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Test - EA Sports Active : Vom Pfundskerl zum Spargeltarzan

  • Wii
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Mit Schlaufe und Gummiband

Also erst mal langsam anfangen, mit Laufen zum Beispiel. Hierfür liegt dem Paket eine Beinschlaufe bei, die ihr um den Oberschenkel schnallt und in der ihr das Nunchuk versenkt; die Wii-Fernbedienung bleibt bei jeder Übung in der rechten Hand. Beim Anziehen der Beine wird die Bewegung registriert, euer Schützling setzt sich in Gang. Je hurtiger ihr das tut, desto zackiger flitzt er über die Bahn, erntet Lob oder Schelte. Danach setzt es ein paar flotte seitliche Ausfallschritte: Hier braucht es nur einen Schritt nach links oder rechts, während das virtuelle Gegenstück die Bewegungen mehr oder weniger akkurat nachahmt. All das ist in den ersten Tagen noch sehr überschaubar, damit Fitnessverweigerer nicht gleich ins kalte Wasser geworfen werden. Später wird die Intensität gesteigert und der lockere Spaziergang schnell zum 200-Meter-Sprint.

Neben der Schlaufe purzelt auch ein rotes Gummiband aus der Packung, das, an zwei Kunststoffgriffen festgezurrt, zum Werkzeug für Curling oder Über-Kopf-Verrenkungen wird und eine Beanspruchung des Bizeps simulieren soll. Hat man sich erst daran gewöhnt, dass es öfter mal abreißen kann, fühlt sich die wenige Cent billige Dreingabe wirklich irgendwie zaghaft nach ... Fitness an. Glaub ich. Wichtig ist hierbei, dass ihr die Ratschläge des Trainers befolgt, also in einer bestimmten Haltung wirklich die Bauchmuskeln anspannt oder beim Boxen die Dynamik eures Körpers ausnutzt und nicht nur lustlos beim Gammeln auf der Couch herumfuchtelt. Das ginge zwar auch, aber der Effekt bliebe aus.

Nicht wirklich viel fürs Auge

Zu den frühen Disziplinen wie Laufen und Inline-Skating, das man übrigens auch mit dem Balance Board spielen kann, gesellen sich später unter anderem eine schnöde Tennisvariante, Sandsackschlagen oder Tanzen. Schade ist nur, dass an einigen Übungen Steuerungsinkonsequenzen nagen wie Steinmarder am Autoschlauch: Bei den seitlichen Ausfallschritten ist es trotz eindeutiger Vorgabe praktisch egal, welches Bein man nach hinten zieht. Beim Boxen ist es egal, wie sehr man den Körper mitnimmt. Beim Curling kann man nur schwerlich beide Arme gleichzeitig bewegen, muss mit hölzernen Animationen leben. Und die größte Farce ist das Tanzen, das nichts weiter als ein fitzeliges Reaktionsspiel ist. Hier muss man, ähnlich wie in RTL Wintersports, nach unten rasende Richtungspfeile zur rechten Zeit mit Wiimote und Nunchuk in die Tat umsetzen. Was sicher witzig sein könnte, wäre es nicht total gleichgültig, in welche Richtung man wirklich fuchtelt.

Wie sieht es optisch aus? Hier bietet EA zu wenig fürs Auge. Ein Fitnessspiel muss zwar keinen Mario- oder Metroid-Glanz versprühen. Ein interner, gut zu bedienender Planer ist richtig. Und viel wichtiger. Aber insgesamt hat man es bei der weitgehend vorherrschenden Statik versäumt, kleine Details einzustreuen. Ja, die Wolken wurden animiert. Ja, kleine Insekten schwirren manchmal durchs Bild, auf der Bahn trifft man zuweilen auch andere Läufer. Und immerhin kann wenigstens das Skaten ein Gefühl von Bewegung einfangen. Aber irgendwie war Wii Fit mit seinen Wasserfällen, den animierten Miis und kleinen Überraschungen auf lange Sicht einfach lebendiger.

Fazit

von Sebastian Thor
Ja, man kann all die Übungen beim Gammeln auf der Couch abreißen. Sich über die fehlenden kleinen Details im Vergleich mit Wii Fit ärgern. Man kann sich an den mitunter die Realsatire kratzenden Bemerkungen der Trainer ergötzen. Oder die ärgerlichen Defizite in Sachen Steuerung und Bewegungserkennung schelten. Aber wer sich diese 50 Euro teure Disk mit Schlaufen und Gummiband kauft, wird im Vergleich mit Nintendos Vorlage nicht nur rund 40 Euro sparen, sondern das im gemächlichen Stuhljob vor sich hinpochende Gemüt auch ohne Balance Board zum Schwitzen bringen. Jeder mit etwas gutem Willen und - ganz wichtig - körperlichem Einsatz kann hier Trainingspläne aufstellen, Trainingsziele in Angriff nehmen, kann alleine oder zu zweit, mit Freunden oder Familie trainieren, vergleichen und purzelnde Pfunde planen. Natürlich ist es mit einem virtuellen Fitnessplan alleine nicht getan, wenn die Ernährung zwischen Pizza und Cola, der Körper zwischen McDonald's und Burger King pendelt. Und obwohl – oder gerade weil - die im vorbildlichen Video-Tutorial gezeigten Überkopfschmetterbälle der weiblichen Wii-Trainerin zum Brüllen komisch sind (vielen Dank an EA dafür), ersetzt das Programm trotz netten Fragebogens und banaler Ernährungstipps keinen echten Menschen. Es ist nicht das, was man als Spieler und Abenteurer bei der Wii vermisst, aber es funktioniert. Nicht mehr, nicht weniger.

Überblick

Pro

  • übersichtlicher Planer mit Tagebuch
  • viele Trophäen freizuschalten
  • eigene Pläne/Ziele festlegen
  • vorbildliche Tutorial-Videos
  • Sprecher teils zum Brüllen komisch
  • vorbildliche Dokumentation der eigenen Leistung

Contra

  • teils hakelige Steuerung
  • weniger lebendig als Wii Fit
  • Defizite in Sachen Bewegungserkennung
  • statische Hintergründe

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