Länderauswahl:
Du wurdest von unserer Mobile-Seite hierher weitergeleitet.

Test - The Cabin Factory : Test: Ein ganz normaler Arbeitstag als Horror-Hütten-Hüter

  • PC
Von  |  | Kommentieren

Dass wir dank Simulator-Games in Berufe reinschnuppern können, die leider nicht direkt auf unserem Lebensweg lagen, ist ja ein alter Hut. Egal ob man Trekker, LKWs, Pistenraupen oder Busse fahren will oder lieber gleich mit einem Airbus in die Luft geht - jeder Kindheitstraum-Topf findet irgendwo seinen Simulator-Deckel. Wenn ihr zu der äußerst speziellen Zielgruppe gehört, die gerne Horrorhaus-Tester geworden wäre, dann gibt es jetzt zwei Dinge, mit denen ihr euch schnellstmöglich auseinandersetzen solltet: intensive Langzeit-Therapie und The Cabin Factory.

Was haben die Spiele Shift 87, Shinkansen 0, Exit 8 und Hospital 666 gemeinsam? Ja, sie führen alle Zahlen im Namen, was aber in unserem Kontext eher weniger spannend und reiner Zufall ist. Darüber hinaus gehören sie aber auch alle zu einer kleinen und sehr speziellen Unterkategorie des Horror-Genres, welche man als P.T.-like, Horror-Wimmelbilder oder Anomalie-Sucher bezeichnen könnte.

In all diesen Spielen betretet ihr in Ego-Perspektive immer wieder denselben Ort und haltet in jedem Durchgang die Augen nach Veränderungen bzw. Anomalien offen, um diese zu melden oder einfach wegzulaufen.

In Shift 87 (Test) ist es ein Büro, eine Fabrik und eine Tankstelle, Exit 8 sperrt euch in einer U-Bahn-Station ein und in Hospital 666 versucht ihr aus einem Krankenhaus zu entkommen (falls man das dem Namen nicht ohnehin schon entnehmen konnte). Shinkansen 0 lässt euch wiederholt das gleiche Abteil des japanischen Shinkansen, einem der schnellsten, nach regulärem Fahrplan verkehrenden Zügen der Welt, durchqueren.

Was genau als “Anomalie” zählt, kann dabei sehr unterschiedlich sein. Von “Der Stuhl steht jetzt auf der anderen Seite” über “Wo kommt denn diese gruselige Oma her?” bis hin zu “Ah! Hilfe! Alles steht in Flammen!” ist so ziemlich alles dabei, was die Kreativität der Entwickler hergibt.

Gruselige Atmosphäre, Jumpscares und jede Menge WTF-Momente dürfen natürlich auch nicht fehlen. Habt ihr dann genug Anomalien hintereinander richtig erkannt (aus irgendeinem Grund sind es für gewöhnlich acht), habt ihr “gewonnen” und dürft als Belohnung Feierabend machen.

Schleunigst raus aus dem Horrorhaus

Natürlich würde ich das alles nicht voranstellen, wenn es sich bei The Cabin Factory nicht ebenfalls um ein Game dieses Genres handeln würde, auch wenn es keine Zahl im Titel trägt. Statt aber in einer endlosen Schleife immer wieder durch den gleichen Gang zu latschen, kommt der Gang bzw. die Hütte hier zu euch.

Ihr seid nämlich für die Qualitätskontrolle zuständig in einer Firma, die gruselige Blockhütten herstellt. Mal abgesehen von der unkonventionellen Geschäftsidee scheint es in der Fabrik ganz entspannt zu laufen. Auf einem großen Fließband fährt in jedem Zyklus eine Hütte ein, ihr betretet sie und überprüft, ob alles in Ordnung ist. Hängt das Bild der düster dreinblickenden Mutter auch nicht schief an der Wand? Hat die Puppe des Sohns der Familie immer noch ein Laken über dem Kopf? Die Hütten sind immer identisch aufgebaut und so stellt sich schnell Routine ein. Könnte man zumindest meinen …

Denn die Fabrik hat wohl ein kleines Geisterproblem. Manchmal spukt es nämlich in einer der Hütten und das kriegt ihr am eigenen Leib zu spüren. Mal starrt euch die Puppe des Familienvaters grimmig über den Esstisch hinweg an und dreht sogar den Kopf, um euch nicht aus dem Blick zu verlieren. Für eine an sich leblose Puppe dann doch eher ein ungewöhnliches Verhalten. Dann kommt hier mal eine kleine Hand unter dem Bett hervor, um euch zu packen, und natürlich gibt es auch den genretypischen “Ah! Hilfe! Alles steht in Flammen!”-Moment.

Grusel für die gesamte Familie

Sobald sich etwas in der Hütte bewegt, solltet ihr die Beine in die Hand nehmen und schleunigst das Weite suchen. Draußen an eurem Terminal meldet ihr dann die Gruselbegegnung und weiter geht es mit der nächsten Hütte. Da manche Spuke sehr dezent ausfallen, haltet ihr am besten stets die Augen offen, denn nur, wenn ihr achtmal (Hab ich zu viel versprochen?) hintereinander richtig liegt, erfüllt ihr eure Quote und dürft Feierabend machen. Das kann zwar je nach Beobachtungsgabe und Geduld schonmal frustrierend werden, aber nach circa einer Stunde ist der Spuk (und das Spiel) dann auch vorbei.

Was The Cabin Factory jedoch von Shift 87 und der restlichen Konkurrenz unterscheidet, ist die Story. Allein schon die Tatsache, dass es so etwas wie eine übergreifende Handlung neben “Du arbeitest für eine Firma, die Horror-Häuser herstellt” hat, katapultiert das Spiel bereits in die Top-Liga des Genres. Elegant und fast schon beiläufig erzählt The Cabin Factory durch Hinweise, die ihr in verschiedenen Spuken findet, nämlich vom schrecklichen Schicksal der Geister, die die Holzhütten heimsuchen.

Bei einer Spielzeit von gerade mal einer Stunde ist die Hintergrundgeschichte natürlich nicht auf dem Niveau eines J.R.R. Tolkien, aber durchaus packend genug, um der ganzen Spukerei eine weitere Dimension mitzugeben. Da könnte man schon fast Mitleid mit der Grusel-Mama bekommen, die einen durchs Haus jagt. So setzt sich The Cabin Factory dann also doch von anderen “Berufs-Simulatoren” ab. Beim Landwirtschaftssimulator bin ich zumindest noch nie von besessenem Weizen vom Hof gejagt worden.

The Cabin Factory - Official Release Date Reveal Trailer

In The Cabin Factory untersucht ihr gruselige Hütten darauf, ob es spukt oder nicht.

Greift zu, wenn...

ihr einen kleinen, nicht zu anstrengenden Horror-Happen für zwischendurch sucht.

Spart es euch, wenn...

ihr eine tiefgreifende Story oder herausforderndes Gameplay bevorzugt.

Fazit

Sebastian Ruppert - Portraitvon Sebastian Ruppert
Eine unterhaltsame Stunde Horror-Wimmelbild-Spaß

Es ist schon faszinierend mitanzusehen, wie sich ein Spielprinzip allmählich als Videogame-Genre etabliert, das man in ähnlicher Form früher schon von der Rätselseite von Illustrierten und Tageszeitungen kannte: finde die Unterschiede. Gerade für kleinere Studios sind die Anomalie-Sucher ja äußerst dankbar. Immerhin hält sich der Entwicklungsaufwand durch die begrenzte Anzahl an notwendigen Locations in Grenzen.

The Cabin Factory holt aber aus zwei Räumen, einem Gang und einer Treppe so ziemlich alles raus, was die Holzbalken so hergeben. Bei jedem Besuch im Horror-Haus sitzt einem erneut die Paranoia im Nacken. Hat sich da nicht gerade etwas bewegt? Stand das Teil vorher schon da? Langeweile kommt deswegen auch bei der mangelnden räumlichen Abwechslung nie auf. Vor allem die Verknüpfung von Anomalien, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben, bei genauerem Hinsehen aber eine kleine Geschichte zusammenspinnen, sorgt für einige charmante und gruselige Überraschungen.

>>Hier seid ihr niemals in Sicherheit: Die 10 besten Survival-Games<<

Wer auf der Suche nach Material für einen gemütlichen Horrorabend ist, der ist mit The Cabin Factory gut bedient. Vor allem, weil man bei einem Kaufpreis von gerade mal 3 Euro nicht wirklich viel falsch machen kann. Die wenigsten Spuke verlangen euch spielerisch wirklich etwas ab und so ist die Sucherei die meiste Zeit über recht entspannt. Genau das Richtige, um vielleicht auch mit Freunden auf Anomalie-Jagd zu gehen und gemeinsam jeden einzelnen Balken in der Holzhütte aufs Genaueste unter die Lupe zu nehmen.

Überblick

Pro

  • abwechslungsreiche Anomalien
  • nette Hintergrundgeschichte
  • wenige Jumpscares
  • kostet gerade mal 3 Euro

Contra

  • sehr geringe Spielzeit
  • nur eine einzige Location

Könnte dichinteressieren

Kommentarezum Artikel