner zu basteln, kann sich das gleich wieder abschminken, denn SLI wird nicht unterstützt.

Das Innenleben setzt auf eine weitere Turing-GPU, gefertigt im 12-nm-Verfahren wie die RTX-Chips und mit dem klangvollen Namen TU116 bedacht. Die sitzt übrigens auch im kleinen Bruder GTX 1660, dort allerdings in Begleitung von weniger Shadern. Deren sind es 1.536 in der GTX 1660 Ti. Die Taktung des Zotac-Modells unterscheidet sich nicht von den Referenzangaben mit 1.500 MHz (1.770 MHz Boost). Ebenfalls dabei sind 6 GB GDDR6-Speicher mit einem 192-Bit-Interface, der bei 12 Gbps etwas langsamer werkelt als auf den RTX-Modellen.

Den Hauptunterschied zu den RTX-Karten bildet der Verzicht auf Tensor Cores und RT-Einheiten. Auf Raytracing und DLSS wird bei der GTX 1660 Ti verzichtet. Das Ergebnis: Eine sparsame, ausgedünnte Karte mit niedrigem Stromverbrauch, die aber von der neuen Turing-Architektur und dem gegenüber GDDR5 schnelleren Speicher profitiert.

Entsprechend kann sich die Spieleleistung sehen lassen: Titel mit 1.920 x 1.080 Pixeln Auflösung stellen für die Karte überhaupt kein Problem dar. Die magische Grenze von 60 fps wird bei allen Titeln selbst bei maximalen Einstellungen erreicht, nur selten sind kleinere Nachjustierungen notwendig – und das auch nur bei extremen Ressourcenfressern. Auch bei 2.560 x 1.440 macht die Karte noch eine gute Figur und stemmt die meisten Titel mit Bildraten um die 50 fps. Wer auf mittlere bis hohe Grafikeinstellungen zurückschraubt, kann mit einer GTX 1660 Ti starke Bildwiederholraten genießen.

Bei 3.840 x 2.160 (UHD/4K) fällt dann der Vorhang. Darauf ist die Karte aber auch nicht ausgelegt. Im direkten Vergleich ordnet sich die GTX 1660 Ti in etwa auf dem Leistungsniveau der alten GTX 1070 ein und wird diese wohl auf lange Sicht ablösen. Das passt auch preislich, zumindest auf Zotac bezogen, denn die GTX 1660 Ti und die GTX 1070 Mini liegen beide bei 289 Euro.

Zu welcher der beiden Varianten man greifen sollte, solange die GTX 1070 noch verfügbar ist, ist schwer zu sagen. Zwar profitiert die GTX 1660 Ti von der verbesserten Architektur und dem schnelleren Speicher, die GTX 1070 kann allerdings mit 2 GB VRAM mehr punkten, was bei aufwendigen Titeln nicht uninteressant ist. Falsch machen kann man aber mit beiden Karten nichts, wenn man eine potente Grafikkarte für Full-HD-Auflösungen oder für stabiles QHD sucht.

Greift zu, wenn...

… ihr eine kräftige Karte für Full-HD- und (mit Einschränkungen) auch QHD-Auflösungen sucht, die vor allem als preiswertes PC-Upgrade zu empfehlen ist.

Spart es euch, wenn...

… ihr bei einer neuen Grafikkarte nicht auf Raytracing und DLSS verzichten wollt.

Fazit

Andreas Philipp - Portraitvon Andreas Philipp
Preiswerter Kraftzwerg für PC-Upgrades

Die GeForce GTX 1660 Ti ist vermutlich nicht die erste Wahl, wenn man sich einen neuen Gaming-PC zusammenstellt, denn wer möchte bei einem neuen Computer schon auf aktuelle Features verzichten? Interessant wird sie vor allem dann, wenn ihr einem älteren Rechner Beine machen wollt. Das kompakte Zotac-Modell passt in jedes Gehäuse und nuckelt bemerkenswert wenig Strom aus eurem Netzteil, stemmt aber dennoch gute bis sehr gute Framerates in den Auflösungen Full HD und QHD. Hinsichtlich ihrer Leistung liegt sie in etwa auf dem Niveau der alten GTX 1070, zwar mit etwas weniger, aber dafür schnellerem Speicher und verbesserter Architektur.

Auf kurz oder lang wird die neuere Turing-Karte ihren älteren Bruder wohl ersetzen. Wer warten kann, sollte das tun, denn es ist durchaus nicht unmöglich, dass der Preis in den kommenden Wochen noch weiter sackt. Womit die Karte nochmals um einiges interessanter wird, sofern ihr auf neumodischen Kram wie Raytracing und DLSS verzichten könnt und wollt.

Überblick

Pro

  • sehr leise
  • gute bis sehr gute Spieleleistung unter Full HD und QHD
  • sehr kompakt
  • geringer Stromverbrauch

Contra

  • kein Idle-Betrieb

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