Test - Overkill's The Walking Dead : Vier Zombies für ’ne Maracuja

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Mit der Fernsehserie The Walking Dead geht es derzeit steil bergab, was die Zuschauerzahlen anbelangt. Und auch in der Welt der Games ist das Franchise von Problemen gebeutelt. Brauchbare Umsetzungen gab es abseits der Adventure-Reihe von Telltale mit Hauptdarstellerin Clementine nicht, deren finale Staffel aufgrund der Insolvenz des Entwicklers derzeit unvollendet in der Luft hängt. Jetzt aber mischt ein neuer Vertreter mit. Verhilft Overkill's The Walking Dead der Serie zu neuem Glanz?

Zwar war Telltale’s Adventure-Interpretation von The Walking Dead erzählerisch sehr gelungen, doch wünschte ich mir schon immer eine richtige Actionumsetzung im Stil von Dead Rising oder etwa Dying Light. Eine solche verspricht Overkill's The Walking Dead von Starbreeze Studios (bekannt durch die Chronicles-of-Riddick-Spiele) zu sein, das jetzt auf PC erscheint. Die Umsetzungen für PS4 und Xbox One erscheinen im Frühjahr nächsten Jahres bei 505 Games.

Entwickelt wurde es von den Kreativköpfen von Overkill. Diese sind wiederum bekannt für die Payday-Serie und verfügen daher über einige Erfahrung im Shooter-Genre. Müssten wir den Titel in eine Schublade stecken, dann würden wir Overkill's The Walking Dead als Zombie-Koop-Shooter in der Tradition von Left 4 Dead bezeichnen.

Left 4 Walking Dead

Ihr spielt einen von vier Überlebenden eines Camps in der Nähe von Washington D. C. Das Spiel soll insgesamt zehn Episoden umspannen, von denen die erste nun veröffentlicht ist. Jede Episode umfasst jeweils eine Mission. Kauft ihr das Spiel, so erhaltet ihr alle zehn Episoden der ersten Staffel, die bis spätestens Juni 2019 erscheinen sollen. Im selben Monat wollen die Entwickler dann die zweite Staffel in den Handel bringen. Der Umfang ist also zunächst recht übersichtlich.

Wo bin ich hier?

Keine Einführung, kein Tutorial. Wie ins sprichwörtliche kalte Wasser wirft euch das Spiel direkt in die erste Mission. Erst nach etwas Recherche fanden wir in den Menüs ein paar erklärende Tutorials. In Overkill's The Walking Dead bestreitet ihr Missionen in einer von Zombies überlaufenen apokalyptischen Welt. Die einzelnen Missionen führen euch in Vororte, Fabrikanlagen oder in eine Stadt. Habt ihr zuvor schon einmal Titel dieses Genres wie etwa Left 4 Dead oder den Zombie-Modus von Call of Duty gespielt, dann wisst ihr bereits grob, was zu tun ist. Seid ihr aber The-Walking-Dead-Fans, die diesen Titel aufgrund seines Namens gekauft haben, dann fühlt ihr euch in ähnlicher Weise allein gelassen wie Rick Grimes zu Beginn der Serie.

Overkill's The Walking Dead spielt ihr ausschließlich online mit bis zu drei weiteren Gefährten. Die Spielersuche gestaltet sich schwierig. Selten sind andere Nutzer in der Lobby und die Ladezeiten sind darüber hinaus sehr lang.

Vier Klassen stehen euch von Beginn an zur Auswahl: Späher, Taktiker, Tank und Unterstützer. Sie alle haben eine festgelegte Ausrüstung. Hier sind tatsächlich kleine Verweise auf die Serie zu finden. Denn der Späher trägt zum Beispiel genau wie Serienheld Daryl eine Armbrust und ihr dürft auch mit Stacheldraht umwickelte Baseballschläger führen, ein Verweis auf Serienbösewicht Negan.

Eure Kämpfer lassen sich komplett individualisieren. Wollt ihr die Schrotflinte und den Baseballschläger oder lieber Armbrust und Maschinengewehr? Auch dürft ihr euren Waffen einen persönlichen Anstrich verleihen. Zudem sieht jede Spielfigur komplett anders aus. Die klassenspezifischen Fähigkeiten lassen sich ebenfalls ausbauen.

So haben bestimmte Klassen die Fähigkeit, Bomben oder Medipacks zu basteln, andere wiederum können elektrische Geräte bedienen. Während der Missionen habt ihr schnellen Zugriff auf das Produktionsmenü, so baut ihr Bomben, Dietriche oder Medipacks „on the fly“. Dafür braucht ihr Vorräte, die überall verteilt sind oder die ihr in den sogenannten Expeditionen findet. Das sind, Nebenmissionen, die ausschließlich dem Sammeln von Ressourcen dienen.

Kaum Abwechslung im Survivalalltag

Die Missionen sind unterschiedlich aufgebaut. So gilt es beim ersten Auftrag beispielsweise, einfach nur die Stellung zu halten. Mit Brettern und Stacheldrähten verbarrikadiert ihr euch in eurer Basis und haltet Zombie-Anstürmen stand. In anderen Aufträgen wiederum kämpft ihr euch im Häuserkampf von Raum zu Raum, baut einen Generator zusammen oder sammelt Einzelteile eines Wasserreinigers. Die Missionsgestaltung ist nicht sonderlich spannend und wird niemanden sonderlich überraschen.

Irgendwie wird man den Verdacht nicht los, das alles schon einmal gesehen zu haben. Außerdem schwankt die Qualität der Missionen erheblich. Manchmal werden die Orte für mehrere Missionen einfach recycelt. So verteidigt ihr dieselbe Basis das eine Mal gegen Zombies, ein anderes Mal gegen plündernde Menschen. Die Waffen fühlen sich generell sehr schwach an und das Zielen damit fällt etwas ungenau aus. Das schafft in Verbindung mit den wirklich schwer zu tötenden Zombies eine ständige Bedrohung, selbst auf niedrigem Schwierigkeitsgrad. Der Geräuschpegel spielt übrigens eine wichtige Rolle: Seid ihr zu laut, lockt das die Zombies an, was einen schnellen Tod zur Folge haben kann.

In (langweiliger) Sicherheit

Zwischen den Missionen könnt ihr in Rückzugsorten zu Atem kommen. Hierfür steht euch ein Camp zur Verfügung, das euch als Basis dient und in dem ihr neue Missionen erhaltet. Dort verwaltet ihr außerdem eure Ausrüstung, baut eure Fähigkeiten aus und passt euer Erscheinungsbild euren Wünschen an. Hier erfahrt ihr auch einen Hauch von Hintergrundgeschichte, indem ihr mit den anderen Überlebenden kurze Textgespräche führt. Für echte Fans ist das viel zu wenig, wenn man das Potenzial der Serie bedenkt. Wir erwischten uns häufig dabei, wie wir diese langweiligen Stellen einfach übersprangen.

Zombies mal anders - Zocksession zu Overkill's The Walking Dead
Overkill's The Walking Dead spielt sich anders als andere Zombie-Ballereien. Wie anders, zeigen euch Felix und Zeno.

Ist das noch The Walking Dead?

Nach einiger Zeit drängte sich eine ganz bestimmte Frage regelrecht auf: Wenn wir nicht wüssten, dass es sich um ein The-Walking-Dead-Spiel handelt, würden wir es dann überhaupt bemerken? Abgesehen vom Titel weist eigentlich nichts darauf hin, dass ihr euch in der Welt von Comic-Autor Robert Kirkman befindet. Zwar versichern die Entwickler, dass das Spiel zum offiziellen Kanon gerechnet wird, doch könnte es sich auch um jedes andere x-beliebige Zombie-Universum handeln.

Tatsächlich drängt sich bei so wenig Bezug zur Vorlage der Verdacht auf, dass die Entwickler den Namen „The Walking Dead“ nur als Zugpferd eingekauft haben, um damit lediglich einen weiteren Left-4-Dead-Klon zu bewerben, wie sie derzeit mit Strange Brigade, Earthfall und Generation Zero wie Pilze aus dem Boden schießen. Von diesem Meisterstück von Entwickler Valve versucht sich Overkill's The Walking Dead einiges abzuschauen, doch kommt es in keiner Disziplin über den Status eines „kleinen Bruders im Geiste“ hinaus.

Wunderbar gelungen ist hingegen die Introsequenz des Spiels. Diese sieht sehr realistisch aus und wurde aufwendig produziert. Details wie Hautoberflächen oder die Mimik der Charaktere wirken extrem authentisch. Leider bleibt es nur bei dieser einen Sequenz und in allen weiteren Missionen bekommt ihr nur noch Bilder zu sehen und eingesprochene Texte vorgelesen. Die Umgebungen sehen ganz passabel aus und fangen die apokalyptische Atmosphäre gut ein. Was hervorsticht, sind die detaillierten Charaktermodelle der Zombies. Die könnt ihr mit euren Waffen sogar Stück für Stück zerlegen.

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