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Test - Flint: Treasure of Oblivion : Test: Dieses Piraten-RPG könnte aus den Neunzigern stammen

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Wie wichtig ist bei einem Spiel das Interface? Können bildhübsche Grafiken, atmosphärische Sounds und eine Vielzahl cleverer Ideen nicht allein für ein immersives Erlebnis sorgen? Flint: Treasure of Oblivion zeigt eindrucksvoll, wie wichtig eine gute Bedienung ist – und wie wenig selbstverständlich. Har-har-harrt darunter dennoch ein spannender Ausflug in die Welt von Augenklappen, Papageien und Gooooold?

Viele Spiele nutzen ihre Ladebildschirme für wichtige Botschaften. Total War wirft mit bedeutungsschwangeren historischen Zitaten um sich. Andere Titel geben spezifische Tipps, wie mit bestimmten Szenarien umzugehen ist – manchmal offensichtlich auf unser jüngstes Scheitern gemünzt. Flint: Treasure of Oblivion setzt uns dagegen folgenden Text vor: „Lies bitte die Anweisungen sorgfältig. So kannst du alle Funktionen optimal nutzen und alles macht gleich viel mehr Spaß.“

Ein einziger Haken: das Interface

Klingt nicht so einladend, wie es wohl gedacht war? Dieser Verdacht bestätigt sich leider während der ersten Spielstunden an jeder Ecke. Dass das im Jahr 2024 überhaupt noch möglich ist, erscheint überaus kurios, aber Flint gelingt es, selbst die grundlegendsten Spielmechaniken wenigstens kleinteilig, meistens aber umständlich und ohne erkennbares Feedback zu gestalten. Das trifft auf die Welt zu, in der das Bewegungs-Klicken selbst zwanzig Jahre alten Spielen wie Diablo oder Dungeon Siege nachsteht. Wo genau kann ich hingehen, wohin nicht? Wo bin ich überhaupt? Auf quasi sämtliche Komfortfunktionen der letzten Jahrzehnte verzichtet Treasure of Oblivion – von Zoom-Stufen oder einer Mini-Map wollen wir gar nicht erst anfangen.

In den Kämpfen wird das Interface des offensichtlich in den frühen Neunzigern festgefahrenen Designs vom Hindernis zum echten Ärgernis. Manche Buttons und Elemente haben einen Tooltip, andere keinen, einige nur per Extra-Klick. Meistens funktioniert der – per se wenig elegante – Wechsel vom Kampf- zum Bewegungsmodus, aber mitunter tun die Schaltflächen auch einfach nichts. Und allein damit ist die Schatzsuche schon vorbei: Die ersten Spielstunden gestalten sich aufgrund dieser Unzulänglichkeiten, des happigen Schwierigkeitsgrads und eines hohen Zufallsfaktors enorm frustrierend.

Tief in der Karibik

Angesichts der eigentlich soliden Basis des Spiels ist das sehr ärgerlich. Flint vereint einen (zu) linearen Action-Rollenspiel-Teil mit viel Lauf- und Loot-Arbeit, einigen Dialogen und natürlich rundenbasierten Kämpfen auf Sechsecken. Von den Auseinandersetzungen gibt es viele – und in ihnen brennt der Titel ein Feuerwerk an Ideen ab: Gegner überwältigen, Fässer rollen, Nahkampf- und Schusswaffen nutzen, Heil- und Bonuskarten spielen oder die Reihenfolge der Spielfiguren und Angriffe abwägen. All das gab es in der einen oder anderen Form natürlich schon in anderen Titeln, aber es wird hier in einer überzeugenden Mischung präsentiert. Der hohe Zufallsfaktor der zweistufigen Würfelphase kann zwar ebenfalls ärgern, jedoch tritt er meist hinter das auch in der fünften Stunde noch störende Interface zurück.

Darüber hinaus bietet Treasure of Oblivion genretypisch eine Inventar-Verwaltung (aber nur außerhalb der Kämpfe), Handel, Rangaufstiege und Ausrüstung. Die Geschichte um – große Überraschung – eine Schatzsuche mit viel Verrat, Habgier, Gewalt und Intrigen wird dabei in Comic-Sequenzen vorgetragen, die das Medium überzeugend nutzen, wobei Sprachausgabe alles noch atmosphärischer gemacht hätte. Apropos akustische Untermalung: Die Musik passt zwar prima, wiederholt sich aber viel zu schnell. Grafisch leistet die Unreal Engine 5 ordentliche Arbeit und zaubert an Land und auf hoher See, bei Nacht und Tag stimmige Szenerien für unsere Schatzsuche. Nur einige Animationen wirken etwas unbeholfen.

Was bleibt am Ende unserer Schatzsuche? Leider viel Frustration, die leicht hätte vermieden werden können. Und eine Erkenntnis: In die Recherche um die historische Authentizität des Settings floss sichtlich viel Mühe. Wären nur ein paar Stunden mehr in die Verbesserung der Bedienung gesteckt worden! Und damit meinen wir keinen lehrreichen Satz in den Ladebildschirmen

Flint: Treasure of Oblivion - Launch Trailer

Flint: Treasure of Oblivion startet ab sofort durch; hier gibt's den obligatorischen Launch-Trailer.

Greift zu, wenn...

… euch komplizierte Spiele nicht abschrecken und ihr richtig Lust auf die Kombination aus Piraten und Taktik-RPG habt.

Spart es euch, wenn...

… ihr „Quality of Life“-Verbesserungen und ein zugängliches Interface schätzt.

Fazit

Christian Burtchen - Portraitvon Christian Burtchen
Wie passend, du kämpfst wie ein Interface der Neunziger!

Ich gehöre zu den wenigen Leuten, die bei Heroes of Might and Magic und vergleichbaren Titeln die Kampf-Animationen an lassen. Auch wenn sich das Geschehen dadurch verlangsamt: Für mich gehört es zu einem kompletten Schlachterlebnis dazu und steigert die Atmosphäre. Flint war hingegen das erste Spiel, in dem ich herausfinden wollte, wie sich die Kämpfe beschleunigen lassen. Denn das Runden-Prinzip kann schnell langweilen.

Dabei sind die Grundbausteine einer soliden Rollenspiel-Taktik-Mischung vorhanden und blitzen in den Kämpfen auf. Und auch wenn einige Basis-Funktionen wie das vorherige Positionieren der Truppe entfallen, rufen die Scharmützel in einigen Momenten eine „piratische“ Freude in mir hervor, wenn ich zum Beispiel Höhen-Elemente und Buffs gut einsetze.

>> Nichts für Landratten: Die 10 besten Piraten-Spiele <<

Jedoch vergeht bis zum Meistern dieses Systems selbst für Genre-Erfahrene einige Zeit. Zudem bleiben einige Tücken der Benutzeroberfläche auf ewig bizarr. Wie oft ich mich gefragt habe, ob gerade der Angriffs- oder Bewegungsmodus aktiviert ist – so etwas geht einfach nicht! Zusammen mit der mühseligen Spielwelt-Bewegung bleibt diese Schatzsuche darum blass. Die vorhandenen Ideen und Ansätze scheitern an der zu ungelenken Umsetzung. Somit ist Flint: Treasure of Oblivion nur für hartgesottene Naturen mit starkem Piraten-Faible empfehlenswert, die notfalls sämtliche Tastenbelegungen durchprobieren.

Überblick

Pro

  • originelles Setting mit historischer Basis
  • schöne Lichtstimmung
  • gut geschriebene und übersetzte Dialoge
  • viele gute Ideen bei Items und Fähigkeiten

Contra

  • überfrachtetes, wenig eingängiges Interface mit schlechtem Feedback
  • zu hoher Glücksfaktor
  • zu steile Lernkurve
  • wenige Komfortfunktionen
  • hakelige Bewegung in der Spielwelt
  • Musik wiederholt sich zu schnell

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Flint: Treasure of Oblivion
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