Test - Tony Hawk's Pro Skater 3 + 4 : Test: Großartige Remakes, nicht nur für Fans
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Ace of Spades von Motörhead dröhnt aus den Boxen, ein eiskaltes Spaßgetränk steht auf dem Couchtisch und auf dem Bildschirm zeigen Tony Hawk, Chad Muska, Jamie Thomas und viele weitere Koryphäen, was sie auf dem Brett haben. Im zarten Alter von zehn Jahren sah so jeder meiner Nachmittage aus. Nun darf ich den damaligen Zauber noch einmal erleben.
Das hat Activision wieder ganz toll hinbekommen: Ich fühle mich alt! Älter als nach meinem jährlichen Ausflug zum Skatepark inklusive schmerzendem Ellenbogen, weil Schoner ja was für alte Männer sind. Älter als nach dem Abschiedskonzert von NOFX, bei dem ich unbedingt wieder in den Pit musste. Älter als nach einem Gespräch mit den Kids beim letzten Contest in München, die nach 2000 geboren und trotzdem volljährig sind.
Soll es wirklich schon 24 Jahre her sein, dass ich meinen GameCube an die Grenzen seiner Belastbarkeit trieb und Nachmittag um Nachmittag vor der Röhre verbrachte? Meine Freunde und ich schlugen uns regelrecht die Schädel ein, wenn wir gegenseitig unsere Highscores übertrafen und in den zweiminütigen Runs auf Punktejagd gingen. Tony Hawk’s Pro Skater war ein riesiger Teil meiner Kindheit und jetzt erlebe ich ihn in zeitgemäßem Gewand wieder – und bin happy. Aber eben auch alt!
Wie der Blick durch die rosarote Brille
Glücklicherweise wagen Iron Galaxy Studios keine großen Experimente. Tony Hawk’s Pro Skater 3 + 4 verfolgt die gleiche Philosophie wie die Remakes der ersten beiden Teile. Als Veteran kenne ich noch jeden Winkel der Parks. Sie gleichen ihren Originalen komplett, strotzen aber vor liebevollen neuen Details und die grafische Frischzellenkur zeigt die Spiele nun tatsächlich so, wie ich sie mit meiner nostalgisch verklärten Erinnerung im Hirn abgespeichert habe.
Innerhalb kürzester Zeit flutschen auch wieder die Kombos. Die unzähligen Stunden mit der Reihe kriege ich nicht mehr aus dem Muskelgedächtnis, auch wenn beide Spiele etwas erweitert und abgeändert wurden. Während die beiden Karrieren voneinander getrennt laufen, teilen sie sich ihre Mechaniken. Das Zeitlimit von zwei Minuten bleibt für alle Levels bestehen, was Tony Hawk’s Pro Skater 4 natürlich etwas umkrempelt. Wir erinnern uns: Der vierte Teil schaffte die festen Runs ab und eure Ziele trugen euch in der Gegend verteilte NPCs auf. Nachdem sich dieser Umstand für mich ohnehin immer gezwungen anfühlte, freue ich mich über die Rückkehr zum klassischen System.
Dafür erhält Tony Hawk’s Pro Skater 3 einige Features und Tricks, die erst im Nachfolger Einzug fanden. Via Skitching hängt ihr euch als blinder Passagier an Autos und mit Spine Transfers wechselt ihr elegant zwischen zwei Quarters. Die Flatland-Tricks erlauben noch abstrusere Kombos und machen sechsstellige Punktezahlen nicht nur möglich, sondern fast schon zur Pflicht.
Habt ihr euch bereits in Tony Hawk’s Pro Skater 1 + 2 die volle Nostalgie-Ladung abgeholt, findet ihr euch schnell bestens zurecht. Ist das nicht der Fall, dann holt sie am besten sofort nach – so könnt ihr gleich vier großartige Arcade-Sportspiele am Stück durchgrinden. Immerhin bietet Tony Hawk’s Pro Skater 3 + 4 ein umfangreiches Tutorial, das euch die durchaus komplexe Steuerung näherbringt. Denn ohne die in der Jugend angeeignete Fingerfertigkeit geht es euch vermutlich wie bei den ersten Skate-Versuchen im echten Leben: Ihr liegt schnell auf der Schnauze.
Nicht alles beim Alten
Während Tony Hawk’s Pro Skater 3 in der Remake-Duologie keine neuen Map-Geschütze auffährt, gibt es beim vierten Teil gleich drei neue Parcours. Diese fügen sich perfekt in die bestehenden Karten ein und fangen den weitläufigeren Charakter von Teil 4 gut ein. Allen voran der Wasserpark überzeugt durch witzige Ziele, viele kleine Geheimnisse und einen sinnvollen Aufbau.
Wie schon bei den Vorgänger-Remakes ruhen sich die Entwicklerinnen und Entwickler nicht auf den Soundtrack-Lorbeeren aus. Tracks wie Ace of Spades (Motörhead), Amoeba (Adolescents), My Adidas (Run-DMC) und 96 Quite Bitter Beings (CKY) dürfen natürlich nicht fehlen. Daneben erweiterte das Team die Musikauswahl um haufenweise perfekt passende neue Stücke. Denzel Curry, King Gizzard and the Lizard Wizard, Kennyhoopla und viele weitere Künstler sorgen für einen einzigartigen wie genialen Mix aus Ohrwürmern diverser Genres. Hip-Hop ist ebenso Teil der Skateboard-Kultur wie Punkrock, Metal und jegliche Mischformen dieser Kategorien.
Auch bei den Skatern vertraut Tony Hawk’s Pro Skater 3 + 4 auf einen Mix aus alt und neu. Elissa Steamer, Eric Koston, Geoff Rowley, Chad Muska, Kareem Campbell und Rodney Mullen stehen stellvertretend für die Garde der ersten Stunde. Zu ihnen gesellen sich zum einen junge Leute, die ihr aus den vorherigen Remakes kennt: Nyjah Houston, Leticia Bufoni oder auch Riley Hawk. Dazu kommen ein paar komplett frische Profis, die zur aktuellen Weltelite gehören: Nora Vasconcellos, Chloe Covell, Margielyn Didal, Yuto Horigome und Zion Wright sind ihren realen Vorbildern wie aus dem Gesicht geschnitten.
Lediglich die Animationen wirken wenig individuell. Wo es bei Tony Hawk’s Pro Skater 1 + 2 noch einige Unterschiede zwischen den Skaterinnen und Skatern gab, scheinen hier viele Bewegungsabläufe aus der Standard-Kiste zu kommen. Bei der schieren Menge an Charakteren ist das zu verkraften, aber etwas schade. Alternativ erstellt ihr einfach eure eigene Figur aus einer riesigen Auswahl an Körpermerkmalen und kleidet ihn oder sie in den aktuellsten Drip der Skateboard-Kleidung.
Das ist nicht das Ende
Insgesamt 19 Maps bietet euch Tony Hawk’s Pro Skater 3 + 4, mit jeweils zehn Zielen pro Karte. Ihr müsst SKATE-Buchstaben sammeln, Highscores knacken oder vorgegebene Tricks an bestimmten Orten machen. Immer wieder brauchen NPCs Hilfe: Beispielsweise beeinflusst ihr Umgebungsobjekte durch Tricks oder ihr zerstört Banner und Kürbisse. In der Regel beschäftigt euch ein Parcours eine halbe Stunde bis eine Stunde, entsprechend schnell ist die Karriere beendet.
Doch glücklicherweise gibt es einiges an Zusatzinhalten. Aus Spoiler-Gründen spare ich mir große Erläuterungen, aber lasst mich so viel sagen: Euch erwarten geheime Maps, zusätzliche Missionsziele auf abgeschlossenen Karten, eine neue Medaille bei den Wettbewerben und die Solo Tour. Um die Spiele auf 100 Prozent zu bekommen, gilt es zudem, die versteckten Decks und Geldnoten in den Levels zu finden. Mit den Moneten kauft ihr im Shop neue Boards, Klamotten, zusätzliche Skater und Skaterinnen sowie herrlich alberne Effekte wie grell leuchtende Grind-Spuren. Zum Glück hat Iron Galaxy Studios den abgedrehten Humor der Reihe mitsamt verspiegelten Charakterskins und anderem Kokolores nicht vergessen.
Die Ziele von Tony Hawk’s Pro Skater 3 + 4 setzen in jedem Fall einen gesunden Entdeckerdrang und auch gute Gamepad-Skills voraus. Manche scheinen schier unerreichbar und durch die steile Lernkurve und das bisweilen bissige Kombo-Timing könnte euer Controller schnell in Gefahr laufen, einen Freiflug spendiert zu bekommen. Wenn euch der Frust zu übermannen droht, besteht keine Schande darin, die Mods zu aktivieren. Perfekte Balance bei Grinds und Manuals oder verringerte Schwerkraft lassen die Welt plötzlich ganz anders aussehen – und ehrlich gesagt bringen sie auch einen Haufen Spaß mit sich.
Gehen euch die vorgegebenen Challenges auf den Keks, dann baut einfach euren eigenen Park. Dank haufenweise Ramps, Missionszielen und Deko-Objekten werdet ihr zum Architekten des Skate-Schlaraffenlands, das euch euer Heimatdorf immer verwehrte. Oder kopiert ihr einfach eure örtliche Einrichtung? Wie auch immer ihr es handhabt, gemeinsam mit Freunden über das eigene Werk zu düsen, bereitet schon sehr viel Freude. Alternativ haut ihr euch in den altbekannten Online-Modi oder im Splitscreen die Kombos um die Ohren. So funktioniert THPS einfach am besten!
Greift zu, wenn...… ihr die Originale kennt und liebt oder auf der Suche nach großartigen Funsport-Spielen seid.
Spart es euch, wenn...… Realismus für euch an höchster Stelle steht – dann ist Session mehr euer Fall.




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