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Test - The Precinct : Test: GTA als Cop? Klingt nach einem Verbrechen!

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Die älteren Semester unter euch erinnern sich sicher noch: Bevor Grand Theft Auto zu der milliardenschweren Reihe wurde, die sie heute ist, kam sie fast schon kriminell primitiv daher. Die ersten beiden Teile präsentierten euch das Geschehen aus einer pixeligen Vogelperspektive, die bei all den gebotenen Freiheiten die Immersion nahezu eliminierte. Interessanterweise nimmt sich The Precinct diesen Oldschool-Ansatz, verschiebt ihn in die isometrische Perspektive und lässt euch die andere Seite des Gesetzes erleben.

Averno City mag die vielleicht kriminellste Stadt der Welt sein. Alle paar Sekunden kommt ein Funkspruch rein, der von Vandalismus, Prügeleien, Drogendeals oder ausgewachsenen Gang-Schießereien berichtet. Als frisch gebackener Officer ist es an euch, den verbrecherischen Subjekten der Metropole einen Riegel vorzuschieben und sie hinter schwedische Gardinen zu bringen. Doch das Leben als Polizist besteht nicht nur aus packenden Verfolgungsjagden und spannenden Fällen, auch öder Streifendienst steht auf dem Dienstplan.

Ordentlich Handschellen verteilen

Der Ablauf von The Precinct fällt weit weniger frei aus als bei GTA. Als frisch gebackener Polizist müsst ihr euch selbstverständlich an das Schichtsystem der Polente halten und schaltet nach und nach neue Aufgabentypen frei. Zunächst geht ihr zu Fuß Patrouille und verhaftet Sprayer, führt verdachtsunabhängige Personenkontrollen durch und reagiert auf Notrufe. Außerdem macht ihr Jagd auf Parksünder und im weiteren Spielverlauf fahrt ihr dann auch endlich im Polizeiwagen Streife. Temposünder und betrunkene Fahrer und Fahrerinnen halten aber nicht immer brav an, wenn die Sirene ertönt.

Verfolgungsjagden gehören bei The Precinct zum Tagesgeschäft, sei es zu Fuß oder hinter dem Lenkrad. In beiden Fällen brüllt ihr den bösen Früchtchen hinterher, sie mögen stehenbleiben, was ihre Motivationsleiste senkt. Ist diese endgültig geleert, bleiben sie stehen und ihr könnt sie verhaften. Davor will aber der Ausweis von der Zentrale überprüft werden, und ihr führt Alkoholtests durch und durchsucht die Verdächtigen nach illegalen Gegenständen. Aus all diesen Elementen setzt sich schließlich die Summe aller Straftaten einer Person zusammen und ihr entscheidet: Knast oder Bußgeld?

Dabei bleibt aber zumindest theoretisch kein Handlungsspielraum. Das Handbuch gibt fest vor, welches Verbrechen welche Strafe nach sich zieht. Basierend auf der Korrektheit eures Vorgehens verdient ihr Erfahrungspunkte und am Ende einer jeden Schicht wird abgerechnet. Nur die rechtschaffenen Cops steigen die Karriereleiter schnell hinauf, was neue Fahrzeuge, Waffen und Schicht-Typen freischaltet. Durch Skillpunkte verbessert ihr eure Lebensenergie, panzert eure Fahrzeuge besser oder erhöht die Anzahl eurer Unterstützungsmarken.

Bleibt ihr bei Verfolgungsjagden lange genug an den Fersen der Bösewichte kleben, dürft ihr nämlich Unterstützung rufen. Von Nagelbändern über weitere Fußtruppen hin zu Straßensperren und gepanzerten Fahrzeugen wird nahezu alles geboten. Besonders in Auto-Schichten erweisen sich diese Hilfen als unverzichtbar, denn im Vergleich zu so ziemlich jedem Hanswurst-Halunken erweist sich euer Fuhrpark als kriminell untermotorisiert.

Allerdings nerven die Verfolgungsjagden allgemein recht schnell. Jeder und jede zweite Verdächtige rennt urplötzlich los und ihr hinterher, während ihr aus voller Kehle (also via Knopfdruck) brüllt. Seid ihr nah genug, hilft ein beherztes Tackle und ihr habt sie geschnappt. Monotonie gehört zum Beamtenalltag sicherlich dazu, für ein Videospiel kann sie aber schnell tödlich enden.

Bleihaltige Rechtsprechung

Oftmals enden die Routinekontrollen in The Precinct auch mit ausgewachsenen Schusswechseln, manchmal ballern Leute auch einfach auf offener Straße auf euch. Selbst an eurem ersten Tag müsst ihr bereits einen Bankraub mit jeder Menge Blei beenden. Dann geht ihr am besten schnell hinter einer Mauer in Deckung, richtet das Fadenkreuz aus und gebt Sperrfeuer. Die Schusswechsel gehören definitiv nicht zu den starken Seiten des Spiels, was auch der Perspektive geschuldet ist. Platziert ihr eure Projektile nicht genau, gehen sie gnadenlos ins Leere.

Ansonsten schafft es das Studio aber, den isometrischen Winkel gut auszunutzen, und der Überblick geht nur selten flöten. Selbst kleinere Details wie Gang-Zeichen auf Klamotten erkennt ihr meist problemlos, denn natürlich treiben in Averno City einige Gruppierungen ihr Unwesen. Durch Kontrollen und Verhaftungen erhaltet ihr Hinweise auf die führenden Persönlichkeiten. Sind genügend Beweise zusammen, winkt eine besondere Schicht, bei der ihr die Kingpins findet und dingfest macht.

Die variieren von den üblichen Schusswechseln hin zu Verfolgungsjagden in der Luft. An Bord eines Hubschraubers fliegt ihr über der Stadt herum und sucht mit eurem Scheinwerfer nach den Subjekten. Behaltet sie im Lichtkegel, was den Bodentruppen hilft und euch mit Unterstützungsmarken ausstattet, wie wir sie aus den regulären Schichten kennen. Übrigens dürft ihr auch im normalen Dienst immer wieder Hubschrauberschichten wählen, die laufen aber ähnlich öde ab: Verbrecher suchen, finden und im Licht behalten.

Deutlich spannender sind da doch die Autorennen. Ihr sollt euch nämlich mal eben in einen illegalen Racing-Ring einschleusen und nehmt dazu an Veranstaltungen teil. Dabei zerlegt es auch gerne mal die halbe Stadt, denn viele Zäune, Mauern und anderweitige Objekte halten beängstigend wenig aus. Mindestens genauso fast and furious geht es in den Zeitrennen zu, die von irgendwelchen wildfremden Personen an euch vergeben und mit Erfahrungspunkten belohnt werden – auch das erinnert ja irgendwie ans alte GTA.

Eine Geschichte, so alt wie die Polizei selbst

The Precinct präsentiert sich nicht nur wie ein klassisches GTA, auch haufenweise Versatzstücke klassischer Bullenstreifen finden sich. Oder kommt euch die Geschichte von Officer Nick Cordell Jr., der im Jahr 1983 frisch von der Polizeiakademie in eines der ekligsten Reviere von Averno City versetzt wird, nicht bekannt vor? Dann aber vielleicht der Umstand, dass sein Vater von vielen als legendärer Polizist verehrt wird? Spätestens aber beim Umstand, dass der alte Herr ermordet wurde, sollten ein paar Glocken klingeln lassen.

Die Entwicklerinnern und Entwickler lassen kein Klischee aus. Zahlencodes für Tresore finden sich praktischerweise auf einem Zettel direkt an einer nebenliegenden Wand, der hitzige Chief steht neben einem korrupten Kollegen, die Detectives lachen über die Rookies und mehrere Gangs scheinen unter einem Kingpin zusammenzulaufen. Außerdem erlebt ihr direkt am ersten Tag einen Banküberfall und nach nur einer Woche spannen euch die Detectives bei einem waschechten Mordfall ein. Das alles unterhält dank der Trashigkeit auf solidem Niveau, allerdings schmerzt die Darreichungsform: nett gezeichnete Standbilder und Textboxen, wohin das Auge blickt ist ein Verbrechen für die Augen.

Dafür fällt die Grafik ansonsten durchaus nett aus. Sogar an Tag-Nacht-Wechsel und Wettereffekte wurde gedacht. Wenn ihr nachts durch das verregnete Averno cruist, kommt bisweilen schon Stimmung auf, zumindest im Rahmen der Möglichkeiten einer isometrischen Perspektive. Wirklich genial ist jedoch der Soundtrack: Passend zum 80er-Noir-Stil dringen seichte Synthwave-Klänge aus den Boxen, die vielleicht nicht die Güteklasse von Gunship oder Carpenter Brut erreichen, aber dennoch extrem gut zum Geschehen passen und besonders nachts eine stimmige Atmosphäre erzeugen.

Greift zu, wenn...

… ihr knallharte Fans klassischer Polizei-Storys seid und euch GTA moralisch zu verwerflich ist.

Spart es euch, wenn...

… ihr euch ein packendes Action-Game versprecht.

Fazit

Dennis Hilla - Portraitvon Dennis Hilla
Sir, ich muss Sie bitten, noch einmal die Grundlagen des Game-Designs zu studieren

Es gibt einen Grund, warum uns sehr viel mehr Spiele in die Rolle von Gangstern statt in die von Cops schlüpfen zu lassen: Der Alltag als Ordnungshüter fällt ordentlich öde aus. Ständig die gleichen Verbrechen behandeln, blöde im Kreis fahren oder warten, bis die Überprüfung eines Ausweises abgeschlossen ist: Da haben es die Schwerverbrecher aus GTA schon spaßiger und spannender.

The Precinct versucht sich betont daran, irgendwo zwischen Arcade und Realismus zu schwimmen, versemmelt sich dabei aber gehörig. Letztlich ist es egal, ob ich jemandem die richtigen Verbrechen anhafte oder nicht, ob die Verhaftung okay war oder nicht. Ich verliere ein paar Erfahrungspunkte, das war es. Wo sind die echten Konsequenzen oder der Anschiss vom Chief?

>> Die 10 größten Nervensägen in Spielen: Nervtötender als die Polizei erlaubt <<

Abgesehen vom Soundtrack bietet das Spiel nur wenig wirklich gute Punkte, der Rest ist maximaler Durchschnitt. Während unsere PC-Version zudem weitgehend ordentlich lief, ist The Precinct auf PS5 derzeit noch nahezu unspielbar verbuggt.

Die klischeebehaftete Story unterhält ja noch auf niedrigem Niveau, aber sämtliche Spielmechaniken wiederholen sich zu schnell und auch die Freischaltungen ändern da nur bedingt was. Dann lieber nochmal GTA 2.

Überblick

Pro

  • herrliche klischeebeladene Story und Charaktere
  • sehr starker Synthwave-Soundtrack
  • gelegentlich regelrecht stimmungsvolle Szenerien
  • erstaunlich gute Übersicht für isometrische Perspektive

Contra

  • spektakulär langweilige Story-Präsentation
  • Spielmechaniken wiederholen sich schnell
  • Geschichte verliert sich selbst und den roten Faden
  • Partner-KI herzhaft dämlich
  • fast schon gelangweilt klingende Sprecherinnen und Sprecher

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