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Test - Kingdom Come: Deliverance II : Test: Furioses Mittelalter-LifeSim-Survival-RPG

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Einst auf Kickstarter entstanden, hat sich Kingdom Come: Deliverance 2018 zu einem beachtlichen Erfolg entwickelt. Der Ansatz, auf Fantasy zu verzichten und ein möglichst authentisches Mittelalter zu vermitteln, kam bei vielen Spielern gut an. Gerade diese Realitätsnähe brachte dem Spiel aber auch einige Kritik ein, vor allem in Bezug auf das Kampfsystem und die schier endlose Lernkurve. Warhorse Studios gelobte für den zweiten Teil Besserung, ohne der Kingdom-Come-DNA untreu zu werden. Macht das den Nachfolger zu einem glattgebügelten Mainstream-Titel? Nein, ganz und gar nicht.

Bevor wir uns dem eigentlichen Spiel zuwenden, müssen wir etwas klarstellen, was wir in den letzten Tagen auch in einigen Previews gesehen haben. Wer an Kingdom Come: Deliverance II mit der Erwartung herangeht, ein leichtfüßiges Mainstream-Rollenspiel vor sich zu haben, könnte nicht falscher liegen. Der neue Titel von Warhorse Studios erwartet, wie schon sein Vorgänger, eine massive Abkehr von den üblichen modernen Rollenspielen. Es erfordert Zeit und Geduld, gerade die ersten zehn bis zwanzig Stunden können frustrierend sein, wenn man mit den falschen Erwartungen an das Spiel herangeht.

Kingdom Come: Deliverance II hat teilweise mehr von einer mittelalterlichen Lebenssimulation mit Geschichte (oder besser Geschichten) und Survival-Elementen als von einem Standard-Rollenspiel. Es ist authentischer, realitätsnäher und wie das richtige Leben anfangs auch entsprechend mühsam und frustrierend. Und das alles ohne mögliche Wahl der Schwierigkeit. Wer sich nicht die Zeit nimmt, die Mechaniken zu erlernen, Heinrichs Fähigkeiten mit viel Übung zu verbessern und die nötige Geduld aufbringt, auch mal mehrmals gnadenlos zu scheitern, wird mit dem Spiel wohl nie glücklich werden.

Wer dies jedoch im Hinterkopf behält und sich auf das Spiel einlässt, wird mit einem einzigartigen Rollenspielerlebnis überaus belohnt. Wer das erste Kingdome Come: Deliverance gespielt hat, kann in etwa erahnen, was wir meinen. Denn die Mühen, die man am Anfang auf sich nehmen muss, verwandeln sich irgendwann, wenn man die entsprechende Übung hat und die Mechaniken beherrscht, in ein überaus befriedigendes Spielerlebnis.

Doch nun zum eigentlichen Spiel. KCD2 macht genau da weiter, wo der erste Teil aufgehört hat. Bei Kickstarter war das Spiel ohnehin als Trilogie geplant und so scheint es auch zu sein. Heinrich steht nach dem ersten Teil in den Diensten von Hans Capon. Dem lebenshungrigen jungen Adeligen, der weder Wein noch Weibern widerstehen kann. Im Auftrag von Hanusch von Leipa und Radzig Kobyla, beide bekannt aus dem Vorgänger, sollen sie dem Herrn von Burg Trosky eine Nachricht mit einem Bündnisangebot überbringen. Natürlich geht alles schief.

Ein Räuberüberfall setzt dem kleinen Tross ein jähes Ende, Hans und Heinrich können nur knapp und schwer verletzt entkommen. Heinrichs Verletzung nutzen die Warhorse Studios dann auch gleich, um in bester Videospiel-Logik eine Ausrede dafür zu finden, dass der im Vorgänger an sich gut trainierte Heinrich wieder zur unfähigen Wurst wird und erst wieder zu alter Stärke zurückfinden muss. Etwas cheesy, aber kaum anders zu lösen, das lassen wir den Entwicklern durchgehen. Ansonsten ist der Prolog hervorragend inszeniert und sehr unterhaltsam im Stil eines Buddy-Movies. Die beiden realen Schauspieler Tom McKay und Luke Dale, die auch im wirklichen Leben eng befreundet sind, liefern schon hier eine klasse Leistung ab und ihre deutschen Synchronsprecher nicht minder.

Pleite und ohne Ausrüstung müssen die beiden nun getrennt voneinander ihrer prekären Situation entkommen. Nach dem linearen Auftakt öffnet sich das Spiel und entführt in eine weitgehend offene mittelalterliche Welt, die das Böhmen des Jahres 1403 inmitten des Konflikts zwischen Sigismund von Luxemburg und Wenzel sehr akkurat in Szene setzt. Die Geschichte verarbeitet famos die realen Ereignisse der Zeit und spinnt ihren eigenen Teil dazu. Obwohl Heinrich historisch quasi nicht existent war, bekommt man als Spieler dennoch permanent das Gefühl, ein wichtiger Teil der Ereignisse zu sein. Das ist erzählerisch verflucht gut gelöst.

Kingdom Come: Deliverance II besteht aus zwei großen, halboffenen Gebieten. „Halb“ bedeutet dabei, dass man an den Rändern auf unsichtbare Grenzen stößt, die aber anders kaum zu vermeiden sind. Zone 1 umfasst die ländliche Region um die Burg Trosky mit vielen kleinen Siedlungen, Gehöften, Dörfern und Landsitzen. Zone 2 umfasst die gesamte Region um Kuttenberg mit ihren Klöstern und Burgen und natürlich die sehr weitläufige und lebendige Stadt selbst.

Das Spiel umfasst locker an die hundert Stunden Spielzeit, wovon natürlich nur ein Bruchteil auf die überaus spannende Hauptgeschichte entfällt, die mit spannenden Wendungen, denkwürdigen Charakteren und epischen Momenten wie Burgbelagerungen begeistert. Hinzu kommen unzählige Nebenquests, Aufträge und Aktivitäten, die alle eines gemeinsam haben: Sie erzählen kleine und große Geschichten, die ebenfalls mit Wendungen, Entscheidungsmöglichkeiten und teilweise unterschiedlichen Lösungswegen je nach Spielweise aufwarten.

Die zahlreichen Quests gehören zum Besten, was das Rollenspielgenre zu bieten hat. Seien es vermeintlich einfache Aufgaben für die Landbevölkerung oder kleine Kampagnen, die gerne mal fünfzehn oder zwanzig Questschritte umfassen. Storyliebhaber kommen voll auf ihre Kosten. Zumal es sich lohnt, mit den unzähligen NPCs zu plaudern, um alternative Lösungswege, Hinweise oder gar nicht offensichtliche Aufgaben zu entdecken. Denn nicht alles wird direkt auf die Karte oder ins Questjournal geballert. Zuhören, Nachdenken und ein Notizblock in der Nähe lohnen sich. Auf Open-World-Füllmaterial und Sammelkram à la Assassin’s Creed hat Warhorse Studios erfreulicherweise fast komplett verzichtet.

Ihr könnt aber auch viel Zeit im Spiel verbringen, ohne eine einzige Quest zu spielen. Die wunderschöne Spielwelt lädt zum Erkunden ein, zufällige Begegnungen bereichern eure Reisen (oder werden zur Gefahr). Mit Alchemie, Schmieden und Würfeln gibt es Minispiele, mit denen man sich ebenfalls lange beschäftigen kann, um Ausrüstung herzustellen oder einfach Geld zu verdienen. Gleiches gilt für die Jagd oder auch eine mögliche Karriere als Dieb und Einbrecher. Letzteres ist nur bedingt zu empfehlen, da das Verbrechenssystem sehr ausgeklügelt ist.

Schon beim Eindringen in ein Gebäude oder andere private Bereiche erwischt zu werden, kann eine Geldstrafe oder den Pranger bedeuten, wenn man sich nicht herausreden kann. Eine Häufung verdächtiger Vorkommnisse in der Umgebung macht einen verdächtig. Bei einem Überfall oder gar Mord erwischt zu werden, bedeutet im besten Fall Peitsche oder Brandmarkung, im schlimmsten Fall den Tod. Eine Pilgerreise oder ein Ablassbrief können den Ruf wiederherstellen. Zumindest größtenteils.

Die authentische Spielwelt und die realitätsnahen Spielmechaniken erweisen sich schnell als Fluch und Segen. Es dauert eine Weile, bis man mit Kingdom Come: Deliverance II richtig warm wird. Zu Beginn ist Heinrich ein ziemlicher Lappen, was vor allem in den Kämpfen bedeutet, dass jede Aktion mit einem Risiko behaftet ist. Mit mangelnden Fähigkeiten und lausiger Ausrüstung ist nicht viel zu holen, genauso wenig wie mit ungeschickter Wortwahl oder stümperhaftem Schleichen und Schlösserknacken.

Aber das legt sich mit der Zeit. Bei KCD2 geht es um Learning by Doing. Wie im richtigen Leben braucht ihr Training, Zeit, Geduld und gegebenenfalls Trainer, um richtig fit zu werden. Das Spiel verzichtet auf ein System, bei dem ihr munter Punkte auf eure Fähigkeiten und Attribute verteilen müsst. Stattdessen wirkt sich alles, was ihr tut, auf eure Werte aus, je nachdem, wie ihr spielt. Wenn ihr Probleme gerne mit Worten löst, steigt eure Redekunst sehr schnell. Körperliche Aktivitäten werden mit wachsender Kraft und Vitalität belohnt. „Übung macht den Meister“ ist hier Programm, und wer im Spiel nicht gnadenlos scheitern will, wird viel Zeit in Übungskämpfen, an der Schmiede oder am Alchemietisch verbringen.

Das gilt vor allem für das Kampfsystem, das wohl wieder für viel Diskussionsstoff sorgen wird. Schon in den ersten Previews gab es Beschwerden darüber, dass man viel parieren muss und manche damit nicht zurechtkommen. Das Kampfsystem ähnelt dem des ersten Teils und lässt euch je nach Waffe aus verschiedenen Richtungen zushlagen, ist aber insgesamt etwas weniger komplex. Das liegt vor allem daran, dass Kombos eine größere Rolle spielen, ebenso wie gutes Timing und die eigene Ausdauer. Aber auch die Wahl der Waffen - der Umgang mit einer Axt oder einem Streitkolben ist deutlich einfacher als mit einem Schwert.

Das Arsenal ist etwas gewachsen, neben Schwertern, Äxten, Streitkolben, Schilden und Bögen sind auch Stangenwaffen, Armbrüste und primitive Schusswaffen mit von der Partie. Aber: Wer gut mit dem Schwert umgehen kann, ist nicht automatisch ein Meister im Umgang mit der Axt. Wie gesagt: üben, üben, üben. Zum Glück gibt es Ausbilder, Kampfmeister und Wettkämpfe, bei denen man sich weitgehend gefahrlos austoben kann. Und es lohnt sich. Das anfängliche Herumfuchteln mit dem selbstgebauten Billigschwert kann nach einigen Spielstunden durch relativ gekonntes, später sogar filigranes Klingenspiel mit Meisterwaffen ersetzt werden. Diesen Fortschritt mitzuerleben ist anfänglich frustrierend, aber schlussendlich ungemein belohnend. Wie eben im richtigen Leben.

Passend zur Waffenvielfalt gibt es auch ein ausgeklügeltes Rüstungssystem, das sich ebenfalls an der Realität orientiert. So bestehen (Kampf-)Rüstungen aus mehreren Schichten, die gegen unterschiedliche Einflüsse schützen. Platten gegen Klingen, gepolsterte Stoffe gegen Schlagwaffen, Ketten gegen Stichwaffen. In der Kombination ergibt das einen rundum guten Schutz, wenn auch manchmal auf Kosten der Beweglichkeit. Kein Wunder, dass beispielsweise allein vier (!) Plätze für den Oberkörperschutz oder zwei für den Kopfschutz zur Verfügung stehen. Rüstungen verschleißen zudem ebenso wie Waffen. Beides muss mit der Zeit mit entsprechenden Kits oder beim Schmied repariert werden.

Sehr schön: Es gibt neuerdings drei Presets, in denen man verschiedene Ausrüstungsgegenstände anlegen und per Tastendruck wechseln kann. Unsereins war zum Beispiel die meiste Zeit mit schwerer Kampfausrüstung, leichter und leiser Stealth-Ausrüstung und edler Kleidung für Dialoge unterwegs. Aber so edel die Kleidung auch sein mag: Waschen und Reinigen nicht vergessen. Niemand unterhält sich gerne mit einem stinkenden, blutverschmierten Kerl, der eher nach Schlachthof und Scheiße aussieht. Da helfen Waschtröge und Badehäuser.

Aber der Kampf spielt bei weitem nicht die Hauptrolle. Zwar sind Kämpfe auf Dauer unvermeidlich, aber viele Aufgaben und Situationen lassen sich auch mit Worten lösen. Die Art und Weise, wie euer Spiel, aber auch eure Fähigkeiten und euer Verstand vor allem in den Dialogen zum Einsatz kommen, ist absolut genial und wird immer besser, je mehr ihr diese Techniken übt. So könnt ihr euch später, wenn ihr beim Diebstahl erwischt werdet, aus vielen Situationen herausreden oder bei Quests alternative und gewaltfreie Lösungen finden.

Überhaupt ist KCD2 ein sehr gesprächiges Spiel. Die Dialoge sind sehr umfangreich, liefern aber manchmal auch interessante Details über die reale Geschichte des alten Böhmen. Angeblich enthält das Spiel 2,2 Millionen Wörter (übrigens ALLE gut bis hervorragend und mehrsprachig vertont), was es noch vor Baldur’s Gate III zum umfangreichsten Videospielskript aller Zeiten machen würde. Die Dialoge bieten durch den Ruf, den man sich durch seine Abenteuer und Entscheidungen nach und nach erarbeitet, durch seine Fähigkeiten und sogar durch seine Stärke und Bedrohlichkeit unendlich viele Möglichkeiten.

Neben Kämpfen und Dialogen kommt auch das Schleichen nicht zu kurz. Kingdom Come: Deliverance II verfügt über ein recht komplexes Schleichsystem, das auch die Sichtbarkeit und Geräuschkulisse eurer Kleidung sowie die Beleuchtung berücksichtigt. So sind Stealth-Kills oder das Betäuben von Gegnern aus dem Hinterhalt ebenso möglich wie das Eindringen in Gebäude und das Plündern von verschlossenen Behältern mit einem Schlossknacker-Minispiel. Natürlich gibt es auch eine Art Fahndungssystem in Verbindung mit dem Verbrechenssystem.

Das Skillsystem dahinter ist auch etwas anders. Für viele Dinge gilt, wie gesagt, Learning by Doing, Bücher lesen oder Trainer. Für jeden Skill sammelt man auch nach und nach Erfahrung und bekommt dann Punkte. Diese dienen aber nicht direkt dem Upgrade, sondern ihr wählt damit verschiedene Perks aus, die euch das Leben leichter machen. So erhaltet ihr zum Beispiel mehr Dampf bei euren Angriffen, weitere Verfeinerungen eurer Skills oder zusätzliche Features für Pferd und Hund. Ja, richtig gelesen, ihr habt einen eigenen Hund, der euch gehorcht, Fährten sucht und euch die Haare vom Kopf frisst, mit euch kämpft oder wegrennt, wenn ihr ihn nicht gut behandelt.

Ebenso gibt es zahlreiche Buffs durch Perks oder Alchemietränke, aber auch Debuffs durch alle möglichen Beeinträchtigungen. Schlaf ist notwendig. Schlaft ihr nicht, werdet ihr müde, eure Werte verschlechtern sich bis hin zur Ohnmacht. Schlafen könnt ihr in Betten, vorzugsweise in Tavernen oder Lagern. Essen ist ebenfalls notwendig, wobei ihr darauf achten müsst, dass jede Nahrung irgendwann verdirbt und ihr euch eine Vergiftung zuzieht. Ein saftiger Kater nach einem Besäufnis mindert die Leistungsfähigkeit ebenso wie die Nebenwirkungen von Tränken oder Verletzungen.

Blutende Wunden müssen sogar sofort mit einem Verband versorgt werden, sonst verblutet ihr schlichtweg und ein Arzt ist nicht immer, eigentlich nie, in der Nähe. Verletzungen betreffen sogar einzelne Körperteile mit entsprechenden Nebenwirkungen. Es gibt also, wie eingangs schon erwähnt, viele Survival- und LifeSim-Elemente im Spiel. Essen, Schlafen, Verletzungen, Geld verdienen ... bis auf Krankheiten und Toilettengänge ist fast alles im Spiel, was das Leben so hergibt.

Wie schon eingangs erwähnt, ist die visuelle Umsetzung des mittelalterlichen Böhmens ein Traum, vor allem was die Umgebungen betrifft, die detailgetreu und stilecht in der CryEngine umgesetzt wurden. Auch das generelle Design der NPCs weiß durchaus zu gefallen, von den meisten Gesichtern bis hin zur Kleidung, wobei manchmal auffällt, dass für die Story relevante Charaktere detaillierter dargestellt werden als reine Ambient-NPCs. Alle Dialoge sind vertont, zumeist in guter Qualität und bei den Hauptfiguren mit zum Teil bekannten deutschen Synchronsprechern. Lediglich die Abmischung lässt manchmal etwas zu wünschen übrig. Großartig ist auch der orchestrale Soundtrack, der wunderbare Stimmungen erzeugt.

Technisch gibt es allerdings noch Luft nach oben, was bei einem Spiel dieser Größenordnung nicht anders zu erwarten war. Schwerwiegende Probleme hatten wir zwar kaum, dafür aber jede Menge kleinere Bugs und Fehler. Meist handelt es sich aber um Grafikglitches, Physikbugs, fehlerhafte Kollisionsabfragen und etwas hüftsteife Animationen mit unsauberen Übergängen. Bis auf eine „kaputte“ Sidequest hatten wir zumindest keine spielbehindernden Probleme und in rund 100 Stunden auch „nur“ zwei Abstürze und ein paar Slowdowns in dichter Vegetation. Der Day-1-Patch wurde uns übrigens schon vor dem Release zur Verfügung gestellt und hat noch einige Fehler behoben.

Es ist aber davon auszugehen, dass Warhorse Studios noch einige Zeit mit dem Bugfixing verbringen wird. Aber gut, es sind ja bereits weitere DLCs geplant und da wird es sicher noch einige Updates geben. Für einen Quest-Bug wurde uns bereits bestätigt, dass dieser erst nach dem Release gefixt wird.

Ach ja, noch ein Wort zum Speichersystem, das im Vorgänger massiv kritisiert wurde. Kingdom Come: Deliverance II setzt auf ein ähnliches, aber wesentlich großzügigeres System. Zum einen gibt es automatische Checkpoint-Saves bei wichtigen Quest-Schritten. Das hat uns zwar das eine oder andere Mal 15-20 Minuten Spielfortschritt gekostet, war aber zu verschmerzen. Außerdem kann man an Betten speichern und auch der Rettungsschnaps ist wieder da. Der ist jetzt aber deutlich günstiger, oft in Truhen oder bei Tavernenbesitzern zu finden und kann auch mit relativ wenig Aufwand durch Alchemie selbst hergestellt werden. Damit kann man wirklich jederzeit speichern.

Greift zu, wenn...

… ihr die Ruhe und Geduld habt, euch langsam und und genüsslich in ein Mittelalter-Abenteuer der Spitzenklasse einzuarbeiten und bereit seid, gegenüber üblichen Rollenspielen komplett umzudenken.

Spart es euch, wenn...

… ihr eine niedrige Frusttoleranz und zu wenig Geduld habt, Spielmechaniken zu erlernen und zu üben.

Fazit

Andreas Philipp - Portraitvon Andreas Philipp
Furioses Mittelalter-LifeSim-Survival-RPG für geduldige Spieler mit Frustresistenz

Meine Güte, was für ein Ritt! Schon das erste Kingdom Come: Deliverance war ein Spiel, an dem sich die Geister schieden und das dem Spieler einiges abverlangte, und das ist beim Nachfolger nicht anders. Man braucht Geduld, Zeit und den Willen, sich auf das Spiel einzulassen, um es wirklich genießen zu können. Die Abkehr von den üblichen Mainstream-Rollenspielen hin zu einem authentischen und vor allem in den ersten Stunden manchmal frustrierenden Mittelalter-Erlebnis will erst einmal gelernt sein.

Lässt man sich jedoch darauf ein und bringt den Willen auf, sich durchzubeißen und viele Spielmechaniken durch Übung zu verbessern, blüht Kingdom Come: Deliverance II in einer Art und Weise auf, die man nur als einzigartig bezeichnen kann. Irgendwann macht es Klick und die mittelalterliche, authentische Atmosphäre gepaart mit der immensen Spieltiefe und den hervorragend geschriebenen Quests lassen einen nicht mehr los.

Das Learning-by-doing-Prinzip der Fertigkeiten kann einen anfangs zur Verzweiflung bringen, aber nach einiger Zeit merkt man endlich, dass sowohl Heinrich als auch man selbst immer besser werden und Gefahren und Risiken besser einschätzen können. Glücklicherweise hat Warhorse Studio das ziemlich grausige Speichersystem des Vorgängers deutlich verbessert, so dass sich der Frust über Niederlagen meist in Grenzen hält. Und ja, das Kampfsystem ist zwar deutlich verbessert, aber immer noch umständlich, dafür aber realitätsnäher als bei den meisten anderen Spielen. Auch hier braucht man Zeit und Geduld, um es wirklich zu beherrschen.

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Die Stars des Spiels sind die Spielwelt und das Questdesign. Die Spielwelt ist so schön und authentisch in Szene gesetzt, dass es einem die Tränen in die Augen treibt, auch wenn es leider nicht an Grafik-Glitches, hüftsteifen Animationen oder Physik-Bugs mangelt. Von Wiesen und Wäldern bis hin zu Dörfern und Städten - manchmal möchte man einfach nur innehalten und den Anblick genießen, zumal alles voller Leben ist.

Die Quests sind eine Klasse für sich. Keine langweiligen Miniaufgaben oder Open-World-Platzfüller, sondern jede Menge kleine und große Geschichten, die in teilweise bis zu 20 und mehr Quest-Schritten erzählt werden und zahlreiche Wendungen und Entscheidungen beinhalten. Aufmerksame Zuhörer finden zudem immer wieder versteckte Hinweise auf laufende Quests oder weitere Aufgaben. Außerdem kann man auch mal ein paar Stunden ohne Quests auskommen und dem mittelalterlichen Leben frönen, die Welt erkunden, Handwerk und Handel treiben, auf der Jagd ein paar Groschen verdienen oder nachts die Häuser der Bewohner plündern. Doch Vorsicht: Das harte Verbrechenssystem verzeiht nur wenig und so landet man schnell am Pranger.

Kingdom Come: Deliverance II ist kein leichtes Spiel und verlangt dem Spieler einiges ab, vor allem Geduld, genau wie der erste Teil, nur viel ausgefeilter und umfangreicher. Wer bereit ist, umzudenken, sich einzulassen und sich die nötige Zeit nimmt, erlebt ein einzigartiges Rollenspiel abseits des Mainstreams, fast schon eine mittelalterliche Lebenssimulation mit tollen Geschichten und einigen Survival-Elementen. Da verzeiht man auch, dass die Qualität der technischen Umsetzung und einige Bereiche der Quality of Life noch Luft nach oben haben.

Überblick

Pro

  • bildschön und glaubwürdig gestaltete Spielwelt
  • detaillierte Charaktermodels und Gesichter
  • enorm umfangreiche, meist gut geschriebene und vertonte Dialoge
  • viele Entscheidungen und Lösungswege
  • unfassbar viele Quests und Aufgaben
  • spannende, gut inszenierte Story
  • enorm ausgefeilte und tiefgründige Spielmechaniken
  • umfangreiches, originelles Skill- und Perksystem
  • LifeSim- und Survival-Elemente
  • ausgebufftes Crafting
  • sehr authentisch und historisch weitgehend akkurat (soweit wie das beurteilen können)
  • kann auch ohne Quests zu spielen für Stunden beschäftigen

Contra

  • KI- und Wegfindungsprobleme
  • Physik und Animationen immer mal wieder fehlerhaft
  • generell etwas hölzerne Animationensübergänge
  • nicht immer lippensynchron
  • gelegentliche Fehler bei der Audioabmischung
  • viele kleinere Grafik-Glitches
  • kniffliges Kampfsystem
  • manchmal etwas zu viel des Guten
  • durchwachsenes Speichersystem, wenn auch besser als im Vorgänger

Awards

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  • Story
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Kingdom Come: Deliverance II
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