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Test - Borderlands 4 : Test: Es ist fast unmöglich, damit keinen Spaß zu haben

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Knallbunt, laut und völlig durchgeknallt - so kennen und lieben wir unser Borderlands. Nachdem die letzten beiden Titel in der Reihe bei den Fans aber eher so mittelmäßig ankamen und der Borderlands-Film im vergangenen Jahr eine absolute Katastrophe war, hat das Image der Marke die ein oder andere Delle davongetragen. Kann der neue Teil den alten Glanz der Reihe wiederherstellen oder sind die Einschusslöcher dann doch zu viele?

Seit jeher lebt Borderlands von zwei Dingen: seinem unverwechselbaren Cel-Shading-Look, der Comic-Ästhetik mit überdrehtem SciFi-Western-Flair verbindet, und seinem kompromisslosen Multiplayer-Fokus. Egal ob im Splitscreen mit der besten Freundin oder online mit einer bunt zusammengewürfelten Truppe – die Reihe war immer dann am stärksten, wenn man gemeinsam lachend, plündernd und ballernd über Pandora und Co. gezogen ist. Auch Borderlands 4 bleibt dieser Tradition treu und versucht gleichzeitig, das Erfolgsrezept mit neuen Ideen frisch zu halten.

Kairos sehen und (wiederholt) sterben

Die Geschichte von Borderlands 4 knüpft nahtlos an das Ende von Borderlands 3 an, allerdings braucht man definitiv kein Vorwissen, um in das neue Abenteuer der Kammerjäger eintauchen zu können. Im großen Finale drohte damals der Mond Elpis auf Pandora (den Planeten aus Teil 1 und 2) zu stürzen. Um das zu verhindern, teleportierte Sirene (eine Art Zauberin) Lilith den Mond inklusive aller Personen darauf an einen anderen Ort der Galaxie. Doch genau wie bei Plastikmüll löst sich so ein Mond ja nicht auf, nur weil man ihn nicht mehr sieht.

Elpis landet allerdings nicht im Meer und schnürt einer Schildkröte die Luft ab, sondern im Orbit von und in kleineren Stückchen auch auf einem Planeten namens Kairos. Hier regiert und diktiert (diktatort? diktatoriert? … Er ist halt Diktator!) der Zeitwächter und der hat natürlich gar keinen Bock, dass Außenstehende (sprich ihr) einfach so ungefragt hereinplatzen.

Sein Regierungsstil ist nämlich moralisch ein wenig fragwürdig (gelinde gesagt). Alle Einwohner Kairos’ werden mit einem Bolzen im Nacken versehen, durch den der Zeitwächter sie jederzeit tracken und kontrollieren kann. Falls nötig, übernimmt er kurzerhand einfach den kompletten Körper und benutzt euch als Marionette.

Direkt nach eurer Ankunft werdet ihr als Teil der Crimson Resistance rekrutiert, den Überresten der Crimson Raiders, welche jetzt aktiv den Widerstand gegen den Zeitwächter antreiben wollen. Da kommt so ein schießwütiges Individuum wie ihr natürlich gerade recht, um die “Überzeugungs-” und Laufarbeit zu erledigen. Immerhin müssen möglichst alle großen Gruppierungen auf Kairos zum Kampf gegen den Zeitwächter aufgewiegelt werden und das wird euch so einiges an Argumenten und Munition kosten.

Dabei seid ihr als Kammerjäger doch eigentlich nur auf den Reichtum, Macht und Ruhm aus, welchen die namensgebenden Kammern versprechen. Die sind Überbleibsel einer alten Alien-Rasse und enthalten wertvolle Schätze, mächtige Artefakte und haushohe Monster (eigentlich vor allem Monster). Eure Berufsehre ist aber gerettet, denn auch auf Kairos sind gleich so einige dieser Kammern versteckt, wobei euch auch ohne diese definitiv nicht langweilig geworden wäre.

Der Kammerjäger jagt die Kammer mit dem Kammerjäger-Hammer

Auch in Borderlands 4 steht für euch wieder eine bunte Truppe an Kammerjägern zur Auswahl, mit je drei sehr unterschiedlichen Skill-Trees, die ihr später noch weiter spezialisieren könnt. Vier Kammerjäger kommen bereits zum Start, zwei weitere sollen später per DLC nachgereicht werden. Da euer Spielerlebnis maßgeblich von den Kammerjägern abhängt, hier mal eine grobe Vorstellung der einzelnen Spielstile.

Exo-Soldat Rafa verlässt sich voll auf sein Exo-Skelett und die Dinge, die man da halt so anschrauben kann. Je nach Spezialisierung ist das zum Beispiel die schwere Apophis-Lanze mit durchdringenden Explosions-Geschossen. Mit den Lichtbogenklingen springt Rafa in den Nahkampf und metzelt sich mit den Doppelklingen durch. Alternativ wären aber auch die Friedensbrecher eine Option. Diese zwei zusätzlichen Waffen erscheinen auf Rafas Schulter und kümmern sich eigenständig darum, eure Feinde mit Blei vollzupumpen.

Ebenfalls stark von ihren Gadgets abhängig ist die Gravitar Harlowe. Sie verfügt ebenfalls über eine Waffe, welche eine Energiekugel verschießt, die Feinde durchdringt, diese explodiert jedoch auf Knopfdruck und sorgt dabei noch für ordentlich Strahlungsschaden. Ihr Fluxgenerator wird einfach auf den Boden geworfen, schädigt Feinde im Umkreis und lädt die Schilde von Verbündeten wieder auf. Schließlich bleibt noch ihre Nullpunkt-Stasis-Blase. In die sperrt sie einzelne Gegner ein und hebt sie in die Luft, nur um sie anschließend mit Schmackes auf den Boden zu schleudern.

Etwas gröber mag es Amon, der Schmiederitter. Der schwingt entweder zwei riesige Äxte, die auch noch geworfen werden können und dabei Eis- oder Feuer-Schaden verursachen oder verzichtet direkt auf Waffen und prügelt mit der bloßen Faust auf die Gegner ein. In letzterem Fall explodiert seine Faust auch noch in einem Feuerball. Und wenn die Faust mal schmerzt, dann haut ihr euer Gegenüber eben mit dem riesigen geschmolzenen Schmiedehammer zu Klump. Heiß! Wer es eher etwas defensiver mag, der skillt Amons Schild und fängt damit eine Menge Schaden ab.

Mit Vex wird nicht nur das Quartett komplett, sondern es kommt auch die obligatorische Sirene ins Spiel. Bei Sirenen handelt es sich um eine sehr begrenzte Anzahl an Personen, die über übernatürliche Kräfte verfügen. Wie genau sich das äußert, ist jedoch bei jeder Sirene (und je nach Skillung) unterschiedlich. Vex konzentriert sich hauptsächlich auf das Beschwören von Begleitern wie bewaffneten Phasenklonen.

Mein persönlicher Favorit ist allerdings der supersüße Phasenphertraute (kein Schreibfehler!) Rabatzi. Das klingt nicht ganz so cool wie die englische Version “Trouble”, das ändert aber nichts daran, dass die tigerähnliche Phasenkatze als permanenter Begleiter an eurer Seite weilt. In Notfällen verwandelt sich Rabatzi in einen richtigen Badass, wächst auf die doppelte Größe (deswegen heißt sie dann Riesen-Rabatzi bzw. Big Trouble) an und verfügt über ein entsprechend dickeres Fell und schärfere Klauen.

Solltet ihr lieber als einsamer Wolf über Kairos spazieren, bietet Vex aber auch einen Skill-Tree, der keine Helferlein beschwört, sondern stattdessen Vex selbst dämonische Kräfte verleiht. Die dämonischen Flügel sind in dem Fall allerdings nur Dekoration zu Einschüchterungs-Zwecken. Schade, denn Flügel wären auf Kairos schon verdammt praktisch gewesen.

(Kammer-)Jäger und Sammler

Ein neuer Planet kommt nämlich auch gleich mit einem neuen Design-Konzept. Borderlands 4 jagt euch nicht mehr durch schweißtreibende Action-Schläuche, sondern spielt zum ersten Mal in einer großen Open World, die ihr komplett ohne Ladezeiten bereisen könnt. Nur vor einigen isolierten Bereichen wie unterirdischen Anlagen bedarf es noch eines kleinen bisschen Gedulds. Das ist jedoch absolut vernachlässigbar, rechnet man es auf die Gesamtdauer des Spiels. Wie bei jedem Titel mit Open World muss sich aber auch Borderlands jetzt der alles entscheidenden Frage stellen: Gibt es denn auf der Karte auch wirklich genug Sinnvolles zu tun?

Zum einen wäre da natürlich die Hauptstory, aber es warten auch zahlreiche Nebenquests, die sich wirklich sehen lassen können. Manchmal stolpert ihr beim Erkunden zufällig über eines der blauen Ausrufezeichen und denkt euch “Kann ich ja schnell nebenbei noch mitnehmen!”, nur um euch 30 Minuten später in einem unterirdischen Labor mitten in einem krassen Bosskampf wiederzufinden.

Und sollte die Quest auf den ersten Blick etwas uninspiriert ausfallen, dann gibt es wahrscheinlich irgendwo noch einen zweiten Teil, in dem ihr erneut auf die Charaktere trefft und ihre Geschichte weiterverfolgt. Während meiner Zeit auf Kairos habe ich nicht einen NPC gefunden, dessen Story total langweilig gewesen wäre, und das waren ziemlich viele NPCs. Auf Kairos ist die Hölle los!

Hinzu kommen die bereits erwähnten Kammern. In jedem Gebiet sind drei Schlüsselfragmente verteilt, die es erstmal zu finden gilt. Einige sind so gut versteckt, dass ihr schon wirklich ein gutes Auge (oder einen Hinweis vom Spiel) braucht, um sie zu entdecken. Alle drei Fragmente zusammen ergeben dann einen Schlüssel, mit dem ihr die Kammer öffnen und euch deren Wächter stellen könnt. Ich will nicht zu viel spoilern, aber diese Kämpfe sind definitiv von der komplexeren Sorte. Mit stumpfem Draufballern kommt man (anders als bei fast allen anderen Gegnern im Spiel) hier nicht sonderlich weit. Ein bisschen Geschick und Hirnschmalz erfordern die schon, sind dafür aber auch umso belohnender.

Fans von ausufernden Sammelaufgaben sollten sich vielleicht gleich mal Urlaub nehmen, denn davon gibt es so einige. Gefühlt steckt ihr so ungefähr alles ein, was nicht festgeklebt ist. Da wären zum Beispiel Echo-Logs, abgelegte Bolzen, Kammer-Symbole und Safes, außerdem kümmert ihr euch noch um Propagandalautsprecher, Silos und Unterschlüpfe mit Schnellreisestationen und so einiges mehr.

Selbst nach 15 Stunden kommt das Spiel noch mit neuen sammelbaren Dingen bzw. Mini-Aufgaben um die Ecke. Das nimmt schon fast überfordernde Züge an, aber zumindest kann sich niemand beschweren, dass er nichts zu tun hätte. Es gibt sogar einige alte Industriemaschinen, die euch schicke Teile für euren persönlichen Digirunner gewähren, wenn ihr sie wieder zum Laufen bringt. Ach, fast vergessen! Ihr habt jetzt übrigens einen persönlichen Digirunner!

Einfach schwimmen, schwimmen, schwimmen …

Die Catch-A-Ride-Stationen, die man aus früheren Teilen kennt, sind nämlich Geschichte, und ich bin mir sicher, dass sich deren ehemaliger Betreiber Scooter auf irgendeiner Südsee-Insel zur Ruhe gesetzt hat. Und wer etwas anderes behauptet, der lügt! Der Trend geht aber ohnehin zum Individualverkehr und so bekommt ihr recht früh ein eigenes Fahrzeug, welches ihr in der offenen Welt jederzeit per Knopfdruck rufen könnt. Karosserie, Lackierung und Motor (also die Fahreigenschaften) lassen sich sogar nach Belieben anpassen, wenn ihr die Teile dazu vorher als Questbelohnungen oder durch Aktivitäten in der Open World freigeschaltet habt.

Überhaupt ist Fortbewegung DAS Ding in Borderlands 4. Statt sich mit einfachen Hopsern zufriedenzugeben, steht euch ein Doppelsprung zur Verfügung und dank Raketenrucksack gleitet ihr nach Belieben durch die Luft oder dasht eine kurze Strecke. Hinzu kommt noch der allseits beliebte Greifhaken. Der lässt sich allerdings nur an einigen bestimmten Punkten benutzen. Das ist schon ziemlich ärgerlich, denn ihr scheitert sehr häufig an Klippen, die (gefühlt) nur wenige Zentimeter zu hoch für euch sind und müsst am Ende trotz aller Mobilität den langen Weg nehmen.

Vor allem über eine Änderung freue ich mich schon ziemlich. Die Kammerjäger haben endlich Schwimmen gelernt! Bisher explodierte euer Charakter förmlich (und wortwörtlich), wenn er auch nur den großen Zeh in eine Pfütze steckte. In Borderlands 4 habt ihr jedoch das Seepferdchen und dürft euch auch mal panisch ins Wasser retten, wenn eine Horde Feinde hinter euch her ist. Euer Digirunner kann sogar über die Wasseroberfläche gleiten! Nice!

Am Ende bleibt Borderlands 4 genau das, was wir uns nach den letzten eher wackeligen Jahren gewünscht haben: ein knallbuntes Chaosfest voller abgedrehter Charaktere, wilder Ideen und noch wilderer Ballereien. Klar, nicht jeder Gag landet und nicht jede Mechanik ist so rund, wie sie sein könnte – aber wenn die Kugeln fliegen, die Sprüche sitzen und das Loot im Sekundentakt auf den staubigen Boden von Kairos prasselt, ist es einfach unmöglich, keinen Spaß zu haben. Borderlands ist zurück, lauter und schräger denn je.

Greift zu, wenn...

… ihr gemeinsam mit Freunden eine chaotische Open-World-Sause voller Ballereien, Loot und Wahnsinn erleben wollt.

Spart es euch, wenn...

… ihr mit dem typischen Borderlands-Humor nichts anfangen könnt oder Open-World-Sammelaufgaben euch in den Wahnsinn treiben.

Fazit

Sebastian Ruppert - Portraitvon Sebastian Ruppert
Borderlands ist wieder in Bestform!

Borderlands 4 schafft es tatsächlich, das ramponierte Image der Reihe wieder aufzupolieren. Gearbox liefert ein Spiel, das seine Wurzeln nicht verleugnet, aber mutig genug ist, frische Ideen ins Chaos zu werfen – sei es mit der offenen Welt, den neuen Kammerjägern oder dem erweiterten Movement-System. Nicht alles sitzt perfekt, doch der Mix aus abgedrehtem Humor, lohnendem Looten und knackigen Kämpfen sorgt dafür, dass sich jeder Ausflug nach Kairos nach einem wilden Abenteuer anfühlt.

Besonders bemerkenswert ist, dass Borderlands 4 es schafft, den Spagat zwischen Nostalgie und Moderne zu meistern. Fans der ersten Teile finden hier all das wieder, was die Reihe einst groß gemacht hat, während Neueinsteiger dank moderner Mechaniken und besserem Spielfluss ohne Hürden ins Chaos eintauchen können. Die große Frage wird sein, wie Gearbox die Open World und das Endgame über die kommenden Monate weiter ausbaut – Potenzial für Erweiterungen und Überraschungen ist jedenfalls reichlich vorhanden.

>> Beute ohne Ende: Die 10 besten Loot-Games <<

Wer sich wieder einmal in die bunte Grenzregion zwischen Wahnsinn und Western-Sci-Fi stürzen will, bekommt hier genau das Richtige serviert. Borderlands 4 ist nicht nur ein würdiger Nachfolger, sondern auch ein lautes Statement: Diese Reihe ist noch lange nicht am Ende.

Überblick

Pro

  • Knalliger Cel-Shading-Look in neuer Open World
  • Vier abwechslungsreiche Kammerjäger mit starkem Spielgefühl
  • Loot- und Quest-Vielfalt für Dutzende Stunden
  • Multiplayer nach wie vor das Herzstück

Contra

  • Greifhaken und Movement teils etwas hakelig
  • Sammelaufgaben können überfordernd wirken

Awards

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