Länderauswahl:
Du wurdest von unserer Mobile-Seite hierher weitergeleitet.

Test - Mario Kart World : Test: Geniale K.O.-Tour, durchwachsene offene Welt

  • NSw2
Von  |  | Kommentieren

Spätestens seit der Wii verkauft sich Mario Kart wie geschnitten Brot. Da ist es doch erfreulich, dass Nintendo nicht einfach nach Schema F vorgeht. Verdoppeltes Fahrerfeld, nervenaufreibende K.O.-Tour, offene Welt und viele weitere Änderungen am Konzept hätten ebenso gut nach hinten losgehen können. Glücklicherweise funktioniert beinahe alles hervorragend. Vielleicht sogar etwas zu gut, denn für Offline-Piloten ist Mario Kart World zu leicht, während die frei befahrbare offene Welt nicht alles halten kann, was sie verspricht.

Nach all der Aufmerksamkeit, die Mario Kart World als einziger System-Seller zum Launch der Switch 2 genossen hat, dürften die meisten aller Fans längst wissen, worum es in der neuesten Auskoppelung des Erfolgstitels geht. Statt jede Strecke einzeln zu bewältigen, spielt man nun eine Meisterschaft am Stück, indem man nur eine Runde auf einem Kurs absolviert und direkt im Anschluss über Landstraßen zur nächsten Strecke düst. Eine Neuausrichtung, die vielleicht nicht jedem schmeckt, aber definitiv etwas Abwechslung in die altgediente Serie bringt.

Hoher Spaß mit feinerer Drift-Technik

Mario Kart World offeriert zugleich technische Fortschritte, von denen die meisten offensichtlich sind. Gas geben ist buchstäblich schöner, weil die Switch 2 komplexere Grafik in kräftigem HDR auf die Mattscheibe zaubert, mit exzellenter Sichtweite auf eine große zusammenhängende Welt, 24 wunderbar animierte Piloten im Fahrerfeld und einiges mehr. Wer behauptet, Switch 2 würde kaum grafische Vorteile im Vergleich mit der acht Jahre alten Vorgänger-Hardware auftischen, der schaut nicht richtig hin.

Und doch: wenn man mal selbst Hand an den Controller legt, sticht von allen Dingen, die die Hardware nun ermöglicht, die Physik am meisten heraus. Sie ist dynamischer, lebendiger, feinfühliger, ja sogar präziser. Das mag bei einem Fun-Racer mit Extrawaffen zweitrangig klingen, dennoch liegt darin die Essenz des neuen Fahrgefühls verborgen – genau so muss sich ein Generationssprung anfühlen.

Siehe die Kehrtwende. Wie schon in Mario Kart 8 drückt ihr dafür die A- und B-Tasten gleichzeitig. So vollzieht ihr fast schon auf dem Fleck eine 180-Grad-Wende, die zwar immer nach demselben Schema ausgeführt wird, aber ein befriedigendes Gefühl von Dynamik hinterlässt. Jedenfalls befriedigender als noch bei Mario Kart 8 Deluxe.

Genauso steht es um das Driften. Da liegt einfach mehr Gewicht dahinter, mit mehr Reaktion auf Reifenhaftung und Bodenbelag. Ihr bestimmt zentimetergenau, in welchem Winkel ihr durch Kurven schlittern möchtet. Viele kleine Nuancen vermitteln derweil, auf welcher Art Untergrund ihr euch gerade bewegt, was dem gesamten Fahrgefühl mehr Nachvollziehbarkeit verleiht als zuvor.

In Verbindung mit den neuen Wallrides sowie dem Grinden auf Stangen und Schienen stellt das eine spürbare Weiterentwicklung dar. Rein auf fahrerischer Seite macht Mario Kart World jedenfalls einen ordentlichen Sprung nach vorne und bereitet unglaublich viel Spaß. Macht euch trotzdem keine Hoffnungen: Nintendo pflegt keineswegs Simulations-Ambitionen. Selbst das Balancieren auf Rails vollzieht das Spiel automatisch, damit jeder Stunt gelingt. Schade. Gerade hier hätte ein Hauch mehr Tony-Hawk-Mentalität die Herausforderung steigern können.

Neue Kurse und Retro-Strecken

Auf insgesamt 32 Rundkursen und über 50 Landstraßen habt ihr genügend Gelegenheit, all diese Talente unter Beweis zu stellen, wobei das Finden von alternativen Routen nun viel stärker im Vordergrund steht als früher. Wer schlicht auf den normalen Pfaden entlangtuckert, kommt zwar auch zum Ziel, hat aber selten eine Chance auf das Siegertreppchen.

Schon gar nicht während der Online-Rennen, auf denen regelmäßig das pure Chaos ausbricht. Wenn 24 Spieler mit Schildkrötenpanzern, Bumerangs und Feuerbällen um sich werfen, kann man kaum noch von einer Rennstrecke sprechen. Das ist ein Schlachtfeld in knalligen Farben. Umso besser, wenn man der Konkurrenz auf alternativen Streckenteilen aus dem Weg geht.

Damit ihr genügend Gelegenheiten dafür findet, wurden allen Kursen etliche Stangen, Geländer und breite Wände spendiert. Selbst Retro-Kurse wie etwa Glühheiße Wüste oder Kuhmuh-Weide wurden dafür umgestaltet. Nicht jede Adaption gelang hundertprozentig. Eiscreme-Eskapade, die ihr sicher noch aus dem DLC von Mario Kart 8 kennt, gehört beispielsweise noch immer zu den langweiligsten Strecken der ganzen Serie, weil sie im Grunde nur zwei Kurven hat. Da helfen auch Grind-Stangen nichts. Im Großen und Ganzen sind wir jedoch sehr zufrieden mit der Streckenauswahl, zumal wir auf lange Sicht mit Erweiterungen durch DLC-Pakete rechnen.

K.O-Tour: Das absolute Chaos mit dem höchsten Spaßfaktor

Wie wir schon in unserer Vorschau erwähnt hatten, stellt die K.O.-Tour den Höhepunkt dieser Neuentwicklung dar. Einerseits fallen sämtliche Unterbrechungen zwischen den Streckenstationen flach – man fährt also durchgehend. Andererseits fliegen bei jedem Checkpoint die langsamsten Piloten des Fahrerfelds aus dem Rennen, wodurch die Spannung ins Unermessliche steigt. So angespannt wie in diesem Modus waren wir noch nie – und zugleich nie so euphorisch beim Überqueren der Ziellinie.

Wir sind der festen Überzeugung, dass der K.O.-Modus Mario Kart langfristig beeinflussen wird. Er ist schon jetzt kaum noch wegzudenken und das Hauptargument für die Anschaffung des Spiels. Klar, es kann verdammt frustrierend sein, schon beim ersten Checkpoint hochkant aus dem Fahrerfeld zu fliegen, weil man kurz vor knapp noch einen blöden roten Panzer abbekommen hat, und angesichts der talentierten Konkurrenz, die momentan nur aus Mario-Kart-Enthusiasten zu bestehen scheint, passiert das öfter als euch lieb sein kann. Aber so ist das eben: No risk, no fun.

Solltet ihr lieber drei Runden je Kurs fahren wollen, weil euch die K.O.-Tour zu stressig ist, dann haltet euch einfach an die klassischen Versus-Rennen. Neue Piloten und Fahrzeuge schaltet ihr nämlich durch das Sammeln von Münzen frei. Für jede hundertste erhaltet ihr einen neuen Eintrag im Roster.

Klingt doch alles super, nicht? Ja, da steckt literweise Spielspaß im Tank. Aber – und das ist die Krux an der ganzen Geschichte – nur dann wenn ihr Lust auf Online-Rennen habt. Entgegen unserer Behauptung aus der Preview ist es nämlich leider nicht möglich, das gesamte Fahrerfeld im Netzwerk mit menschlichen Fahrern zu besetzen. Asche auf unser Haupt, da ging leider eine Information im Kontext der damaligen Präsentation verloren. Wollt ihr 24 menschliche Spieler, dann braucht ihr ein Switch-Online-Abo. Ansonsten bleibt es bei zwölf Kart-Fans im Heim-Netzwerk per Kabel-Verbindung, was schon ein wenig enttäuschend ist, weil einst auf dem Gamecube 16 Piloten per LAN randurften.

Einzelspieler: Ruck-Zuck durch den Grand Prix

Aber wie sieht es denn für notorische Solisten aus? Für Leute mit schlechtem Internetanschluss und jenen, die keine Lust auf ein Abo haben? Leider nicht so toll.

Es ist wahrlich zum Mäusemelken: Geübte Mario-Kart-Veteranen knacken alle acht Cups des Grand Prix problemlos innerhalb von zwei bis drei Stunden. Vielleicht nicht sofort mit einer Drei-Sterne-Wertung, aber die neue, sehr gelungene Rainbow Road bekommt ihr viel zu schnell zu Gesicht.

Der Grund dafür ist simpel: Wegen der gesteigerten Zahl von 24 Piloten musste Nintendo die Aggressivität der CPU-Fahrer drastisch herunterdrehen, sonst würde jedes Rennen in einem frustrierenden Chaos enden. Sobald ihr euch also an die Spitze des Feldes setzt, kämpft ihr nur noch mit den oberen vier um die beste Platzierung, ganz egal, ob ihr den klassischen Grand Prix angeht oder euch an die K.O.-Tour heranwagt.

Was bleibt noch? Nun, da gäbe es Zeitfahren gegen die Uhr mit gespeicherten Geistern, was durchaus unterhaltsam ist, weil einige Strecken veränderliche Routen und Hindernisse mitbringen. Dann Ballon- und Münzkampf, was gegen die CPU allerdings witzlos erscheint. Und nicht zu vergessen: die offene Welt, die bedauerlicherweise ihr Potenzial nicht ausschöpft.

Open World ohne Ziele

Schön ist sie ja, diese offene Welt, die mit Lore aus beinahe jedem Mario Abenteuer der vergangenen 40 Jahre vollgestopft wurde. Ihr Tag-Nacht-Zyklus mag auf statische Lichtverhältnisse setzen, bei denen sich lediglich der Himmel ändert, während Regen kaum Auswirkung auf das Fahrverhalten nimmt, aber rein optisch kommt nie Langeweile auf, sodass man gerne ein paar Erkundungstouren dreht.

Auch zu tun gibt es genug. Etliche geheime Fragezeichen-Bodenplatten und trickreich platzierte Münzen warten auf einen Finder, was das Knacken einiger Kopfnüsse voraussetzt. Allem voran stellt sich immer wieder die Frage: „Wie komm ich denn da jetzt hin?!“ Das Hauptaugenmerk liegt derweil bei weit über 300 P-Blöcken, die euch kleine Fahrpuzzles aufgeben. Mal sollt ihr Münzen sammeln, mal an einem Mini-Wettrennen teilnehmen und mal durch Ringe fahren, bevor ein Timer abläuft.

Eigentlich alles ganz schön, zumal es neben vielen leichten Fahr-Puzzles auch einige richtig schwere gibt, die trotz der Rückspulfunktion mächtig den Geduldsfaden strapazieren. Probiert mal den vertrackten Weg durch Shy Guys Basar: Daran beißt ihr euch mindestens eine halbe Stunde die Zähne aus, versprochen.

Das Problem an der Sache ist nur, dass ihr für den Aufwand nicht angemessen belohnt werdet. Das Einzige, was man dafür abstaubt, sind kleine Sticker für das Avatar-Bild. Nicht einmal Komplettisten weiß Nintendo zu motivieren, weil nirgendwo abzulesen ist, wie viele Puzzles noch offenbleiben. Wenn zumindest die Weltkarte anzeigen würde, wo man schon erfolgreich war, könnte man gezielt nach Fahrpuzzles suchen, aber Pustekuchen. Lediglich die Anzahl der aktivierten Fragezeichen-Blöcke auf den Hauptkursen wird angezeigt.

Bei aller Liebe, das ist zu wenig, um Langzeitmotivation zu erzeugen. Nach einiger Zeit irrt man nur noch kreuz und quer durch die Landschaft, in der Hoffnung, nichts übersehen zu haben. Bleibt nur zu hoffen, dass Nintendo mit Inhalts-Updates nachbessert.

Greift zu, wenn...

… ihr Lust auf Mehrspieler Rennen mit neuem Konzept habt. Die K.O.-Tour ist so ziemlich das spannendste, was Mario Kart je hervorgebracht hat und wird die Serie langfristig beeinflussen.

Spart es euch, wenn...

… ihr reine Solisten seid, die weder mit Freunden lokal noch im Internet gegen andere Leute spielen. Für euch bietet die offene Welt nicht genug Motivation und der Grand Prix einen zu geringen Schwierigkeitsgrad.

Fazit

Denis Lucius Brown - Portraitvon Denis Lucius Brown
Es wäre das beste Mario Kart aller Zeiten, wenn Nintendo mehr Arbeit in die offene Welt gesteckt hätte

Mario Kart World ist ein Hammer von einem Fun-Racer, der den Ausdruck „spaßiges Chaos“ neu definiert. Solltet ihr regelmäßig im Netzwerk mit Freunden spielen oder ein Online-Abo haben, dann könnt ihr nichts falsch machen. Allein die K.O.-Tour, deren Battle-Royale-Beigeschmack die komplette Serie dauerhaft umgestalten könnte, ist die Anschaffung wert, sofern ihr etwas mit Mario Kart anfangen könnt. Kein Witz: selten habe ich bei einem Spiel innerhalb weniger Sekunden so sehr vor Freude gejauchzt und mich kurz danach so arg über meine harten Konkurrenten geärgert. Freud und Leid auf der Fläche eines Fünf-Cent-Stücks. Abgefahren!

Lasst euch nicht von Screenshots täuschen. Auf Standbildern sieht das Spiel unspektakulär aus. In Bewegung geht wahrlich der Punk ab. Offene Welt in schönem HDR, etliche Abkürzungen, eine dynamischere Steuerung und vieles mehr hilft Mario Kart World, Teil 8 merklich zu überflügeln - dabei war Mario Kart 8 Deluxe wahrlich kein Durchhänger.

>> Die 10 besten Mario-Kart-Strecken aller Zeiten <<

Lediglich Solisten kommen etwas zu kurz. Aufgrund des großen Fahrerfelds musste Nintendo die KI im Grand Prix stark limitieren. Zudem kann die offene Welt – so schön sie auch sein mag – ihre Versprechen nicht halten. Ganz ohne Motivationsanreiz bleibt wenig Grund, alle Fahrpuzzles zu absolvieren, auch wenn sie grundsätzlich spaßig sind. Gerade deswegen finde ich es unverständlich, dass Nintendo die zusammenbaubaren Karts gestrichen hat. Bauteile für Modifikationen wären die perfekte Belohnung gewesen.

Nebenbei: Musikalisch schlägt Mario Kart World in eine ähnliche Kerbe wie Teil 8, kann aber dessen Qualität nicht ganz halten. Die jazzigen Remixes bekannter Mario- und Mario-Kart-Musikstücke klingen zwar toll, sind aber (gerade im Freies-Fahren-Modus der offenen Welt) etwas zu tranig und wenig anspornend. Da dürfte gern etwas mehr Pepp in die Palette.

Überblick

Pro

  • interessantes neues System mit zusammenhängenden Strecken
  • schön gestaltete offene Welt
  • fordernde neue Strecken
  • viele Aufgaben in der offenen Welt
  • nervenzerfetzend geniale K.O.-Tour
  • verbesserte Steuerung mit mehr Feingefühl
  • Wallruns und Grinds öffnen neue Möglichkeiten für alternative Wege
  • sehr gute Online-Anbindung
  • die wahrscheinlich schönste Rainbow-Road der Serie
  • jazziger Soundtrack mit vielen Remixes
  • großes Roster an Piloten und Karts

Contra

  • schwache Belohnungen für Open-World-Aufgaben
  • für Solisten grundsätzlich zu leicht
  • keine zusammenbaubaren Karts mehr
  • Musik manchmal zu seicht
  • kein 200ccm-Modus

Awards

  • Games Tipp
    • NSw2
  • Technik
    • NSw2
  • Mehrspieler
    • NSw2

Könnte dichinteressieren

Kommentarezum Artikel