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Test - Forza Horizon 6 : Test: Genialer Fahrspaß mit ersten Abnutzungserscheinungen

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Japan, Land der Tradition, der Technologie und der Autokultur. Auf dem Papier wirkt es wie der perfekte Schauplatz für den sechsten Teil der Forza-Horizon-Reihe, auch wenn es visuell nicht ganz so spektakulär einschlägt wie die Wüsten, Dschungel und Sandstrände Mexikos. Doch nach sechs Ablegern steht der grafische Anstrich ohnehin längst nicht mehr im Zentrum der Diskussion. Vielmehr stellt sich die Frage, ob das grundlegende Konzept nicht langsam erste Ermüdungserscheinungen zeigt.

Bevor wir das vertiefen, muss eines klar sein: Forza Horizon bereitet auch im sechsten Ableger enorm viel Spaß. Fahrphysik, Umgebungsgrafik, Topografie, Abwechslung in den Renn-Disziplinen und der immersive Dolby-Atmos-3D-Sound greifen weiterhin perfekt ineinander. Wer hier einsteigt, bekommt ohne Zweifel einen berauschenden Rennspiel-Marathon von weit über 100 Stunden geboten. Das virtuelle Japan zu erkunden ist dabei oft grandios – warum genau, klären wir im Verlauf noch ausführlich.

Doch was, wenn man bereits durch Mexiko und die vorherigen Teile gefahren ist? Drei, vier oder gar fünf Ableger auf dem Buckel hat? Wirkt Japan dann wie ein teurer Landkarten-DLC, wie es in den Kommentaren unter den YouTube-Trailern gern behauptet wird? Ist Horizon-Ermüdung ein reales Phänomen?

Ja und nein. Ja, die Abläufe sind vertraut und man ertappt sich dabei, frische Impulse herbeizusehnen. Nein, langweilig wird es deshalb trotzdem nicht. Playground Games bemüht sich sichtbar, dem bekannten Konzept neue Nuancen zu verleihen.

Das gelingt nicht immer vollständig, weil manche Neuerungen in bester Placebo-Manier von eurer eigenen Wahrnehmung abhängen. Andere verändern die Progression nur an der Oberfläche, nicht aber in ihrer Substanz. Kurzum: Forza Horizon 6 ist kein Produkt der reinen Markenschablone. Im Gegenteil – es wirkt weiterhin liebevoll gestaltet und funktioniert fast schon als spielbare Tourismuswerbung für Japan.

Motoren röhren, der Geschwindigkeitsrausch greift sofort und das ständige Einsammeln von Belohnungen bleibt süchtig machend. Sich darüber zu beschweren, ist ein wenig wie Kritik am besten Käsekuchen der Welt – der mit jedem Bissen vertrauter wird, ja sogar ein wenig unspektakulärer schmeckt, ohne je schlecht zu sein. Und doch bleibt der Eindruck: Nach 14 Jahren dürfte die Reihe sich gerne ein neues Rezept zutrauen.

Warum Japan trotzdem rockt

Meckern auf hohem Niveau! Das virtuelle Japan ist nämlich eine Augenweide. Playground Games liefert HDR-Kontraste ab, die stellenweise so brillant wirken, als würden Laser die Landschaften direkt auf eure Retina projizieren. Bilderbuchlandschaften treffen auf benzingeschwängerte Serpentinen, die nach Drifts schreien.

Gleichzeitig fällt aber auf, dass Japan trotz aller Schönheit weniger exotisch erscheint als Mexiko im Vorgänger. Das liegt weniger an mangelnder Kreativität als daran, dass ein Videospiel gewisse Dinge nicht transportieren kann. Keine noch so gute Grafik-Engine vermittelt die drückende Luftfeuchtigkeit eines japanischen Hochsommers oder den Gedanken, dass irgendwo zwischen den Bäumen Hornissen von der Größe einer Kinderfaust herumfliegen könnten.

So wirkt das satte Grün der Wälder gemeinsam mit den blau-weißen Gipfeln der japanischen Alpen stellenweise erstaunlich europäisch. Fast glaubt man sich in Österreich oder der Schweiz, wenn nicht plötzlich ein knallbunter Konbini oder ein Bambushain das Bild wieder eindeutig verortet. Genau diese Mischung macht den Reiz der Karte aus: Sie schreit nicht permanent nach Aufmerksamkeit, sondern lässt Atmosphäre entstehen.

Besonders beeindruckend gerät die Winterregion. Schneemauern türmen sich meterhoch neben den Straßen auf, während Ski-Abfahrtsstrecken die Berghänge hinunterführen und die tief stehende Sonne den Schnee beinahe blendend weiß reflektiert. Wer hier mit einem PS-starken Pickup-Truck durch die Serpentinen driftet, versteht schnell, warum japanische Bergstraßen seit Jahrzehnten einen beinahe mythischen Ruf genießen.

Metropolen-Magie

Und dann wäre da natürlich Tokio. Die größte Stadt, die je in einem Forza Horizon nachgebaut wurde. Sie deckt ungefähr fünfmal mehr Fläche ab als die zentrale Stadt aus Forza Horizon 5 und beeindruckt nicht nur horizontal, sondern auch vertikal. Wolkenkratzer türmen sich dicht an dicht, gigantische Werbetafeln flackern über den Straßen und spiegeln sich in den Teichen kleiner idyllischer Parks.

Vor allem die verschlungenen Stadtautobahnen hinterlassen Eindruck. Mehrspurige Hochstraßen winden sich übereinander, verzweigen sich in alle Richtungen und gehen schließlich nahtlos in den größten Autobahnring der gesamten Serie über. Genau dort entfaltet sich Forza Horizon 6 von seiner stärksten Seite: mit heulenden Motoren, kilometerlangen Vollgaspassagen und heißen Touge-Drifts zwischen Leitplanken und Betonpfeilern.

Umso schwerer wiegt allerdings die größte Schwäche der Stadt. Seit Jahren bemängeln Fans der Reihe, dass sich die urbanen Gebiete seltsam leblos anfühlen, weil schlicht keine Menschen darin existieren. In Tokio fällt dieses Problem drastischer auf als jemals zuvor. Hier und da stehen zwar Zuschauer hinter Absperrungen, jubeln euch zu oder zücken ihre Smartphones, aber das kaschiert kaum, dass diese Millionenmetropole im Grunde wie eine riesige Filmkulisse wirkt. Es fehlen Passanten, Alltag, Trubel – kurz gesagt: Leben.

Die Ausrede, man wolle verhindern, dass Spieler Menschen überfahren, greift dabei nur bedingt. Auf dem Land rennen schließlich auch Kühe über die Wiesen, die sich im letzten Moment erstaunlich geschickt aus dem Staub machen. Warum also nicht wenigstens ein paar Fußgängerzonen oder Bürgersteige beleben? Man darf in Tokio durch eine Mall fahren, die so aufregend ist wie ein Friedhofsparkplatz. Na toll. Tokio hätte von mehr Leben enorm profitiert.

Allerdings liefert die Technik zumindest ein nachvollziehbares Gegenargument. Schon jetzt zwingt das virtuelle Japan selbst leistungsstarke Hardware teilweise in die Knie. Im Test brachte eine RTX 5080 das Spiel bei 4K-Auflösung samt Raytracing für Spiegelungen und Global Illumination kaum über die Ziellinie. Es ruckelte und zuckelte, das war wirklich nicht schön. Wir mussten DLSS aktivieren und zusätzlich auf 2560 x 1440 Pixel herunterschalten, um überwiegend konstante 60 FPS zu erreichen. Trotzdem sackte die Bildrate in einigen wenigen Straßenschluchten Tokios kurzfristig auf rund 40 FPS ab. Uff!

Der geschundene Rechenknecht

Interessanterweise liegt das Problem weniger bei der GPU als bei der CPU. Die schiere Masse an Objekten, Verkehrsdetails und Gebäudestrukturen fordert den Prozessor sichtbar heraus. Mit Raytracing umso mehr. Playground verspricht weitere Optimierungen in zukünftigen Patches. Trotzdem würden wir dafür plädieren, künftig lieber ein paar zerstörbare Straßenschilder weniger einzubauen, wodurch weniger Physikberechnungen anstehen, und stattdessen echte Menschenmengen zu simulieren. Die Atmosphäre würde massiv davon profitieren.

Update: Durch den ersten Patch hat Playground Games die CPU inzwischen entlastet. Außerdem veröffentlichte Nvidia zum Release des Spiels einen aktuellen Geforce-Treiber, der sämtliche Performance-Probleme behebt und auf einer Geforce RTX 5080 eine Auflösung von 4K bei 60 FPS möglich macht - inklusive Raytracing. Die Stadtgebiete bleiben weiterhin anspruchsvoll und verringern die allgemeine Perfomance, aber weit weniger als noch in unserer Testphase.

Auf den Xbox-Series-Konsolen fehlt derweil das Raytracing. Es wird durch Screen-Space-Lösungen ersetzt, was nicht ganz so rechnerisch exakt, aber noch immer ansehnlich aussieht. Zur Wahl stehen wie üblich zwei Modi mit 30 oder 60 FPS, die beide absolut konstant laufen. Wobei letzterer die Auflösung etwas verringert, das Detail-Level der Fauna beschränkt und den Tessellationsgrad der Landschaft herunterschraubt. Ein Tausch, der sich lohnt, denn in 60 FPS spielt sich Forza Horizon einfach besser. Ein Luxus, auf den Handhelds wie das Steam Deck verzichten müssen. Wie sich die PlayStation 5, beziehungsweise ihre Pro-Variante schlägt, erfahren wir noch dieses Jahr. Das genaue Datum ist aber noch nicht bekannt.

Karriere: Ein wenig albern, aber japanisch grandios

Zu erkunden gibt es auf den über 670 Straßen der neuen Karte jedenfalls mehr als genug. Wie gewohnt dürft ihr frei über Stock und Stein rasen, versteckte Autos finden, regionale Essensmaskottchen über den Haufen fahren oder zahllosen Nebenaktivitäten nachgehen. Blitzer, Driftzonen, waghalsige Sprünge und andere typische Serienelemente fehlen selbstverständlich ebenfalls nicht.

Interessanter fällt diesmal allerdings die Karriere aus. Playground Games orientiert sich überraschend stark am ersten Forza Horizon und verabschiedet sich damit teilweise von der Superstar-Inszenierung der letzten Ableger. Ihr seid diesmal kein bereits gefeierter Promi, sondern startet wieder als gewöhnlicher Fahrer, der sich seinen Platz im Horizon-Festival verdienen muss.

Das klingt banal, funktioniert aber erstaunlich gut, weil es der Karriere endlich wieder ein Gefühl von Aufstieg verleiht. Nur wer bei Rallye-Veranstaltungen, Touge-Abfahrten, Drift-Duellen, Straßenturnieren und Drag-Rennen regelmäßig auf dem Treppchen landet, sammelt genügend Punkte für die großen Abschlussveranstaltungen.

Diese Abschlussrennen teilen sich wiederum in zwei Kategorien auf. Zum einen gibt es die bekannten Show-Events mit landestypischem Einschlag. Entsprechend absurd wird es dabei gelegentlich. Mal tretet ihr gegen einen fünfzehn Meter hohen Mech an, mal liefert ihr euch ein Vollgasduell mit einem Stuntpiloten-Duo. Das ist komplett albern, aber genau jene Sorte Größenwahn, die Forza Horizon seit Jahren sympathisch macht.

Die eigentliche Überraschung sind jedoch die neuen Horizon-Rush-Zeitrennen. Offenbar ließ sich Playground Games dabei stark von einigen Community-Strecken aus Forza Horizon 5 inspirieren. Die Kurse bestehen aus abstrakten Containerkonstruktionen, engen Kurvenfolgen, gigantischen Sprüngen und halsbrecherischen Streckenführungen, die eher an Motocross-Parcours oder Gymkhana-Videos erinnern als an klassische Straßenrennen.

Diese Events gehören zu den spektakulärsten Rennen der gesamten Serie. Sie sind schweißtreibend, schnell und teilweise so chaotisch, dass man sich nach dem Zieleinlauf erst einmal sammeln muss. Genau solche Ideen braucht die Reihe eigentlich viel häufiger.

Gewinnt ihr eines dieser Abschlussrennen, erhaltet ihr ein farbiges Bändchen, das neue Veranstaltungen mit höherem Schwierigkeitsgrad freischaltet. Dieses System soll der Ziellosigkeit des Vorgängers entgegenwirken, bei dem manche Spieler vor lauter Möglichkeiten sprichwörtlich den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sahen. Tatsächlich funktioniert das auch ganz ordentlich. Forza Horizon 6 bietet einen klareren Leitfaden, ohne euch vollständig einzuschränken.

Jedenfalls allemal angenehmer als sich stundenlang mit schneckenlahmen Kleinwagen eine starre Karriereleiter hocharbeiten zu müssen, wie es in so manchem Racing-Oldie üblich war.

Der fehlende Katalysator

Das eigentliche Problem löst die neue Struktur trotzdem nicht. Denn am Ende sucht ihr euch weiterhin bloß die nächste Rennveranstaltung aus, fahrt quer über die Karte dorthin und absolviert sie. Rinse and Repeat. Genau hier zeigt sich mittlerweile die größte Schwäche der Serie: Es fehlt ein echter Katalysator, ein System mit messbaren Konsequenzen.

Benzinverbrauch wäre beispielsweise eine Möglichkeit gewesen. Nicht, weil Realismus zwanghaft alles verbessern würde, sondern weil daraus automatisch ein Risk-and-Reward-System entstehen könnte. Leistungsstarke Fahrzeuge würden mehr Sprit schlucken, lange Fahrten müssten besser geplant werden und Tankstellen hätten endlich einen spielerischen Nutzen. Stattdessen bleiben sie hübsche Dekoration.

Noch gravierender ist allerdings der Umgang mit den Autos selbst. Forza Horizon 6 wirft euch – wie üblich – permanent neue Fahrzeuge hinterher. Manche entdeckt ihr als gebrauchte Tuning-Karren am Straßenrand, andere stammen aus Scheunenfunden, dem Auktionshaus oder dem regulären Händler des Festivals. Die meisten gewinnt ihr allerdings einfach nebenbei. Ständig. Unaufhörlich. Fast alle kennt ihr längst aus früheren Teilen. Wirklich neue Fahrzeuge gibt es zwar auch, aber sie sind selten. Elektrofahrzeuge sind noch seltener, dabei sind sie die Beschleunigungs-Kings schlechthin. Im Jahr 2026 wahrlich eine Lücke im Fuhrpark, die dringend geschlossen werden sollte.

Das Problem an den vielen Fahrzeugen ist psychologischer Natur: Was man ohne Mühe bekommt, verliert irgendwann an Wert. 550 lizenzierte Fahrzeuge hin oder her – wenn die Hälfte davon ungenutzt in der Garage verstaubt, entsteht kaum noch eine emotionale Bindung. Die Autos werden zu Wegwerfware.

Forza Horizon könnte deshalb dringend ein strengeres Wirtschaftssystem gebrauchen, das sowohl den Fahrzeugkauf als auch deren Nutzung stärker begrenzt. Nicht, um Spieler zu frustrieren, sondern damit man selektieren, sparen und sich spezialisieren muss. Genau daraus entstehen normalerweise Erinnerungen. Man erinnert sich schließlich eher an den Wagen, für den man hart gearbeitet hat, als an das fünfzigste Geschenkauto aus einem Glücksrad. Immerhin: Dank massig Fankritik gewinnt man bei den Wheel-Spins kaum noch belangloses Zeug wie etwa Avatar-Kleidung oder Gewinner-Posen.

Vielleicht findet Playground Games für einen möglichen siebten Teil ja eine elegantere Lösung. Klar ist aber schon jetzt: Auf Dauer kann die Reihe nicht einfach immer nur größer, lauter und umfangreicher werden. Irgendwann nutzt sich selbst der krasseste Geschwindigkeitsrausch ab – selbst dann, wenn er durch die beleuchteten Straßen Tokios führt.

Racing Marke Eigenbau

Was übrigens ebenfalls fehlt, ist Japans Tuning-Szene. Ja, man darf aufrüsten, man darf tunen – so wie immer. Aber wir hatten einen stärkeren Aufhänger im Rahmen der Karriere erwartet. Chance verpasst.

Austoben dürft ihr euch anderweitig umso mehr, denn statt wie früher einfach nur ein Zuhause zu kaufen, das euch als Startpunkt dient, dürft ihr nun eigene Garagen dekorieren und eine unbebaute Fläche der Landkarte nach eigenem Gutdünken gestalten. Eine eigene Rennstrecke? Stunt-Gelegenheiten? Oder einfach nur ein paar gigantische Plastik-Dinosaurier als Dekoration? Ihr habt die Wahl! Einmal erstellt, lässt sich jede dieser Kreationen mit der Community teilen.

Der Veranstaltungs-Editor, bei dem ihr ganze Straßenzüge neugestalten dürft, bleibt wie gehabt, ebenso wie die bekannten Multiplayer-Optionen, bei denen ihr mit bis zu 15 Kollegen das Land unsicher macht, Konvois bildet und gemeinsam Herausforderungen knackt.

Klasse Motoren, mittelmäßiges Radio

Zu guter Letzt eine erstaunliche Entwicklung: Playground Games stellte sich der Kritik am Vorgänger – zumindest dort, wo es hörbar wird. Die Motoren klingen in Forza Horizon 6 noch wuchtiger, noch präsenter, noch röhrender als zuvor. Für Besitzer einer Dolby-Atmos-Anlage mal wieder ein Genuss. Egal ob Widerhall von der Decke eines Tunnels oder die Turbinen eines Flugzeugs, eure Deckenlautsprecher machen sich bei diesem Spiel bezahlt.

Noch mehr: Man hat hörbar daran gearbeitet, jedem Fahrzeug mehr akustische Eigenständigkeit zu geben. Vor allem wurde die Wiederverwendung von Motorensounds zwischen unterschiedlichen Wagentypen spürbar reduziert, was dafür sorgt, dass sich selbst ähnliche Fahrzeugklassen nun differenzierter anfühlen.

Die Kehrseite dieser akustischen Aufrüstung ist allerdings nicht zu überhören. Schon in Forza Horizon 5 waren die Motoren sehr dominant – so mancher Zwölfzylinder machte sich über die Tiefton-Effekte der Soundanlage im ganzen Haus bemerkbar. Wer die Anlage voll aufdreht, braucht nach fünfmal Spielen keinen Innenarchitekten mehr, denn das Mobiliar wandert selbstständig. In Teil 6 wird dieses Prinzip konsequent weitergedacht. Für Petrolheads ist das ein Fest: Jeder Gangwechsel, jedes Herunterschalten, jedes Aufheulen wirkt wie eine kleine Klangexplosion.

Das Problem ist nur, dass diese Klangkulisse den gesamten Mix nahezu vollständig überrollt. Selbst wenn man in den Einstellungen den Soundmix auf „Musik bevorzugen“ stellt, kämpft sich die Musik nur selten durch das mechanische Donnern der Motoren. Das Ergebnis ist weniger ein Zusammenspiel als vielmehr ein permanenter Wettstreit – und der Motor gewinnt fast immer. Ja, sogar dann, wenn man ihn auf die Hälfte der ursprünglichen Lautstärke reduziert.

Wobei sich der Verlust am Ende in Grenzen hält, denn Forza Horizon 6 zeigt sich musikalisch ohnehin ungewohnt generisch. Zwar gibt es weiterhin mehrere Radiosender, die sich thematisch am Schauplatz orientieren, und ja – auch Babymetal und ähnlich einschlägiger Hardcore-Sound ist mit dabei, falls jemand genau danach gesucht hat –, aber die Gesamtauswahl wirkt weniger kuratiert als in früheren Teilen.

Mit jedem Ableger scheint der Soundtrack ein Stück seines früheren Edelfaktors zu verlieren. Zugegeben, es sind treibende Musikstücke. Sie helfen beim Fahren, da gibt es keine Fehlplatzierungen. Aber wo Forza Horizon 2 und 3 noch echte musikalische Entdeckungsreisen boten, bei denen man regelmäßig Songs für die eigene Playlist herausziehen wollte, herrscht hier eher funktionales Mittelmaß vor. Das Angebot ist nicht schlecht – aber eben auch selten wirklich hängenbleibend.

Besonders auffällig wird das bei eigentlich starken Sendern wie Bass Arena oder Hospital Records. Normalerweise sind diese Kanäle Garanten für elektronische Ohrwürmer und kompromisslose Club-Energie mit teils experimentellen Klängen, welche die Ohrmuscheln wie wohltuende Akupunkturnadeln perforieren. In Forza Horizon 6 jedoch liefern sie erstaunlich oft profillose Tracks. Dadurch stechen die wenigen starken Songs umso deutlicher hervor – als kleine Ausreißer in einem ansonsten erstaunlich glatten Soundbild.

Greift zu, wenn...

… ihr ein technisch brillantes, riesiges Open-World Arcade-Racing-Spiel mit enormem Umfang und grandioser Atmosphäre sucht.

Spart es euch, wenn...

… ihr die Serie in- und auswendig kennt und auf echte spielerische Evolution statt nur neue Kulissen und abgewandelte Abläufe hofft.

Fazit

Denis Lucius Brown - Portraitvon Denis Lucius Brown
Grandioser Fahrspaß mit leichten Abnutzungserscheinungen

Meine Liste an Kritikpunkten ist lang, fällt aber unter die Kategorie „Meckern auf hohem Niveau“. Unterm Strich bleibt für mich Forza Horizon 6 ein Spiel, das seine eigenen Abnutzungserscheinungen zwar nicht versteckt, sie aber mit einer derart starken Gesamtpräsentation überstrahlt, dass sie nie zum Spielverderber werden. Ich habe mich in den letzten Tagen über Stunden hinweg durch ein virtuelles Japan bewegt, das in seiner Vielfalt, seinem Umfang und seiner visuellen Brillanz schlicht beeindruckend ist.

Jede Region hat ihren eigenen Charakter, von verschneiten Bergpässen über idyllische Landstraßen bis hin zu Tokios monumentaler Stadtkulisse. Das Driften in Bergpässen macht genauso süchtig wie das Brettern über Golfplätze. Gerade diese Mischung sorgt dafür, dass ich ständig das Gefühl hatte, etwas Neues zu entdecken, selbst wenn die Grundstruktur der Serie vertraut bleibt. Detailverbesserungen in der Karriere, den Veranstaltungstypen und auch in der Optik möchte ich keinesfalls unter den Tisch kehren. Siehe etwa die nun vollständige und glaubwürdige Animation des Fahrers am Lenkrad, der beim Driften den vollen Einschlag ausnutzt und umgreift. Solche Dinge werden von einer langen Kritikliste gerne ungerechtfertigt unter den Teppich gekehrt.

Apropos: Wie immer spielt sich Forza Horizon mit dem Controller besser als mit einem Lenkrad. Wenn ihr aber unbedingt auf eure teure Peripherie besteht, dann verkürzt den maximalen Lenkrad-Einschlag auf 360 Grad. Ihr könnt mir später danken.

Die Rennphysik ist jedenfalls für Arcade-Verhältnisse ausgezeichnet, bei manchen Fahrzeugen sogar erstaunlich gewichtig. Forza Horizon liefert für den schnellen Fahrspaß ein sehr hohes Niveau, das Arcade und Präzision wunderbar miteinander verbindet. Jeder Drift, jede Kurve und jeder Vollgasmoment fühlt sich direkt und kontrollierbar an, ohne jemals an Zugänglichkeit zu verlieren. Dazu kommt ein Fuhrpark, der in seiner schieren Größe erneut erschlägt und euch ständig neue Spielzeuge in die Hand drückt, auch wenn genau diese Großzügigkeit langfristig etwas von ihrer Bedeutung einbüßt.

Atmosphärisch ist Forza Horizon 6 sowieso über jeden Zweifel erhaben. Die Lichtstimmungen, das wechselnde Wetter, der Tag-Nacht-Zyklus und die Detaildichte der Umgebung erzeugen immer wieder diese typischen „nur noch eine Runde“-Momente, die die Serie seit Jahren definieren. Leider konnte ich bisher nur die Sommer-Jahreszeit auskosten. Über saisonale Änderungen kann ich also nicht urteilen.

>> Japan in schräg: Die 10 beklopptesten Erotik-Spiele aus Japan <<

Die einzige echte Schwäche bleibt für mich Tokios Leblosigkeit und ein stellenweise zu sauberer, fast steril wirkender Gesamteindruck in einigen Bereichen. Über angeblich zu breite Straßen beschwere ich mich bei der Driftlastigkeit vieler Rennen hingegen gar nicht.

Klar, die Struktur der Karriere und einige bekannte Serienelemente zeigen leichte Ermüdungserscheinungen. Ernsthaft am Spielgefühl rütteln kann das aber nicht. Wie sehr euch das stört und ob das genug Grund zum Verschmähen darstellt, hängt vom persönlichen Geschmack und euren Vorzügen ab, denn sobald ihr fahrt, zählt vor allem eines: Es macht einfach verdammt viel Spaß. Genau deshalb bleibt Forza Horizon 6 in meinen Augen absolut awardwürdig und hat eine klare Empfehlung verdient – trotz der erwähnten Kritikpunkte. Wie oft Playground mit diesem Rezept noch durchkommt, steht auf einem anderen Blatt.

Überblick

Pro

  • Beeindruckende Inszenierung.
  • Grafisch herausragendes Japan mit enormer Detaildichte.
  • Starke Atmosphäre durch Licht, Wetter und abwechslungsreiche Regionen
  • Sehr gute, präzise und zugängliche Rennphysik mit hohem Spaßfaktor
  • Großer und vielseitiger Fuhrpark mit vielen Fahrzeugklassen
  • Hoher Content-Umfang mit langen Spielzeiten und vielen Aktivitäten
  • Tokio als riesige, vertikal gestaltete Metropole mit spektakulären Autobahn-Layouts
  • Neue Karrierestruktur mit klarerer Progression und besserem Leitfaden
  • Spektakuläre Show-Events und kreative neue Horizon-Rush-Rennen
  • Sehr gute technische Präsentation auf High-End-PCs.
  • Auf Konsolen mit kleinen Abstrichen sehr ansehnlich.
  • Für Handheld-PCs optimiert

Contra

  • Tokios Stadtbereiche wirken weitgehend leblos.
  • Teilweise zu sauberer Gesamtlook in bestimmten Regionen
  • Serienstruktur zeigt leichte Ermüdungserscheinungen
  • Fahrzeuge werden zu großzügig verteilt
  • Wirtschaftssystem ohne echte Konsequenzen oder Ressourcenknappheit
  • Soundmix dominiert stark von Motorengeräuschen, Musik tritt in den Hintergrund
  • Soundtrack insgesamt weniger prägnant als in früheren Teilen
  • Tuning-Kultur wird nur oberflächlich genutzt

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