Special - Ich habe zum ersten Mal Minecraft gespielt : Und bin begeistert, aber dennoch enttäuscht
- Multi
Elena arbeitet seit 10 Jahren als Spielejournalistin, aber hat noch nie Minecraft gespielt. Das ändert sie jetzt und wird dabei mehr als einmal überrascht.
Minecraft ist aktuell mal wieder in aller Munde. Immerhin mausert sich der Kinofilm gerade zum Blockbuster, und das Spiel erfreut sich auch 14 Jahre nach Release noch großer Beliebtheit. Auch ich habe zig Freunde, die gerne ihre Abende gemeinsam auf ihren Servern verbringen. Sie ziehen emsig coole Bauwerke hoch, üben sich im Überlebenskampf, lassen ihrer Kreativität mit etablierten oder eigenen Regeln freien Lauf.
Und natürlich hatte ich auch beruflich immer viel mit Minecraft zu tun - über die Jahre hinweg las und schrieb ich viele News, beschäftigte mich immer wieder mit dem einmaligen Ein-Mann-Projekt, das zu einem der wichtigsten Spiele überhaupt wurde. Nur eines tat ich nie: Minecraft selbst spielen.
Dabei habe ich viele andere Survival- und auch Baukasten-Spiele regelmäßig gezockt, Terraria zum Beispiel, was ja quasi einem 2D-Minecraft entspricht. Nur der Genre-Meilenstein ist irgendwie an mir vorbeigegangen. 2025 wollte ich aber endlich über meinen Schatten springen und der spannenden Frage nachgehen, ob und wie man jetzt als Neuling überhaupt noch Spaß mit Minecraft haben kann.
Minecraft ist zu wichtig
Meine ersten Spielstunden sind ganz anders, als ich es erwartet habe. Ich wandere ziellos umher, sammle Ressourcen, habe keine Ahnung, was ich tun oder wie ich es angehen soll. Ich sterbe mehrmals wegen Zombies oder Creepern, die mir auflauern. Ich bin genervt, schalte schließlich in den kreativen Modus. Dort erschlägt mich aber die schiere Fülle an Bauplänen und Ressourcen.
Ich beginne ein neues Spiel und stehe vor denselben Problemen. Ich bin ratlos. Wieso macht mir dieses Spiel keinen Spaß? Wie kann das sein, wo doch gefühlt jeder so viele großartige Momente und Erinnerungen damit verbindet?
Je mehr ich darüber nachdenke, desto bewusster wird mir, wie einzigartig meine Situation ist - und die von Minecraft. Beinahe jeder kennt es, selbst Leute, die sonst gar nichts mit Spielen am Hut haben. Es ist ein geflügelter Begriff geworden, wie ein Call of Duty, das sinnbildlich für alle Shooter - und für manche sogar für alle Spiele - steht.
Minecraft ist irgendwie Gaming im Ganzen und genau das ist ein Problem. Denn selbst ich, die so viele Jahre Erfahrung im Spielebereich mitbringt, bin deshalb nicht frei von Erwartungen. Unzählige faszinierende Kreationen haben mich schon in Staunen versetzt. Ich habe Leute ganze Universen in Minecraft nachbauen sehen oder sogar andere Spiele darin programmieren.
Und jetzt irre ich planlos durch eine zufällig generierte Welt und kann nicht mal ein Haus errichten, ohne mich verloren und überfordert zu fühlen.
Aus der Zeit gefallen
Und das ist nicht die Schuld von Minecraft. Denn eigentlich entlässt es mich ja einfach in eine offene Welt, die zwar bestimmten Regeln unterliegt, aber mir grundsätzlich alle Möglichkeiten offen lässt. Hier prallt nur meine Vorstellung von gewaltigen Monumenten und denkwürdigen Kreationen auf die Realität - aller Anfang ist schwer und ein Minecraft-Neuling baut eben erstmal eine kleine Hütte, statt Schloss Neuschwanstein Klötzchen für Klötzchen perfekt abzubilden.
Hinzu kommt, dass es eben nicht mehr 2011 ist. Seitdem sind zig von Minecraft inspirierte Spiele erschienen, Survival-Games, die mich deutlich mehr an die Hand nehmen, mehr Komfort anbieten, beschränkter, aber zum Teil auch ausgereifter sind.
Die Faszination von Minecraft, dass ich mit allem interagieren kann, alles bauen kann, was ich will, ist immer noch ein Stück weit einzigartig, aber nicht mehr neu. Viel hat sich inzwischen zum Survival-Standard gemausert, sodass mich wenig wirklich überrascht.
Ich habe schließlich schon zig Häuser, Betten oder Crafting-Stationen woanders zusammengezimmert. Mir klappt nicht die Kinnlade runter, wenn ich Sand in Glas verwandeln darf. Anders als bei jemandem, der 2011 das erste Mal Minecraft startet und sich staunend in eine virtuelle Welt begibt, die ihm wirklich ganz unterworfen ist.
Einfach wieder Kind sein
Sollte man also 14 Jahre später am besten die Finger von Minecraft lassen? Zumindest als Neueinsteiger? Ich würde sagen nein, denn letztendlich hat mich die Klötzchen-Magie doch noch in ihren Bann gezogen. Allerdings erst, als ich es komplett anders anging.
Minecraft ist kein Spiel, bei dem es um Erwartungen gehen sollte. Das widerspricht komplett der Natur einer Sandbox, über die man sich kreativ austobt und selbst verwirklicht. Deshalb funktioniert es erst für mich, als ich endlich aufhöre, Großes zu wollen.
Statt einer bestimmten Vorstellung nachzujagen, nehme ich es einfach, als das, was es ist - ein spaßiger Survival-Baukasten. Ich schaue ein paar simple Tutorials, um mich inspirieren zu lassen, packe mir einen Podcast auf die Ohren und stürze mich dann einfach ins Geschehen. Ich sterbe? Egal, weiter geht’s. Ein Creeper sprengt meine Mine? Okay, kein Problem, ich baue die Decke wieder auf. Was funkelt da am Horizont? Keine Ahnung, aber ich schwimme einfach rüber und schaue es mir genauer an. Wie tief kann ich wohl graben?
Einmal stürze ich in ein unterirdisches Höhlensystem und sterbe, ein anderes Mal finde ich Saatgut und kann plötzlich Ackerbau betreiben. Ich besuche ein Dorf, berge seltene Rohstoffe tief im Erdboden, setze stolz meine ersten Fenster ein. Minecraft wird von einem Projekt, dem ich viel zu viel Bedeutung beigemessen habe, zu einem entspannten Feierabendspiel, bei dem es nur noch um eines geht - meiner kindlichen Neugier zu folgen.
>> Minecraft Filmkritik: Dieser Film macht richtig B(l)ock! <<
Fazit
Ich habe Minecraft völlig falsch gespielt. Und das, obwohl ich eigentlich alles richtig machen wollte. Aber genau das ist eben das Problem. In Minecraft geht es nicht um richtig oder falsch, um optimal oder suboptimal. Die größte Stärke des Spiels ist auch 2025 noch, dass es für jeden etwas anderes sein kann und darf. Je nachdem, wie man es angeht und welche Ziele man sich selbst setzt.
Ich werde sicherlich keine Minecraft-Expertin mit meinen ersten 10 oder auch 20 Spielstunden. Aber das muss ich auch gar nicht. Manchmal reicht es für einen großartigen Abend schon, einfach wieder ein bisschen wie das Kind im Sandkasten damals zu sein.



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