Länderauswahl:
Du wurdest von unserer Mobile-Seite hierher weitergeleitet.

Test - Cralon : Das neue Rollenspiel der Gothic-Macher enttäuscht im Test

  • PC
Von  |  | Kommentieren

Oldschool Indie Immersive Sim Dungeon Crawler …. So liest sich die Spielbeschreibung von Cralon auf Steam. Und genau das bekommt man auch. Doch zugleich schwebt ein großer Name über dem Projekt aus Deutschland: Gothic. Und genau das ist ein Problem.

Wie unrühmlich das Ende von Piranha Bytes war, zeigt sich unter anderem daran, dass Björn Pankratz und seine Frau Jennifer, zweifellos das Herz des traditionsreichen Studios, ihr Baby schon Monate vor der endgültigen Schließung verließen. Von Bord des Schiffes zu gehen, wenn es noch gar nicht gesunken ist, war nur eine von vielen unglücklichen Entwicklungen, die letztendlich zum Niedergang der Rollenspielschmiede führte, die uns einst mit Gothic ein wegweisendes Rollenspiel brachte.

Das vom Pankratz-Paar frisch gegründete Pithead Studio will sich von diesem großen Namen und dem Thema Piranha Bytes zwar losmachen, natürlich wird dieser aber immer auf die eine oder andere Weise mit allem einhergehen, was Pankratz und sein neues Team hervorbringen. Zu groß sind die Fußstapfen. Und genau die kann das erste Projekt der Bochumer natürlich nicht ausfüllen. Es hätte aber auch schon gereicht, wenn die Debütveröffentlichung Cralon einfach ein solides, ambitioniertes Rollenspiel geworden wäre. Aber das ist nur im Ansatz zu erkennen.

Ein Dungeon Crawler ganz alter Schule

Auf dem Papier liest sich Cralon vielversprechend: Ein Dungeon Crawler der ganz alten Schule will das neue Pankratzwerk sein und zumindest diesem Anspruch wird der Titel gerecht. Trotz moderner Unreal Engine 5 fühlt sich Cralon wie die großen Rollenspielklassiker an. Wie in Daggerfall, Ultima Underworld oder The Bard’s Tale bewegen wir uns durch schier unendliche Gänge, Korridore und schummrige Keller, sammeln Kram ein und suchen nach dem Ausgang, während wir Monster bekämpfen. Gerade wer auf diese offensichtlichen Inspirationen steht, dürfte hier durchaus seinen Spaß finden.

Mit dem titelgebenden Cralon stürzen wir zu Beginn unfreiwillig in einen tiefen Schacht. Nun gilt es den Ausgang zu finden. Und dazu helfen uns fremdartige Wesen, die sich Gramler nennen, für ihre Unterstützung aber auch kleine Gefallen einfordern. Schnell merken wir, dass jedoch nicht nur friedliche Exemplare auf uns warten. Einige der Schachtbewohner sind aggressiv gestimmt und gehen sofort auf uns los. Zudem bekommen wir es mit sehr vielen Ratten und Fledermäusen zu tun.

Die Gespräche mit den freundlichen Höhlenbewohnern werden schnell zur Geduldsprobe. Besonders spannend fallen sie nämlich nicht aus. Die Dialoge sind zwar solide vertont und erinnern mit ihrem rauen Ton an frühere Gothic-Zeiten, Animationen gibt es jedoch keine. Stattdessen beobachten wir Standbilder unserer Gesprächspartner. Das wäre an sich in Ordnung, würden sich die Dialoge nicht so sehr in die Länge ziehen. Rätselhaft ist vor allem die Multiple-Choice-Möglichkeit. Obwohl wir zwischen den Antworten wählen können, müssen wir am Ende immer eh jede von ihnen einmal auswählen, um den gesamten Plausch abzuschließen.

Besser schlägt sich Cralon dagegen bei seiner Atmosphäre. Die vielen verwinkelten dunklen Gänge und Schächte fallen schön stimmungsvoll aus und erinnern mit ihren Details an die Bergbauära des Ruhrgebiets. Eine klare Handschrift des dort beheimateten Pankratz-Duos. Leider fallen die Levels jedoch derart dunkel aus, dass es gerade beim Spielen bei Tageslicht oft sehr schwerfällt, überhaupt etwas zu erkennen. Problematisch ist das besonders, da Cralon sehr stark auf das Looten und genaue Absuchen von Items ausgelegt ist. Wichtigster Rohstoff: Kohle, mit dem wir alle Gegenstände kaufen können, die wir so brauchen. Kohle ist jedoch nun mal schwarz und der Schacht meistens auch, was das Suchen häufig unnötig erschwert.

Zunächst mit einem Hammer, später mit stärkeren Waffen, können wir uns gegen das Ungeziefer des Dungeons zur Wehr setzen. Die Kämpfe haben die Entwickler leider aber ziemlich in den Sand gesetzt. Meist bestehen sie nur aus stumpfem Draufschlagen, was aufgrund der sehr schwachen Animationen wenig Spaß macht. Die Monster beherrschen gefühlt nur zwei Animationszustände, die immer sehr abrupt ineinander übergehen.

Technisch noch sehr unfertig

Gleichzeitig ist die Gegner-KI überfordert, wenn wir uns beim Kampf bewegen, und weiß andauernd nicht mehr, wo wir eigentlich sind. So wirken die Konfrontationen wie aus einer sehr frühen Alpha-Phase, fast so, als hätte man vergessen, sich weiter um sie zu kümmern.

Unfertig ist ein Wort, dass uns bei Cralon ohnehin ständig in den Sinn kommt. Denn gerade technisch ist wenig Feinarbeit in den Schacht geflossen. Trotz potentem Grafikmotor in Form der Unreal Engine 5 fallen immer wieder unerfreuliche Anblicke auf. Schatten werden häufig nicht korrekt oder nicht nachvollziehbar dargestellt, Objekte sind falsch platziert oder die Flammen der Kerzen brennen nicht am Docht, sondern daneben. Während das eigentliche Spiel flüssig läuft, bewegen sich Gräser extrem ruckelig im Wind. Zudem wiederholen sich andauernd die gleichen Objekte, was die Levels schnell lieblos und austauschbar wirken lässt. Dabei waren gerade handgemachte Welten einst die Spezialität von Piranha Bytes.

Zugegeben: es gibt auch einige Bereiche, die weniger generisch und deutlich kreativer auftreten. Doch selbst dort sehen wir ständig Gegenstände und Grafiken, denen wir kurz zuvor schon einmal über den Weg gelaufen waren. Immerhin motiviert das Sammeln nach neuer Ausrüstung und das Suchen nach dem nächsten Ausgang oder der nächsten Ebene. Das liegt aber vielmehr am eigentlichen Genre, denn so ein alter Dungeon Crawler, der geht einfach irgendwie immer.

Greift zu, wenn...

… ihr Dungeon Crawler der alten Schule liebt oder selbst Titel wie Daggerfall heute noch genießen könnt.

Spart es euch, wenn...

… ihr moderne Mechaniken gewohnt seid und ein würdiges Erbe von Gothic erwartet.

Fazit

von Alexander Friedrich
Selbst als Oldschool-Dungeon-Crawler kann Cralon in diesem Zustand nicht überzeugen

Wer das große Erbe von Gothic erwartet hat, ist bei Cralon definitiv falsch. Das zu erreichen, war zwar sicherlich auch nie das Ziel des neuen Pankratz-Spiels, doch etwas mehr Liebe hätte hier ruhig trotzdem reinfließen können. Cralon wirkt in vielen Belangen leider noch sehr unfertig. Die Technik stottert an nahezu jeder Stelle, überall finden sich fehlerhafte Beleuchtung, hakelige Animationen oder die immer wieder gleichen Assets aus dem Baukasten.

>> Epische Zeitfresser: Die 10 besten Rollenspiele 2025 <<

Weil es sich dabei nie um Ausnahmen, sondern um die Regel handelt, wird einem der Ausflug im Schacht schnell verleidet. Das Potenzial, das dennoch in Cralon steckt, lässt sich aber immer wieder erkennen. Jedoch halt nur im Ansatz. In diesem Zustand kann ich somit keine Kaufempfehlung aussprechen.

Überblick

Pro

  • Spannende Ausgangslage
  • Stimmungsvolle Dungeons
  • Motivierendes Looten

Contra

  • Technik von vorne bis hinten unausgereift und fehlerhaft
  • Sehr schlechte Animationen
  • Kämpfe fühlen sich viel zu hölzern an
  • Langatmige Dialoge ohne interessante Hintergründe

Könnte dichinteressieren

Kommentarezum Artikel

Cauldron
Gamesplanet.comCauldron13,49€ (-10%)PC / Steam KeyJetzt kaufen