Special - Der Super Mario Galaxy Film : Filmkritik: Mehr als nur bunter Fan-Service?
Super Mario bestreitet sein zweites Kinoabenteuer – diesmal mit Der Super Mario Galaxy Film, der nun in den Kinos läuft. Wie es sich für eine Fortsetzung gehört, wird alles größer, lauter, bunter und opulenter inszeniert. Doch stellt sich die entscheidende Frage: Bringt der Film diesmal auch mehr Substanz mit?
Lasst mich eines vorweg klarstellen: Den ersten Super-Mario-Animationsfilm mochte ich nicht besonders. Trotzdem habe ich ihn mir nach dem Kinobesuch als 4K-Blu-ray ins Regal gestellt – direkt neben die Disc des berüchtigten Realfilms von 1993. Warum? Weil ich Fan bin. Ich liebe Nintendo, ich liebe Super Mario.
Entsprechend groß war mein Interesse an der Fortsetzung. Meine Erwartungen hielt ich bewusst niedrig. Eigentlich rechnete ich damit, erneut durch eine zusammenhanglose Parade aus Marketing-Versatzstücken geschleift zu werden. Umso überraschter war ich, als mir Super Mario Galaxy besser gefiel als erwartet. Ja, er ist in meinen Augen sogar ein gutes Stück stärker als sein Vorgänger.
Ein wirklich guter Film also? Nein. Ich verließ das Kino nicht begeistert, sondern mild amüsiert. Der Super Mario Galaxy Film schlägt im Grunde in dieselbe Kerbe wie Teil eins. Doch er wirkt deutlich durchdachter konzipiert. Er ist nicht klüger, nicht spannender und auch nicht erwachsener – aber er geht behutsamer mit seinem Material um und wirkt erzählerisch reifer. Um zu erklären, was ich damit meine, lohnt sich ein kurzer Rückblick.
Ein Blick zurück auf den ersten Film
Die 4K-Blu-ray des ersten Films landete aus reiner Fanpflicht in meinem Regal – gesehen habe ich den Streifen danach genau ein Mal. Und dieses eine Mal bestätigte meinen Eindruck. Visuell war er beeindruckend: hervorragend animiert, stellenweise fast schon eine Retina-überfordernde Benchmark-Demo für meinen QD-OLED-Fernseher. Dazu ein starker Soundtrack samt Atmos-Abmischung und ein Feuerwerk an Referenzen zur Mario-Reihe. Doch damit erschöpfte sich sein Reiz weitgehend.
Die Handlung? Kaum der Rede wert – so dünn, dass sie auf einen Bierdeckel passt. Ereignisse reihen sich aneinander, ohne echte Herleitung oder nachvollziehbare Motivation. Mario kämpft gegen Donkey Kong, weil Gründe. Kurz darauf folgt eine Mario-Kart-Sequenz – weil Fanservice.
Charakterentwicklung? Wird angedeutet, aber kaum ausgearbeitet. Mario wächst vom Alltagsklempner zum Helden, der seinen Bruder retten will, doch dieser Wandel geschieht innerhalb von Minuten, größtenteils in Form einer Montage. Der Humor? Punktuell vorhanden, meist jedoch auf Neckereien und Slapstick reduziert – mit Ausnahme des angenehm makabren Luma-Sternchens.
Was bleibt also? Jack Blacks energiegeladene Bowser-Performance und ein Berg an Referenzen. „Ah, das kenne ich doch aus Spiel XY!“ Für sich genommen charmant, als tragendes Element eines Films jedoch zu wenig.
Ich höre eure Einwände schon: „Mensch Lucius, das ist doch ein Kinderfilm. Lass Eltern und Kinder ihren Spaß daran haben, all die bekannten Elemente zu entdecken!“
Sorry, aber dem kann ich wenig abgewinnen. Ich liebe Animationsfilme und habe auch nichts gegen eine Prise Kitsch. Findet Nemo, Alles steht Kopf, Wall-E, ja selbst die Ich – Einfach unverbesserlich-Reihe (ebenfalls von Illumination) zeigen, wie es besser geht. Sie bleiben zugänglich für Kinder, ohne sie zu überfordern, bieten aber gleichzeitig genug Tiefe, um auch das Hirn von Erwachsenen jenseits von Standgas anzutreiben. Wenn stattdessen allein Referenzen als Nährboden dienen, stellt sich schnell Langeweile ein.
Was macht der Super Mario Galaxy-Film besser?
Die Fortsetzung beseitigt diese Schwächen nicht. Noch immer geschehen Dinge schlicht deshalb, weil sie ins Mario-Universum gehören. Besonders deutlich wird das bei Yoshis Einführung. Vorsicht, leichter Spoiler: Die Mario-Brüder reisen ins Wüstenland aus Super Mario Odyssey, finden ihn zufällig in einer Warp-Röhre – und zack, gehört er zur Gruppe.
Ist das überhaupt ein Spoiler? Kaum. Man kann schließlich keine Wendung vorwegnehmen, die streng genommen keine ist. „Inventar-Update“ trifft es vermutlich besser.
Und doch: Der Film begegnet solchen Momenten erstmals mit einem Augenzwinkern. Ein Toad spricht die Absurdität dieser Situation sogar offen an – eine Szene, die im Trailer noch wirkungslos verpuffte, im Kinosaal aber überraschend gut funktioniert. Plötzlich wurde mir klar, warum sie existiert. Die Autoren scheinen sich der erzählerischen Schlichtheit bewusst zu sein und erlauben sich eine Portion Selbstironie – ein Stilmittel, das dem Film spürbar guttut, auch wenn es nicht durchgehend konsequent eingesetzt wird.
Von da an entfaltet der Film seine größte Stärke: einen entspannteren Umgang mit dem eigenen Material. Ja, er bleibt ein Referenzfeuerwerk – von offensichtlichen Anspielungen auf Super Mario Bros. 2 bis hin zu versteckten Details der Marke „da musst du schon genau hinschauen“. Siehe beispielsweise die Super-Scope-Lightgun, die in Deutschland nie zu haben war. Doch die Frequenz des Easter-Egg-Trommelfeuers ist niedriger, das Timing besser, und zwischen den Anspielungen bleibt Raum für kleine Seitenhiebe, die nicht jeder sofort versteht. Vor allem Kinder nicht.
Das Ergebnis: Trotz der Fülle an Referenzen fühlt man sich deutlich weniger von einem Nintendo-Marketinggewitter erschlagen. Selbst die weniger subtilen Momente nimmt man dadurch gelassener hin.
Da passiert ja tatsächlich etwas
Eine weitere positive Überraschung: Dieser Film erzählt tatsächlich eine Geschichte. Sie bleibt zwar einfach und verlässt sich oft darauf, dass man die Spiele kennt, doch die Ereignisse folgen zumindest einer erkennbaren Dramaturgie. Es entsteht das Gefühl, dass sich etwas entwickelt – statt lediglich den Status quo neu zu arrangieren.
So erfährt man beispielsweise mehr über die Figuren Peach und Rosalina – Aspekte, die in den Spielen bislang kaum oder gar nicht beleuchtet wurden. Ob das als Kanon Bestand hat, sei dahingestellt. Zudem deutet sich eine leichte romantische Spannung zwischen Mario und Peach an, obwohl Nintendo sie offiziell als „gute Freunde“ einordnet.
Besonders gelungen ist eine kurze, unerwartete Dynamik zwischen Mario und Bowser – eine Art Bromance auf Zeit. Sie ist flüchtig, aber unterhaltsam, weil sie ein Verhältnis zeigt, das so in den Spielen nicht existiert. Im Vergleich dazu wirkt selbst der Cameo-Auftritt von Fox McCloud überraschend blass – und das, obwohl er mit seiner Han-Solo-Attitüde eigentlich zu den coolsten Figuren gehört.
Sind das große, weltbewegende Entwicklungen? Natürlich nicht. Aber es sind Entwicklungen. Und genau davon dürfte ein möglicher dritter Film gerne deutlich mehr bieten – idealerweise mit etwas mehr Kontinuität und emotionalem Gewicht. Etwas, in das man als Zuschauer wirklich investieren kann.
Wieder ein Fest für Aug und Ohr
Auch visuell legt Der Super Mario Galaxy Film noch einmal spürbar nach. Die ohnehin schon hohe Messlatte des Vorgängers wird nicht nur gehalten, sondern in mehreren Bereichen übertroffen. Die Farbpalette wirkt kräftiger, die 3D-Umgebungen sind detailreicher und lebendiger gestaltet, und die Animationen besitzen ein deutlich höheres Gewicht – Figuren bewegen sich glaubhafter, physischer, fast greifbar.
Gleichzeitig beweist Illumination hier mehr Mut zur Variation. Immer wieder bricht der Film bewusst mit seinem etablierten Look und streut alternative Stilrichtungen ein: kurze, animehafte 2D-Sequenzen, die wie visuelle Ausrufezeichen wirken, oder charmante Abstecher in die 8-Bit-Pixelästhetik, die nicht nur nostalgisch funktionieren, sondern dem Gesamtbild auch eine spielerische Vielfalt verleihen.
Es gibt Ehrungen, die man ganz und gar nicht erwartet. Eine Referenz auf den 93er Realfilm? Echt jetzt? Ha! Genial! Und dann noch eine Hommage auf eine Game-and-Watch-Figur, die selbst viele erwachsene Nintendo-Fans nicht erkennen? Mutig! Durch solche Kleinigkeiten wirkt der Film insgesamt abwechslungsreicher und visuell experimentierfreudiger als sein Vorgänger.
Was ihm allerdings fehlt, ist ein wirklich ikonischer Moment – etwas Vergleichbares zu Bowsers legendärer Peach-Ballade sucht man hier vergebens. Dafür präsentiert sich der Film in seiner Gesamtheit homogener. Er wirkt weniger wie eine lose Aneinanderreihung einzelner Szenen und mehr wie ein geschlossenes Ganzes. Das ist grundsätzlich ein klarer Fortschritt.
Allerdings leistet sich der Film in seiner Mitte einen spürbaren Durchhänger. Dort trennt er seine Haupthandlung für rund zehn Minuten von einem Abschnitt, der sich wie reines Füllmaterial anfühlt – und im Grunde auch genau das ist. Diese Passage hätte man nahezu vollständig streichen können, ohne dass der Film erzählerisch an Substanz verliert.
Ironischerweise gehört gerade dieser Abschnitt zu den referenzreichsten des gesamten Films. Er spielt mit Stilmitteln wie Oberwelt-Karten, greift typische Begegnungen aus den Spielen auf und nutzt vor allem Yoshi als neuen Charakter ausgiebig. Für Fans ist das zweifellos ein kleines Fest. Doch genau darin liegt auch das Problem: Die Sequenz wirkt wie ein isolierter Spielplatz für Ideen, der kaum mit dem restlichen Film verzahnt ist. Sie bringt die Handlung nicht voran und fühlt sich dadurch unnötig entkoppelt an.
Immerhin bleibt dieser Ausflug kurz. Zehn Minuten von insgesamt 99 fallen nicht allzu schwer ins Gewicht – und sind letztlich ein kleiner Preis für das, was der Film ansonsten deutlich besser macht. Besser heißt nicht gleich gut. Zumindest nicht im Gesamtbild, denn auch Super Mario Galaxy bleibt eine Marketing-Parade mit wenig echter Substanz. Aber ein Aufwärtstrend ist klar erkennbar.

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