Test - Dragon Quest I & II HD-2D Remake : Test: Neue Optik und alte Probleme für die JRPG-Klassiker
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In Japan und Amerika gehört Dragon Quest seit Jahrzehnten zur JRPG-Speerspitze, Europa durfte erst ab dem achten Teil mitspielen. Diese Versäumnisse will Square Enix nach und nach durch schicke Remakes der ersten Serieneinträge nachholen. Nach dem dritten Teil folgt jetzt ein Doppelschlag, der das Debüt von Dragon Quest sowie den direkten Nachfolger mit der HD-2D-Optik von Octopath Traveler segnet. Abgesehen davon hat sich aber nur wenig getan.
Oftmals lässt sich die überarbeitete Grafik von Dragon Quest I & II HD-2D Remake nur als wunderschön bezeichnen. Die charmanten Charakterdesigns von Akira Toriyama – dem leider viel zu früh verstorbenen Zeichner von Dragon Ball – haben auch 2025 nichts von ihrem Charme verloren. Alberne Skelette, charakterstarke Menschen, muskulöse Walrösser und natürlich die ikonischen Schleime versprühen ab der ersten Sekunde einen kindlichen Charme, an dem sich aber auch Erwachsene erfreuen.
In der Neuauflage erfuhren die grobschlächtigen NES-Originale eine gehörige Frischzellenkur. Die Kunst der Pixelart nimmt Square Enix hier sehr ernst: Selbst kleinste Details wie Saugnäpfe an Oktopusarmen sind sichtbar, und die Animationen wirken nie so zweckmäßig, dass sie langweilen. Die Kämpfe fahren eisige Partikeleffekte und feuerrote Spezialangriffe auf, die zwar nicht mit modernen Blockbustern mithalten können, dafür aber eine wahre Nostalgiewelle auslösen.
Auch Städte, Dungeons, Wälder und andere Umgebungen versprühen diesen Retro-Charme, an Details mangelt es aber keinesfalls. Der Entdeckerdrang wird angenehm gekitzelt, lediglich die Oberwelt lässt an einigen Stellen feinere Ausarbeitung vermissen. Ein paar mehr Grasbüschel oder schicke Texturen hätten den platten Ebenen gutgetan.
Die volle Retro-Klatsche
Das Kampfsystem kommt so klassisch daher, wie es nur geht – schließlich begründete Dragon Quest maßgeblich das JRPG-Genre vor fast 40 Jahren und schuf die Blaupause für unzählige Nachfolger. Neuartige Mechaniken wie in Persona oder Clair Obscur: Expedition 33 sucht ihr vergebens; hier gibt es in guter, alter rundenbasierter Manier eins auf die Mütze.
Ihr wählt aus unterschiedlichen Angriffs- und Verteidigungszaubern, die Schwächen und Resistenzen der Feinde findet ihr durch Herumprobieren heraus. Hilfestellungen oder gar Lebensbalken für Gegner? Fehlanzeige. Im ersten Teil habt ihr noch nicht einmal eine Party, sondern stellt euch als einsamer Held den bösen Bestien der Welt entgegen.
Dadurch steigt die Schwierigkeit erheblich, Fans klassischer Taktiksysteme dürften aber frohlocken. Denn plötzlich erhalten vermeintlich nutzlose Zauber wie jene, die eure Ausweichchance erhöhen, eine ganz neue Bedeutung. Doch leider sorgt das System auch oft für Frust: Steht ihr einer größeren Gegnertruppe gegenüber, seid ihr der Gnade der RNG-Götter ausgeliefert.
An einigen Stellen steigt die Stärke der Feinde oder Bosse plötzlich so dermaßen an, dass stundenlanges Grinden unvermeidbar wird. Das mag Hardcore-Fans nicht stören, nervt alle anderen aber heftig. Immerhin könnt ihr den Schwierigkeitsgrad senken – was das Leben zwar erleichtert, aber das unausgeglichene Balancing nur behelfsmäßig kaschiert.
In Dragon Quest II gestaltet sich das Leben schon deutlich angenehmer, da ihr mit bis zu vier Charakteren in die Kämpfe zieht. Sie alle haben weitestgehend fest definierte Rollen wie Heilerin oder Damage Dealer. Das schränkt zwar die Freiheit etwas ein, sorgt aber für spürbare taktische Struktur.
Auch die Talismane, die ihr im Verlauf der Reise sammelt, haben nun endlich einen Zweck – sie versorgen eure Recken mit passiven Boni, wo sie im Original noch nutzloser Plunder waren. Doch leider warten trotz all der sinnvollen Anpassungen auch in Dragon Quest II immer wieder frustrierende Schwierigkeits-Spitzen auf euch.
Heldenhafte Recken
Der klassische Ansatz spiegelt sich auch in der Story wider. In Dragon Quest I müsst ihr als Nachkomme eines legendären Helden euren Wert beweisen und den bösen Drachenlord (nicht den vom Altschauerberg) besiegen, um die Welt zu retten. In Zeiten von ausufernden Epen wirkt diese simple Prämisse fast schon erfrischend.
Dragon Quest II steckt euch in die Haut eurer eigenen Nachfahren. Ihr brecht als namenloser Recke mit drei Nachkommen des Helden aus Teil 1 auf, um den finsteren Hargon zu stoppen. Euch erwarten deutlich mehr Inhalte, sogar Unterwasserabschnitte sind diesmal dabei.
Euer Held bleibt abermals stumm, aber die drei Begleiter haben dafür umso mehr zu sagen. Ihre charmanten Charakterzüge und Dialoge entfalten sich nicht nur in Textboxen, sondern auch in der neuen Sprachausgabe – wahlweise auf Englisch oder Japanisch. Natürlich ist nicht jedes Wort vertont, das wäre zu modern fürs JRPG-Erbe.
In beiden Spielen gibt es neuen Content, der vor allem das Worldbuilding vertieft und zusätzliche Informationen liefert. Manche Figuren tauchen sogar in beiden Spielen auf, was die Welten noch glaubhafter verknüpft. Falls ihr den Überblick verliert, helfen optionale Questmarker auf der Karte.
Greift zu, wenn...… ihr ein Herz für klassische JRPGs habt und diese Genre-Bildungslücke schließen wollt.
Spart es euch, wenn...… euch bei schlechtem Balancing die Hutschnur platzt und ihr Wert auf ausgefeilte Kampfsysteme legt.


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