Test - Die Sims 1+2: 25th Birthday Bundle : 2 Spiele und 26 Erweiterungen im Paket: Zuviel des Guten?
- PC
Ein Sims-Test kritisiert EA dafür, zu viele Inhalte auf uns loszulassen? Ja, denn die auf modernen Windows-PCs lauffähigen Ur-Sims und der Nachfolger lassen besonders zu Beginn kaum Zeit zum gemütlichen Aufbau.
Vor 25 Jahren ging eine Wette auf: Will Wright und sein Team bei Maxis Entertainment hatten auf die Idee gesetzt, dass es Spaß machen würde, den an und für sich langweiligen Alltag von Menschen zu simulieren. Was im Lichte der millionenfach verkauften Serienteile, -erweiterungen und -ableger und des für 2026 angekündigten Kinofilms selbstverständlich ist, überraschte damals durchaus: der enorme kommerzielle Erfolg des Spiels, das auch eine wesentlich weiblichere Zielgruppe erschloss als ein Gros des Marktes.
Das Prinzip des digitalen Marionetten-Theaters: Wir befehligen einen oder mehrere Sims und verhelfen ihnen zum Glück im Leben. Das geschieht, indem wir ihre Bedürfnisse – von banalen Erfordernissen wie Harndrang bis zu sozialer Interaktion – erfüllen, durch kurzfristige Handlungen und langfristiges Planen. Um das zu erreichen, schicken wir unsere Schützlinge durch Haus und Nachbarschaft.
Ein Klick auf Gegenstände oder Personen bringt dabei alle möglichen Handlungsoptionen voran. Die Toilette benutzen (und Hände waschen!). Das Bücherregal: zum puren Schmökern oder Verbessern unserer Fähigkeiten (Kochbücher!) lesen. Die Zeitung: gut für alles von der Job-Suche bis zur Witze-Seite. Die Mitmenschen: prima für alles von einem Plausch bis zu Freundschaften und Beziehungen, wenn unsere Interaktionen die Plus-Zeichen über den Köpfen aufsteigen lassen. (Warum funktioniert das im echten Leben nicht so einfach?)
Der zweite Teil verfeinerte das Ursprungskonzept geschickt, fügte etwa grundsätzliche Lebensziele hinzu, sieben Lebensphasen, eine Vererbung von Persönlichkeitsmerkmalen sowie eine typische Sieben-Tage-Woche. Auch die Möglichkeiten für die Konfigurierbarkeit unserer Sims wurden erweitert, auch leicht alberne Ideen wie Alien-Entführungen fanden ihren Weg in die Spielwelt.
Das Spiel des Lebens
Die schiere Handlungsvielfalt und Kreativität des Konzeptes, verbunden mit einer charmanten Präsentation, bildeten die Basis für das Erfolgsrezept. Während einige es vollkommen darauf anlegten, mit ihrem Sprössling die Karriereleiter hochzuklettern, flunkerten andere per Geld-Cheat und bauten einfach ihr digitales Traumhaus. (Auch hier: Gerne im echten Leben umsetzen, danke!) Inklusive Pool, dessen Leiter verkauft wurde, sehr zum Unmut der sterblichen und im Wasser gefangenen Sims.
Das hat auch nach 25 Jahren wenig von seiner grundsätzlich motivierenden Art eingebüßt. Wie so oft gilt, dass der 2D-Zeichenstil des ersten Teils etwas besser gealtert ist als die Polygonpuppen des zweiten, die nun eher nach typischer Wii-Grafik aussehen. Ein Wermutstropfen für den optisch in seiner Nostalgie einladenden ersten Teil: Sowohl die statischen Zoom-Stufen als auch die grundsätzlichen Dimensionen des Interfaces passen zu modernen Monitorauflösungen nicht mehr wirklich.
Seit Jahr und Tag gehörten zu den Sims ebenfalls: Add-ons, soweit das Spielregal reicht. Magie, Haustiere, Urlaub, Selbstständigkeit, Gartenbau, mehr Dating, Jahreszeiten … was auch immer Teil eines mittelbar normalen Lebenslaufes war, wurde von EA und Maxis in eine Erweiterung gepackt. Was beim ersten Teil noch verzeihlich schien, wurde spätestens bei Teil zwei als etwas zu tüchtiges Geschäftsgebaren kritisiert. Sollten die Sims wirklich immer erst bei Add-on über Haustiere oder Schnee verfügen?
Das Leben ist zu kurz für …
Mit dem Jubliläumsbündel hat Electronic Arts die Spendierpantinen gefunden und nahezu alle kleinen und großen Erweiterungen der ersten beiden Teile in ein Paket geschnürt. Allein die Aufzählung und Beschreibung der Komponenten würde die Hälfte handelsüblicher Berichterstattung sprengen: Acht Pakete für Teil Eins und schreibe und spiele 18 für den zweiten Teil sind mit an Bord. Dazu gehören auch die legendären H&M Fashion Accessoires – das ebenfalls definitiv reale IKEA Home Stuff fehlt als eines der ganz wenigen Add-ons.
Diese All-Inclusive-Mentalität rechtfertigt den durchaus sportlichen Preis von 40 Euro, bringt aber auch einen gravierenden Nachteil mit sich: In der Installation sind jeweils sämtliche Add-ons aktiv. Und während dereinst die Neuerungen eines jüngst erworbenen Megastar oder Apartment-Leben nach und nach im Veröffentlichungsrhythmus in eine buchstäblich eingespielte Welt prasselten, geht es hier Schlag auf Schlag.
Wie in einer Film-Montage, in dem auf dem Weg zum Eckbüro Akten ohne Ende auf dem Schreibtisch abgeladen werden, buhlen die Einblendungen in Interface und Spielwelt um Aufmerksamkeit. Nach wenigen Spielminuten im ersten Teil versperrt uns die Zaubertruhe von Hokus Pokus die Eingangstür, im zweiten Teil kreisen die Nachbarskatzen um unsere Füße, während die Benutzeroberfläche uns über die zahlreichen Gestaltungsmöglichkeiten des Gartens aufklärt.
Life Coach gesucht
So ist das Spielen für nicht absolut versierte Sims-Tausendsassas zu Beginn doch eine ungewohnt stressvolle Erfahrung. Diese gibt es in den Spielen historisch auch – aber eben erst im weiteren Spielverlauf, wenn Karriere, Privatleben und Bedürfnisse an allen Ecken ziehen, nicht gleich zu Beginn. Mit nach und nach zuschaltbaren Erweiterungen wäre dieser Reizüberflutung leicht Einhalt geboten worden.
Ein Hinweis zur Technik: Online mehren sich Berichte über Abstürze derart, dass nicht von Einzelfällen ausgegangen werden kann. Wir hatten diese nicht auf unserem System, allerdings gönnte sich der zweite Teil großzügige Ladezeiten.
Greift zu, wenn...… euer Jahrtausendwende-Ich Die Sims mit allen Add-ons und den Nachfolger verehrte und ihr zurückkehren wollt.
Spart es euch, wenn...… ihr noch nie etwas mit den Sims zu tun hattet und gerne eine sanfte Einführung erleben würdet.


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