Test - Life Below : Unter dem Meeeeeer: Kann der Aufbau mit Korallen gefallen?
- PC
Perlen als Bau-Rohstoff ernten, Fische ansiedeln und dabei immer die Wechselwirkungen unserer Flora und Fauna im Blick haben: Life Below verzichtet weder auf Wasser- noch auf Spieltiefe.
Enttäuscht schiebt der Redakteur die Phrasenschubalde zu: “Leinen los”, “auf zu neuen Ufern”, all die Klassiker der journalistischen Hochkultur ergeben UNTER Wasser natürlich gar keinen Sinn mehr. Immerhin: Den Aquariumseffekt können wir retten.
Und benutzen. Denn Life Below zelebriert sein Szenario, die Welten am Meeresboden, farben- und animationsfroh. Nicht auf dem Niveau einer AAA-Produktion natürlich, aber doch mit genügend visueller Abwechslung, dass eben alleine das Anschauen und Anhören der Welt eine kleine Freude bereitet. Kleiner Haken: Mitunter werden die einzelnen Biome recht grobflächig in eine atmosphärische Lichtstimmung getüncht. Das passt natürlich, wenn etwa ein starkes Orange den Bildschirm unserer Vulkan-Riffe dominiert - aber der Filter bleibt auch beim Scrollen in andere Gebiete für ein paar Sekunden erhalten, was unstimmig wirkt und einen merkwürdigen Flatter-Effekt erzeugt.
Von diesen seltenen Momenten abgesehen macht das Leben am Meeresboden optisch wie spielerisch einiges her: Wir werden im Spiel verkörpert durch Thalassa, einen ehemaligen Wassergeist, nach einer Metamorphose “jetzt mit so vielen Tentakeln!”, und müssen unter den kritischen Augen des Grumpel-Berater Pontus mehrere Riffe hochziehen und zum Leben entwickeln.
Spielziel ist es, Riff-übergreifend eine florierende Unterwasserwelt zu errichten und verschiedene Bewohner - von Clownfischen bis hin zu Schildkröten - anzusiedeln. Doch diese benötigen natürlich Wohnraum und Nahrung. Für den Aufbau der Gebäude - Korallen in verschiedensten Ausprägungen, Unterwasserbrunnen, Muscheln, Anemonen und Fisch-Behausungen sind dabei unsere Wassergeister zuständig, also die frühere Lebensform unserer Protagonistin. Der Aufbau geht zügig: Als primäre Rohstoffe braucht es Korallen-Materie und Perlen, richtig, aus den Muscheln. Die meisten Gebäude lassen sich frei platzieren, andere haben naturgemäß Restriktionen - eine Koralle, die aus Unterwasser-Geysiren Energie zieht, lässt sich eben nur neben diesen errichten.
Nur wir sind außer Rand und Band
Energie? Richtig, Energie - damit die einmal von unseren Wasserwesen errichteten Konstrukte auch ihren Dienst verrichten, müssen sie entsprechend versorgt sein. Dafür gibt es natürlich auch wieder emsig arbeitende Vorrichtungen, aber Vorsicht: Diese haben, wie die meisten Gebäude, Auswirkungen auf Temperatur und den ph-Wert einer Welt. Zu basisch oder sauer, zu kalt oder zu warm - diese Faktoren haben Einfluss auf den Komfort all unserer Unterwasserstädte; im schlimmsten Fall sterben unsere Biobauten sogar ab und müssen von den Wassern neu errichtet werden.
Um diese Faktoren abzumildern, lassen sich in der Forschung Korallen entwickeln, die auf Temperatur oder pH-Wert entsprechend Einfluss nehmen. Für diese Forschung wiederum müssen wir in einer “Wachstumskoralle” analog zur Wissenswährung in Anno 117 Einkommen generieren.
Aus dieser - nicht abschließenden - Schilderung der Spielmechaniken sollte klar werden: Life Below ist keineswegs ein Casual-Spiel, sondern im Anspruch durchaus eben mit Anno vergleichbar. Über die verschiedenen Katastrophen, die unsere Riff-Welten heimsuchen können - Ölpest, Quallenplagen, Hitzewellen und natürlich Vermüllung - haben wir da noch gar nicht gesprochen. In den Situationen gilt es, schnell eine Antwort zu koordinieren, um unsere Welt und ihre Bewohner am Leben zu halten.
Life Below gelingt die Balance aus beinahe meditativ zelebrierter Unterwasser-Stimmung und durchaus anspruchsvoller Aufbau-Mechanik über weite Strecken. Die unterschiedlichen Biome und ihre jeweiligen Merkmale - etwa ein besonders warmes Riff über einem Unterwasservulkan - werden schön inszeniert und tragen weiter zur Abwechslung bei. Lediglich bei der Inszenierung der Geschichte in kurzen Textfenstern mit einem subtilen, fast Gameboy-artigen Geräusch zur Illustration der Stimmen zeigen sich die Grenzen der Produktion deutlich und werden der Kreativität von Autorin Rhianna Pratchett nicht ganz gerecht. Doch auch das ist weitaus weniger häufig und nervig als das ständige Gebrabbelt etwa in Pioneers of Pagonia.
Bereits nach ein paar Minuten im Spiel stellt sich der zufriedene Momente ein. Mag Berater Pontus auch zetern, dass wir unsere Welt weiterentwickeln müssen, unseren Fischen geht es gut, die Geister scharren emsig Rohstoffe durch die Gegend und in den verschiedenen Ansichten können wir auch unsere gesamte Ozean-Welt in der Übersicht florieren sehen. Oder wie eine kluge Krabbe vor gut dreißig Jahren resümierte: “Uns geht es toll hier, ganz wundervoll hier, unter dem Meer!”
Greift zu, wenn...… ihr auch nur mittelbar Interesse am Unterwasser-Szenario habt.
Spart es euch, wenn...… ihr auch in Aufbau-Spielen eine top inszenierte Geschichten erwartet.



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