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Test - X-Out: Resurfaced : Test: Kennt das überhaupt noch jemand außer mir?

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Es war Anfang der 90er Jahre eins meiner Lieblingsspiele für den Amiga 500. Nach Turrican natürlich, und Turrican II, aber immerhin vom selben Entwickler Rainbow Arts. Und mit einem Soundtrack von Chris Hülsbeck. X-Out, ein klassisches Shoot-em-up mit Raumschiff gegen Aliens, aber unter Wasser. Unter dem Beinamen Resurfed erschien kürzlich eine Neuauflage für PC, PS5, Xbox und Switch. Wenn juckt’s?, fragt ihr. Ich erzähl’s euch.

X-Out erschien zur Zeit der goldenen Ära des Shoot-em-up-Genres, aus der man heute vor allem nur noch R-Type kennt. Dabei waren dessen Nachahmer oftmals deutlich besser als das Vorbild, Katakis etwa, mein Lieblingsspiel auf dem C-64, und eben X-Out. Beide von Entwickler Rainbow Arts aus Gütersloh, der seinerzeit technisch und spielerisch Weltklasse war, aber außerhalb von Deutschland wusste diese Welt davon leider nichts.

„Get ready for … Cross-Out!“

X-Out zog mich seinerzeit vom ersten Moment an in seinen Bann mit einem Intro, das man damals voller Ehrfurcht als „filmreif“ bestaunte – auch wenn man heute nur müde darüber lächelt. Da sah man einen Astronauten in seinem Raumschiff, einen Hebel fest umklammert, und während er ihn mit pathetischer Geste umlegte und damit die Kontrolllampen und Bildschirme des Cockpits dramatisch flackernd einschaltete, sprach er die Worte, die wie ein Schlachtruf auf den gebannt zu allem bereiten Spieler gerichtet waren: „Get ready for … (dramatische Pause) … Cross-Out!“ Wow, Gänsehaut, in digitalisierter Sprachausgabe – eine absolute Seltenheit auf dem Amiga.

Allein das war schon ein erhebendes Gefühl, nach gerade mal 5 Sekunden im Spiel. „Jawoll, Sir!“, hätte man am liebsten zurückgerufen. Man fühlte sich wie die Piloten des Kampfsterns Galactica, bevor sie in ihren Raumschiffen durch die Röhre ins All hinaus geschossen werden.

Doch nix All. Die nächste Szene zeigte ein U-Boot, wie es einen Hangar am Meeresgrund verließ. Genau das war nämlich das Alleinstellungsmerkmal von X-Out, mit dem es sich zumindest oberflächlich von seinen unzähligen Mitbewerbern abzuheben vorgab: In X-Out flog das Raumschiff nicht durchs All und schoss auf Aliens. Stattdessen flog es durchs Wasser und schoss auf Aliens.

Visuell geriet dieser im Grunde unwesentliche Unterschied dem Spiel zum wesentlichen Aushängeschild. Statt am schlichten Sternenhimmel vorbei durchquerte man stimmungsvolle Unterwasserhöhlen in Brackwasser-Algengrün-Optik, später dann eine schimmernde Kristallhöhle und einen submarinen Vulkan. Abgeschossene Gegner explodierten nicht in einem Feuerball, sondern gingen in einer schillernd blubbernden Detonation aus Luftblasen unter.

Überhaupt die Gegner: Die orientierten sich natürlich in ihrem Aussehen an dem Tiefsee-Thema. Da gab es neben U-Booten und Geschütztürmen auch merkwürdige Hybridwesen wie Cyborg-Trilobiten und kampflustige Sardinen. Regelrecht ikonisch auch das Boss-Design, etwa das entstellte Monsterskelett mit den furchterregenden Fangzähnen am Totenkopf, das ganz augenscheinlich von den seinerzeit omnipräsenten Heavy-Metal-Plattencovern inspiriert war.

Ebenfalls recht ungewöhnlich für damalige Shoot-em-ups: Die durch abgeschossene Gegner gewonnenen Punkte dienten nicht lediglich der protzigen Zurschaustellung in der Highscore-Tabelle. Stattdessen fungierten sie als Währung, die man zwischen den (insgesamt acht) Leveln in einem Shop in seine Ausrüstung investieren konnte. Das Perfide daran war, dass man stets taktisch die eigenen Fähigkeiten einschätzen und abwägen musste: Gebt ihr das Geld lieber dafür aus, euer Schiff bis unter die Zähne zu bewaffnen mit Mehrfachschüssen, Drohnen, Schutzschilden und zielsuchenden Raketen? Oder in zusätzliche Schiffe, also quasi mehr „Leben“, die dann aber entsprechend schlecht ausgestattet sind? Spätestens im Game-over-Bildschirm ereilte einen regelmäßig die Erkenntnis: wie man’s macht, macht man’s verkehrt.

Soundtrack: eine von Chris Hülsbecks besten Arbeiten

Dazu ein Soundtrack von Chris Hülsbeck, der heute fast nur noch auf seine Komposition für Turrican reduziert wird, dabei lieferte er mit X-Out ein mindestens ebenbürtiges musikalisches Meisterwerk ab. Allein schon der Opening Track! Er beginnt als mitreißender Marsch, ändert dann aber mehrfach die Melodie, von erhabener Hymne zu geheimnisvollem Raunen. Ich habe es nie gestoppt, aber in meiner Erinnerung dauert das gesamte Stück ungefähr 30 Minuten, während man einfach nur auf das Logo des Spiels mit der Aufforderung starrt, einen Knopf zu drücken, damit es losgeht. Ich habe mir früher immer eingebildet, dass sich niemand außer mir jemals das gesamte Stück bis zum Ende angehört hat, und vielleicht stimmt das sogar.

Aber noch etwas war früher anders. Nämlich ich. Damals war ich noch gut in solchen Spielen. Oder wurde es zumindest mit viel Übung und Hartnäckigkeit. Doch die Resurfaced-Ausgabe führt mir einmal mehr schmerzlich vor Augen, dass ich und vor allem meine Reflexe mittlerweile zu alt für diese Art von Spiel geworden sind. Damals konnte ich das Spiel im Blindflug durchspielen. Bei der Neuauflage habe ich im vorletzten Level mittlerweile zerknirscht aufgegeben.

Was ist neu im Remaster?

Doch selbst daran haben die Macher dieses vorzüglichen Remasters gedacht. Denn nach einigen Fehlversuchen schaltet ihr nun verschiedene Cheats frei, die euch das Spiel Stück für Stück leichter machen, bis hin zur Unbesiegbarkeit. Allerdings könnt ihr damit keine Trophäen und Achievements mehr erhalten. Irgendwas ist halt immer.

Inhaltlich und grafisch ist X-Out: Resurfaced weitgehend identisch mit der Amiga-Version aus dem Jahr 1990, enthält liebevoll werkgetreue Detailverbesserungen bei ein paar Animationen, kleinere neue Komfortfunktionen wie vorgefertigte Raumschiff-Builds (die ich persönlich aber ziemlich nutzlos fand), sowie den Soundtrack wahlweise in der C-64-, Amiga- und einer neu abgemischten Version (die aber unter dem Dauergetöse der Soundeffekte manchmal nur schwer zu vernehmen ist).

Außerdem gibt es jetzt einen 2-Spieler-Koop-Modus, den ich seinerzeit schon schmerzhaft vermisst habe. Den gab es erst im ansonsten in jederlei Hinsicht schwächeren Nachfolger Z-Out, den ich mir damals nur deshalb kaufte.

Greift zu, wenn...

… ihr den Satz „Get ready for Cross-Out!“ noch immer im exakten Tonfall im Ohr habt.

Spart es euch, wenn...

… ihr keine klaffende Bildungslücke in eurer Kenntnis der Spielegeschichte verspürt.

Fazit

Matthias Grimm - Portraitvon Matthias Grimm
„Get ready for: Cross-Out!“

Wenn du diesen Satz in deinem Kopf gerade in derselben Intonation, mit dem markanten Halleffekt und der dramatischen Pause in der Mitte wie im Intro des Shoot-em-up-Klassikers aus dem Jahr 1990 gesprochen hast, dann brauche ich eigentlich nichts mehr zu erzählen.

X-Out stammt vom selben Entwickler-Team wie der ewige Amiga-Klassiker schlechthin, Turrican, und das sagt im Grunde schon alles. Dass er im Vergleich zu diesem nicht annähernd so große Fußspuren in der Spielegeschichte hinterlassen hat, liegt vermutlich daran, dass er in der Masse ähnlicher Shmups eben als „nur sehr gut“ in Erinnerung geblieben ist, aber nicht stilbildend genug daraus hervorragte. Technisch und spielerisch war X-Out jedenfalls auf der Höhe seiner Zeit, und die Musik von Chris Hülsbeck gehört bis heute zu seinen besten Werken.

>> Dauerfeuer: Die 10 besten Shoot-em-ups für Switch <<

Diese gibt es daher in der Resurfaced-Neuauflage gleich in drei Versionen: den C-64- und Amiga-Originalen, sowie einer neu abgemischten Variante. Ein neuer Zwei-Spieler-Modus und ein paar Detailverbesserungen runden das Gesamtpaket ab.

Doch wer freut sich darüber heutzutage noch? Machen wir’s kurz: Spieler von heute widmen sich vermutlich besser aktuellen Shoot-em-ups oder anderweitigen Klassiker-Remakes, deren Bildungslücke in der Spielegeschichte schmerzhafter klafft als an der Stelle des weitgehend vergessenen X-Out. Wenn du jedoch den einleitenden Satz dieses Fazit-Kastens mit einem beherzten „Ja!“ beantwortet hast, dann weißt du Bescheid.

Überblick

Pro

  • seinerseits beeindruckende Grafik in schickem Unterwasser-Look
  • einer der besten Soundtracks von Legende Chris Hülsbeck
  • spielerisch immer noch auf gutem Niveau
  • neuer Zwei-Spieler-Koop-Modus

Contra

  • heute nur noch bedingt geeignet, wenn man nicht Fan des Originals war

Awards

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