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Test - Goodnight Universe : Test: You remind me of the Babe. What babe? Babe with the power!

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Schonmal von Before Your Eyes gehört? Dem Spiel mit der „Blinzel-Steuerung“? Falls nicht, dann sei erstmal nur soviel gesagt: Der kleine, lediglich zweistündige Indie-Titel gehört zu meinen absoluten Lieblings-Geheimtipps der letzten Jahre. Mit Goodnight Universe erscheint endlich das (zumindest von mir) sehnsüchtig erwartete neue Spiel der Entwickler.

Mit seiner herzergreifenden Geschichte gelang Before Your Eyes etwas, das viele Spiele der jüngeren Zeit anstrebten, aber kaum einem davon derartig eindrücklich gelang: ein ernsthaftes, existenzielles Thema in Spieleform zu behandeln, ohne rührselige Sentimentalität und melodramatische Plattitüden, sondern mit emotional aufrüttelnder Wahrhaftigkeit.

Before Your Eyes erzählte nichts weniger als ein ganzes Menschenleben im Zeitraffer als melancholisches Moritat im Geiste des berühmten Zitats von John Lennon, das Leben sei das, was einem zustößt, während man ganz andere Pläne schmiedet – und schreckte dabei selbst vor schweren Themen wie Depression und tödlichen Krankheiten nicht zurück. Ganz besonders nahe ging einem das in der Version für Playstation VR2, in der man sich mitten in der Szene wähnte und die Auswirkungen eines Gehirntumors gar am eigenen Leib zu verspüren meinte.

Goodnight Universe ist das neueste Spiel derselben Entwickler, die damit das Konzept von Before Your Eyes aufgreifen und ausbauen. Abermals erlebt ihr eine spielgewordene Geschichte, bei der ihr jeweils mitten in der Szene sitzt und dem Geschehen beiwohnt, allenfalls kleinere Aktionen auslöst, um die Handlung voranzutreiben, aber kaum Entscheidungen trefft, keine Rätsel löst oder sonstige Aufgaben übernehmt, wie man sie sonst von Videospielen erwartet. Goodnight Universe ist eine rein virtuelle Geschichte, die als Spiel zwar vermittelt, aber nur bedingt wirklich gespielt wird. Ähnlich einem Walking-Simulator, nur im Sitzen – also quasi ein Sitting-Simulator.

Hit me Baby one more time

Ihr erwacht als Baby und beginnt, die Welt völlig unbedarft und wissbegierig zu erleben und kennen zu lernen, erfahrt die Liebe der Eltern, die Angst vorm Alleinsein, die Freude der Verspieltheit, die Neugier auf die Welt als großes Geheimnis.

Doch schon bald erkennt ihr, dass ihr anders seid. Dass ihr zwar im Körper eines Babys steckt, aber nicht dessen geistige Entwicklung teilt, stattdessen bereits bei vollem Bewusstsein seid wie ein Erwachsener. Ihr versteht daher ganz genau, was die Eltern reden, könnt euch selber aber nur über Babylaute verständigen – also gar nicht.

Und dann findet ihr auch noch heraus, dass ihr über übersinnliche Kräfte verfügt. Per Telekinese könnt ihr Gegenstände schweben lassen und umher werfen. Und per Telepathie dringt ihr in die Köpfe eurer Mitmenschen ein und lest ihre Gedanken.

Augen-Steuerung: Eyes wide shut

Hierfür entwickelten die Macher eine Technik weiter, die sie bereits in Before Your Eyes erprobten: Dort steuerte man das Spiel über eine Webcam per Blinzeln, indem beim Klimpern mit den Augen bestimmte Aktionen ausgelöst wurden – ein pfiffiges Feature, das meiner Meinung nach aber den Erzählfluss der tragischen Geschichte eher störte als bereicherte.

In Goodnight Universe ist es sehr viel enger und dadurch sinnvoller ans eigentliche Geschehen gebunden: Denn indem ihr die Augen schließt, dringt ihr in die Gedanken anderer Menschen ein und lauscht, am besten über Kopfhörer direkt im eigenen Geiste, ihrem Bewusstseinsstrom. Das ist eine beängstigend immersive Erfahrung, die leider nur auf PC mit angeschlossener Webcam möglich ist. Auf den Konsolen PS5, Xbox Series und Switch muss auf konventionelle Controller zurückgegriffen werden, was aber ebenfalls ordentlich funktioniert, wenngleich natürlich nicht ganz so eindrücklich.

Die Entwickler fahren gar ein für eine derartig kleine Indie-Produktion ungewohnt hochkarätiges Sprecher-Ensemble auf: Als Erzähler fungiert Lewis Pullman, Sohn von Bill Pullman, mit dem er derzeit für Spaceballs 2 vor der Kamera steht und zuletzt etwa in Thunderbolts zu sehen war. Einen bemerkenswerten Gastauftritt absolviert zudem Beau Bridges, unvergesslich an der Seite seines Bruders Jeff Bridges als die bessere Hälfte der fabelhaften Baker-Boys.

Ein Mutant in Menschengestalt? Oder Darth Vader vom Planeten Vulkan?

Während die Geschichte in der ersten Stunde des Spiels zusehends an Fahrt aufnimmt, verschiebt sich das Geschehen Stück für Stück von der familiären Poesie zur geheimnisumwitterten Mystery-Fabel: Als ihr in Gestalt des Babys eure große Schwester vor ihrem toxischen Freund und Drogendealer rettet, kommt sie dem Geheimnis um eure Superkräfte auf die Schliche und setzt beim Versuch, diese zu erforschen, fast das ganze Elternhaus in Brand. Eine mysteriöse Besucherin scheint gar ganz genau zu wissen, was mit euch los ist, während ihr euch immer noch fragt: Was stimmt nicht mit diesem Baby? Woher hat es diese Kräfte und warum?

In diesen Momenten weckt Goodnight Universe Erinnerungen an die Kindheitsszenen von Beyond: Two Souls, und später, wenn ihr dann ins Fadenkreuz einer mysteriösen Geheimorganisation geratet, die eure übersinnlichen Fähigkeiten zu erforschen trachtet, ziehen die Entwickler ganz ungenierte Parallelen zu E.T.

Und wie im großen Vorbild des Spielberg-Films gelingt ihnen zwischen den Zeilen der phantastischen Ereignisse ein feinfühliges Drama über den Wert von Familie und Zusammenhalt, der Frage nach dem eigenen Platz im Leben und der Entscheidung, im Angesicht von Ausgrenzung dennoch Güte walten zu lassen oder sich verbittert dem Bösen zuzuwenden.

Ganz nebenbei thematisieren die Entwickler gar noch Themen wie Depression und Einsamkeit und zeichnen eine süffisante Satire auf zeitgenössische Tech-Milliardäre, die sich mit ihrem Geld einen Kindheitstraum erfüllen wollen, den sie einst als nerdiger Außenseiter träumten, aber nicht erkennen, dass sie schon lange nicht mehr der idealistische Junge von damals sind, sondern sich in der Zwischenzeit in ein waschechtes Arschloch gewandelt haben.

Wer keine Richtung hat, kommt zwangsweise irgendwo an

An und für sich würde ich an dieser Stelle über diese bewundernswerte erzählerische Tiefe und die Kühnheit der Entwickler jubeln, schwierige gesellschaftliche Fragen in Videospielform abzubilden. Doch stellt genau diese große thematische Vielfalt das grundlegende Problem von Goodnight Universe dar.

Denn wer zu viele Schubladen aufmacht, kriegt sie am Ende schlicht nicht mehr zu. Was facettenreich und vielschichtig gedacht war, wirkt zusehends unzusammenhängend und konfus. Ein wichtiger Twist in der Mitte des Spiels schien gar derartig hanebüchen, dass ich mir sicher war, es mit einer Traumsequenz zu tun zu haben, bis sich heraus stellte, dass das wirklich geschah und das Spiel diesen Unsinn ernst meinte.

Ab diesem Zeitpunkt hat mich Goodnight Universe nach anfänglicher Begeisterung zunehmend verloren. Ich möchte nicht allzu sehr ins Detail gehen, um nicht zu spoilern. Aber wer mit seiner Geschichte keine klare Richtung verfolgt, kommt zwar zwangsweise irgendwo an, weiß aber nicht mehr, wo er eigentlich mal hin wollte.

Selbstfindungsdrama, Verschwörungs-Thriller oder Mystery-Märchen – Goodnight Universe verheddert sich in seinem Patchwork aus Handlungsfäden und mündet am Ende trotz all seiner tiefgründigen Themen dann doch nur in eine seichte, kindlich-naive Fabel über den Wert eines guten Herzens, die gerne wie E.T. oder Der kleine Prinz wäre, aber dafür zu belanglos und mitunter auch unnötig langatmig auftritt.

Aber vielleicht ist ein Teil meiner Enttäuschung auch nur den hohen Erwartungen geschuldet, die ich nach dem grandiosen Before Your Eyes an das Spiel richte. Daher will ich diesen Artikel zum Abschluss wenigstens nochmal dazu nutzen, um euch dieses Kleinod der Entwickler nahe zu legen. Insbesondere Besitzer einer Playstation VR2 sollten sich Before Your Eyes nicht entgehen lassen, schließlich gibt es ohnehin keine allzu große empfehlenswerte Spieleauswahl für diese Hardware.

Greift zu, wenn...

… ihr ungewöhnliche, emotionale Geschichten mögt und euch nicht an konfusen Wendungen stört.

Spart es euch, wenn...

… ihr in einem Spiel die Herausforderung sucht und euch wirre Story-Entwicklungen missfallen.

Fazit

Matthias Grimm - Portraitvon Matthias Grimm
Anrührende interaktive Geschichte in der Tradition von E.T., die sich in der Vielzahl ihrer Handlungsfäden und behandelten Themen verheddert

Sicherlich liegt es auch an meinen hohen Erwartungen nach dem großartigen Quasi-Vorgänger Before Your Eyes, dass ich Goodnight Universe als mittelgroße Enttäuschung wahrnehme. Während es den Entwicklern dort noch meisterlich gelang, existenzielle Fragen über den Sinn des Lebens und schwere Schicksalsschläge ohne Melodramatik und Rührseligkeit in Videospielform zu behandeln, scheitern sie mit ihrem neuen Spiel an diesen Ansprüchen.

Dabei beginnt alles noch sehr viel versprechend. Die erste Stunde von Goodnight Universe inszeniert sich noch als faszinierend kühnes Spiele-Experiment – und das nicht nur wegen der originellen „Augen-Steuerung“, bei der ihr die Gedanken anderer Personen per Telepathie in eurem eigenen Kopf hört. Vor allem die Geschichte über ein Baby, aus dessen ungewohnter Perspektive ihr die Welt zu erleben lernt, die Liebe der Eltern und den Neid der großen Schwester am eigenen Leib verspürt, eröffnet eine nicht nur für Videospiele einzigartige Erfahrung. Und die Frage, woher und wieso ihr über übernatürliche Kräfte verfügt, bringt eine fesselnde Mystery-Geschichte ins Rollen, die feinfühlig und ganz nebenbei Fragen über Außenseitertum und Familienzusammengehörigkeit aufwirft und gar eine hintersinnige Satire auf moralisch irregeleitete Tech-Milliardäre zeichnet.

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Doch leider genau in dieser Vielfalt an behandelten Themen und gewobenen Handlungsfäden verheddert sich die Handlung zusehends. Vieles wirkt wirr und zusammenhanglos, mitunter derart konfus, dass ich eine Szene gar zunächst für eine Traumsequenz hielt, obwohl sie sich als ernst gemeint herausstellte. Und trotz seiner angestrebten inhaltlichen Tiefe sackt das Spiel auffallend häufig in langatmige Belanglosigkeit ab und offenbart sich am Ende doch nur als letztlich recht kindlich-naives Märchen von der Macht eines guten Herzens.

Aber bekanntlich sieht man nur damit gut. Und eine solche Moral könnte nicht passender sein für ein Spiel, in dem man hin und wieder seine Augen schließen muss, um sehen zu können ...

Überblick

Pro

  • ungewöhnliche interaktive Geschichte nach Art von E.T.
  • für ein Videospiel bemerkenswert vielschichtige Themen
  • einzigartige Augen-Steuerung (nur PC mit Webcam)
  • hervorragende Sprecher (u.a. Lewis Pullman, Beau Bridges)

Contra

  • Geschichte zunehmend wirr und belanglos
  • zu viele Themen wirken zusammenhanglos und aufgesetzt

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