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Test - Sniper Elite: Resistance : Test: Neuer Schütze, altes Spiel

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Mit dem britischen Scharfschützen Harry Hawker geht es im Jahr 1944 nach Frankreich, um die Nazis an der Entwicklung einer neuen Wunderwaffe zu hindern. Abgesehen vom Protagonisten hört sich das sehr vertraut an, oder? Tatsächlich spielt Sniper Elite: Resistance parallel zu den Ereignissen von Sniper Elite 5. Und auch sonst bleibt Vieles gleich.

Harry Hawker ist beileibe kein Neuling in der Sniper-Elite-Reihe. In den vorhergehenden Spielen kam er jedoch nicht über den Status einer Koop- und Multiplayer-Figur hinaus. Sniper Elite: Resistance rückt ihn nun erstmals in den Mittelpunkt der Geschichte. Hawker mag anders aussehen und sprechen als Karl Fairburne, doch er läuft, klettert, schleicht und schießt genauso wie sein amerikanischer Kollege. Das kann man begrüßen, weil alles wie im Vorgänger funktioniert und damit jegliche Eingewöhnungszeit entfällt. Oder man runzelt massiv die Stirn darüber, dass Entwickler Wushu Studios (unter anderem beteiligt an Baldur's Gate 3 und Forza Horizon 5) für Resistance offenbar nur ein neues Charakter-Skin verwendet hat.

Ein tödliches Handwerk

Ähnliche Gefühle könnten auch beim Schauplatz aufkommen. Weil die Handlung von Resistance parallel zu den Ereignissen des fünften Teils spielt, führt die Reise erneut durch Frankreich. Es sind zwar andere Städte, Schlösser und Fabriken, die Harry Hawker auf seiner Mission besucht. Allerdings dürfte ihr Aufbau allen, die das 2022 erschienene Sniper Elite 5 noch gut im Gedächtnis haben, überaus bekannt vorkommen.

Positiv daran sind einmal mehr die offene Struktur und die damit verbundene Vielzahl an Möglichkeiten, ans Ziel zu gelangen. Harry versteckt sich im hohen Gras und hinter Mauern, kriecht durch schmale Öffnungen oder klettert an Ranken und Vorsprüngen empor. Kommen ihm Nazis in die Quere, werden sie im Nahkampf mit dem Messer oder den bloßen Händen erledigt – die Leichen verschwinden in herumstehenden Kisten, im Gebüsch oder werden ins Wasser geworfen. Sabotierte Lkws und Generatoren fliegen neugierigen Soldaten buchstäblich um die Ohren, weil Harry sie mit einer Granate präpariert hat. 

Eine heimtückisch platzierte Minen oder TNT mit Zeitzünder zerlegt Kübelwagen in ihre Einzelteile, die in einigen Gebieten durch die Straßen fahren. Selbst Panzer kann der Weltklasse-Sniper mit einer Kombination aus durchschlagenden Geschossen und mächtigen Sprengsätzen in die Luft jagen. Genauso werden die Safes der Nazis “geöffnet” – es sei denn, Harry hat zuvor den entsprechenden Schlüssel gefunden. Oder besser gesagt: einem toten Offizier aus der Tasche gemopst. 

Die Vorgaben innerhalb der Level variieren im Detail, drehen sich aber meist um die Beschaffung wichtiger Informationen oder das Zerstören einer besonderen Nazi-Einrichtung. Hinzu kommen optionale Aufträge, beispielsweise das Auffinden persönlicher Briefe oder die Eliminierung namhafter Feinde, die besonders viel Dreck am Stecken haben. Wie ihr an die betreffenden Orte und Stellen kommt und auf welche Art und Weise ihr diese hochrangigen Ziele ausschaltet, bleibt einmal mehr euch überlassen. 

Vollpumpen oder vorbeischleichen?

Selbstverständlich wird auch in Sniper Elite Resistance reichlich geschossen. Vor jeder Mission und an Werkbänken innerhalb der Missionen stattet ihr Scharfschützengewehr, Maschinenpistole und Pistole mit verschiedenen Aufsätzen aus, um sie an eure Bedürfnisse anzupassen. Braucht ihr mehr Feuerkraft oder einen verringerten Rückschlag? Soll es ein größeres Magazin sein oder lieber ein schnelleres Nachladen? Euer Spielstil bestimmt die Ausstattung. 

Im Feld findet ihr verschiedene Waffen wie schwere Maschinengewehre oder Panzerfäuste, die ihr so lange nutzen könnt, bis die Munition aufgebraucht ist. Auch hilfreiche Gegenstände wie Verbandskästen und Bandagen lassen sich vielerorts finden. Gesammelte Skillpunkte investiert ihr in erhöhte Gesundheit oder die Verbesserung des "sechsten Sinns”, der Gegner hinter Wänden schemenhaft sichtbar macht – perfekt für leises Vorgehen.

Natürlich könnt ihr auch alles in Rambo-Manier lösen und die Nazis über den Haufen schießen. Wie gehabt werden Volltreffer, die Köpfe oder Organe zerfetzen, per X-Ray-Ansicht in Szene gesetzt. Doch knallende Gewehrschüsse und krachende Explosionen versetzen die aufmerksamen Soldaten umgehend in höchste Alarmbereitschaft. Bereits auf dem mittleren Schwierigkeitsgrad seht ihr euch rasch einer Reihe von Nazis gegenüber, die das Feuer erwidern, sobald sie Harrys Position nur erahnen. Kriegt der Brite drei oder vier Treffer ab, geht er zu Boden. Stellt ihr auf “Elitescharfschütze” oder gar “Authentisch”, schießen euch die Deutschen schneller aus der Uniform, als ihr “Nazis sind scheiße!” rufen könnt.

Somit ist, wie schon in den Vorgängern, die leise Gangart am sinnvollsten – und mit dieser Variante habt ihr erneut den meisten Spaß. Wer sich etwas umschaut und die Gebiete erforscht, entdeckt zahlreiche offene Fenster und Türen, Durchgänge zwischen Häusern, Routen über Dächer und durch Tunnel oder gar Geheimgänge, die wichtige Orte auf der Karte auf kurzem Weg miteinander verbinden. 

Ebenso könnt ihr euch wieder laute Geräusche zunutze machen, um eigene Schüsse zu verdecken: So schlägt mit dem Läuten der Kirchenglocken auch das letzte Stündlein des feindlichen Spähers auf der weit entfernten Dachterrasse. Mit der nötigen Ruhe, vorausschauendem Handeln und etwas Geschick könnt ihr jede Mission völlig unentdeckt bewältigen. Gelingt das, fühlt es sich großartig an!

Kein Fortschritt

Im Vergleich mit dem Vorgänger hat sich die Aufmachung und Präsentation von Sniper Elite: Resistance ebenso wenig weiterentwickelt wie der Spielablauf – im Positiven wie im Negativen. Die offenen Areale wurden unterschiedlich sowie glaubwürdig gestaltet und verfügen dank HDR-Unterstützung über eine stimmige Beleuchtung. Allerdings fallen häufiges Kantenflimmern und Clipping auf. Auch die KI verhält sich bisweilen merkwürdig: Während euch manche Einheiten bereits aus einem gefühlten Kilometer über die Straßen kriechen sehen, juckt es andere nicht im Geringsten, dass unmittelbar vor ihnen ein Scharfschützengewehr aus dem Gebüsch ragt.

Nahkampf-Kills aus der Deckung heraus liefen im Vorgänger noch absolut geschmeidig ab. In Resistance passiert es dagegen regelmäßig, dass der Feind nicht automatisch hinter die Kiste oder ins Gras gezogen wird, sondern davor zu Boden geht. Das sieht nicht nur ungelenk aus, sondern lässt den britischen Sniper auch schnell auffliegen. Könnte man den leblosen Körper nur über den Boden und damit außer Sicht ziehen! Aber nach wie vor dürfen Leichen ausschließlich aufrecht gehend getragen und geworfen werden. 

Eine wesentlich größere Einschränkung bleibt leider ebenfalls bestehen: Zahlreiche kleine Mauern und Zäune stellen unüberwindbare Hindernisse für Harry dar. An vielen Stellen müsst ihr Umwege laufen, weil das Spiel euch nicht erlaubt, über ein hüfthohes Gartentor zu steigen. Wenige Minuten später hüpft ihr plötzlich elegant über eine große Kiste oder klettert flott eine meterhohe Wand hinauf – das macht keinen Sinn! Statt die spielerischen Möglichkeiten zu erweitern und die Macken des Vorgängers auszumerzen, belässt Entwickler Wushu Studios alles beim Alten. Das mag die Nummer sicher sein, bringt die Sniper-Reihe aber keinen Schritt nach vorne.

Herausforderungen für Könner

Wie schon im fünften Teil dürft ihr die komplette Kampagne im Koop-Modus erleben. Gemeinsam kommt ihr deutlich schneller und auch radikaler vorwärts, weil ihr natürlich über die doppelte Feuerkraft verfügt. Via Invasion dringt ihr dagegen in die Kampagne eines anderen Scharfschützen ein und versucht, ihn zu erledigen. Auch wieder mit dabei ist der Multiplayer-Modus: Ihr spielt reine Sniper-Matches, bekämpft eure Feinde zu viert oder zu acht im Trupp oder macht im Free-for-all euer eigenes Ding. Angepasste Spiele nach eigenen Regeln sind ebenfalls möglich. Abgesehen von Maps und Bewaffnung läuft also alles ab wie in Sniper Elite 5.

Ganz neu sind nur die Propaganda-Herausforderungen. Habt ihr die entsprechenden Plakate in der Kampagne eingesammelt, schaltet ihr insgesamt sieben Missionen frei. Unter hohem Zeitdruck gilt es beispielsweise, innerhalb eines Stadtgebietes 20 Feinde um die Ecke zu bringen. Eine andere Mission testet eure Scharfschützen-Skills, denn ihr müsst aus großer Entfernung schießen. Heimliche Kills oder Kopftreffer bringen euch zusätzliche Sekunden ein, die ihr unbedingt braucht, um die teils knackigen Aufgaben abschließen zu können. Die gesammelten Punkte werden dabei auf eure Erfahrung angerechnet, sodass ihr auch über die Propaganda-Herausforderungen neue Skillpunkte für Harry erhaltet.

Greift zu, wenn...

… ihr Frankreich als Schauplatz mögt und damit zufrieden seid, quasi einen DLC zu Sniper Elite 5 zu spielen. 

Spart es euch, wenn...

… ihr keinen Vollpreis für ein Spiel ausgeben wollt, das den Vorgänger weitgehend kopiert.

Fazit

Sascha Göddenhoff - Portraitvon Sascha Göddenhoff
Im Vergleich zum Vorgänger leider ein Rückschritt

Es ist nicht lange her, dass ich Sniper Elite 5 gespielt habe – und es hat mir gefallen. In den offenen, aber nicht zu großen Gebieten mit ihren zahlreichen Routen konnte ich im Schleichgang einige herrlich heimtückische Kills realisieren. Dazu sah alles hübsch und abwechslungsreich aus, sodass ich mich gerne im virtuellen Frankreich herumgetrieben habe, um nach der deutschen Wunderwaffe zu suchen.

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Nun erlebe ich den gleichen Ablauf nochmal in Sniper Elite: Resistance – und das gefällt mir nicht. Protagonist Harry Hawker ist lediglich auf dem Papier neu, denn er spielt sich haargenau wie Karl Fairburne. Auch hinsichtlich bekannter Macken hat sich nichts verändert. Nach wie vor scheitert mein Elite-Scharfschütze regelmäßig daran, eine Mauer zu überwinden, die ihm nicht mal bis zum Bauchnabel reicht. Manches funktioniert sogar schlechter als im Vorgänger: Warum Nahkampf-Kills aus der Deckung heraus teilweise nicht richtig ausgeführt werden, ist mir ein Rätsel. Und beim Klettern weigerte sich Harry mehrfach, durch ein eindeutig offenes Fenster ins Gebäude zu steigen. 

Klar, die grundsätzlichen Mechaniken und Abläufe funktionieren und machen Sniper Elite: Resistance insgesamt gut spielbar. Aber der Mangel an Neuerungen und Feinschliff fällt auf, gerade weil mir Teil 5 noch sehr präsent ist. Wenigstens ein frischer Schauplatz hätte es sein dürfen! So bekomme ich einen verkappten DLC, der jedoch so viel kostet wie ein neues Spiel. Darum lautet meine Empfehlung: Kennt ihr Sniper Elite 5 bisher nicht, dann holt es euch für schmales Geld. Im direkten Vergleich ist Resistance nämlich leider ein Rückschritt.

Überblick

Pro

  • verschiedene Waffen und freischaltbare Fähigkeiten
  • zahlreiche Wege innerhalb der großen Level
  • erneuter Fokus auf unentdecktes Vorgehen
  • launiger Koop-Modus

Contra

  • inhaltlich und spielerisch kaum Unterschiede zum Vorgänger
  • technische Probleme (u.a. KI-Aussetzer, Clipping-Fehler, Kantenflimmern)
  • viele kleine Objekte (z.B. Mauern) noch immer unüberwindbare Hindernisse

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