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Test - Reignbreaker : Test: Hier hat Hades eine große Inspirationsquelle gegeben

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Wir Gamer sorgen ja gerne mal für etwas Anarchie, und auch Könige und Königinnen stehen oft auf unserer Abschussliste. Reignbreaker vom mittlerweile leider aufgelösten Studio Fizbin (The Inner World) nimmt die Idee eines herrschaftslosen Systems durch den Verrat an den eigenen Oberhäuptern und macht sie zum zentralen Dreh- und Angelpunkt der Geschichte. Das erinnert stark an Hades und auch bei den Spielmechaniken finden sich deutliche Anleihen an den Superhit von Supermassive Games.

Das Prinzip von Reignbreaker ist schnell erklärt und Roguelike-Fans bestens bekannt. Ihr rennt in einem Affenzahn durch prozedural generierte Abschnitte und prügelt dabei sämtliche Gegner vom Bildschirm, die es wagen, sich euch in den Weg zu stellen. Um voranzuschreiten, müsst ihr Räume säubern, was euch mit Upgrades und neuen Fertigkeiten für den aktuellen Run belohnt. Beißt ihr ins Gras, landet ihr wieder in eurer Basis und täglich grüßt das Murmeltier.

Hier geht der Punk ab

Vom großen und offensichtlichen Vorbild Hades hebt sich Reignbreaker zunächst in Sachen Artstyle ab. Studio Fizbin setzt auf eine Mittelalter-Punk-Ästhetik, die angenehm unverbraucht über den Bildschirm läuft. Im besten Sinne wirkt alles etwas dreckig, ja fast schon unsauber gezeichnet. Die Farben der Figuren treten gerne mal über ihre Linien hinaus, ganz allgemein sind manche Modelle fast schon übermäßig schief und krumm.

Die Umgebungen muten wie ein mittelalterliches Schloss an, das an vielen Stellen mit Cyberpunk-Elementen aufgepeppt wurde. Passend dazu fallen die Gegner aus, es handelt sich um sonderbare Apparaturen robotischer Natur. Diese zwei komplett gegenseitigen Stilrichtungen mögen auf dem Pergament nicht zusammenpassen, greifen aber sehr natürlich ineinander und verschaffen Reignbreaker eine eigene Identität.

Selbiges gilt für die Musik leider nur bedingt. Wo das Hauptmenü noch mit einem düsteren Song im seichten Postpunk-Stil begrüßt, fährt das eigentliche Spiel ständig die drei gleichen Melodien auf, die nur in den Bosskämpfen mal etwas abweichen. Wo sind meine Dreiakkordschrabbelpunksongs oder zumindest ein paar unterschiedliche Gitrarrenriffs? Niemand erwartet die Qualität und Vielfalt eines Darren Korb, aber etwas mehr Varianz wäre schön.

Ein Feuerwerk der Fäuste

Auch in den Kämpfen bleibt Reignbreaker dem Mittelalter-Punk-Ansatz treu. Eure Heldin Clef drischt vornehmlich mit ihren blanken Fäusten und einer besonderen Lanze auf die Gegner ein. Selbstverständlich nutzt ihr die Stangenwaffe nicht einfach nur zum Zupieksen, sie verfügt über einige spannende Zusatzfeatures und diverse Modi, die ihr nach und nach freischaltet. So feuert sie, während ihr zuschlagt, Projektile in einer geraden Linie, lässt lähmende Geschosse regnen oder funktioniert wie eine Schrotflinte.

Dazu gibt es weitere Effekte wie die Betäubung von Gegnern, oder Treffer mit eurer Lanze heften ihnen eine Granate an, die nach einer gewissen Zeit hochgeht. Neben Schlägen mit der Lanze rammt ihr sie auch in den Boden, wo sie eine gewisse Zeit verbleibt und um sich feuert. Sind Gegner zu weit entfernt, schleudert ihr das spitze Objekt einfach quer durch den Raum. Die Waffe stellt eine interessante und vielseitig anpassbare Mechanik dar, die den Mangel an anderen Prügeln wieder ausgleicht – denn abgesehen von ihr stehen euch bloß die Fäuste von Clef zur Verfügung.

Wie in Hades auch trefft ihr auf diverse Charaktere. Neben ein paar wenigen Verbündeten sind die meisten der bösen Königin unterstellt und wollen euch mit ihren Horden an Untergebenen aufhalten – säubert ihr den jeweiligen Abschnitt, dürft ihr aus drei Upgrades wählen. Diese sind fest an die entsprechende Figur gekoppelt.

Immerhin bieten die nur vier Figuren spannende Optionen für Synergien. Beispielsweise lasst ihr mit der Macht des Fallenstellers bei jedem Dash eine Bärenfalle zurück, die Schaden verursacht und Feinde an Ort und Stelle festhält. Ein weiterer Skill lässt sie außerdem Blutung auslösen, was Gegnern nach und nach Lebensenergie raubt. Kombiniert mit einer Fähigkeit des Doktors erhaltet ihr im Gegenzug auch noch Leben von blutenden Feinden zurück.

Noch weiter ergänzt werden die Möglichkeiten durch dauerhafte Buffs, von denen ihr aber nur eine begrenzte Anzahl ausgerüstet haben dürft. Eure Slots erhöhen sich mit jedem erfolgreich abgeschlossenen Run und umfassen Standard-Boni wie mehr Leben und Schaden, doch Reignbreaker bietet auch spezifischere Effekte. So erhöht ihr die Häufigkeit bestimmter NPCs und damit verbunden eurer Upgrades in den Runs oder versorgt euch mit einer Wiederbelebung.

Ein Run wie der andere

Die Grundzutaten versprechen also abwechslungsreiche Runden und jede Menge Synergien. Die Masse und Klasse eines Hades erreicht Reignbreaker dabei nicht, das ist aber auch kein Beinbruch. Ein royales Verbrechen stellt hingegen der Mangel an optischer Abwechslung dar. Jeder Durchgang findet in der gleichen Umgebung statt, unterschiedliche Reiche wie im Spiel von Supergiant Games erwarten euch nicht.

Dabei nutzt Fizbin einen interessanten Ansatz: Besiegt ihr einen Boss, endet die aktuelle Partie. Startet ihr anschließend erneut und beißt euch bis zum Ende durch, wartet ein anderer Obermotz auf euch. So fühlt es sich zunächst nach mehreren Ebenen und tatsächlichen Herrschaftsbereichen an – bis zu der traurigen Realisation, dass sie allesamt gleich aussehen und auch kaum neue Gegnertypen auffahren.

Sie erhalten höchstens andere Variationen, die euch beispielsweise einen Donnerschock verpassen, greift ihr sie direkt mit den Fäusten an. So steigt zwar die Herausforderung, über den Mangel an Abwechslung täuscht dieser Ansatz aber in keiner Weise hinweg.

Dabei gibt sich Reignbreaker jegliche Mühe, eine interessante Welt zu gestalten. In den kleinen Gesprächen mit den Untergebenen der Königin erfahrt ihr Bruchstücke über die Welt. Allzu sehr ins Detail geht das Spiel dabei nie, es bleibt also jede Menge Interpretationsspielraum. Warum hegt Clef einen solchen Groll auf das royale Oberhaupt? Wie hält sie ihre Untergebenen gefügig? Gibt es außer euch noch weitere Verräter?

Reignbreaker webt sogar das Roguelike-Prinzip selbst in die Geschichte ein: Die Welt verändert sich ständig, weil ihre Majestät die Kammern ihres Reiches verschieben lässt, um euch am Voranschreiten zu hindern. Garniert mit der starken englischen Vertonung entsteht zwar keine wahnsinnig spannende, aber dennoch interessante Geschichte, die unterm Strich sogar eines der größeren Alleinstellungsmerkmale des Spiels darstellt.

Greift zu, wenn...

… ihr die Wartezeit auf den finalen Release von Hades 2 mit kompetentem Roguelike-Futter überbrücken wollt.

Spart es euch, wenn...

… euch bei mangelnder optischer Abwechslung die Decke hochgeht oder ihr Perfektion der Marke Hades erwartet.

Fazit

Dennis Hilla - Portraitvon Dennis Hilla
Ein netter Hades-Ersatz für zwischendurch, dessen Inspiration etwas zu offensichtlich ist

Machen wir es kurz: Wenn ihr Hades oder Hades 2 noch nicht gespielt habt, braucht ihr gar nicht erst über Reignbreaker nachzudenken. Die beiden offensichtlichen Vorlagen von Supermassiv Games fallen in so ziemlich jedem Punkt besser und umfangreicher aus, abgesehen vielleicht vom Artstyle – der ist ja schließlich Geschmackssache.

Wenn ihr jedoch großer Genre-Fan seid und euch nicht an der sehr offensichtlichen Inspiration stoßt, bekommt ihr mit Reignbreaker einen kompetenten Vertreter. Die Steuerung ist knackig und präzise, jedes Ableben verschuldete definitiv ich selbst und nicht irgendeine falsch wahrgenommene Eingabe. Die Lanze als Waffe mag zwar nicht alles auf den Kopf stellen, ihre Anpassbarkeit sorgt aber zumindest für zusätzliche Freiheiten bei der Build-Erstellung.

>> Die brechen jeden: Top 10 der besten Rogue-likes <<

Die musikalische Untermalung enttäuscht auf hohem Niveau und auch die ewig gleichen Gebiete hätten nicht sein brauchen. Bis zum finalen Release von Hades vertreibt ihr euch hier aber dennoch auf durchgehend solide Art und Weise die Zeit und das zum schmalen Preis von nur knapp zehn Euro. Und unterstützt nebenbei die Entwickler von Studio Fizbin, die mittlerweile leider die Segel streichen mussten.

Überblick

Pro

  • enorm schicker Mittelalter-Punk-Grafikstil
  • interessante Upgrades und Synergie-Möglichkeiten
  • schneller und unkomplizierter Spieleinstieg
  • durchgehend sehr starke Vertonung
  • Lanze bietet einige interessante Optionen

Contra

  • Soundtrack bleibt hinter seinen Möglichkeiten zurück
  • Umgebungen bleiben immer gleich
  • vergleichsweise wenig Upgrade-Kategorien
  • kaum unterschiedliche Gegnertypen

Awards

  • Design
    • PC

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