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Preview - Rayman Legends Retold : Die Legende lebt und ist schicker als je zuvor!

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Mario schleppt seine betagte Klempnerhüfte in die nächste Röhre, Sonic blockiert mal wieder den Standstreifen und plötzlich betritt der wohl unterbeschäftigtste Jump’n’Run-Held der Branche nach langer Abwesenheit wieder die Bühne.

13 Jahre liegt Raymans letzter Auftritt in einem eigenen Spiel inzwischen zurück. Für ein komplett neues Abenteuer hat es zwar nicht gereicht, aber immerhin spendiert Ubisoft dem letzten Serienteil ein Remake. Obwohl ich Rayman Legends Retold bereits anspielen durfte, beschäftigt mich aber bis heute eine Frage: Warum eigentlich?

Aber klären wir zuächst das “Was?”. Rayman Legends Retold ist, wie der Name bereits verrät, eine Neuauflage des mittlerweile 13 Jahre alten Rayman Legends. Unter der Haube liegen Original und Remake allerdings so nah beieinander, dass beide sogar denselben technischen Unterbau nutzen. Sprünge, Plattformen, Bosskämpfe und Levelaufbau wurden praktisch unverändert übernommen. Die größten Neuerungen verstecken sich daher weniger im Gameplay als in Präsentation und Umfang.

Am deutlichsten springt die neue Optik ins Auge. Die einst flache 2D-Welt im Aquarellstil weicht nun detaillierten 3D-Modellen mit deutlich mehr Tiefenwirkung. Ubisoft möchte dem Spiel damit einen etwas erwachseneren Look verpassen. Und tatsächlich wirkt Rayman Legends Retold weniger verspielt als sein Vorgänger. Dazu gesellt sich eine dynamischere Kamera, die stärker mit den Umgebungen arbeitet, Wege geschwungener erscheinen lässt und den Levels mehr räumliche Tiefe verleiht. Im direkten Vergleich wirkt die frühere starre Seitenansicht beinahe unbeweglich.

Mehr Waffen, mehr Feinde, mehr Levels, mehr Details

Insgesamt erwarten euch zehn neue Levels. Sechs davon bilden eine komplett neue finale Welt, in der sogar eine zusätzliche Kernmechanik eingeführt wird, über die ich an dieser Stelle lieber noch schweige. Die übrigen vier Neuzugänge sind frische Musik-Level.

Wer damals schon bei „Castle Rock“ zu Black Betty mit Rayman durchgedreht ist, dürfte mir zustimmen: Die Musik-Level waren schon immer das heimliche Highlight von Rayman Legends.

Zusammengehalten wird das Ganze von einer neuen Rahmenhandlung. Erzählt wird sie in aufwendig inszenierten Zwischensequenzen, in denen sämtliche Figuren erstmals vollständig vertont auftreten. Zusätzlich gibt es eine Hub-Welt, von der aus ihr die verschiedenen Gebiete ansteuert. Sogar eine Weltkarte hält Einzug und vermittelt endlich eine Vorstellung davon, wo sich die einzelnen Regionen innerhalb der Rayman-Welt überhaupt befinden.
Verbunden werden die Welten nun durch sogenannte Drachenflüge. Auf dem Rücken eines Drachen absolviert ihr kurze Rail-Shooter-Passagen, die stark an Star Fox erinnern. Diese Abschnitte dienen dazu, euch das jeweilige Gebiet näherzubringen und den Übergang zur nächsten Welt zu gestalten.

Am Ende der Sumpf-Welt beispielsweise führt euch ein Drachenflug durch die Wohnviertel ihrer Bewohner, die man bislang nie zu Gesicht bekam. Währenddessen taucht immer wieder der dortige Boss auf, legt seine Rüstung an und schleudert Hindernisse in eure Richtung. Zusammen mit den neuen Cutscenes, den deutlich detaillierteren Hintergründen und der Weltkarte entsteht dadurch ein wesentlich greifbareres Bild der Spielwelt, durch die man früher oft einfach kommentarlos hindurchgehüpft ist.

Die rund 40 Levels aus Rayman Origins bleiben übrigens ebenfalls erhalten. Allerdings bekommen sie kein vollständiges Remake spendiert, sondern „nur“ eine Frischzellenkur in Form von 4K-Auflösung bei 60 Bildern pro Sekunde, neuen Sammelobjekten, zusätzlichen Belohnungen, haptischem Feedback und diversen Komfortfunktionen. Was genau sich hinter Letzterem verbirgt, konnte Ubisoft bislang allerdings noch nicht verraten, da wir die überarbeiteten Origins-Level bisher nicht selbst ausprobieren durften.

Ich will der fette Blaue sein!

Freunde gepflegter Couch-Koop-Abende sollten vorsorglich schon einmal den Prosecco kaltstellen. Auch das Remake bietet zahlreiche Möglichkeiten, gemeinsam Abenteuer zu erleben oder sich gegenseitig eine freundschaftliche Ohrfeige zu verpassen.

Die komplette Kampagne unterstützt bis zu vier Spieler gleichzeitig. Zur Auswahl stehen Rayman, sein unförmiger blauer Kumpel Globox, die Wikingerin Barbara und selbstverständlich der König der Kleinlinge höchstpersönlich.

Auch Kung Foot feiert seine Rückkehr. Der bereits im Original beliebte Modus ließ damals zwei Teams mit jeweils maximal zwei Spielern um einen Ball kämpfen und versuchen, diesen ins gegnerische Tor zu befördern.

Was vor 13 Jahren noch eine nette Dreingabe war, wirkt im Remake deutlich größer. Die Arena bietet mehr Platz und setzt zusätzlich auf mehrere Ebenen, wodurch deutlich mehr Vertikalität ins Spiel kommt. Sobald ein Spieler den Ball berührt, übernimmt er die Kontrolle darüber. Das Spielgerät klebt förmlich am Fuß, bis es abgeschossen oder per Tastendruck zum nächsten Mitspieler gepasst wird. Gegner können Pässe jedoch abfangen oder den Ball schlicht aus der Luft oder vom Fuß prügeln.

Für noch mehr Chaos sorgen neue Power-ups, die regelmäßig in der Arena erscheinen. Mal sinkt die Schwerkraft, mal erhalten Spieler einen Doppelsprung, mal tauschen die Tore kurzerhand ihre Seiten.

Selbst in unseren wenigen Testpartien führte das bereits zu herrlichen Situationen. Ein Spieler schoss auf das gegnerische Tor, nur damit dieses im letzten Moment die Position wechselte und der Ball plötzlich im eigenen Netz landete.

Kung Foot allein rechtfertigt sicherlich keinen Kauf von Rayman Legends Retold. Die Aussicht auf einige wunderbar chaotische Abende mit Freunden wertet das Gesamtpaket aber definitiv auf.

Präsentiert von J.W.Goethe und dem Buchstaben Y

Zwei Herzen schlagen, ach, in meiner Brust. Einerseits war Rayman Legends bereits 2013 ein fantastisches Spiel. Dank der wunderschönen UbiArt-Engine sieht es bis heute hervorragend aus und spielt sich ebenso gut wie damals. Vielleicht hätte ein simples 4K-Upgrade zum kleineren Preis ausgereicht, während Ubisoft seine Ressourcen lieber in ein komplett neues Projekt investiert. Oder man hätte sich einen älteren Rayman-Titel vorgenommen, der deutlich stärker vom Zahn der Zeit gezeichnet wurde.

Andererseits liefern die neuen Levels genau die Qualität, die man von Rayman erwartet. Die komplett vertonten Zwischensequenzen – sogar auf Deutsch – machen ordentlich Eindruck. Vor allem die Erweiterung der Lore und der Blick hinter die Kulissen dieser verrückten Welt wirken wie etwas, das sich die Reihe schon lange verdient hatte. Ob ein Remake, das seinem Original derart eng auf den Fersen bleibt, dafür allerdings wirklich die beste Lösung war, bleibt fraglich.

Vielleicht dient das Projekt ja lediglich als Aufwärmübung, bevor Ubisoft endlich Rayman 4 aus dem Hut zaubert. Es ist schließlich nicht so, als hätte Klein-Basti vor 13 Jahren vor dem Fernseher gesessen und gedacht: „Das Spiel ist echt gut, aber was mir fehlt, sind dringend eine Weltkarte und mehr Cutscenes.“ (Vor allem, weil er damals auch schon Mitte 20 war.)

Letztlich profitieren von Rayman Legends Retold vor allem langjährige Fans, die schon immer mehr über die Welt ihres Helden erfahren wollten. Die meisten Neuerungen fallen nämlich eindeutig in die Kategorie Fanservice. Unterm Strich bekommt ihr zehn neue Levels (darunter vier Musik-Level), fünf Drachenflüge, zusätzliche Story-Sequenzen und eine deutlich stärkere Einbettung der Spielwelt. Mit rund 40 Euro bleibt der Preis zudem erfreulich moderat.

Für Neulinge und Fans gleichermaßen gilt allerdings: Der Kauf lohnt sich vor allem dann, wenn euch die neue 3D-Optik mehr zusagt als der ursprüngliche Aquarell-Look. Denn so gelungen viele Ergänzungen auch ausfallen mögen – selbst die treuesten Rayman-Anhänger dürften zugeben, dass sie sich über Rayman 4 vermutlich noch etwas mehr gefreut hätten als über die aufgewärmte und aufpolierte Version dieses 13 Jahre alten, aber immer noch erstaunlich leckeren Schinkens.

Fazit

Sebastian Ruppert - Portraitvon Sebastian Ruppert
Die schönste Art, auf Rayman 4 zu warten

Rayman Legends Retold wird ein hervorragendes Spiel werden, weil Rayman Legends bereits ein hervorragendes Spiel war. Daran besteht nach meinen ersten Stunden keinerlei Zweifel. Die neuen Levels treffen den Charme und die spielerische Qualität des Originals, die vertonten Zwischensequenzen erweitern die Welt sinnvoll und die zusätzlichen Drachenflüge verleihen dem Abenteuer mehr Kontext und Persönlichkeit. Wer Rayman schon immer nicht nur spielen, sondern auch besser verstehen wollte, bekommt hier genau das, worauf viele Fans seit Jahren gehofft haben.

Gleichzeitig bleibt die Frage nach der Existenzberechtigung dieses Remakes bestehen. Das Original gehört bis heute zu den besten Jump’n’Runs aller Zeiten und ist bemerkenswert gut gealtert. Die spielerischen Neuerungen fallen überschaubar aus, große Teile der Verbesserungen betreffen vor allem Präsentation, Lore und Fanservice. Wer Rayman Legends bereits mehrfach durchgespielt hat, wird deshalb genau abwägen müssen, ob zehn neue Levels und ein hübscherer Anstrich den erneuten Kauf rechtfertigen.

>>Der aufgehübschte Vorgänger im Remake zum Nachfolger?? - Die 10 besten Spiele in anderen Spielen<<

Für Neueinsteiger sieht die Sache deutlich einfacher aus. Sie bekommen mit Rayman Legends Retold eines der besten Jump’n’Run-Pakete der letzten Jahrzehnte, erweitert um neue Inhalte und einen fairen Preis. Für Veteranen bleibt dagegen ein leicht bittersüßer Nachgeschmack. Nicht, weil das Remake schlecht wäre, sondern weil jede Minute in dieser wunderbaren Welt daran erinnert, wie sehr man sich eigentlich ein echtes Rayman 4 gewünscht hätte.

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