Preview - Captain Tsubasa 2: World Fighters : Der Fußball-Wahnsinn geht weiter
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“Massig Fanservice, aber wenig Fußball” lautete vor sechs Jahren das Fazit meines Tests zu Captain Tsubasa: Rise of New Champions. Das Spiel sah aus wie der feuchte Traum eines jeden Tsubasa-Fans: mit Cutscenes wie im Anime, irrsinnigen Tacklings und verrückten Torschüssen, die jedes Netz zerlegten. Doch unübersichtliche Kameraperspektiven und ungenaue Steuerung machten den Spielablauf chaotisch. Kriegt es der Nachfolger besser hin? Ich durfte Captain Tsubasa 2: World Fighters anspielen.
Der Untertitel World Fighters kommt nicht von ungefähr: Tsubasa Ozora und seine Kollegen kämpfen diesmal um den Titel bei der Junioren-Weltmeisterschaft. Die Reise des japanischen Teams bildet den Kern des Story-Modus, beginnend mit den Qualifikationsspielen für das WM-Turnier.
Das Muster ist stets gleich und typisch für die Reihe: Die gegnerische Mannschaft stellt Tsubasa, Hyuga, Jito, Wakabayashi und Co. mit ihren Spitzenspielern und Spezialtechniken vor große Probleme. Das wiederum zwingt die japanischen Ausnahmekönner stets aufs Neue dazu, über sich hinauszuwachsen und ihrerseits mit (physikalisch unmöglichen) Grätschen, Pässen, Schüssen und wahnsinnigem Kampfgeist zu überraschen.
Optisch wie inhaltlich orientiert sich das Geschehen an den jüngeren Anime-Serien, allen voran “Captain Tsubasa: Die Junioren” (seit 2023). Vor allem die vielen Zwischensequenzen, die besondere Aktionen auf dem Spielfeld in Szene setzen, sehen fantastisch aus. Wenn beispielsweise Kojiro Hyuga zu seinem gefürchteten Tigerschuss ansetzt, wird das mit knalligen Farben und Effekten sowie dynamischen Kamerafahrten inszeniert.
Das kennt man grundsätzlich aus dem Vorgänger, diesmal ist jedoch alles detaillierter animiert und höher aufgelöst. Dadurch gerät die Action deutlich ansehnlicher als in Captain Tsubasa: Rise of New Champions, das noch für die Generation Playstation 4 erschien. Lediglich der Rasen in den Stadien verbreitet noch immer den Charme von aneinandergereihten Teppichstücken.
Schießen, bis der Torwart zusammenbricht
Am grundsätzlichen Spielablauf hat sich dagegen wenig geändert. Mit Tacklings, die in jedem realen Fußballspiel eine mehrmonatige Sperre nach sich ziehen würden, wird das Spielgerät erobert. Danach versucht man, über Pässe und Sprints nach vorne zu kommen. Gegenspielern, die ebenfalls mit dem sprichwörtlichen Messer zwischen den Zähnen angerauscht kommen, weichen die Ballkünstler via Dribblings auf Knopfdruck aus – hier ist Timing gefragt. Dabei hilft eine Richtungsanzeige, die deutlich macht, aus welcher Richtung Gefahr droht.
Bietet sich die Gelegenheit zum Torschuss, geht es primär darum, die Energieleiste des Keepers zu reduzieren. Je härter und besser platziert die Kugel aufs Gehäuse gefeuert wird, desto schneller geht dem Schlussmann die Kraft aus. Ein Minispiel lässt einen die Richtung bestimmen, in die der Ball fliegt – je weiter weg vom Torwart, desto kraftraubender wird die Parade.
Das klappt am besten mit einer der vielen Spezialaktionen: Top Spin, Tigerschuss, Himmelsrakete-Volley, Lifting Circus und mehr sind illustre Namen für mächtige Schüsse, die der Erdanziehungskraft trotzen und nicht nur Tornetze, sondern vermutlich auch Felsen sprengen könnten. Aber selbst diese Geschosse werden teilweise entschärft, sofern der Torwart noch Energie besitzt, die Ecke des Einschlags vorausgeahnt hat und rechtzeitig dorthin springt. Erst wenn die Energie des Keepers nahezu aufgebraucht ist, segelt der Ball sicher in die Maschen.
Also läuft jeder Angriff darauf hinaus, einen der offensiven Superstars um Tsubasa in die richtige Position für einen Super-Abschluss zu bringen. Ausgewiesene Abwehrspezialisten kontern das jedoch mit besonders schnellen Rutschattacken, akrobatischen Blocks und anderen Special Moves. Aufgeladen werden alle offensiven wie defensiven Aktionen durch gelungene Pässe, Dribblings und “normale” Ballgewinne.
Was zählt? Tacklings und Tore!
Nach ein paar Story-Matches und Trainingsspielen steht fest: Alles ist durch die Bank hervorragend inszeniert sowie animiert und trifft damit haargenau den Tsubasa-Stil, der mich seit Kindheitstagen begeistert. Aufgrund der besseren Technik gefällt mir das Spiel noch mehr als der Vorgänger. Neue Super-Spin-Pässe über den halben Platz und Miracle-Moves, bei denen mehrere Stürmer mitsamt dem Ball im Netz landen, wirken so, als hätte man sie direkt aus einer TV-Episode gegriffen. Keine Frage, optisch ist Captain Tsubasa 2 ein Volltreffer!
Es zeigt sich allerdings auch, dass Entwickler Tamsoft kaum am eigentlichen Spielablauf gearbeitet hat – und den damit verbundenen Problemen. Noch immer mangelt es an Übersicht. Selbst in der Einstellung “Weit” steht die virtuelle Kamera zu tief und nah am Geschehen. Dadurch sehe ich nur einen kleinen Ausschnitt vom gesamten Feld und kann die Entfernung zu den Mitspielern schlecht einschätzen.
Das wiederum macht gezielte Pässe schwierig, zumal die Richtungserkennung erneut wacklig gerät – da hilft nur der Blick auf die Minimap am unteren Bildrand und Daumendrücken. Hohe Zuspiele hängen mit den Spezialfähigkeiten der Anime-Kicker zusammen. Fehlt eine solche, hebt der Ball selbst bei Pässen über den halben Platz kaum vom Boden ab.
Ein Mittelfeld existiert zwar in der Mannschaftsaufstellung, doch tatsächlich entscheiden nur Abwehr und Angriff die Begegnungen. Jeder grätscht jeden um, egal auf welcher Position er zu Hause ist. Weil sich Tacklings aufladen lassen, graben Spieler oft eine mehrere Meter lange Furche in den Rasen, bevor sie schließlich den Gegner ummähen. Weil es genau wie im Vorgänger keine Fouls gibt, darf aus allen Richtungen völlig ungeniert getreten werden.
Falls man den Fußball nur als Verpackung für die zünftige Arcade-Action sieht, kommt über das wilde Gebolze große Freude auf. Es geht ständig hin und her, ohne irgendein taktisches Geplänkel. So schnell wie man den Ball verloren hat, lässt er sich auch zurückerobern. Steht einem dagegen der Sinn nach dem eigentlichen Sport mitsamt seinem Regelwerk, wirkt der Ablauf – um in der Thematik zu bleiben – wie ein einziges grobes Foul.
Mehr Pausen als bei der WM
Wer bei der laufenden Fußball-Weltmeisterschaft von den Trinkpausen – die eigentlich Werbepausen darstellen – genervt ist, könnte bei Captain Tsubasa 2: World Fighters die Krise bekommen. Die Begegnungen im Story-Modus werden sehr oft von Zwischensequenzen unterbrochen: mal wegen einer besonderen Aktion der Kicker, mal aufgrund von Dialogen, die vor Fußball-Pathos überlaufen. So kommt zwar die passende Atmosphäre auf, doch leider kein vernünftiger Spielfluss. Nicht besser machen es mehrere Sekunden lange Wartezeiten vor und nach diesen Sequenzen, trotz der Installation auf einem SSD-Speicher – hoffentlich nur ein Problem der Demo.
Ein weiteres war, dass ich im Versus-Modus lediglich auf das japanische Team zugreifen konnte. Grundsätzlich wären andere Nationalmannschaften verfügbar gewesen, doch der dafür von Bandai-Namco zur Verfügung gestellte Speicherstand funktionierte nicht. So musste Tsubasa am Ende stets gegen sich selbst antreten. Aber mal ehrlich: Eine größere Herausforderung gibt es gar nicht!



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