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Test - Commandos Origins : Test: So muss ein modernes Reboot aussehen!

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Mit einem halben Dutzend Kommandos krabbeln, klettern und kämpfen wir uns voran, vom schneeverwehten Norwegen bis in die Sahara. Immer wichtig: Alles im Blick haben – Patrouillen, gegnerische Sichtkegel und die eigenen Spezialfähigkeiten. Jetzt öffnet sich das Zeitfenster für ein Ablenk- und Fallenstellmanöver. schnellspeichern, rennen, los …! Klingt altmodisch, ist aber verdammt gut geworden.

Commandos avancierte 1998 mit einiger Überraschung zu einem Riesen-Hit. Trotz oder wegen des saftigen Schwierigkeitsgrades motivierte das Echtzeit-Taktikspiel um die Kommando-Einheiten der britischen Streitkräfte allein in Deutschland Hunderttausende, auf Schleich- und Meucheltour zu gehen. (Dass der Titel damals einer der ersten mit CD-Kopierschutz war, half sicherlich ebenfalls.) Nach ein paar Neuerungen und einem Besser-drüber-schweigen-Ausflug in actionlastigere Gebiete wurde es ruhig um die Commandos und das Genre. Zuletzt waren Shadow Tactics und dessen Nachfolger Shadow Gambit, sowie The Last Train Home die wenigen Vertreter.

Was war das Rezept der Commandos? Statt einer ganzen Armee mit teilweise Hunderten von Einheiten steuern wir teilweise zwei (ja, die Zahl nach eins) bis sechs der Spezialkräfte durch die Gefilde. Tumbes Vorstürmen bringt da nichts, stattdessen legt es das Spiel darauf an, dass wir minutiös unser Vorgehen planen. Ein Flugzeug oder einen Damm zu zerstören oder ein paar Dokumente zu ergattern, ist das Ziel – doch dazwischen liegen Dutzende bis Hunderte Wehrmacht-Soldaten mit Schießgewehr und -befehl.

Teilen und Erobern

Was also tun? Erst einmal hinlegen, um an der Grasnarbe kauernd weniger sichtbar zu sein. Und dann besagte Soldaten studieren. Wer ist alleine auf weiter Flur, wer in einer kleinen Gruppe? An wem können wir womöglich schnell vorbeihuschen? Wer lässt sich in eine Falle locken – buchstäblich (die Bärenfalle des Pioniers) oder bildlich gesprochen? Dazu können wir die Sichtkegel der Soldaten einblenden und erhalten über Icons Zusatzinformationen. Etwa, ob der Soldat mit einem Kameraden häufiger spricht, der ihn nach plötzlichem Verschwinden wirklich vermissen würde.

Werden wir oder Leichen unserer vergangenen Taten entdeckt, löst das meistens in Sekundenschnelle Alarm aus, zunächst lokal, beim dritten Mal im Standard-Schwierigkeitsgrad quasi auf der ganzen Karte. Das Resultat: mehr Patrouillen, mehr Gegner, noch weniger Gelegenheit zum unbemerkten Durchkommen.

Folglich besteht die richtige Vorgehensweise darin, die Karte als Kette von aneinandergereihten Schleich- und Meuchel-Puzzles zu verstehen. Divide and Conquer statt Command and Conquer sozusagen. Praktisch heißt das: Einzelne Gegner weglocken – über einen Störsender, einen Pfiff oder sogar kurzes Aufstehen – und dann eben beiseiteschaffen. Oder orchestriert von zwei Häuserecken mit dem Messer auf ein Soldaten-Duo zurennen und beide erledigen. Oder einen Baukran „versehentlich“ anstupsen.

Oft ergeben sich mehrere Möglichkeiten, und mit ein paar Minuten Abstand und einem neuen Blick lassen sich auch die vertracktesten Situationen lösen. Schnellspeichern und -laden wird im Interface ein prominenter Platz eingeräumt – eine Lösung der alten Schule, aber eine ehrliche, die funktioniert.

An diesem ungemein befriedigenden Grundprinzip haben die Claymore Studios und Publisher Kalypso wenig geändert. Es gibt keine Fertigkeitenbäume, kein Zelt- oder Zugmanagement wie in Partisans 1941 oder The Last Train Home, kein komplexes Waffen- oder Verletzungssystem. Ist der Gesundheitsbalken am Ende, trifft das auch auf den Kommando und unser Spiel zu.

Das Original-Prinzip motiviert in den besten Momenten, als wäre es ein Lehrbuch in Gamedesign über Belohnungseffekte, kurz- und langfristige Ziele und Erfolgserlebnisse. Umso beruhigender ist es, dass in Commandos Origins nur sehr zaghafte Änderungen daran vorgenommen wurden. Dazu gehört unter anderem der oben erwähnte Fall, dass sich feindliche Soldaten nun wundern, wenn ihre Eben-war-der-Karl-doch-noch-hier-Gesprächspartner weg sind. Auch die einfache Pistole hat nun keine unbegrenzte Munition mehr – theoretisch waren damit im Original Exploits möglich. Nach Bewegungsbefehlen sehen wir die Pfade der jeweiligen Einheiten eingeblendet, was etwaige Wegfindungsüberraschungen vermeidet.

Und natürlich gibt es anno 2025 einen Planungs- und Pausenmodus für komplexere Befehlsketten. In dieser Kombination aus dem Einsatz der unterschiedlichsten Fertigkeiten – nur der Pionier kann Zäune durchschneiden, nur der Scharfschütze lautlos auf Distanz schießen, auch klettern steht nicht allen Commandos zur Verfügung – ergibt sich ein ungemein befriedigendes Orchester.

Manöverkritik

Zu den nicht so gelungenen Neuerungen gehört zum einen der eher bemühte Story-Überbau mit etwas einseitigen Charakterisierungen und wenig packender Inszenierung. Das wortkarge Original war so auf pure Mechanik getrimmt, dass ein derartiges Rahmenwerk nie zu fehlen schien. Und auch wenn die Soldaten-KI mit einigen zusätzlichen System ausgestattet ist, ergeben sich doch einige wenig glaubwürdige Möglichkeiten, sie einfach auszunutzen.

Insbesondere Treppenstufen zu Dächern stellten die Wehrmachtsangehörigen immer vor eine ordentliche Herausforderung und für uns folglich ein überraschendes Refugium dar. Und die Steuerung von Wagen per WASD hat beim Programmieren womöglich mehr Aufwand erfordert, als es tatsächlich wert war.

Bereits in der Ankündigung für die Testversion war der Hinweis auf einen Patch zum Erscheinungstag enthalten – jede Person mit einem intakten Langzeitgedächtnis schwant da Schlimmes. Doch tatsächlich halten sich die Bugs im Spiel, die wir tatsächlich erlebt haben, in engen Grenzen. Ein einziges Mal waren in mehrstöckigen Gebäuden Figuren nicht sichtbar (Neuladen half), sehr selten boten unsere Helden beim Kriechen ihre Moonwalking-Fähigkeiten dar oder direkt an einem Abgrund abgemurkste Schergen ihren Schwebe-Skill.

Mit dem Ein- und Ausstöpseln von Kopfhörern kam das Spiel ab und an durcheinander und in der Standard-Einstellung gönnte es sich beim allerersten Start eine zu hohe Auflösung, was sich natürlich im Menü beheben ließ. Gravierende Fehler traten aber gar nicht auf.

Greift zu, wenn...

… ihr dem Echtzeit-Taktik-Genre irgendetwas abgewinnen könnt.

Spart es euch, wenn...

… die Bissspuren auf eurem Schreibtisch Zeugnis der letzten schwierigen Titel waren.

Fazit

Christian Burtchen - Portraitvon Christian Burtchen
Endlich: Ein ordentliches Reboot mit sanften Modernisierungen

Die letzten Klassiker-Neuauflagen, die ich bei Gameswelt getestet habe, ließen im Vorfeld Zweifel aufkommen. Mal waren die Versionen mit einer sträflichen Lieblosigkeit modernisiert, mal zeigte sich, dass das darunterliegende Spielprinzip zu stark gealtert war, mal hatte das Interface sichtlich Staub angesetzt. Commandos Origins mag nicht perfekt sein, aber es erfüllt die Kernanforderung „Gib mir das Beste aus dem Spielerlebnis von 1998 mit modernen Ideen“ bravourös.

>> Aus alt mach neu: Die 10 besten Spiele-Remakes <<

Die Claymore Game Studios haben sich akribisch an das gehalten, was die Faszination damals ausmachte: Stück für Stück vorankämpfen und so eine scheinbare Übermacht mit Planung, List und Geschick überwinden. Wer unbedingt meckern möchte, kann neben den paar kleineren Bugs natürlich kritisieren, dass das Schnellladenspeichernladen-System etwas archaisch wirkt – aber mir hat das keine Sekunde die Freude verleidet. Im Gegenteil: Weil Glück eine wirklich nur untergeordnete Rolle spielt, fühlt sich das Vorkommen mit Dutzenden Spielständen im Rücken nicht nach Schummeln an.

Viele Spiele-Tests der letzten Jahre haben mir viel Freude bereitet, aber ohne jede Übertreibung liegen die Commandos mit deutlichem Abstand vorn. Zum ersten Mal seit Ewigkeiten hatte ich das althergebrachte Gefühl, wirklich jede Gelegenheit zum Spielen nutzen zu wollen. Hm, das Nudelwasser kocht – okay, da gehen doch jetzt sieben Al-Dente-Minuten. Die Neuerungen fallen vernünftig aus, der Schwierigkeitsgrad fair und belohnend. Commandos Origins löst das Wie-früher-aber-neu-Versprechen ein!

Überblick

Pro

  • Schwierigkeitsgrad der Marke „Hart, aber gerecht“
  • enorm motivierendes Spielprinzip
  • behutsame, durchdachte Design-Neuerungen
  • reichhaltige Einstellungsmöglichkeiten
  • optisch gelungen

Contra

  • kleinere Bugs
  • KI mitunter überfordert und streckenweise nicht ganz glaubwürdig
  • überflüssige Fahrzeug-Steuerung

Awards

  • Games Tipp
    • PC

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