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Test - Ghost of Yotei : Test: Ein Kaufgrund für die PS5

  • PS5
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2020 zählte Ghost of Tsushima zu den letzten großen Spielen, die exklusiv für die Playstation 4 erschienen waren. Nun setzt Entwickler Sucker Punch die Reise durch das altertümliche Japan fort, allerdings 300 Jahre später und an einem neuen Schauplatz. Und doch wirkt Ghost of Yotei sehr vertraut ...

Als Kind musste Atsu mit ansehen, wie die berüchtigten Yotai 6 um den grausamen Fürsten Saito ihre Familie ermordeten. 16 Jahre später kehrt sie zurück in ihre Heimat, die Insel Ezo – einsam und desillusioniert von einem Leben als Söldnerin, zugleich jedoch enorm kampferprobt und absolut furchtlos. Ihr Ziel: Sie will Saito und seine fünf Warlords endlich zur Strecke bringen – mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln.

Söldnerin ohne Skrupel

Im Gegensatz zum gefallenen Samurai Jin Sakai, der im Vorgänger oftmals nur widerwillig aus dem Hinterhalt angriff und verschlagene Taktiken anwendete, schert sich Atsu kein Stück um Ehre oder irgendeinen Kodex. Sie attackiert im offenen Kampf mit dem Katana, sticht Feinde hinterrücks ab, setzt Rauch zur Täuschung ein oder erledigt potenziell gefährliche Späher mit einem gezielten Pfeil zwischen die Augen. Skrupel wären auch fehl am Platz, denn die Truppen der Yotei 6 sind zahlreich, gut ausgerüstet und absolut entschlossen, die Söldnerin so schnell wie möglich aus dem Weg zu räumen.

Glücklicherweise wachsen Atsus Arsenal und ihre Fähigkeiten kontinuierlich an. Bei Meistern lernt sie neue Waffen und damit verbundene Techniken kennen, die gegen bestimmte Feinde außerordentlich effektiv sind. Zahlreiche Talismane verleihen der Kriegerin Boni auf Gesundheit, Defensive, Item-Effizienz und mehr. Gepaart mit den einzigartigen Stärken unterschiedlicher Rüstungen und Kostüme offenbart sich ein flexibles Kampfsystem, das selbst im dicksten Getümmel griffig bleibt und toll anzuschauen ist. 

Auf dem Rücken ihres treuen Pferdes folgt Atsu dem wegweisenden Wind zu zahlreichen Haupt- und Nebenmissionen, die sich über die Insel Ezo (das heutige Hokkaido) erstrecken. Über allem thront der Yotei, ein sagenumwobener Berg, den die Menschen wie eine Gottheit verehren. Der Plot wird in Form von spannenden, miteinander verbundenen Quests fortgeführt. Die Reihenfolge bestimmt man zwar weitgehend selbst, dennoch sind die einzelnen Abschnitte so aufgebaut, dass der Anschluss in jede Richtung mindestens ordentlich funktioniert. Natürlich bleibt Rache nicht das einzige Thema der Story, was selbstverständlich Auswirkungen auf Atsu hat – mehr wird aus Spoiler-Gründen nicht verraten. 

In den Nebenmissionen warten kurze, abgeschlossene Geschichten, die mal lustig, mal bizarr, mal traurig und mal actionreich ausfallen. Jede Quest ist wohldurchdacht und eigenständig aufgebaut – das garantiert immer neue Erlebnisse und Überraschungen. So hinterlassen beispielsweise simpel erscheinende Botengänge oder vermeintlich repetitive Sammelaufgaben dank ihrer Dynamik und vielfältigen Emotionen einen bleibenden Eindruck. Dabei integriert sich alles harmonisch in die offene Welt von Ezo, die in nahezu jedem Winkel zu begeistern weiß. 

Das ist PS5-Technik!

Ghost of Tsushima zeigte vor fünf Jahren eindrucksvoll, zu welchen Leistungen die betagte Playstation 4 noch imstande war. Ghost of Yotei legt nach, und zwar kräftig! Erneut vertraut Entwickler Sucker Punch auf eine zweifellos klischeebeladene, aber ungemein stilvolle Postkarten-Optik. Wer die Ästhetik des Vorgängers liebte, wird diesmal vermutlich vom Hocker gehauen. 

Endlose Blumenwiesen, dichte Wälder, lange Strände, verschlungene Höhlen, schneebedeckte Hänge – alles sieht schlicht atemberaubend aus! Hohe Auflösung, satte Farben, intensive Beleuchtung, Raytracing und beeindruckende Weitsicht setzen die durchweg harmonischen Kompositionen bestmöglich in Szene. Mittels Fotomodus kann man beinahe im Sekundentakt Screenshots machen, die selbst als großformatige Bilder an der heimischen Zimmerwand toll aussehen würden. 

Ein grafisches Rundum-Sorglos-Paket gibt es jedoch nicht. Stattdessen muss zwischen verschiedenen Modi gewählt werden. Die Kombination aus Auflösung und Raytracing reduziert die Bildrate auf 30 FPS, während 60 Bilder pro Sekunde den umgekehrten Effekt haben. Wie so oft ist die höhere Bildrate die beste Wahl, zumal das Spiel trotz der visuellen Einbußen großartig aussieht. Auf einer Playstation 5 Pro steht noch eine weitere Option bereit, die Raytracing mit 60 FPS kombiniert, dafür jedoch die Auflösung dynamisch anpasst. 

Weitere technische Kompromisse werden allerdings keine gemacht. Vielmehr setzt Ghost of Yotei die komplette Bandbreite der PS5-eigenen Möglichkeiten ein. Mittels Touchpad und Bewegungssteuerung spielt Atsu auf ihrer Shamisen-Laute, entzündet Lagerfeuer für die Rast, kocht Essen oder aktiviert einen Windhauch, der sie zum nächsten Ziel führt. Fein abgestimmte Vibrationen und dynamisch-räumliches 3D-Audio samt engagierter deutscher Stimmen verstärken zusätzlich die Immersion. 

Überaus gelungen ist auch die Nutzung der SSD. Zum einen gibt es praktisch keine Ladezeiten. So sind selbst Schnellreisen über große Entfernungen innerhalb von höchstens zwei Sekunden erledigt. Zum anderen ist an mehreren Stellen der unmittelbare Wechsel zwischen einem Schauplatz in der Gegenwart und Vergangenheit möglich, der sich optisch teils deutlich voneinander unterscheidet. Dieser Transfer ist fast so beeindruckend wie die rasend schnellen Dimensionswechsel in Ratchet & Clank: Rift Apart.  

Mehr vom Gleichen, aber …

Fantastische Grafik, mitreißende Inszenierung, abwechslungsreiche Haupt- und Nebenmissionen, massig Waffen, Kostüme und Skills – sieht alles nach einem Must-Have-Titel für Fans von Open-World-Abenteuern aus. Doch wer den Vorgänger kennt, merkt auch gleich: Inhaltlich hat sich nicht allzu viel verändert. In Sachen Aufbau und visueller Gestaltung bleibt Entwickler Sucker Punch seiner Linie treu. Ist Ghost of Yotei also lediglich mehr vom Gleichen? Ja, doch nur auf den ersten Blick. Wie so oft gilt es nämlich, auf die Details zu achten – sie heben das Spiel vom Vorgänger ab.

Der deutlichste Unterschied ist die erstklassige Nutzung der PS5-Stärken. Null Ladezeiten, intuitive Touchpad-Gesten, räumliches 3D-Audio, hohe Auflösung und satte Raytracing-Effekte machen Atsus Rachefeldzug ungemein ansehnlich und mitreißend. Während des Tests habe ich massig Aufnahmen gemacht, weil Ghost of Yotei vor malerischen Kulissen, eleganten Bewegungen und packender Action einfach überläuft. 

Zusätzlicher Feinschliff zeigt sich auch im Spielablauf. Entfernt wurde die moralische Bremse des Vorgängers, die Jins Auftreten als hinterhältiger Geist immer einen leicht negativen Beigeschmack verpasste, sich aber nicht auf den Verlauf der Story auswirkte. Mit Atsu kämpfe ich nun völlig befreit, weil ihr Charakter und ihre Geschichte jedes Vorgehen rechtfertigen. Ich habe nicht mehr den Eindruck, mich falsch zu verhalten, sondern mache genau das, was Atsus Natur entspricht, nämlich um jeden Preis zu siegen. Das mag etwas philosophisch klingen, doch dieses wohlige Gefühl der Ungezwungenheit begleitet mich bei jedem Schritt und Ritt durch die Gebiete von Yotei. 

Die Spielwelt wirkt dabei noch ein Stück organischer, lebendiger und vielfältiger als die Insel Tsushima anno 2020. Gleiches gilt für die zahlreichen Haupt- und Nebenmissionen. Noch mehr als im Vorgänger will ich keine einzige Zusatzaufgabe auslassen und jede verfügbare Kostümfarbe ergattern, weil alles homogen in die Spielwelt integriert wurde. Der Weg ist oftmals das Ziel, denn unterwegs verwöhnt mich Ghost of Yotei mit traumhafter Grafik, atmosphärisch passenden Musikstücken und einer Bandbreite von Emotionen, die glaubwürdiger transportiert werden als in vielen vergleichbaren Titeln.

Greift zu, wenn...

... du ein Vorzeigespiel für deine PS5 suchst und den Vorgänger geliebt hast.

Spart es euch, wenn...

... du auf eine Spielerfahrung hoffst, die sich deutlich von Ghost of Tsushima abhebt. 

Fazit

Sascha Göddenhoff - Portraitvon Sascha Göddenhoff
Genau die Fortsetzung, die ich mir gewünscht habe!

Zu Beginn hatte ich den Eindruck, dass sich Ghost of Yotei zu eng an seinen Vorgänger hält.  Ähnliche Prämisse, ähnliches Design, ähnlicher Spielablauf – der sichere, aber auch mutlose Weg, eine gelungene Fortsetzung abzuliefern. Aber mit jeder weiteren Spielstunde wurde deutlicher, dass die Leute von Sucker Punch alles, was in Tsushima gut war, für Yotei noch besser gemacht haben: Grafik, Aufbau, Kampfsystem und Nebenquests.  

Die Technik ist erste Sahne, selbst vor dem Hintergrund, dass ich die volle Grafik-Dröhnung nur mit 30 Bildern pro Sekunde geboten bekomme. Natürlich sieht man die Einschränkungen im Modus Leistung, doch sie schmälern den Gesamteindruck kaum. Zwei oder drei der besten Screenshots werde ich ausdrucken und einrahmen, weil das Zusammenspiel aus Gestaltung, Detailfülle und Beleuchtung schlicht genial ist. Für so eine Grafik habe ich mir einen OLED-Fernseher gekauft! 

>> Die 10 besten Ninja-Spiele für PS5 und Co. <<

Die Abwesenheit von Ladezeiten macht das Erkunden der organischen und vielfältigen Insel unkompliziert. Weiterer Feinschliff zeigt sich in den Kämpfen: Atsu wirkt agiler und flexibler als Jin, was in erster Linie den angenehm unterschiedlichen Waffengattungen und passenden Skills zu verdanken ist. Zudem wirkt die Steuerung einen Tick griffiger und präziser. Einzig das perfekte Kontern fällt im Vergleich schwieriger aus, aber das ist ein ganz persönlicher Eindruck, der meinen Spaß mit Katana, Lanze und Co. keinen Deut verringert. 

Am meisten beeindruckt mich aber weder die Grafik, noch das Kampfsystem oder die Spielwelt. Es sind die stets überraschenden Nebenmissionen: Manchmal lache ich, manchmal muss ich schlucken und manchmal über das Erlebte nachdenken. Und weil sich jede dieser kleinen, abgeschlossenen Geschichten ebenso harmonisch ins Gesamtbild einfügt wie die vielen Sammelmöglichkeiten, bietet mir Ghost of Yotei auch nach dem Ende der Story mehr als genug Gründe zum Weitermachen. Dieses Spiel hat beste Chancen, mein Highlight des Jahres zu werden.

Überblick

Pro

  • fantastische Grafik voller Ästhetik, Atmosphäre und Details
  • organisch aufgebaute Spielwelt
  • technische Stärken und Features der PS5 werden genutzt
  • abwechslungsreiche Haupt- und Nebenmissionen
  • motivierte deutsche Sprecher*innen

Contra

  • volle Grafikpracht nur bei 30 FPS
  • teils kniffliges Konter-Timing
  • gelegentlich auffälliges Clipping

Awards

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  • Design
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