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Test - Denshattack! : Test: Wie Tony Hawk's Pro Skater, aber mit Zügen!

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Müsste Skateboarding-Altmeister Tony Hawk notgedrungen auf den Zug als Fortbewegungsmittel umsteigen, käme für ihn garantiert nur Denshattack! infrage. In wahnwitzigem Tempo geht es auf Schienen durch ein stylish-buntes Japan der dystopischen Zukunft – ohne ständige Verspätungen und kaputte Klimaanlagen, dafür mit reichlich Kickflips, Spins und anderen Stunts. Klingt nach einem verrückten Spiel aus Japan, ist es aber nicht …

Denshattack! stammt vom in Barcelona ansässigen Indie-Studio Undercoders, das mit Treasures of the Aegean oder Koa and the Five Pirates of Mara bisher verhältnismäßig klassische Plattformer gemacht hat. Denshattack! geht jedoch in eine völlig andere Richtung, und zwar ohne Rücksicht auf Verluste. Wozu braucht es etwa eine ausgefeilte Story, wenn man mit einem Zug springen, grinden und irre Spin-Moves vollführen kann? Eben! So geht es im Kern einfach darum, zum besten Denshattacker zu werden, quasi der Tony Hawk der Zugführer.

Zugfahren für Adrenalinjunkies

Der Weg an die Spitze ist allerdings gepflastert mit Herausforderungen. In jeder Stage gilt es zunächst, möglichst schnell und mit vielen Punkten ins Ziel zu kommen. Daneben warten sogenannte Mutproben: Das können die Ausführung eines bestimmten Manövers, ein perfekter Grind durch eine Kurve oder das Einsammeln von Extras sein. Die grundsätzliche Steuerung ist rasch verinnerlicht: Kurvenfahrten, Gleiswechsel, Balancieren während Grinds und Tricks nach riesigen Sprüngen von Rampen gehen bereits nach ein paar Minuten locker von der Hand.

Zum Glück ist das so, denn viel Reaktionszeit bleibt nicht. Schließlich ballert der Zug mit einem Affenzahn über die Kurse – es mangelt nicht an Beschleunigungsfeldern und extrem steilen Abfahrten. Einige Abschnitte hat man erst nach drei oder vier Crashs beziehungsweise Abstürzen durchschaut. Klingt nach Trial-and-Error und ist es auch, aber auf einem sehr verträglichen Niveau, zumal Checkpoints in Hülle und Fülle vorhanden sind. So stressen die Kurse nicht, sondern motivieren, optionale Routen zu fahren und sich an den skurrilen Challenges zu versuchen. 

So hängt der Zug schon mal in der Gondel eines Riesenrads fest, das plötzlich los rollt und auf seinem Weg einige Windräder platt macht. Woanders steckt das Gefährt im Maul eines Hais fest, mit dem man kurzzeitig durch einen Parcours schwimmt. Solche Einlagen sind total bescheuert, ja klar. Aber auch ungeheuer kreativ und spaßig! 

Tony Hawk’s SSX Jet Set Radio

Ungefähr so lässt sich zusammenfassen, was in Denshattack! abgeht. Die Tricks und schnellen Routenwechsel erinnern an die legendäre Skateboarding-Reihe sowie das Snowboarding in SSX, während der knallige Cel-Shading-Look samt vieler Graffiti-Designs an das Inline-Skating-Abenteuer Jet Set Radio angelehnt ist. Wer will, entdeckt bei Einfällen wie der Riesenrad-Walze auch einen leichten Touch von Katamari.

Glücklicherweise wurde diese verrückte Mischung nicht mal eben schnell zusammengerührt, sondern fein abgeschmeckt und mit leckeren Beilagen versehen. Zum einen wäre da das verrückt-geniale Design der Levels. Sie strotzen nur so vor Sprungmöglichkeiten, Grind-Gelegenheiten, Halfpipes und Tunneln. Das alles dient unterschiedlichen Zwecken. Mal geht es schlicht darum, so schnell wie möglich von A nach B zu gelangen. Mal warten Rennen gegen andere Züge, in denen kräftig gerempelt werden darf. Oder als Rundkurs angelegte Stages, in denen einige Aufgaben erledigt werden müssen. Oder Abschnitte mit Zeitlimit, die nach dem Erreichen einer Mindestpunktzahl verlangen.

Zum anderen kommen regelmäßig frische spielerische Möglichkeiten hinzu. Beispielsweise schlittert der Zug über Eisbahnen, fährt unter Wasser, nutzt Windstöße für Flugeinlagen oder wird kurzzeitig zur Gondel, die schwingend Hindernissen ausweicht. Lange Combos aktivieren zudem eine Overtime, die zusätzliche Schienen in Regenbogenfarben entstehen lässt und damit neue Bereiche erschließt. Dort bieten sich erstklassige Gelegenheiten, um ganz tief in die Trickkiste zu greifen und fingerverrenkende Eingaben mit dem rechten Stick zu vollführen, die idealerweise den Highscore knacken. Eine jederzeit einsehbare Movelist hilft dabei, den (buchstäblich) richtigen Dreh hinzubekommen.

Dank einer kurzen Einführung ist jedes neue Element sofort verstanden. So bricht der Flow niemals ab, sondern trägt einen stets mit Vollgas durch die Stages – außer natürlich, man baut einen Unfall. Auch regional wird viel Abwechslung geboten. Der wilde Trip führt unter anderem durch Städte, Wälder und Fabrikanlagen, vorbei an Vulkanen, zu alten Burgen und Tempeln sowie über das Meer.  

Jäger und Sammler kommen bei Denshattack! ebenfalls auf ihre Kosten. Im Spielverlauf dürfen weitere Züge freigeschaltet werden, die Verbesserungen wie eine erhöhte Trickgeschwindigkeit oder ein schnelleres Aufladen der Overtime bieten. Dafür haben sie in anderen Bereichen Nachteile, also gilt es abzuwägen, welcher Zug am besten mit dem eigenen Spielstil harmoniert. Und damit auch die Optik stimmt, können zahlreiche Designs zur Verschönerung der Züge freigespielt werden.

Bester Service in allen Klassen 

Entwickler Undercoders lässt Casuals ein Highspeed-Abenteuer ohne nennenswerte Hürden erleben, während sich Experten an allerlei knackigen Mutproben der Marke “Absolviere das Level ohne Unfall” abarbeiten dürfen. Dass Spielende auf nahezu jedem Skill-Niveau ihren Spaß mit Denshattack! haben können, ist dem Studio aus Barcelona sehr hoch anzurechnen. Bester Service in allen Klassen also – wo gibt es sowas heute noch …

Ebenfalls hervorragend ist die Kombination aus Steuerung und Streckendesign. Egal ob grinden, springen, im letzten Moment ausweichen, Gleise wechseln oder komplexe Manöver à la “Front Cancel Heel Impossible” ausführen: Alles geht absolut direkt und butterweich von der Hand. Was man machen möchte, ist am Ende nur eine Frage der eigenen Fantasie und Fähigkeiten. Schienen, Wände und Rohre und Co. dienen lediglich als Bühne für diese Show. 

Absolute Höhepunkte setzen die Bosskämpfe, unter anderem ein gigantisches Mecha-Mädel und ein wandelndes Schloss – herzliche Grüße gehen raus an Studio Ghibli! Obwohl diese Auseinandersetzungen ein Fiebertraum bei 1000 Stundenkilometern sind, bleibt die Kontrolle immer erhalten. Hier wird ganz deutlich: Trotz allen kreativen Wahnsinns steht in Denshattack! die Spielbarkeit an erster Stelle, bei durchgängig stabilen 60 Bildern pro Sekunde.

Greift zu, wenn...

… ihr die Tony-Hawk-Reihe liebt und verrückten Genre-Mischungen gegenüber aufgeschlossen seid.

Spart es euch, wenn...

… ihr weder Skateboarding noch Zugfahren ausstehen könnt.

Fazit

Sascha Göddenhoff - Portraitvon Sascha Göddenhoff
Für solche Erfahrungen liebe ich Videospiele!

Dass Denshattack! was für mich sein würde, stand schon bei der Ankündigung fest. Am Ende bin ich jedoch baff, wie viel Spaß ich mit dem Spiel hatte. Das irrsinnige Tempo, die vielfältigen Tricks, das kreative Streckendesign und die knallbunte Grafik verbinden sich zu einem Rausch, der jedoch niemals ins Chaos abdriftet. Die Steuerung ist hervorragend und erlaubt mir, jede noch so schwierige Herausforderung abzuschließen. Gelingen fehlerfreie Fahrten samt langer Combos, dann habe ich mir das verdient. Baue ich einen Unfall oder stürze in einen Abgrund, ist es allein meine Schuld. Genau so muss es sein.

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Genauso willkommen sind alle, die “nur” einen abwechslungsreichen Trip genießen wollen. Denshattack! bleibt in Sachen Schwierigkeitsgrad entspannt und setzt zudem so viele Checkpoints, dass nicht mal ansatzweise Frust aufkommt. Niemand wird von diesem rasanten Vergnügen ausgeschlossen, und das finde ich toll! Darum lege ich das Spiel allen wärmstens ans Herz, die nicht allergisch auf Ollies, Grinds und satte Farben reagieren. Für rund 20 Euro gibt’s hier mehr Kreativität und Spaß als in vielen 70-Euro-Titeln.

Überblick

Pro

  • verrückt-abwechslungsreiches Streckendesign
  • hohes Spieltempo bei stabilen 60 FPS
  • präzise Steuerung
  • massig Tricks und Spezialaktionen
  • sehr fair dank häufiger Checkpoints
  • zahlreiche optionale Herausforderungen

Contra

  • immer wieder kurze Trial-and-Error-Passagen
  • einige Tricks sehr schwer auszuführen

Awards

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