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Test - Pokémon Pokopia : Test: Ein Pokémon-Spiel ohne Kämpfe und Stress – was für eine Wohltat!

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Es muss ja nicht immer Gewalt sein. In Pokémon Pokopia tauscht ihr das kampfeslustige Leben eines Trainers oder einer Trainerin gegen die wandelbare Haut eines Dittos. Aus dieser ungewöhnlichen Prämisse ergibt sich das vielleicht kreativste Pokémon-Spiel der letzten Jahre. Frei von Fehlern mag es nicht sein, dafür aber immens cozy, wie es 2026 so vage heißt.

Auf den ersten Blick schlüpft ihr in Pokémon Pokopia in die Haut eines Kindes. Doch eigentlich handelt es sich nur um das Gestaltwandler-Taschenmonster Ditto. Es sind nämlich alle Menschen auf mysteriöse Art und Weise verschwunden. Euer übergeordnetes Ziel lautet entsprechend, diesem Geheimnis auf den Grund zu gehen.

Stets an eurer Seite dabei: Professor Tangoloss. Mit ihm sorgt ihr Stück für Stück dafür, dass weitere Pokémon in die Gebiete ziehen, was immer neue Skills und Möglichkeiten eröffnet, eure eigene Traumwelt zu gestalten. Was so einfach runtergerissen nach einem süßen kleinen Abenteuer klingt, birgt erstaunlich viel Spieltiefe und Features.

Konstruktive Attacken

Als wahre Pokémon-Fans kennen wir Manöver wie Aquaknarre, Zerschneider oder Zertrümmerer. Ihre destruktive Natur hat in Pokopia allerdings keinen Platz, hier nutzt ihr sie für friedfertigere Zwecke. Ihr bewässert eure Felder und erweckt vertrocknete Pflanzen zu neuem Leben, baut allerhand Erze und anderweitige Ressourcen ab und zerteilt lästige Hindernisse.

So sammelt ihr auch gleichzeitig neue Ressourcen, die ihr im erstaunlich vielfältigen Crafting-System nutzt. Überall in der Spielwelt verteilt finden sich Werkbänke, an denen ihr aus Rohstoffen neue Ressourcen herstellt, aber auch Möbel, Pfade oder Wände fertigt ihr hier. Je weiter ihr im Spiel voranschreitet, desto mehr Baupläne stehen euch zur Verfügung. Zu Beginn müssen noch Baumstümpfe als Sitzgelegenheiten herhalten, später gibt es richtige Eisenstühle und bequemste King-Size-Betten.

Doch auch ein so wandelbares Pokémon wie Ditto kann einfach nicht alles alleine machen und weil das Leben mit Freunden und Freundinnen ohnehin besser ist, lockt ihr einen erheblichen Teil der Spielzeit neue Taschenmonster in die Gebiete von Pokopia.

Jeder braucht ein Zuhause

Dazu errichtet ihr sogenannte Habitate, indem ihr unterschiedlichste Objekte nebeneinander platziert. Die Frage nach der spezifischen Sinnhaftigkeit lassen wir an dieser Stelle einfach außen vor, warum sich ein Hoothoot in einem Strohbett neben einem Nachttisch samt Kerze im Freien wohler fühlen sollte als im direkt danebenstehenden Haus, weiß wohl nur die Eule selbst.

Sobald die Pokémon in den Umgebungen aufgetaucht sind, unterhalten sie sich mit euch, teilen Hoffnungen und Wünsche mit und fordern bisweilen auch Upgrades ihrer Habitate ein. Hopplo ist es zu kalt? Vier Lagerfeuer helfen! Mit steigendem Wohlbefinden erhöht sich auch das Umgebungslevel, was wiederum mehr Optionen im Shop eröffnet.

Denn die Welt von Pokopia teilt sich in mehrere Gebiete auf, jedes davon mit einem eigenen PC und PokéCenter. An dem Rechner findet ihr den Shop sowie Herausforderungen. Sammelt ihr Steine, baut Gebäude, erfüllt Wünsche, verdient ihr Geld für den Laden.

Hausbau leicht gemacht. Oder schwer

In eurer Traumwelt darf natürlich ein angemessenes Anwesen nicht fehlen. Hier offeriert euch Pokémon Pokopia zwei Herangehensweisen. Entweder geht ihr den Minecraft-Weg und klöppelt euer Eigenheim aus unterschiedlichsten Blöcken zusammen. Holz, Stein, Sand, alles ist möglich, nichts verboten. Sobald drei Möbel in den vier Wänden stehen, erkennt die Spiellogik es als Haus an und Pokémon können sich überlegen, dort einzuziehen. Allerdings fällt die Steuerung bisweilen etwas fummelig aus und nicht selten landen Objekte an der falschen Stelle.

Ein anderer Weg für den Bau sind Kits. Diese findet ihr in der Welt oder im Shop und fordern weniger Kreativität. Ihr platziert die Blaupause an einem geeigneten Platz in der Welt, anschließend gilt es, die nötigen Ressourcen und Pokémon an der Baustelle abzuliefern. Denn die Taschenmonster verfügen über unterschiedliche Skills wie Bauen oder Zerstören. Je nachdem, ob ihr ein Haus, einen Brunnen oder etwas ganz anderes via Kit baut, müsst ihr entsprechend versierte Monsterchen beauftragen.

Ihr solltet euch aber sehr gut überlegen, wo ihr die Bauten platziert. Denn sie zu verschieben, fällt unnötig umständlich aus. Dafür gibt es spezielle Kits, wie auch für den Abriss. Diese müsst ihr natürlich wieder platzieren und Pokémon zuweisen, was zu viel Zeit und Nerven frisst.

Habt ihr alles beisammen, entsteht das Bauwerk natürlich nicht einfach aus dem Nichts. Wie in Animal Crossing müsst ihr eine gewisse Zeit warten, allerdings bleibt das Spiel dabei etwas zu vage. Im Idealfall bekommt ihr eine Uhrzeit genannt, oftmals heißt es einfach, dass der Bau „morgen" fertig ist. Tatsächlich wäre mir ein Countdown lieber.

Noch schlimmer fällt dieser Umstand aus, wenn ihr Aufträge bei Pokémon einreicht. Beispielsweise kann Flemmli Ziegelsteine aus Lehm für euch brennen und Sichlor verarbeitet Baumstämme zu Bauholz. Allerdings wisst ihr zu keinem Zeitpunkt, wann genau diese Vorgänge fertig werden. Zwar präsentiert sich Pokopia betont als Spiel, das euch keinen Stress auferlegen will, aber durch die teils sehr langen Laufwege von Gebiet zu Gebiet fällt es bisweilen schon nervig aus, zehn Minuten durch die Gegend zu rennen, bloß um zu merken, dass eure Ressourcen noch nicht fertig sind.

Ebenfalls etwas zu undurchsichtig fällt der Level eures Pokédex aus. Natürlich füllt ihr ihn nach und nach mit neuen Bekanntschaften, was entsprechend seine Stufe erhöht. Diese bestimmt, ob sich euch die Schleusen in weitere Umgebungen öffnen. Dabei steht aufgrund mangelnder Transparenz aber mehr Trial and Error auf dem Plan.

Karotte vor der Nase

Bei all den Parallelen zu Animal Crossing sei aber klar gesagt: Pokopia nimmt euch deutlich mehr an die Hand. Wenn ihr nicht gerne alleine und ohne Ziel vor euch hinsiedelt, könnt ihr stets zu Professor Tangoloss und fragen, was als Nächstes ansteht. Die Gebiete selbst deklarieren ebenfalls ganz klar ihre Ziele.

In Kargbergia erlernt ihr mit Schlaraffel das Kochen, wodurch sich eure Skills verbessern, was wiederum dazu führt, dass ihr härtere Erze abbauen könnt, womit sich neue Wege eröffnen. Trübküstia hingegen steht komplett unter Wasser und so stellt ihr die Abläufe wieder her. Allerdings zwingt euch das Spiel nie dazu, diesem Ablauf zu folgen. Jedoch lohnt es sich natürlich, denn nur so erhaltet ihr neue Rezepte, Baupläne und Möglichkeiten, eure ganz eigene Welt zu erschaffen.

Beim Ressourcenmanagement über die unterschiedlichen Gebiete stellt sich Pokémon Pokopia ziemlich ungelenk an. Zu Beginn ist euer Inventar sehr beschränkt, durch Upgrades vergrößert ihr es aber. Läuft es doch über, dürft ihr Lagerkisten platzieren, von denen ihr durchaus einige braucht. Hier geht die Übersicht schon gerne flöten, doch eine Sache ärgert mich noch mehr: Sie funktionieren nicht gebietsübergreifend. In Kombination mit Rohstoffen wie Sand, aus dem Glas entsteht, die nur in einem Gebiet vorkommen, verbringt ihr unnötig viel Zeit mit der Planung eurer Transporte oder eben der Reise zurück.

Ehrlich überrascht hatte mich die Tiefe von Pokopia. Zu Beginn wirkt das Spiel wie ein simpler Minecraft-Verschnitt mit Animal-Crossing-Anleihen, doch es ist weitaus mehr möglich. Felder bewässert ihr automatisch mit Sprinklern und sogar Strom erzeugt ihr via Wasser- oder Windrädern, was wiederum Laternen oder Verkaufsautomaten antreibt.

Steht ihr nicht auf Solo-Siedeln, dürft ihr auch gemeinsam mit euren Freunden und Freundinnen eine Online-Insel betreiben. Hierbei ist jedoch Vorsicht geboten, denn jede Änderung bleibt dauerhaft. Aber gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen, das hat schon seinen Charme.

Wollt ihr hingegen einfach nur mit eurer eigenen Insel angeben, dann dürft ihr wie in Animal Crossing: New Horizons Besucherinnen und Besucher einladen oder andere Welten aufsuchen. Das ist sowohl online als auch lokal möglich.

Greift zu, wenn...

… ihr ein ganz anderes Pokémon-Spiel braucht, das euch euer ganz eigenes Tempo ohne viel Stress lässt.

Spart es euch, wenn...

… ihr die klassische Pokémon-Erfahrung samt Kämpfen, Wechselwirkungen und epischen Abenteuern schätzt.

Fazit

Dennis Hilla - Portraitvon Dennis Hilla
Das entspannteste Pokémon aller Zeiten ist kein Meisterwerk, eignet sich aber ideal für lockere Couch-Abende

Der Ersteindruck, bei Pokémon Pokopia handle es sich lediglich um ein Animal Crossing mit den Taschenmonstern, bestätigt sich nach mehreren Stunden nur bedingt. Natürlich baut ihr auch hier euer eigenes kleines Paradies auf und lockt immer mehr Bewohnerinnen und Bewohner an. Aber die kleinen Eigenheiten der Taschenmonster schlagen doch mehr ins Gewicht als gedacht. Sie nutzen ihre Fähigkeiten für unterschiedlichste Tätigkeiten oder bringen sie euch bei. Und der Habitat-Bau zum Anlocken erinnert tatsächlich stark an Viva Piñata.

Angenehm fällt auch auf, dass die Taschenmonster über eigene Persönlichkeiten verfügen und euch so theoretisch auch ans Herz wachsen. Praktisch versucht Pokopia aber oftmals zu sehr, sich an eine vermeintliche junge Zielgruppe anzubiedern. Während ein schüchternes Magmar sehr sympathisch daherkommt, wirkt ein Maschock mit „Diggi"-Sprache komplett fehlplatziert.

>> Top 10: Die miesesten Pokémon-Klone: Schnapp dir bloß keinen davon! <<

Die gewährten Freiheiten fordern natürlich einen gewissen Entdeckerdrang und einen Hang dazu, eine eigene Welt aufzubauen. Pokopia schafft es aber sehr gut, euch gerade genug Richtung vorzugeben, um nie das Gefühl hervorzurufen verloren zu sein.

Selbiges gilt allerdings nicht für die vagen Zeitangaben. Hier wären etwas mehr Details durchaus smart gewesen. Dennoch schafft Pokopia genau das, was Game Freak damit wohl im Sinn hatte: ein entspanntes Abenteuer in extrem charmanter Optik zu bieten, das ihr ganz gemütlich auf der Couch zocken könnt, während eure Lieblingsserie nebenbei über den Fernseher flimmert. Allerdings lässt sich nicht verleugnen, dass die Zielgruppe vergleichsweise spitz ausfällt.

Überblick

Pro

  • jede Menge Inhalte und Aktivitäten
  • angenehm flaches Gefühl von Fortschritt
  • interessantes Habitat-System
  • Pokémon verfügen über spannende eigene Wesen
  • absolut kein künstlicher Stress
  • Gebiete unterscheiden sich stark voneinander
  • erstaunliche viel Spieltiefe durch Elektrizität, Automatisierung und mehr
  • charmanter Grafikstil

Contra

  • unnötig vage Zeitangaben
  • Grafik fehlt es an Details
  • Bau-Steuerung bisweilen sehr umständlich
  • keine geteilten Kisten für alle Gebiete
  • Laufwege bisweilen sehr lang

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