Test - Octopath Traveler 0 : Test: Genial! Wenn da nur diese eine Sache nicht wäre ...
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Weit mehr als nur eine liebevolle Hommage an klassische Pixel-Rollenspiele! Octopath Traveller 0 entpuppt sich als JRPG-Riese mit genialem Storytelling und ebenso gelungenem Gameplay. Wieso das Retro-Abenteuer dennoch nicht für jedermann geeignet ist, erfahrt ihr im Test.
Okay, nur noch diese eine Runde! Normalerweise kennt man dieses Phänomen von Strategiespielen wie Civilization. Aber auch im JRPG Octopath Traveler 0 vergehen die Stunden wie Minuten und ehe man es sich versieht, ist es draußen finsterste Nacht. Nach dem Serienstart im Jahr 2018 mauserten sich die 2D-Rollenspiele zu wahren Publikumsfavoriten. Auf der einen Seite überzeugte die Reihe durch ihren liebevollen Pixel-Look, auf der anderen Seite aber auch durch das ambitionierte Storytelling und das taktisch fordernde Kampfsystem.
Octopath Traveler 0 ist auf den ersten Blick nicht so anders, setzt aber die Akzente neu: Beispielsweise gibt es diesmal einen festen Hauptcharakter, den ihr euch zu Beginn des Spiels im Editor zusammenstellt. Durch den Fokus auf nur einen Reisenden ist das Spiel ein wenig geradliniger und bietet obendrein eine direkte Identifikationsfigur.
Rache und Wiederaufbau
Startpunkt des Abenteuers ist das Dörfchen Wishvale – friedlich und beschaulich. Aber dabei bleibt es natürlich nicht. Unbekannte Angreifer hinterlassen eine Schneise der Verwüstung. Die wenigen Überlebenden flüchten – und genau hier kommt ihr ins Spiel. Gemeinsam mit der Handwerkerin Stia und dem Bogenschützen Phenn will euer Held (oder eure Heldin) Wishvale wiederaufbauen und sich an den Feinden rächen.
So gibt es zum Start drei an Erzfeinde gekoppelte Hauptquests, die das Spiel an die Werte Ruhm, Macht und Reichtum bindet. Als vierte Aufgabe findet der Aufbau Wishvales einen Platz in eurem Questlog. Und hier bereits der erste Pluspunkt: Octopath Traveler 0 überfordert nicht. Mit wenigen Klicks verfolgt ihr die gewünschten Aufgaben nach und reist sogar zum Ort des Geschehens, sofern ihr diesen bereits entdeckt habt. Das Schnellreisesystem ist gerade im späteren Verlauf überaus praktisch. Denn das Spiel ist groß!
Umfangsmonster mit Sprachproblemen
Wie groß Octopath Traveler 0 ist? Schlicht gewaltig. Im Test dauerte es etwa 20 Stunden bis zum Beenden der ersten drei großen Hauptquests, danach öffnete sich das Spiel und thematisierte einen globalen Konflikt. Nach etwa 25 Stunden hatten wir genügend Geld zum Kauf eines Schiffes zusammen, mit dem wir auch die Meere erforschen konnten. Soll heißen: Nehmt euch Zeit für Octopath Traveler 0.
Zugleich werdet ihr aber auch ein wenig Geduld benötigen. Denn Octopath Traveler 0 wurde nicht für den deutschen Markt lokalisiert. Bedeutet: Es gibt weder deutsche Sprachausgabe noch deutsche Texte – stattdessen habt ihr bei beiden Punkten die Wahl zwischen dem japanischen Original oder Englisch. Aufgrund der Masse an Inhalten und dem mittelalterlich angehauchten Fantasy-Setting erfordert das JRPG fundierte Sprachkenntnisse, damit ihr gut zurechtkommt. Das ist die große Einstiegshürde von Octopath Traveler 0.
Das Leben in Orterra
Trotz der schieren Größe kreiert das Abenteuer einen erstaunlichen Spielfluss, der durch seine bisweilen brutale und dennoch emotionale Geschichte getragen wird. Das Erforschen und Kennenlernen der Spielwelt Orterra und ihrer Bewohner steht im Mittelpunkt. So könnt ihr mit den NPCs sprechen, um mit ihnen Handel zu treiben oder auch, um Gegenstände zu erkämpfen. Bestimmte Figuren ladet ihr außerdem nach Wishvale ein, wo sie euch Ressourcen oder andere Vorteile bescheren. Sehr schön: Jede Figur besitzt ihre eigene kleine Hintergrundgeschichte.
Wishvale entpuppt sich auf der anderen Seite als neue Heimat – als Rückzugsort, der langsam wieder zu einem Zuhause wird. Der Städtebaukasten erlaubt etwa das Platzieren von Gebäuden, das Zuweisen von Bewohnern oder auch das Upgraden und Anpassen der Häuschen. Dazu schaltet ihr im Verlauf immer neue Möglichkeiten frei. In der Taverne etwa könnt ihr aus angebauten Pflanzen Gerichte kochen. Diese verleihen eurer Truppe zeitlich limitierte Buffs. Im Trainingscamp könnt ihr Teamkameraden abstellen und verbessern, auch wenn diese nicht Teil der aktiven Party sind. Die Möglichkeiten sind vielfältig und eine willkommene Abwechslung vom Quest-Alltag.
Kameraden, Kämpfe und Kolosse
Das Sprechen mit NPCs dient aber nicht nur dem Bevölkern der Stadt, zugleich entdeckt ihr so auch neue Mitstreiter. Insgesamt stoßt ihr auf über 30 weitere Reisende in Orterra. Das Auffüllen des Teams ist essenziell. Zum einen sind die neuen Figuren oft mit wirklich interessanten Hintergrundgeschichten versehen, zum anderen sind acht Kämpfer logischerweise effektiver als nur drei.
Ein aktives Team umfasst maximal acht Figuren – verteilt über zwei Reihen. Ihr bildet praktisch Pärchen, zwischen denen ihr in jeder Runde wechseln könnt. Dadurch habt ihr eine Fülle an Waffen und Skills, um euren Kontrahenten einzuheizen. Als Bonus könnt ihr übrigens auch Söldner anheuern und deren Fertigkeiten ebenfalls nutzen. Abhängig von der aktuellen Quest erhaltet ihr auch immer wieder Unterstützung von NPCs.
Die Kämpfe greifen das bereits aus den Vorgängern bekannte Break- und Boost-System auf. Das bedeutet: Feinde besitzen Schwächen gegenüber bestimmten Waffen oder Elementarschäden. Zugleich verfügen sie über eine deutlich angezeigte Anzahl an Verteidigungspunkten, die ihr auf null bringen müsst. So durchbrecht („Break“) ihr deren Defensive und betäubt sie. Der Gegner kann dann eine Runde nicht reagieren und ist obendrein anfälliger für Schaden.
Damit einher gehen die Boost-Punkte, mit deren Hilfe ihr entweder mit Standardaktionen mehrfach zuschlagen oder Skills verstärken könnt. Gerade im Kampf mit Bossen oder seltenen Monstern ist die richtige Taktik Trumpf. Denn diese malträtieren euch teils mit Mehrfachattacken, Statuseffekten oder gewaltigen Rundumschlägen. Während also kleinere Widersacher sehr schnell zum XP-Farmen abgefrühstückt werden, sind die übergroßen Bosse eine knackige Herausforderung, die teils sogar den einen oder anderen Neustart erfordern.
Stetig wachsende Möglichkeiten
Im Test war bisweilen sogar das Grinden nach besseren Ausrüstungsgegenständen und Stufenaufstiegen erforderlich. Octopath Traveler 0 ist zwar zugänglich, aber kein Spaziergang. Zugleich sind es gerade diese Herausforderungen, die die Geschichten abrunden.
Das Charaktersystem erweist sich dabei als ausgesprochen vielseitig: So stattet ihr beispielsweise eure Recken mit neuen Waffen und Ausrüstungsgegenständen aus. Obendrein besitzen alle aktive und passive Skills sowie erlernbare Fertigkeiten, die ihr mithilfe von Jobpunkten zuweist. Außerdem ist auch das Meistern von Fertigkeiten möglich. Euer Hauptcharakter besitzt obendrein auch magische Ringe, die ihm Ultra-Skills bescheren. Auch die bereits angesprochenen Buffs über Nahrungsmittel und andere Hilfsmittel und Erweiterungen spielen im Verlauf zunehmend eine Rolle.
Das Spiel erweitert seine Möglichkeiten langsam, gleicht so aber die Progression ausgesprochen clever und stimmig an die neuen Herausforderungen an. Dadurch müsst ihr eure Taktiken immer wieder anpassen und euch auch in die komplexeren Mechaniken hineinarbeiten. Das Spiel schaltet auch nach unzähligen Spielstunden immer neue Optionen frei, wodurch die Motivation und auch die Herausforderung auf einem hohen Niveau bleiben.
Greift zu, wenn...… ihr komplexe und dennoch handliche Pixel-Rollenspiele voller Tiefe und Emotionen liebt.
Spart es euch, wenn...… ihr weder Englisch noch Japanisch beherrscht und keine Lust darauf habt, Unmengen an Bildschirmtexten zu lesen.




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