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Test - Aphelion : Test: Das neue Spiel von Don’t Nod setzt euch auf einem einsamen Planeten aus

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Eine wichtige Info vorab, falls du es noch nicht mitbekommen hast: Beim neuen Spiel von Don’t Nod handelt es sich NICHT um ein interaktives Story-Game nach Art von Life is Strange. Auch nicht um ein Action-Adventure wie Vampyr oder Banishers: Ghosts of New Eden aus demselben Hause. Stattdessen ist Aphelion am ehesten dem Genre der Walking-Simulatoren zuzuordnen. Ob das nun gut oder schlecht ist? Finden wir’s raus …

Im Jahr 2060 droht die Erde infolge des Klimakollapses für Menschen unbewohnbar zu werden. Die letzte Hoffnung eröffnet sich mit der Entdeckung eines bislang unbekannten Planeten am äußersten Rand unseres Sonnensystems. Persephone, so sein Name, ist fast vollständig von Eis bedeckt und verfügt dadurch über genug Wasser, um menschliches (Über-)Leben auf ihm zu ermöglichen.

Das herauszufinden, ob Persephone für eine Kolonisierung durch Menschen geeignet sein könnte, ist die Mission des ESA-Raumschiffs Hope-01. Doch kurz vor der Landung kommt es zu einer Katastrophe, woraufhin die einzigen beiden Astronauten an Bord an unterschiedlichen Orten auf der unwirtlichen Oberfläche des Planeten abstürzen.

Während die Biologin Ariane und der Ingenieur Thomas noch verzweifelt versuchen, einander wiederzufinden und die Mission trotz aller Widrigkeiten zu erfüllen, stoßen sie auf unliebsame Überraschungen: Denn der lebensfeindliche Planet beherbergt offenbar eine Spezies wurmartiger, schwebender Kreaturen, die ihr Revier gegen die eingedrungenen Menschen verteidigen. Und zu allem Überfluss finden wir auch noch die Überreste einer anderen Expedition, die offenbar schon vor langer Zeit den Planeten erforschte, obwohl wir der festen Überzeugung waren, als erste Menschen nach Persephone aufzubrechen.

Wer waren diese ersten Siedler? Wieso wurde ihre Existenz vor euch geheim gehalten? Welches Geheimnis verbirgt Persephone? Könnt ihr euch mit den rätselhaften Kreaturen befreunden, oder erklärt dieser fremde Planet der Menschheit den Krieg? Sind die Wesen möglicherweise nur eine Abwehrreaktion, wie ein planetares Immunsystem etwa? Und was hat es mit den geisterhaften Erscheinungen und kristallinen Eispflanzen auf sich, die allerorts auftauchen?

Wandern und klettern: ein reiner Walking-Simulator

Aphelion erzählt seine Geschichte behutsam und zurückhaltend und vor allem, indem es Fragen formuliert, die mit der Neugier auf ihre Antworten für Spannung sorgen sollen. Wie für Don’t Nod üblich ist die äußere Reise der beiden Protagonisten aber immer auch eine innere, bei der sie ihre zerbrochene Beziehung reflektieren und über die zerstörerische Natur des Menschen sinnieren, der nach der Zerstörung seines eigenen Planeten nun davor steht, einen weiteren zu schänden.

Spielerisch tritt Aphelion dabei so reduziert auf, wie es überhaupt nur geht. Und das wortwörtlich. Denn wie gesagt handelt es sich bei dem Spiel um einen Vertreter der Walking-Simulatoren, was bedeutet: Die meiste Zeit über stapft ihr durch den Schnee, wandert durch finstere Höhlen und Raumbasen oder rutscht Abhänge hinab. Wenn ihr mal nicht zu Fuß unterwegs seid, klettert ihr an steilen Klippen hinauf oder hinunter und springt dabei von einem farblich markierten Vorsprung zum nächsten wie in Spielen der Marke Horizon: Zero Dawn oder God of War, aber in der Steuerung deutlich ungelenker und ohne jegliche Art von Herausforderung.

Egal ob Gehen oder Klettern, das „Gameplay“ von Aphelion, wenn man es denn so nennen will, besteht fast ausschließlich aus reiner Fortbewegung. Dass die Entwickler ihr Spiel trotzdem als „Action-Adventure“ verstanden wissen wollen, liegt zum einen vermutlich schlicht an dem negativen Beiklang des ursprünglich mal als Schmähbegriff gedachten Ausdrucks Walking-Simulator, zum anderen an den gelegentlichen Schleich-Passagen, in denen man sich vor dem Monster versteckt, was aber auch kaum anspruchsvoller ausfällt. Man geht halt einfach da lang, wo das Monster gerade nicht ist.

Nun ist grundsätzlich gegen Walking-Simulatoren nichts einzuwenden, es sei denn, man steht dem Genre generell ablehnend gegenüber, aber das gilt schließlich für jede andere Spielegattung gleichermaßen. Gute Walking-Simulatoren zeichnen sich nicht durch ausgefuchste Spielmechaniken oder spielerische Herausforderungen aus, sondern die eindrückliche Vermittlung ihrer Geschichte oder die Erfahrung einer dichten Atmosphäre.

Aphelion inszeniert diese immerhin in einer Grafik, die schlicht sagenhaft ausfällt. Dass die Entwickler von Don’t Nod meisterlich mit der Unreal Engine umzugehen wissen, stellten sie schon mit Banishers: Ghosts of New Eden (Test) und Lost Records: Bloom and Rage (Test) unter Beweis. Doch Aphelion setzt nochmal einen drauf: die detaillierten Gesichtsanimationen, die atemberaubenden Panoramen über den zerklüfteten, fremdartigen Planeten, die bizarren Eisformationen und die geradezu magischen Momente trügerischen Idylls. Beim Wandern durch einsame Landschaften weckt Aphelion immer wieder Erinnerungen an Death Stranding 2 (Test) und dessen grafische Klasse – allein dieser Vergleich macht deutlich, dass es in dieser Disziplin ganz weit oben mitspielt.

Auch der Soundtrack verdient eine lobende Erwähnung: Orchestraler Pomp in den dramatischen Momenten, klagende Streicher in den besinnlichen, und dann immer wieder Klänge, die man sonst nur selten in Videospielen zu hören bekommt wie die majestätischen Orgeln beim ehrfurchtsvollen Blick auf rohe Natur.

Im Weltraum hört es niemand schneien

Doch wer als Gamedesigner auf spielerische Finesse bewusst verzichtet, muss schon eine entsprechend fesselnde Geschichte zu erzählen haben, um die entstandene Lücke zu füllen. Aber während eine nach der anderen der nicht gerade vielen 7 Stunden Spielzeit verstreicht und man inständig darauf hofft, es möge endlich mal etwas passieren, das die Ereignisse ins Rollen bringt, stellt man entgeistert fest, dass man schon wieder lediglich durch eine Höhle klettern oder in eine Schlucht wandern soll. Und eben genau gar nichts passiert.

Genau wie auf sein Gameplay verzichtet Aphelion auch weitgehend auf eine Geschichte. Womöglich geht es den Entwicklern gar nicht darum. Vielleicht geht es ihnen vielmehr um die reine Erfahrung, um das pure Erlebnis einer interstellaren Robinsonade, die zum Ziel hat, die Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit vom Gestrandetsein auf einem einsamen Planeten erfahrbar zu machen. Doch um ein solches Gefühl zu erzeugen, sind ständiges Gehen und Klettern denkbar unzureichende Mittel.

Lange Zeit nimmt man das noch in Kauf in der Erwartung eines Paukenschlags am Ende, der dem langen Weg dorthin rückwirkend einen Sinn verleiht. Doch selbst die eingangs formulierten, narrativen Fragen, die lange Zeit zumindest die Neugier und Hoffnung auf eine überraschende Auflösung schüren oder zumindest eine, die emotional nachwirkt oder nachdenklich stimmt, verpufft, weil eigentlich keine davon in irgendeiner Weise beantwortet wird.

Statt Diskussionen über das selbstzerstörerische Wesen der Menschen zu führen, über die Wehrhaftigkeit der Natur oder auch nur darüber, wieso eigentlich so viele Geheimnisse um diesen mysteriösen Planeten gemacht werden, erschöpft sich die Geschichte in pseudowissenschaftlichem Geschwurbel über letztlich ziemlich plumpen esoterischen Firlefanz.

Aphelion erzählt eine Geschichte, die als Kurzgeschichte oder als Folge einer Anthologie-Serie wie Black Mirror oder Outer Limits vermutlich mehr Sinn ergeben hätte, aber selbst dann nur wenig zu sagen hat, was nicht schon dutzendfach erzählt worden wäre. Die Sci-Fi-Walking-Sim The Invincible (Test) nach einem Roman von Stanislaw Lem etwa entwarf vor gar nicht allzu langer Zeit ein sehr ähnliches Szenario über das Stranden auf einem fremden Planeten und das Nachsinnen über eine Form von Leben, das sich vom irdischen radikal unterscheidet, fiel grafisch ähnlich beeindruckend und dramaturgisch zwar auch nicht perfekt, aber immer noch deutlich reifer aus.

Abschließend stehe ich daher etwas ratlos vor der Frage, warum dieses Spiel überhaupt existiert. Es hat keine Geschichte zu erzählen, keine Botschaft zu formulieren, spielerisch sowieso nichts zu sagen. Schlussendlich sieht es einfach nur hübsch aus und erweckt daher den Eindruck einer Fingerübung der Entwickler mit der Unreal Engine, um Erfahrungen für ihr nächstes Spiel zu sammeln. Und das ist schlicht zu wenig.

Greift zu, wenn...

… euch ein Walking-Simulator in Sci-Fi-Settung und sagenhaft schöner Grafik genügt und ihr kein Gameplay oder eine ereignisreiche Story braucht.

Spart es euch, wenn...

… ihr von einem Walking-Simulator auch eine spannende Geschichte erwartet.

Fazit

Matthias Grimm - Portraitvon Matthias Grimm
Ein Walking-Simulator, der schön aussieht, aber nur wenig zu erzählen hat – das ist zu wenig

Aphelion sieht in der Unreal Engine sagenhaft schön aus. Spielerisch handelt es sich zwar „nur“ um einen Walking-Simulator, in dem ihr den Widrigkeiten eines fremden Planeten trotzt und euch gelegentlich vor dem Monster versteckt. Aber die Geschichte um einen Raumschiff-Absturz, mysteriöse Alien-Kreaturen und eine geheimnisvolle Vorgänger-Expedition formuliert zu Beginn immerhin eine Reihe von Fragen, die die Neugier auf ihre Auflösung zumindest eine Weile schüren.

Bis man dann irgendwann feststellt, dass da nicht mehr viel kommt. Und man auf dem Weg zum enttäuschenden Ende die ganze Zeit lediglich durch den Schnee stapft und durch eine Höhle nach der anderen geklettert ist. Das war’s. Und das ist schlicht zu wenig. Viel zu wenig.

>> Don't Nod konnte es mal besser: 11 Spiele, die zu Tränen rühren <<

Überblick

Pro

  • sagenhaft schöne Grafik in Unreal Engine
  • hervorragender Soundtrack

Contra

  • gehen und klettern: Gameplay besteht aus reiner Fortbewegung
  • Story kommt nicht in die Gänge und versackt kläglich
  • Steuerung beim Klettern etwas plump

Awards

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