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Test - Sonic Racing: Crossworlds : Test: Besser als Mario Kart World?

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Wenn es irgendein Maskottchen schafft, den unbestrittenen Allzweck-Klempner aus dem Kart-Sattel zu stoßen, dann wohl Sonic. Abseits der längst beigelegten Grundsatz-Rivalität zwischen blauer Stachelkugel und rotem Schnauzbartträger hat sich der Igel in den letzten Jahrzehnten immer wieder im Fun-Racer-Segment gegen Nintendos Genre-Platzhirsch behauptet. Doch kann er den langjährigen Konkurrenten mit Sonic Racing: CrossWorlds endlich in den Rückspiegel verbannen?

Sonic steht wieder für Qualität. Nach Jahren voller Höhen und Tiefen hat Sega in den letzten Jahren ein erstaunlich konstantes Niveau erreicht. Meistens jedenfalls.

Im Fun-Racer-Genre gilt diese Annahme noch nicht automatisch. Team Sonic Racing aus dem Jahr 2019 war ein solides Spiel, keine Frage, aber im Vergleich zu Sonic & All-Stars Racing Transformed wirkte es wie ein Downgrade – weniger kreativ, weniger kühn und insgesamt etwas biederer als nötig. Die Fangemeinde reagierte entsprechend verhalten, während Mario Kart 8 Deluxe als ultimativer Heilsbringer thronte.

Heute sieht die Welt anders aus. Mario Kart World mag den perfekten Start hingelegt haben, doch auf den zweiten Blick zeigen Online-Rennen Anfälligkeiten: Viel zu oft zwingt Nintendo Mehrspielerpartien auf lange, öde Geraden der Open World-Verbindungsstrecken. Fans stinkt das so sehr, dass sie inzwischen eigene Discord-Server-Communitys bilden, in denen sie geschlossene Partien starten, damit sie die Streckenauswahl selbst bestimmen können.

Dass Nintendo just einen Tag vor CrossWorlds’ Release einen Patch ausrollte, der viele Kritikpunkte adressiert, wirkt fast wie ein stilles Eingeständnis: Big N spürt die aufkommende Konkurrenz - zu Recht.

Fast alles, was sich Fun-Racer-Fans wünschen

Sonic Racing: CrossWorlds spielt genau an den Stellen seine Muskeln aus, an denen der Klempner zuletzt schwächelte. Open World? Fehlanzeige. Lange, öde, viel zu breite Straßen? Adieu! Stattdessen: ein engmaschiges Kurven-Inferno in grellen Bonbonfarben, das die Reflexe ebenso fordert wie die Geduld. Modifizierbare Mini-Flitzer? Check. Fahrzeugteile, die das Fahrverhalten beeinflussen? Jawoll. Die Entwickler haben hier ein Spiel gebaut, das in gleichen Teilen auf Geschwindigkeit, Präzision und Chaos setzt.

Klar, vieles wirkt verdächtig nach Mario Kart 8. Aufsammelbare Extrawaffen, etwas greller und überzogener inszeniert, tun im Kern genau dasselbe wie die Items des Klempners. Die berühmten Ringe des Flitzeigels ersetzen Marios Münzen. Tomato - Tomato, gehüpft wie gesprungen. Nur das Maß ist ein anderes.

Anstelle von zehn für maximale Motorleistung liegt die Obergrenze bei 100 güldenen Reifen. Manche Strecken fühlen sich zudem seltsam vertraut an. Rainbow Garden? Kaum zu überhören, wie sehr Rainbow Road hier Pate gestanden hat. Gravitation, Layouts, physikalische Logik – alles leicht „kreativ“ gebogen, aber irgendwie charismatisch chaotisch? Huiui, da hat Sega wohl den N-Tresor mit der Zauberformel geknackt.

Ob Hommage oder vorsichtiges Plagiat – was Sega hier erschaffen hat, fährt sich verdammt gut. Driften ist eine echte Kunstform: eng angelegt, fordernd und belohnend. Aber nur, wenn man vorausschauend fährt, denn viele Kurven sind kaum breit genug, um dem Wendekreis der Fahrzeuge genug Platz zu lassen. Wer die Wand küsst, verliert nicht nur Geschwindigkeit, sondern auch Ringe – und damit ein Stück des eigenen Stolzes. Wenn dann auch noch ein vor dem Rennen erkorener Hauptrivale am Heck klebt und mit zielsuchenden Extrawaffen droht, tropft Schweiß vom Controller.

Die neue Dimension

Was CrossWorlds wirklich aus dem Fun-Racer-Alltag heraushebt, sind kleine, feine Kniffe, die das Renngeschehen zu einem Erlebnis machen. Sega kehrt hier nicht nur zu bewährten Mechaniken zurück, sondern verschärft das Chaos auf charmant-abgedrehte Weise.

Erstens: die Transformed-Regelung. Wie schon in Sonic & All-Stars Racing Transformed verwandeln sich eure Fahrzeuge an bestimmten Stellen temporär in Boote oder Flugzeuge. Ein simpler Sprung über eine Klippe kann euch also plötzlich durch die Lüfte katapultieren oder auf einem wilden Wasserlauf zum Gegner jagen. Rennen wirken dadurch weniger linear, die Geschwindigkeiten steigen ins Absurde, und der Spielfluss bleibt stets überraschend dynamisch.

Zweitens: das namensgebende CrossWorlds-Thema bringt eine geradezu epische Dimension ins Spiel. In der zweiten von drei Runden eines Rennens landet das gesamte Fahrerfeld in einem Dimensionsportal, das auf eine ganz andere Strecke führt. Die Entscheidung, welches Portal ihr nehmt, ist nicht zufällig: Wer in der ersten Runde als Erster die Ziellinie überquert, bestimmt nach bester Out-Run-Tradition, ob das Feld links oder rechts abbiegt – und somit, wohin sich die zweite Runde entfaltet.

In der dritten Runde kehrt das Rennen schließlich auf den ursprünglichen Kurs zurück. Dieses Spiel mit Dimensionen und Linienwahl verleiht dem Rennen eine narrative Komponente, die man einem Fun-Racer selten zutraut: Ihr seid an mehr beteiligt als bloß einem Test der Reflexe. Es geht um einen Wettbewerb in Anpassungsfähigkeit, bei dem Position, Timing und strategische Voraussicht über Sieg oder Niederlage entscheiden.

Die Kombination aus Transformed-Segmenten und CrossWorlds-Portalen sorgt dafür, dass Langeweile keine Chance hat. Was auf den ersten Blick wie simpler Fun-Racer erscheint, entpuppt sich als präzise choreografiertes Spektakel. Jede Runde wird zu einem kleinen Abenteuer, bei dem selbst erfahrene Spieler nie vollständig die Kontrolle über das Rennen erlangen.

Das ist genial, denn nüchtern betrachtet geht es nur um ein Gimmick, das stark an Ratchet & Clanks jüngste Episode erinnert. Als Garant für Abwechslung funktioniert es dennoch hervorragend: Zwei Rennen gleichen sich selten, jede Runde fühlt sich frisch an, überraschend, chaotisch – genau das, was man von einem Fun-Racer erwartet.

Die Kehrseite

Bei aller Euphorie bleibt allerdings ein kleines Ärgernis: Im Rahmen eines Grand Prix besteht der letzte von vier Kursen stets aus einer Art Remix der drei zuvor gefahrenen Strecken, verbunden über die Dimensionsportale. Das wirkt wie eine billige Streckung des Materials, zumal in diesem letzten Kurs die Chance auf Sonderziele wie das Sammeln der fünf Sternringe entfällt, die strategisch auf besonders kniffligen Stellen verteilt sind. Eine wenig raffinierte Maßnahme, die sich Sega hätte sparen sollen, zumal sie den Kniff der wählbaren Portale in opportunistischer Selbstgefälligkeit unter den Teppich kehrt.

Der letzte Kurs einer Liga wirkt immer wie die obligatorische Clip-Show-Episode einer 90er Jahre TV-Serie.

Solche kleinen Makel fallen zwar auf, sind aber vernachlässigbar, denn die eigentlichen Schwächen von Sonic Racing: CrossWorlds liegen woanders.

Angefangen beim Fortschrittssystem: Die erste Handvoll Ligen dürft ihr nach Gutdünken angehen. Alle weiteren müsst ihr freispielen. Dazu müsst ihr einen direkt vor dem Rennen auserkorenen Hauptrivalen schlagen und erster werden. Top drei genügt nicht. Man kann’s auch übertreiben!

Aber weiter im Text: Fahrzeugteile kauft man mithilfe sogenannter Donpa-Tickets, die man durch gute Platzierungen und Sonderziel-Erfolge in den Rennen ansammelt. Klingt fair, doch die Ausbeute ist derart knapp bemessen, dass ein hoher Grindfaktor entsteht. Wer seine Lieblingsfahrzeuge optimieren möchte, muss eine fast schon unverschämte Anzahl an Rennen absolvieren – eine wahre Geduldsprobe.

Am schlimmsten ist jedoch die Überreizung, die Sega hier zelebriert. Beim Versuch, Nintendos typisch biederer Familienfreundlichkeit Paroli zu bieten, schossen die Entwickler weit über das Maß an erträglicher Reizüberflutung hinaus. Sämtliche Kurse mögen knallbunt, detailverliebt, ja fast schon überladen sein; bei Hindernissen und Extrawaffen fällt die Designsprache dadurch aber häufig ins Unklare. Manchmal weiß man schlicht nicht, was einen trifft, woran man vorbeikommt oder welche Funktion ein Item erfüllt – ein Ärgernis, das weniger spielerische Schwierigkeit als kognitive Überforderung erzeugt.

Die Musik trägt ihr Übriges dazu bei. Keineswegs schlecht komponiert, aber in höchstem Maße anstrengend wegen permanent hoher Schlagzahl, schriller Instrumentalisierungen und übertrieben hoher Beats pro Minute. Alle Musikstücke setzen nach einigen Stunden zwangsweise mächtig unter Strom. Nach ein paar Spielstunden kommt man sich vor wie ein sechsjähriges Schulkind, dessen Mutter versehentlich einen Liter Espresso in die Thermoskanne gekippt hat.

Man darf zwar im Optionsmenü eigene Stücke aus einer per Ticket ausbaubaren Jukebox auswählen, doch die Bandbreite reicht von Hardcore-Baby-Metal bis hin zu hyperaktiven Eurobeat-Tracks im 90er-Blümchenstil – die Wahl zwischen Pest und Cholera. Zusammen mit den teils penetranten Sprüchen der Fahrer entsteht eine auditive Überreizung, die Spieler schnell dazu verleitet, Lautstärke von Musik und Sprache drastisch zu reduzieren.

Was hier offensichtlich wird, ist das Fehlen eines feinen Gespürs für musikalische Dynamik. Die Strecken glänzen durch Abwechslung, doch Komponist und Arrangeur folgen dem Design dieser Strecken so gut wie nie mit einer musikalischen Sprache. Die Stücke sind quasi austauschbar und überfordern das Gehör mit einer Dauerbeschallung, die mehr irritiert als motiviert. Und als ob es noch nicht schlimm genug wäre, legen sie in der dritten Runde stets noch ein paar Briketts drauf – mit schrillen unverständlichen Chorzeilen oder alarmartigen Riffs. Uff! Man hat das Gefühl, Sega wolle jedes Musikstück durch euren Gehörgang prügeln.

Greift zu, wenn...

… ihr auf schrille, chaotische Fun-Racer steht, die euch in jeder Runde überraschen und Adrenalin liefern.

Spart es euch, wenn...

… ihr lineare Rennen, Musik mit Finesse und wenig Grind bevorzugt – oder euch von überladener Präsentation schnell gestresst fühlt.

Fazit

Denis Lucius Brown - Portraitvon Denis Lucius Brown
Sega liefert ab, drückt dabei aber etwas zu stark auf die Tube

Sonic Racing: CrossWorlds ist ein Fun-Racer durch und durch – schrill, chaotisch und voller kleiner, cleverer Ideen, die jedes Rennen zu einem Erlebnis machen. Ich kann nicht leugnen, dass ich beim ersten Dimensionsportal-Sprung grinsend gegen die nächstbeste Wand gefahren bin, weil mich der Kontrast zwischen den zwei Kursentwürfen in positiver Weise überraschte.

Bei den Transformed-Segmenten bin ich sowieso Feuer und Flamme, weil sie die Übergänge zwischen Land-, Wasser- und Luftpassagen spektakulärer zelebrieren als es Mario Kart je vermochte. Zugleich musste ich aber öfter die Stirn runzeln: Grindfaktor, Reizüberflutung, teils unklare Item-Darstellung und das Übermaß an hektischer Musik lassen den Spielspaß zwischendurch ins Ruckeln geraten.

>> Mit Vollgas zum Spaß: Die 10 besten Sonic-Spiele <<

CrossWorlds ist mangels Feingefühl leider kein ernsthafter Anwärter auf den Fun-Racer-Thron, obwohl so viele Voraussetzungen dafür gegeben wären. Es ist ein wildes, buntes, ungestümes Erlebnis, ein Fest für Sonic-Fans und alle, die gerne mal die Kontrolle verlieren, ohne dass gleich die Welt untergeht. Ich nehme es, wie es ist: unperfekt, überdreht, ein bisschen chaotisch – und genau deshalb für eine begrenzte Zeit verdammt unterhaltsam.

Auf Playstation, Xbox und PC gibt es wahrscheinlich keinen besseren Mario-Kart-Ersatz. Für Switch-2-Besitzer ist es eine sehr gute Zweitoption nach Mario Kart World, das vielleicht nicht so spektakulär rüberkommt, handwerklich aber viel mehr Feingefühl beweist.

Überblick

Pro

  • Transformed-Segmente (Boote/Flugzeuge)
  • Dimensionsportale sorgen für abwechslungsreiche Rennen
  • Engmaschige, kurvige Strecken fordern Geschick
  • Knallige, bunte Präsentation im Sonic-Stil
  • Kleine, clevere Mechaniken belohnen Strategie
  • Nostalgie-Faktor für Fans klassischer Fun-Racer

Contra

  • Hoher Grindfaktor beim Freischalten von Fahrzeugteilen
  • Überladene Kurse und teils unklare Item-/Hindernis-Designs
  • Hektische Musik auf Dauer anstrengend
  • Letzter Grand-Prix-Kurs wirkt wie Material-Streckung
  • Designentscheidungen teilweise zu chaotisch
  • Für Neulinge teilweise überwältigend

Awards

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