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Test - Rematch : Test: Arcade-Fußball von den Sifu-Machern

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Mit Sifu bescherte uns der französische Entwickler Sloclap vor rund zwei Jahren ein sauschweres, aber optisch und spielerisch herausragendes Beat ’em up. Ihr neuer Titel ist ein Fußballspiel mit vergleichbarer Cel-Shading-Grafik, relativ steiler Lernkurve und robuster Gangart. Allerdings haben Einzelkämpfer in Rematch keine Chance auf Erfolg.

Ihr tretet in 3v3-, 4v4- oder 5v5-Spielen zusammen mit weiteren Leuten gegen ein anderes Team an, das logischerweise aus genauso vielen menschlichen Kickern besteht. Ungewöhnlich ist die Perspektive, denn ihr zockt Rematch aus der Third-Person-Sicht. Permanentes Arbeiten mit der Kamera ist also Pflicht, um euren selbst erstellten Charakter und das Geschehen drumherum im Blick zu behalten.

Aus dem toten Winkel kann nämlich jederzeit ein Gegenspieler heran rauschen, euch umtreten und die Kugel stibitzen. Das ist sogar die Normalität, denn Schiedsrichter und Regeln glänzen durch Abwesenheit. Sich von hinten bis vorne durch zu dribbeln und dann die Kugel ins Netz zu jagen, klappt fast nie. Meistens kommt eine Blutgrätsche dazwischen …

Kicken will gelernt sein

Der ungewohnte Blick aufs Geschehen und das Fehlen von zuschaltbaren Hilfestellungen machen es schwierig, die Wucht eines Zuspiels oder Schusses richtig zu dosieren, geschweige denn die Richtung korrekt zu peilen. So verhungert der Ball auf halbem Weg zum Kollegen oder bildet eine ungewollte Steilvorlage für den Gegner, weil ihr die Taste zu kurz oder zu lang gedrückt habt. 

Mindestens genauso schwierig fallen Dribblings, weil das Spielgerät nicht an eurem Fuß klebt, sondern mit behutsamen Bewegungen angetrieben werden will. Hektische Drehungen lassen die Pille sofort verspringen, ebenso wie Sprints. Mit denen müsst ihr sowieso haushalten, da eure Ausdauer schnell zur Neige geht und ein paar Sekunden braucht, um sich zu erholen. Ohne Kondition geht halt gar nix!

Eine weitere Besonderheit ist das Torwartspiel. Sobald sich jemand in den Strafraum bewegt, erhält er automatisch ein Paar Handschuhe und wird damit zum Keeper umfunktioniert. Fortan versucht dieser Spieler, mit Händen und Füßen den Kasten sauber zu halten. Verlässt der Akteur nach getaner Arbeit den Sechzehner, agiert er augenblicklich wieder als Feldspieler – unbedingt besetzt sein muss das Tor zu keinem Zeitpunkt. 

Verschiedene Trainingseinheiten helfen euch dabei, mit der grundsätzlichen Steuerung klarzukommen und die verschiedenen Facetten des Spielablaufs zu verstehen. Unter anderem absolviert ihr einen Dribbling-Parcours, schirmt den Ball gegen einen Verteidiger ab, schießt auf Ziele oder fangt Pässe ab. Fühlt ihr euch halbwegs gewappnet, ist eure nächste Anlaufstelle der Modus "Schnelles Spiel". 

Zwischen Fußball-Frust … 

Die Partien finden in einer futuristischen Halle statt, daher bleibt der Ball stets im Spiel und das Tempo hoch. Weil feste Positionen nicht existieren, ist jeder Akteur grundsätzlich sowohl in der Offensive als auch in der Defensive gefordert. Leider juckt das viele eurer zufälligen Kollegen nicht. Da wird gedribbelt und getrickst, aber niemals abgespielt oder verteidigt. Andere legen den Controller zur Seite oder verlassen gleich das Spiel. Damit ihr in solchen Fällen nicht die kompletten sechs Minuten Spielzeit lang Nerven lasst und eine Bude nach der anderen kassiert, sorgt die “Gnadenregel” bei vier Toren Differenz für das vorzeitige Spielende – eine sehr gute Idee.

Unberechenbar ist auch die Verbindungsqualität. Regelmäßig beeinträchtigen kräftige Lags die Matches: Ball oder Spieler verschwinden kurzzeitig oder “teleportieren” sich über wenige Meter, Pässe und Aktionen werden verzögert ausgeführt und manchmal ruckelt das Geschehen beinahe wie ein Daumenkino. Diese Probleme entscheiden nicht selten über den Ausgang einer Partie – mal zu euren, mal zu Gunsten des Gegners.

Zudem bringt die spezielle Kameraperspektive eine hochprozentige Möglichkeit zum Torerfolg mit sich. Im Kasten stehend kann man kaum erkennen, ob ein hoch geschossener Ball reingeht oder nicht – im Zweifelsfall springt der Keeper halt. Das machen sich Angreifer zunutze, indem sie die Kugel deutlich oberhalb der Latte gegen die Wand schießen. Anschließend kann ein zweiter Spieler entspannt am geschlagenen Torwart vorbei einschieben. Diese effektive, aber enorm eintönige “Banden-Taktik” kommt ausgesprochen häufig zum Einsatz.

… und Fußball-Lust

Stimmt die Verbindung und habt ihr ein vernünftiges Team zusammen, kann Rematch wiederum sehr viel Spaß machen. Die im Grunde einfache Steuerung bietet genug Tiefe für eine effektive Verteidigung, ansehnliche Kombinationen und abwechslungsreiche Angriffe. Vor allem im 5v5-Modus spielt ihr mit etwas Taktik und einer festen Aufgabenverteilung richtig ansehnlichen Fußball. Errungene Siege fühlen sich absolut verdient und dementsprechend toll an, zumal sämtliche Spielerinnen und Spieler auf dem Platz über die gleichen Fähigkeiten verfügen. Läuft alles technisch glatt, gewinnt die Mannschaft mit mehr Skill. 

Steigt ihr vom schnellen Match auf die Rangliste um, erwarten euch ausschließlich 5v5-Partien. Hier mangelt es nicht an eingespielten Teams, die zusammengewürfelte Haufen ganz locker auseinandernehmen. Die “Gnadenregel” gilt auch hier, jedoch werden Spielabbrüche mit einer Auszeit bestraft. 

In beiden Modi erhaltet ihr Erfahrungspunkte für Paraden, Pässe, Tore und weitere gelungene Aktionen. Das schaltet im Season Pass neue Level und damit verbundene kosmetische Gegenstände wie Shirts, Banner oder Schuhe frei. Besonders schick sind neue Arenen mit Themen wie Dschungel oder Wasser, die das Spielfeld optisch deutlich verändern.

An sämtliche Items kommt ihr allerdings nur heran, wenn ihr euch den kostenpflichtigen Pfad für knapp 10 Euro holt. Der Shop bietet weitere Extras, die ihr einzeln oder im Bundle kaufen dürft. Leute mit Ausdauer sammeln dagegen reichlich In-Game-Währung und gelangen auf diesem Weg an die Gegenstände. 

Greift zu, wenn...

... ihr Arcade-Fußball aus einer frischen Perspektive erleben wollt – am besten im Team mit Freunden.

Spart es euch, wenn...

… eure Internetverbindung dürftig ausfällt und eure Freunde keinen Bock auf gemeinsames Kicken haben.

Fazit

Sascha Göddenhoff - Portraitvon Sascha Göddenhoff
Mal schlimmes Gebolze und mal spaßiger Arcade-Fußball

Rematch hat zwei Gesichter, und die könnten unterschiedlicher kaum sein. Beim Test machte es keinen Unterschied, ob ich in unserer Münchener Redaktion oder daheim auf dem Dorf spielte: Die Verbindungsqualität schwankte in beiden Fällen so stark wie der übergewichtige Kreisliga-Libero nach durchzechter Nacht. Dank entsprechender Live-Anzeige im Spiel konnte ich beobachten, wie ein stabiles Match im Handumdrehen zur kaum spielbaren Ruckelpartie verkam. Glücklicherweise bereitete die "Gnadenregel" solch frustrierenden Begegnungen meist ein schnelles Ende. Das erlöste mich oftmals auch von unfassbar egoistischen Mitspielern, die den Begriff Mannschaftssport garantiert noch nie im Leben gehört haben. 

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Genauso erlebte ich zahlreiche technisch stabile Matches voller krasser Grätschen, überlegter Pässe, toller Flanken und bildschöner Fallrückzieher-Tore aus irren Winkeln. Trotz eigentlich simpler Tastenbelegung offenbart die Steuerung zahlreiche Möglichkeiten in der Offensive und Defensive. Ich spielte sogar gerne im Tor, weil ich nach erfolgreicher Parade gleich wieder angreifen konnte. Der Verzicht auf Positionen und Unterbrechungen passt hervorragend zum (natürlich klar von Rocket League inspirierten) Spielablauf und sorgt für viel Dynamik sowie Abwechslung – mal abgesehen von den immer gleichen Treffern infolge der allzu effektiven "Banden-Taktik". 

Ich hoffe, dass Entwickler Sloclap die Server stabilisieren kann und bald noch einen oder zwei Spielmodi hinzufügt. Für den Kaufpreis von knapp 30 Euro fällt der Inhalt momentan nämlich etwas knapp aus. Und bitte Crossplay nicht vergessen! Dann sehe ich mich auch künftig bei Rematch, wenn auch hauptsächlich im Verbund mit Freunden. Die zahlreichen Ego-Zocker lassen sich ja leider nicht aus dem Spiel patchen ...

Dennis Hilla - Portraitvon Dennis Hilla

Fußball und ich sind wie Markus Söder und vegane Würste: Wir mögen uns nicht. Rematch interessierte mich aufgrund der Verwandtschaft zu Rocket League dann aber doch sehr. Außerdem mochte ich Sifu vom selben Entwicklungsstudio. Nach dem Tutorial fühlte ich mich auch angemessen gewappnet, zumal ich mich hier nicht mit irgendwelchen seltsamen Abseitsregeln oder anderweitigem Hokus-Pokus des realen Sports auseinandersetzen musste. Das Runde gehört ins Eckige, Eier werden gebraucht – das kapiere sogar ich.

Die von mir gespielten Matches schwankten aber enorm in ihrer Qualität. Die Dosierung der eigenen Schüsse und Pässe erwies sich als überraschend knifflig und einen Ball sauber anzunehmen, glich bisweilen einer Wissenschaft. Doch wenn alles ineinandergriff und das Team geschlossen agierte, dann war Rematch eine helle Freude.

Das galt jedoch nur, solange die Server nicht zickten und Rubberbanding als zwölfter Mann auf dem Platz stand. Und weil Rematch eben ein reines Online-Spiel ist, muss man sich mit anderen Spielerinnen und Spielern herumschlagen. So meinten manche Volltrottel, 30 Sekunden vor Schluss ein Eigentor erzielen zu müssen, obwohl es Unentschieden stand. Auch die ständigen Einzelkämpfer und Ballakrobaten, die sich für die größten Torjäger hielten, ließen mich schnell mal den Bildschirm mit unflätigen Begriffen bedenken.

Diese hochkochenden Emotionen zeigen aber auch: Rematch packt mich. Wenn Sloclap Crossplay oder sogar einen lokalen Modus spendiert, dann organisiere ich definitiv eine Session ganz nach dem Geschmack von Walter Frosch: viel Bier, ein paar Ouzo und keine Zigaretten, dafür aber jede Menge Gebolze.

Überblick

Pro

  • spielerische Tiefe trotz einfacher Steuerung
  • Teamplay und Einsatz werden stets belohnt
  • schicker Grafikstil mit zahlreichen Effekten

Contra

  • Spielspaß steht und fällt mit Verbindungsqualität und Mitspielern
  • eingeschränkte Sicht aufgrund der Kameraperspektive
  • “Banden-Taktik” macht Offensive eintönig

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