Test - Yield: Fall of Rome : Civilization für Eilige
- PC
Was machen wir heute, Brain? – Dasselbe wie jeden Abend, die Welt erobern! – Aber wir haben nicht einmal eine Stunde Zeit! – Gut, dann eben eine Express-Welteroberung!
Die ersten Momente in Kampagne und freiem Spiel sehen noch aus wie ein typischer Anfang in jedem irdischen 4X-Spiel: eine antike Karte mit einer Siedler-Einheit und Hauptstadt, ein Forschungs-, Bau- und Einheitenmenü, die um Aufmerksamkeit und Ressourcen buhlen. Daneben eine Heldeneinheit, die schon einmal durch die Spielwelt vorprescht. Runde für Runde erweitern wir unsere Stadt, erforschen im (übersichtlichen) Technologie-Baum alles von Fischerei bis Seefahrt und schicken weitere Siedlungs- und Kampfeinheiten zu Land und zu See über die Karte. So erfüllen wir nach und nach die 4X des Genres: explore (erkunden), expand (unsere Städte erweitern und neue Gründen), exploit (Rohstoffe und urbares Land gewinnen), exterminate (PLATTMACHEN!).
Mit der X-tra-Portion Drang
Wobei „nach und nach“ hier mit einiger Moderation zu lesen ist. Denn auch auf dem niedrigsten Schwierigkeitsgrad ist die KI nach den ersten Tutorial-Einsätzen ein wahrer Wirbelwind. Emsig rekrutiert sie Einheiten, schickt sie aggressiv in Kämpfe und heimst neutrale Rohstoffe und Städte ein. Dass die Standard-Einstellung für die Rundenanzahl im freien Spiel bei 18 liegt und zahlreiche wählbare Sieg-Bedingungen auch das noch verkürzen können, unterstreicht die Hektik des Titels.
Ebenfalls konfigurierbar: Dass die prozedural generierte Hexagon-Karte keine klassischen Ränder kennt, sondern der nächste Schritt vom östlichsten Plättchen nach „links“ ganz in den Westen führt. All das ist darauf ausgelegt, Leerlauf zu vermeiden und viel Interaktion mit KI und auch menschlichen Mit- und Gegenspielern herbeizuführen.
Acht Fraktionen von Hunnen bis Franken sind dabei in Kampagne und freiem Spiel wählbar, die untertitelgebenden Römer natürlich nicht, denn der Niedergang des Reiches bildet die zentrale Prämisse des Spiels. Römische Einheiten – hier Obelix‘ Händereiben denken – bilden entsprechend lediglich weitere Hindernisse und unser Ziel ist, möglichst häufig „Gib mir meine Legionen wieder!“-Schreie in Rom zu hören.
X-tra durchdachte Mechaniken
Abgerundet wird das System durch eine Reihe bekannter, aber durchaus durchdachter und gut ineinandergreifender Mechaniken. So gibt es, wie etwa in Civilization VI oder auch in Terrascape, Boni für bestimmte nebeneinander platzierte Wirtschaftsbauten – ergibt ja auch Sinn, dass die Mühle neben dem Getreidefeld besonders rund läuft.
Mit dem Erreichen bestimmter Meilensteine erhalten wir jeweils die Wahl über eine fortzuführende Policy – zum Beispiel die Wahl zwischen Mono- und Polytheismus. Diese haben wiederum unterschiedliche, aber schnell bemerkbare Einflüsse auf unsere Bauten, unser Wirtschafts- und Militärwesen.
Der erste Blick auf den Technologie-Baum mag etwas enttäuschen, denn er fällt deutlich kompakter aus als selbst in einem Age of Empires, vom „Haben wir noch einen Drucker für Endlospapier?“-Werk der Civilizations ganz zu schweigen. Doch für die kurzen Partien in Yield ergibt das eher simpel gehaltene – und natürlich nicht bis zu Mondlandungen reichende – Fortschrittsmenü Sinn und erzeugt spürbaren Entscheidungsdruck.
Schlag um Schlag: Aus X Hitpoints V machen
Auch wenn die acht verschiedenen Fraktionen, ihre historisch angelehnten Städtenamen und ihre jeweiligen Helden atmosphärisch passen: Die zahlreichen Kämpfe unserer Einheiten fallen etwas simpel aus: Einheit neben – oder bei Fernkämpfern eben in Schussweite – das Ziel stellen, auf das Erscheinen des Kampf-Icons warten, den Hitpoint-Anzeigen beim Aktualisieren zusehen. Zwar gibt es natürlich etliche Bonus-Systeme im Kampf, für eine im Spielverlauf so zentrale Mechanik ist uns diese aber zum jetzigen Zeitpunkt etwas zu simpel aufgebaut.
Segnet unser Held bei einer natürlich rein hypothetischen Überschätzung mit gegnerischen Einheiten das Zeitliche, erlauben Spezialgebäude dessen oder deren Wiederauferstehung – und umgekehrt kann das Niederringen eines gegnerischen Heroen auch eine Siegbedingung sein.
Ein paar kurze Sätze mit X
So klug Yield umgesetzt ist, so sehr müssen wir an ein paar Stellen doch ein wenig mäkeln wie die Latein-Lehrkraft bei der Kontrolle der Ablativ-Regeln (wer nicht weiß, was das ist: Glückwunsch!). Die grafische Inszenierung wirkt zwar einerseits insgesamt atmosphärisch schön und farbenfroh, präsentiert aber auch einen Mischmasch aus Stilen von Unity-Engine-typischen Low-Poly-Figuren bis zu Cartoon-artigen Effekten oder leicht überfiltert wirkenden Zeichnungen.
Und zudem können einige Interface-Aspekte im Early Access gerne noch verbessert werden. So müssen Figuren, deren Laufweg über eine Runde hinweg geht, recht umständlich neu zum Weiterlaufen befohlen werden. Auch der Kampf-Button erschien in unserem Spiel nicht immer zuverlässig.
Insgesamt jedoch präsentiert Yield bereits zum derzeitigen Zeitpunkt eine überlegte und meinungsstarke Interpretation des Genres, die insbesondere leicht ungeduldige Naturen ansprechen wird!
Greift zu, wenn...… ihr das 4X-Genre generell mögt und gerne schnell in den Kampf zieht.
Spart es euch, wenn...… für euch Civilization erst ab der Industriellen Revolution Spaß macht und geruhsamer Siedlungsaufbau wichtig ist.



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