Test - The Outer Worlds : Ein etwas anderes Sci-Fi-Abenteuer

  • PC
  • PS4
  • One
  • NSw
Von Kommentieren

Obsidian Entertainment hat eine wilde Geschichte hinter sich. Gegründet 2003, ging es zunächst los mit den Fortsetzungen einiger BioWare-Rollenspiele wie Star Wars: Knights of the Old Republic 2 oder Neverwinter Nights 2. Mit Alpha Protocol folgte dann ein eigener Titel. Das zum Start heftig verbuggte Fallout: New Vegas war das nächste große Sequel, gefolgt von Dungeon Siege 3. Dazu noch South Park: Der Stab der Wahrheit sowie die Oldschool-RPGs Pillars of Eternity und Tyranny und schon entsteht nicht nur ein bekannter Name, sondern auch eine Erwartungshaltung für den neuesten Titel, das Sci-Fi-Rollenspiel The Outer Worlds.

Bereits jetzt ist klar, dass es nach The Outer Worlds erneut tiefgreifende Veränderungen bei Obsidian geben wird. Das aktuelle Rollenspiel wird noch von Take-Two-Tochter Private Division gepublished, einem erst vor relativ kurzer Zeit gegründeten Indie-Label. Doch schon bald geht es in höhere Sphären, denn derweil wurde Obsidian Entertainment von Microsoft übernommen und soll das magere Portfolio an Exklusivtiteln künftig aufstocken. Das wirft natürlich im Vorfeld ein wenig die Frage auf, ob Obsidian bei der Fertigstellung von The Outer Worlds überhaupt noch voll bei der Sache war und die hohen Erwartungen erfüllen kann.

Wie auch immer, an Bord des Raumschiffs Hope, vollgepackt mit Kolonisten im Kryoschlaf, verschlägt es euch ins Halcyon-System. Der leicht skurrile Techniker Phineas Welles schafft es nach etlichen Jahren, wenigstens ein Exemplar der menschlichen Tiefkühlkost wieder aufzutauen, nämlich euch. Frisch aufgewärmt erfahrt ihr, dass die zuständige Megacorporation sich aus Kostengründen geweigert hat, die frostigen Siedler wieder ins Leben zurückzuholen und die Hope kurzerhand als verschollen gemeldet hat. Phineas ist damit allerdings nicht einverstanden und schickt euch in die Siedlungen des Systems, um die nötigen Mittel zu besorgen, um die Hope wieder zu einem lebendigen Schiff zu machen.

Auftakt für ein rund 25 bis 30 Stunden langes Rollenspielabenteuer, das euch zu den beiden Hauptschauplätzen Terra-2 und Monarch sowie einige andere Lokalitäten schickt. Ein Raumschiff, dass ihr bereits nach den ersten paar Questschritten ergattert, erlaubt euch den stetigen Transport zwischen den Welten. Auf den Planeten sorgen Schnellreisepunkte für flotten Transfer. Na ja, mehr oder minder, denn die Ladezeiten auf den Konsolen sind unangenehm lang.

Dank einer kräftigen Prise Fallout: New Vegas in den Hinterköpfen bastelt sich Obsidian eine schicke Dystopie aus Megacorporations, Machtkämpfen, Ganoven und Überlebenskünstlern. Das Art Design ist ebenfalls gefällig. Auch hier kommen nicht selten Erinnerungen an Fallout: New Vegas auf, spätestens beim Anblick von Waffen und Rüstungen, garniert mit Einflüssen aus den 50er Jahren. Die Spielwelt punktet ebenfalls mit einer Menge schwarzem Humor gepaart mit einer Portion durchaus satirischer Gesellschaftskritik.

Die Lokalitäten des Halcyon-Systems sind kunterbunt und kreativ in Szene gesetzt und strotzen nur so vor Details. Freiheiten gibt es zudem genug. Zwar ist The Outer Worlds kein Open-World-Titel, Bewegungsfreiheit zur Erkundung ist dennoch vorhanden. Auch an Abwechslung mangelt es nicht dank des erdähnlichen Terra-2, des kunterbunten Monarch mit seinen biestigen Kreaturen, des mondähnlichen Scylla oder des Handelsstützpunkts Groundbreaker. Zudem erfährt man viel über die Spielwelt, ihre Entstehung und ihre Bewohner. Lobenswert. Schade nur, dass die Bewohner statisch und ohne echten Tagesablauf agieren.

Die Hauptstory plätschert zunächst lange vor sich hin und schafft es nicht, wirklich Spannung oder gar Emotionalität aufzubauen, lässt euch aber einigen Freiraum, um euch in der Spielwelt etwas einzuleben. Abseits der Hauptstory gibt es eine ganze Reihe von Nebenaufgaben, hinzu kommen Questreihen für eure Crewmitglieder sowie verschiedene Fraktionsquests, auch wenn letztere nur selten wirkliche Auswirkungen haben. Die recht altbackene Präsentation bringt auch nicht mehr Schwung in die Sache. Der spritzige Humor in den Ereignissen und den oft ausufernden Dialogen sowie in Elementen des Weltdesigns entpuppt sich aber immer wieder als Retter in der Not.

The Outer Worlds - Launch Trailer
Ab dem 25.10.2019 könnt ihr euch das Sci-Fi-RPG The Outer Worlds zulegen; vorab gibt es bereits den Launch-Trailer.

Apropos Dialoge: Geredet wird viel, immens viel. Aber das macht auch Laune, denn Obsidian hat den leider sehr statisch präsentierten Dialogsequenzen mit den oft originellen, aber mimisch hölzernen NPCs viele Optionen spendiert, damit ihr euch dem Rollenspiel widmen könnt. Seid ihr eher der freundliche Typ oder der freche Badass? Das bleibt ganz euch überlassen. Zusätzlich bringen eure Charakterwerte weitere Optionen ins Spiel wie Einschüchtern, Lügen oder Überzeugen. Schade, dass die hervorragend vertonten Dialoge nicht auch eine deutsche Sprachausgabe erhalten haben, sondern lediglich deutsche Untertitel.

Die zahlreichen Quests können zuweilen auf ganz unterschiedlichen Wegen gelöst werden. So quasselt, hackt, schleicht oder kämpft ihr euch unterstützt durch eure Charakterwerte durch unterschiedliche Situationen und findet nahezu immer einen alternativen Lösungsweg. Auch die Umgebungen selbst bieten mitunter alternative Wege. Das ist fein und wertet die Quests enorm auf. Entscheidungen mit teils heftigen Konsequenzen sind ebenfalls mit an Bord. In diesem Bereich hat Obsidian im Grunde alles richtig gemacht, auch wenn uns bei den Entscheidungen ein wenig die Grautöne zwischen Schwarz und Weiß fehlen.

Gespielt wird aus der First-Person-Perspektive, entsprechend greift bei den Kämpfen eine Shooter-Mechanik. Die ist im Großen und Ganzen vertretbar, zumindest was die Waffenhandhabung angeht. Auffällig ist allerdings das nahezu nicht vorhandene Trefferfeedback. Waffen gibt es reichlich, von Nahkampfwaffen über Pistolen bis hin zu Plasmawummen oder Flammenwerfern. Die Waffen können modifiziert und aufgewertet werden, zudem müssen sie, ebenso wie die Rüstungen, immer wieder repariert werden. Basis hierfür sind Materialien aus dem Zerlegen von Beute sowie verdiente Credits.

Könnte dichinteressieren

Kommentarezum Artikel