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Test - Vader Immortal : Der feuchte Traum eines jeden Nerds

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Einmal im Leben den Hebel umlegen, wenn der Falke auf Lichtgeschwindigkeit beschleunigt, elegant das Lichtschwert schwingen oder Darth Vader persönlich gegenüberstehen – Dinge, von denen ich schon als kleines Kind geträumt habe. Mit Vader Immortal wird das alles endlich wahr dank Virtueller Realität. Und um es gleich vorwegzunehmen: Ja, es ist ungefähr genau so geil, wie es sich anhört. Bisher war das Star-Wars-VR-Spiel PC-exklusiv. Nun ist es auch für Playstation VR erhältlich.

Vader Immortal ist Fan-Service pur für Star-Wars-Fans. Schon der Einstieg entführt euch nicht nur sprichwörtlich in die Galaxie weit, weit entfernt, sondern gibt euch per VR unmittelbar das Gefühl leibhaftig dort zu sein: Im Cockpit eines Schmuggler-Raumschiffs ähnlich dem Millennium-Falken dürfen wir die blinkenden Lichter der Armaturen ganz aus der Nähe bestaunen, dem schnippischen Geplapper unseres Droiden ZO-E3 im Copilotensitz lauschen, ein paar Knöpfchen bedienen und schließlich den Hebel umlegen, um auf Lichtgeschwindigkeit zu beschleunigen: Die Sterne strecken sich zu langen Linien, wumms, wir befinden uns im blau glühenden Tunnel des Hyperraum – woohoo!

Spielerisch ist Vader Immortal nicht sonderlich von Belang – wenngleich vor allem die Lichtschwert-Kämpfe extrem cool umgesetzt wurden, auf die wir nachher noch zu sprechen kommen. Es geht hier in erster Linie um die „Experience“, die Erfahrung, sich qua Virtual Reality in dieser phantastischen Welt zu wähnen, in der man sich seit der Kindheit insgeheim schon immer zu Hause fühlte: einmal selbst durch die schwarzen Gänge einer imperialen Basis zu gehen mit ihren weißen Lichtornamenten und rot umrandeten Computerkonsolen, sich wie ein mächtiger Jedi fühlen, der behände sein surrendes Lichtschwert durch die Luft schwingt, Felsen per Gedankenkraft schleudert und Laserschüsse wie mit einem Baseballschläger abwehrt.

Als sich in der Eröffnungssequenz ein gigantischer Sternzerstörer über mir herabsenkt und auf Abfangkurs zu meinem Raumschiff geht, fühlt sich das an wie der Urknall, mit dem 1977 alles begann: die allererste Szene der Star-Wars-Saga, die seinerzeit Kinogeschichte schrieb – nur dass man ihr diesmal nicht vor der Leinwand beiwohnt, sondern sie regelrecht am eigenen Leib erfährt. Das Deutsche Sportfernsehen warb einst mit dem Motto „Mittendrin statt nur dabei“ und traf damit die Losung von Vader Immortal wie den Nagel auf den Kopf.

Die dunkle Bedrohung

Ihr spielt einen Schmuggler, der vom Imperium gefangen genommen und nach Mustafar verschleppt wird, dem Lavaplaneten, auf dem in Die Rache der Sith das Duell zwischen Anakin und Obi-Wan stattfand und der seit Rogue One die schwarze Festung von Darth Vader beherbergt. In den Höhlen darunter sucht der dunkle Lord nach einem Artefakt einer uralten Zivilisation, das die Macht besitzt, den Tod zu überwinden und Vader damit endlich in die Lage versetzen soll, Padmé ins Leben zurückzuholen. Als Nachfahre dieses Eingeborenenvolkes werdet ihr von ihm gezwungen, ihm bei der Suche zu assistieren, wofür er euch sogar in die Geheimnisse der Macht einweiht.

Doch das spannt euch schon bald in eine gefährliche Zwickmühle, deren Griff mit jedem Schritt fester wird. Denn um den eigenen Kopf aus der Schlinge zu ziehen, geht ihr so einen Pakt mit dem Teufel ein, dem ihr eine Waffe mit grenzenloser Zerstörungskraft in die Hände spielt, mit der er die Galaxis endgültig zu unterjochen vermag. Insgeheim wartet ihr zwar nur auf eine Gelegenheit, ihm in den Rücken zu fallen. Doch den mächtigsten Bösewicht des Universums hintergehen – wie stellt man das als armseliger Schmuggler an?

Vader Immortal ist über weite Strecken das, was man eine „VR-Experience“ nennt. Hin und wieder einen Hebel umlegen, eine Leiter hochklettern oder ein Türschloss knacken, indem man schlicht das Stromkabel aus dem Schaltkasten reißt – solcherlei Aktionen „Rätsel“ zu nennen, wäre maßlos übertrieben. Aber genau das ist es, was diese Art VR-Erlebnis auszeichnet. Luke Skywalker musste schließlich auch nicht erst ein Schalterrätsel lösen, um sich aus der Schrottpresse zu befreien. Spielerischer Anspruch würde lediglich die Illusion behindern und der Erfahrung im Weg stehen, die voll und ganz auf das Eintauchen in eine Welt abzielt, die man immer schon bereisen wollte.

Trotz dieser Reduziertheit erweist sich Vader Immortal als erstaunlich abwechslungsreich und in jeder Sekunde hochgradig unterhaltsam. Mal wehrt ihr die Laserschüsse von Sturmtruppen ab, während ihr auf einem Gleiter in halsbrecherischem Tempo durch eine Kristallhöhle saust, dann wieder befehligt ihr eine ganze Roboterarmee wie ein Feldherr per Fingerzeig. Und dann erst der Kampf gegen einen riesigen Rancor, dem ihr mit dem Lichtschwert und per Telekinese geschleuderten Felsen Herr werden müsst. Dank VR fühlt sich das genauso spektakulär an, wie es klingt.

Eine elegantere Waffe aus zivilisierteren Tagen

Wenn es etwas wie ein spielerisches Herzstück von Vader Immortal gibt, dann die Lichtschwertkämpfe, die erstaunlich intuitiv und technisch exzellent umgesetzt wurden. Zwar fällt das eigentliche Kampfsystem dahinter extrem simpel aus: Im Grunde besteht es lediglich darin, leicht vorhersehbare Angriffe der Gegner mit Gesten nach links, rechts oder oben abzuwehren und im richtigen Augenblick zurückzuschlagen. Was auf dem Fernsehbildschirm mit dem Controller sicherlich in stumpfsinnige Quicktime-Reaktionstests münden und auf der Wii in läppischem Gefuchtel ausarten würde, fühlt sich hier tatsächlich fast wie ein richtiger Schwertkampf an.

Vader Immortal gelingt das Kunststück, nicht trotz, sondern gerade wegen seiner einfach nachvollziehbaren Machart ein berauschendes Gefühl der Beherrschung zu verleihen. Auf bewundernswerte Weise wandelt es stets auf dem schmalen Grat, jederzeit rein intuitiv beherrschbar zu sein, wie es für Videospiele typisch ist, dabei aber erfolgreich die Illusion schafft und diese stets aufrecht erhält, das alles könne zumindest theoretisch auch real sein. Jedenfalls gelingt es Vader Immortal schon nach kürzester Zeit trefflich, dass man sich als Spieler auch ohne jahrelanges Training, dafür mit ein bisschen blühender Vorstellungskraft glaubhaft einbildet, echte Schwertkämpfe wie ein voll ausgebildeter Jedi-Ritter zu führen. (Vielleicht aber auch nur, weil der Schwierigkeitsgrad des Spiels so leicht ist, dass ich ehrlich gesagt gar nicht weiß, ob man überhaupt sterben kann.)

Während einem bei der ersten Begegnung mit Darth Vader allein durch seine imposante Erscheinung vor Angst noch die Knie schlottern, fühlt man sich im finalen Duell gegen ihn am Ende des Spiels tatsächlich wie ein mächtiger Jedi-Ritter, der es mit ihm aufnehmen kann. Ich empfehle dringend, Vader Immortal im Stehen zu spielen, weil es dieses Allmachtsgefühl enorm verstärkt, wenn man breitbeinig stehend Hiebe in alle Richtungen austeilt, wie man sie sonst nur von Luke aufs Jabbas Segelbarke aus der Ferne bewundern durfte.

Leider ist das Spiel mit circa zwei Stunden Spielzeit sehr, sehr kurz. Jede der drei Episoden dauert lediglich 30 bis 45 Minuten. Das ist selbst für die moderaten 27 Euro, die das Spiel im PSN kostet, und die insgesamt sehr hochwertige Produktionsqualität grenzwertig. Zumal auch die ziemlich lieblos umgesetzten Wellenkämpfe, in denen man sich nach der Story-Kampagne noch mit dem Lichtschwert austoben darf, die Spielzeit lediglich mühselig strecken, aber sie nicht bereichern.

Vader Immortal: A Star Wars VR Series - State of Play Launch Trailer | PS VR

Auch zum PSVR-Titel Vader Immortal gab es beim State of Play August ein neues Video.

Immerhin geben sie einem ein wenig länger die Gelegenheit, sich wie ein mächtiger Jedi zu fühlen. Denn die Schwertkämpfe kommen im eigentlichen Spiel etwas zu kurz. Wie so einiges andere auch. Wenn sich die Entwickler einen Vorwurf gefallen lassen müssen, dann den, viel zu wenig aus ihren an sich gelungenen und teilweise durchaus vielschichtigen Spielideen gemacht zu haben. Dass das extrem coole Schleudern des Lichtschwerts nur im belanglosen Wellenmodus, nicht aber im richtigen Spiel zum Einsatz kommt, mutet geradezu seltsam an. Auch dass das Spiel sogar eine Shooter-Mechanik mit dem Blaster enthält, wird mancher Spieler womöglich gar nicht oder nur durch Zufall herausfinden. Dass diese zudem nur kurz für drei Minuten gegen Ende zum Einsatz kommt, wirkt völlig unverständlich. Allein daraus hätte man locker drei eigene Abschnitte basteln können, bevor sie sich abnutzt. Hätten die Entwickler allein aus dem, was sie eh schon haben, ein wenig mehr gemacht, wäre das Spiel schon doppelt bis dreimal so lang geworden.

Wie so manch anderes VR-Spiel auch hinterlässt Vader Immortal dergestalt den Eindruck eines Tutorials oder einer Machbarkeitsübung für ein Spiel, das es streng genommen noch schuldig bleibt. Vielleicht erleben wir dieses ja mit einem Nachfolger, den ein Hinweis am Ende zumindest in den Bereich des Möglichen rückt. Oder im nächsten Spiel der Entwickler, das bereits angekündigt ist und bei der es sich wiederum um eine Star-Wars-VR-Erfahrung handeln wird: Tales from Galaxy‘s Edge, das mit dem Planeten Batuu den Schauplatz des Star-Wars-Parks von Disneyland aufgreift und sich um eine Gruppe von Rogues dreht. Ich kann es kaum erwarten.

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