Test - Mandragora: Whispers of the Witch Tree : Test: Weit mehr als ein einfaches 2D-Souls-like
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Fantasy-Shooter, Science-Fiction-Abenteuer, Pinocchio-Abklatsch – mittlerweile nehmen Souls-likes so ziemlich jede Form und jedes Genre an. Auch den zweidimensionalen Bereich haben die knüppelharten Action-Rollenspiele längst erobert – mal besser, mal schlechter. Mit Mandragora: Whispers of the Witch Tree versucht sich auch das ungarische Primal Game Studio an einem Sidescroller und macht dabei Vieles richtig. Aber eben nicht alles.
Angesiedelt ist die Handlung von Mandragora: Whispers of the Witch Tree in einem weitgehend klassischen Fantasy-Setting. Auf Geheiß des Königs hin sollt ihr in eurer Eigenschaft als Inquisitor (beziehungsweise Inquisitorin) eine Hexe jagen und fangen – nicht töten! Die Handlung spielt aber nicht einmal die dritte Geige und wird darum nur alle paar Stunden mit ein paar schicken handgezeichneten Grafiken vorangetrieben. Echte Spannung kommt in diesem Segment also nicht auf.
Mit Feuer, Fäusten und Funken
Die sechs Klassen bieten dagegen viel Abwechslung. Ihr greift mit Flammenmagie an, kloppt mit einem Großschwert drauf, nutzt fiese Giftdolche oder brutzelt die Gegner mit Chaos-Energie. Für jede Charaktergattung existiert ein eigener umfangreicher Skilltree, in dem ihr mit durch Levelaufstiege verdienten Punkten einzelne Charakterwerte aufbessert oder gar neue Fähigkeiten freischaltet. Übersichtlich fallen die Skilltrees nicht gerade aus, aber mit etwas Geduld findet ihr euch zurecht.
Taugt euch die Klassenwahl überhaupt nicht? Kein Problem. Denn Mandragora: Whispers of the Witch Tree erlaubt ab dem Erreichen von Level 25 den Zugriff auf weitere Skilltrees. In Kombination mit der Möglichkeit zur Neuverteilung der Talentpunkte probiert ihr euch also ganz entspannt durch die gebotenen Möglichkeiten oder bastelt ein Setup mit zwei Klassen. So seid ihr für jede Situation bestens gerüstet, zumal ihr später sogar eine Parallelwelt aufsucht, was euch mit Ressourcen für Upgrades der erlernten Skills belohnt.
Manche Gegner reagieren stärker auf bestimmte Schadenstypen als andere. Riesige Spinnen bleiben von Gift (natürlich) weitgehend unbeeindruckt, haben aber gar keinen Bock auf Feuer. Entsprechend dynamisch fallen die Kämpfe aus, auch wenn stumpfes Vorgehen oftmals Trumpf ist. Gerade der Einsatz von Magie erweist sich fast immer als sicherer Weg. Aus der Ferne beständig Schaden verursachen erlaubt schließlich bequemere Siege als aufreibende Nahkämpfe mit dem langsamen Zweihänder. Zumal Ausdauer ein begrenztes Gut ist und ihr viele Ausweichrollen ausführen müsst. Sehr viele!
Besonders fordernd fallen natürlich die Bosskämpfe aus. Gegen riesige Spinnen, Golems oder Frankenstein-Leichen hilft neben flotten Reflexen eine gute Beobachtung. Lernt die Angriffsmuster, weicht entsprechend aus und lasst euch von beschworenen Feinden nicht aus der Fassung bringen. Leider werden einige Obermotze als Zwischenbosse recycelt, was schon bei Elden Ring einen faden Beigeschmack hinterließ.
Balance im Ungleichgewicht
Leider begehen die Entwicklerinnen und Entwickler einen fatalen Fehler, der nur allzu typisch für Souls-likes ist. Sie ballern euch zu oft mit mehreren Gegnern auf einmal zu, was in einer 2D-Umgebung ohnehin für Probleme sorgt. Dazu verursachen diese gerne Gift- oder Brandschaden, wodurch eure Leben beständig sinken. Leider sind Heiltränke selten und selbstverständlich lauert fast überall ein Armbrust-Schütze, der euch feige aus der Ferne beharkt.
Zwar bietet das Spiel viele Items, die euch das Leben erleichtern. Mit Wetzsteinen verbessert ihr euren Angriff, alternativ verpasst ihr euren Waffen unterschiedliche Schadensarten. Dazu stärkt ihr eigene Resistenzen und kauft beim Händler zusätzliche Lebens- und Mana-Tränke ein. Das hilft aber nicht immer.
Ich bin der Erste, der seine eigenen Unzulänglichkeiten und einen Mangel an Skill eingesteht. Aber bei Mandragora: Whispers of the Witch Tree treten zu häufig krasse Sprünge in der Schwierigkeit auf, die vor allem wenig frustresistenten Leuten den Spaß verleiden dürften. Immerhin erlaubt das Spiel einige Einstellungen, die das Geschehen gnädiger machen. So regelt ihr den erlittenen Schaden, die Lebenspunkte der Gegner sowie euren Ausdauerverbrauch. Diese kleinen Anpassungen verbessern das Erlebnis bisweilen spürbar und eliminieren einige Frustfaktoren – aber längst nicht alle.
Sprung ins Ungewisse
Bei Mandragora: Whispers of the Witch Tree handelt es sich nicht um ein reinrassiges Souls-like, es weist auch diverse Metroidvania-Elemente auf. Allen voran öffnen sich bestimmte Gebiete erst, nachdem ihr spezielle Items oder Skills erhalten habt. Brüchige Böden zerstört ihr erst mit dem Stampfangriff und für den eleganten Schwung über Abgründe bedarf es des Enterhakens.
Jedoch setzt Primal Game Studio weitaus weniger auf Backtracking und eigenverantwortliche Wegfindung, als es viele Genre-Kollegen tun. Bei den meisten Quests verraten euch grobe Markierungen auf der Karte, wo es weitergeht und die Frequenz, in der ihr besondere Items findet, ist extrem gering. Dank der überwiegend fair verteilten Checkpoints müsst ihr nie sonderlich weit reisen, um die nächsten relevanten Punkte zu finden. Mandragora: Whispers of the Witch Tree ist maximal ein Metroidvania light und legt euch nicht übermäßig viele Steine in den Weg.
Zum Inquisitoren-Alltag gehören auch regelmäßige Platforming-Abschnitte, doch die fallen mitunter alles andere als zufriedenstellend aus. Die Präzision eines Blasphemous oder Hollow Knight fehlt schlicht und ergreifend. Besonders an Kanten hängend lässt sich euer Charakter ohne ersichtlichen Grund lieber fallen, als sich nach oben zu ziehen. Aufgrund dieser Unsauberkeit zu sterben, frustriert immens. Das terminiert die Möglichkeit schneller Durchquerungen regelrecht, wollt ihr beispielsweise den Ort eures letzten Ablebens aufsuchen, um eure Erfahrungspunkte zu retten.
Basis im Grünen
Immer wieder zieht es euch zum namensgebenden Hexenbaum, denn hier befindet sich eure Basis. Im Spielverlauf trefft ihr regelmäßig auf NPCs, die hier Stellung beziehen, wodurch sich diverse Möglichkeiten auftun: Ihr craftet neue Waffen und Rüstungen, sockelt Edelsteine in eure Ausrüstung, kocht Essen mit besonderen Effekten oder tauscht Kartenfragmente ein, um eure Map mit zusätzlichen Details und Hinweisen zu versehen.
Durch gefundene Diagramme erweitert sich nicht nur das Repertoire von Schmied, Koch und Okkultist, ihr steigert auch deren Level. Das wiederum erhöht das Angebot im jeweiligen Shop und die Objekte, die gebaut werden können. Crafting stellt einen essenziellen Teil von Mandragora: Whispers of the Witch Tree dar und kann bisweilen etwas zu wichtig ausfallen. Die gefundenen Objekte sind fast immer schlechter als Stücke, die ihr craftet, was einen Grind für neue Teile nötig macht. Somit schwankt diese Mechanik zwischen gelungener Auflockerung und lästiger Notwendigkeit.
Greift zu, wenn...… ihr Bock auf eine anständige Herausforderung habt und gerne an unterschiedlichen Builds tüftelt.
Spart es euch, wenn...… Frustresistenz nicht zu euren Stärken gehört, sei es im Kampf oder beim Platforming.



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