Test - Forza Horizon 5 : Test: Spitzen-Portierung des Edel-Racers
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Eines der besten Open-World-Rennspiele aller Zeiten ist nun auch auf der Playstation 5 erhältlich. Forza Horizon 5 mag inzwischen dreieinhalb Jahre alt sein, aber es raucht seine Möchtegern-Konkurrenten The Crew Motorfest und Test Drive Unlimited: Solar Crown noch immer in der Pfeife. Für die Umsetzung des Arcade-Knallers wurde das Studio Panic Button engagiert, wenn auch mit dem Auftrag, abseits der PS5 Pro höchstens für Parität zwischen den Konsolen zu sorgen.
Grundsätzlich sind ehemalige Xbox-Exklusivtitel auf der Playstation kein Aufreger mehr. Umsetzungen von Sea of Thieves und Hi-Fi Rush leiteten Microsofts Quasi-Kapitulation auf dem Konsolenmarkt ein, während Gerüchte um Versionen von Gears of War und Halo längst Usus sind.
Die heilige Horizon-Kuh
Trotzdem verursachte die Veröffentlichung von Forza Horizon 5 eine Erschütterung der Macht, als ob Millionen in panischer Angst aufschrien und plötzlich verstummten. Microsoft versprach vorab nicht nur einen weiteren Ex-Exklusivtitel, sondern auch noch eine verbesserte Version für die PS5 Pro, die verdächtig nah an die Qualität des PC-Ports herankommen könnte. Manche Fans fragten in den sozialen Medien, wozu man sich überhaupt noch eine Xbox zulegen sollte, wenn sie sowieso immer den Kürzeren zieht.
Die Schlachtung der heiligen Kuh verläuft nun allerdings nicht ganz so blutig wie erwartet. Es scheint nämlich so, als ob Panic Button den Auftrag bekommen hätte, die Playstation in keiner Weise zu bevorzugen. Nicht einmal dort, wo sie von sich aus Vorteile genießt. Einzige Ausnahme: die analogen Trigger. Denn der linke Kollege am Dualsense-Controller wehrt sich ein wenig, den Widerstand der Bremsscheiben zu simulieren.
In allen anderen Belangen gleicht die Umsetzung auf die PS5 dem Original auf der Xbox Series X. Es gibt durchaus Unterschiede, und manche davon wirken auf uns befremdlich. Mehr dazu später. Wichtig ist aber erst einmal, dass die Basis des Spiels gleich bleibt.
Optischer Gleichstand
Die Grafik? Haargenau dieselbe, egal ob im Qualitäts-Modus bei 30 FPS, der auf eine möglichst dichte Vegetation setzt, oder im Performance-Modus bei 60 FPS, der zugunsten der flüssigen Bildrate Büsche, Gräser und Bäume ein wenig beschneidet sowie die Texturqualität minimal verringert. Beide Modi entsprechen haargenau den Xbox-Einstellungen. Seien es Schattenkaskaden, LoD-Modelle, Spezialeffekte oder Wagendetails.
Nicht einmal unter dem Mikroskop würde man Abweichungen finden, auch wenn akribische Pixelzähler bereits geringe Abweichungen in der Auflösung entdeckt haben. Die seltenen dynamischen Abweichungen von der nativen 4K-Auflösung sind auf der PS5 allerdings derart marginal, dass es peinlich wäre, Zahlenwerte zu nennen. Viel wichtiger ist, dass jeder Modus absolut flüssig läuft.
PS5 Pro hat die Nase vorn
Wer eine PS5 Pro nutzt, genießt allerdings ein paar Vorteile, die bisher dem PC vorbehalten waren. Siehe beispielsweise der Qualitäts-Modus bei 30 FPS. Er glänzt im laufenden Spiel durch Raytracing auf dem Autolack. Damit weiterhin eine native 4K-Auflösung bewahrt werden kann, reflektiert das Raytracing nicht die Umgebung. Dafür nutzt man noch immer Echtzeit-Cubemaps in der Außenansicht, beziehungsweise Planar-Reflexionen beim Blick auf die Motorhaube. Das Raytracing fügt lediglich eine Selbst-Reflexion des Autos hinzu, sodass ihr Außenspiegel und andere kleine Details auf dem Lack wiederfindet. Ein verschwenderisches Detail, das in den anderen Konsolenversionen nur im Forza-Vista-Betrachtungsmodus sowie im Foto-Modus zur Geltung kommt.
Der Performance-Modus auf der PS5 Pro hält weiterhin 60 FPS aufrecht und verzichtet deswegen auf rechenintensives Raytracing, stockt im Ausgleich dafür aber Umgebungsdetails auf, sodass mehr Büsche und Gräser zu sehen sind, während Bäume einen höheren Detailgrad zeigen. Mit Ausnahme weniger Kleinigkeiten (etwa der Texturauflösung oder dem Detailgrad der Tesselation) gleicht er somit dem Qualitäts-Modus der PS5 und der Xbox Series X.
Mexiko für alle und zwei zusätzliche Maps als DLC
Wie steht es um den Umfang? Wie nicht anders zu erwarten enthält das Spiel dieselbe riesige Open-World-Interpretation Mexikos mit Hunderten von Rennveranstaltungen, Stuntaufgaben, Blitzern, Driftstrecken, versteckten Scheunenfahrzeugen, zerstörbaren Erfahrungspunkte-Schildern, Sehenswürdigkeiten und was sonst noch die locker 100 Stunden Spielzeit im Einzelspieler-Modus füllt. Online kommen noch etliche Multiplayer-Herausforderungen samt optionalem Crossplay (mit PC- und Xbox-Gamern) dazu. Ganz zu schweigen von Community-Rennveranstaltungen und sogar Eigenbau-Kursen, die mithilfe eines Editors entworfen und zum Download bereitgestellt werden.
Wer selbst dann noch nicht genug hat, darf zwei DLC-Maps erwerben. Einerseits die Hot-Wheels-Erweiterung, welche euch in eine abgetrennte Umgebung voller Plastik-Fahrspuren bringt, von denen die meisten mindestens fünfzig Meter über dem Boden entlangführen. Das ist Vollgas-Spaß in Vollendung und einfach nur abgefahren. DLC Nummer zwei heißt Rallye Adventure und entführt euch in eine (ebenfalls von der Hauptkarte separierte) Offroad-Map voller sandiger Dünen, matschiger Pfade und steiler Bergstraßen. Dank simplen Beifahrer-Kursansagen, einer weiterhin Arcade-typischen Steuerung und vielen spektakulären Kursen erinnert dieser DLC stark an Sega Rally Championship.
Also: Dreieinhalb Jahre Alter hin oder her, wer Forza Horizon 5 noch nicht gespielt hat, bekommt einen Dauerbrenner von Open-World-Rennspiel, der durchweg motiviert und nie zu enden scheint. Darum lässt sich gut verschmerzen, dass Microsoft Playstation-Jüngern den Vollpreis von 59 Euro abknöpft. Für die Deluxe Edition, welche etliche Auto-Pakete mitliefert, werden 89 Euro fällig, und wer sämtliche Wagen samt DLC-Maps in der Premium Edition haben möchte, legt rund 100 Euro auf den Tisch. Das mag eine Stange Geld sein, am Preis-Leistungs-Verhältnis gibt’s trotzdem nichts zu bemängeln.
So gleich wie möglich – und doch anders
Von der Qualität des Spiels überzeugt? Gut, dann kommen wir endlich zum interessanten Teil dieses Tests, nämlich den Umsetzungsdetails, die unnötig gleich oder womöglich absichtlich schlampig ausgefallen sind. Der erste Punkt betrifft die Lenkrad-Unterstützung. Egal ob auf der Xbox oder der Playstation, Forza Horizon 5 spielt sich am besten mit einem normalen Controller. Die Fahrphysik basiert zwar in Teilen auf realistischen Werten, vereinfacht jedoch die Steuerung der Autos durch Reaktionsschnelligkeit und reduzierte Trägheit. Wer trotzdem mit einem Lenkrad spielen möchte, sollte dessen Radius auf 180 Grad reduzieren, um zackig gegenlenken und kontrolliert driften zu können.
Nun aber der Knaller: Panic Button zwingt Playstation-Spielern die Restriktionen der Xbox-Lenkräder auf. Heißt im Klartext: Egal wie viele Buttons und Pedale euer Lenkrad hat, die maximale Anzahl an belegbaren Funktionen liegt bei zehn Buttons respektive Pedalen plus Steuerkreuz, genaue wie auf der Xbox. Und das, obwohl das Spiel deutlich mehr Funktionen mitbringt. Eine Parität zwecks gleicher Chancen? Nein, denn PC-Gamer dürfen alle Funktionen frei nach Schnauze zuweisen und trotzdem im Crossplay mitfahren.
Auch Rev-Lichter und Geschwindigkeitsanzeigen bleiben auf der PS5 funktionslos. Zufall? Unwahrscheinlich, denn während Xbox-Lenkräder diese Anzeigen mangels eines zugehörigen Protokolls nicht nutzen können, gehören sie auf der Playstation zum Standard. Forza Horizon 5 ist somit wahrscheinlich das einzige AAA-Rennspiel auf der Sony-Konsole, das diese Funktionen nicht unterstützt. Auf dem PC alles kein Problem. Das kommt uns ziemlich spanisch vor. Oder sollten wir lieber mexikanisch sagen?
Ganz schön nachlässig, ebenso wie die Ladezeiten. Die Xbox braucht 20 Sekunden, um vom Konsolenmenü zum Titelbildschirm zu kommen, beziehungsweise etwa eine Minute und dreizehn Sekunden bis zum Spielinhalt. Obwohl die PS5 über einen schnelleren SSD-Speicher und zusätzlich über eine hardwareseitige Dekompression verfügt, konnten wir vom Konsolenmenü zum Startbildschirm 50 Sekunden messen – und bis zum Spielinhalt gesalzene dreieinhalb Minuten. Und das auch nur, wenn man bereits einen Spielstand (von standardmäßig gigantischen zwei Gigabyte) angelegt hatte. Das initiale Laden beim ersten Start dauerte über sechs Minuten auf unserer PS5 Pro. Uff!
Weitere Kleinigkeiten: Der Sound wurde nicht so kräftig abgemischt wie auf der Xbox. Die Radio-Sounds sind etwas zu leise und im direkten Vergleich auch etwas dünner, selbst wenn man ins Menü geht und den Motorenklang herunterdreht, um das Defizit auszugleichen. Was haben wir dagegen getan? Na klar, wir haben die Anlage lauter gedreht, nur um dann beinahe vom Stuhl zu fallen, als die fetten LFE-Tieftoneffekte einsetzten. Tut euch selbst einen Gefallen und regelt auch diese im Menü herunter, sonst reißt ihr mit den Bässen das Haus ein.
Schade, dass hier geschlampt wurde, denn eigentlich genießt die Playstation mit Tempest einen klaren Vorteil gegenüber dem nativen Dolby Atmos-Codec auf der Xbox. Microsoft hat die Latenz von Atmos (und DTS:X) zwar inzwischen senken können, aber Sonys Tempest ist trotzdem noch etwas flinker.
Sei es drum, nach etwas Fummelei in den Menüs kommt der 3D-Sound genauso super rüber wie auf der Xbox und dem PC. Umweltgeräusche erschallen aus allen Richtungen, egal ob per Kopfhörer oder über eine Atmos-Anlage mit Deckenlautsprechern. Das hört sich nicht nur bei Flugzeugen, die über euren Köpfen fliegen, fantastisch an. Auch wenn ihr durch Tunnel fahrt, wird der Motorensound eindrucksvoll von der Decke des Tunnels reflektiert. Das wollt ihr nicht verpassen!
Greift zu, wenn...… ihr im noch immer besten Open-World-Arcade-Rennspiel so richtig Vollgas geben wollt. Forza Horizon 5 ist und bleibt ein unerschöpflicher Spielspaß-Quell für alle, die nicht zwingend auf Simulations-Physik bestehen.
Spart es euch, wenn...… ihr das Spiel schon auf einer anderen Plattform besitzt oder Arcade-Rennspiele verabscheut.





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