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Special - Game Pass, Google Stadia, Playstation Now : Das Netflix für Spiele – ist das die Zukunft?

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Einzeln kaufen ist out, all-inclusive ist in. Was auf Netflix und Spotify schon lange zutrifft, funktioniert auch bei Spielen. Das Paradebeispiel ist der Game Pass von Microsoft: Für einen festen Monatsbeitrag bekommt man ein prall gefülltes Portfolio, das ständig wechselt und viele Genres abdeckt.

Das Preis-Leistungsverhältnis des Xbox Game Pass ist unschlagbar. Für Zocker mit schmalem Geldbeutel oder breit gestreutem Interesse führt kein Weg am Abo vorbei, das schlanke 10 Euro pro Monat kostet und jederzeit gekündigt werden kann. Für drei Euro mehr gibt es sogar noch eine Gold-Mitgliedschaft und den Game Pass für PC obendrauf. Hauseigene Kracher wie Halo 5: Guardians, Forza Horizon 4 und Gears 5 stehen ohne Aufpreis zum Download parat, und zwar dauerhaft. Indie-Games rotieren dagegen durch, das heißt sie bleiben nur eine begrenzte Zeit im Abo. Aber auch das sind meist einige Wochen, so dass beim Zocken keine Eile geboten ist.

Genauso glücklich werden geduldige Naturen: Wer nicht jeden neuen Titel gleich am Erscheinungstag zocken muss, bekommt viele ältere Spiele größerer Publisher eine Weile nach ihrer Veröffentlichung ebenfalls frei Haus geliefert. Derzeit finden sich beispielsweise Jump Force, eFootball PES 2020 und das famose A Plague Tale: Innocence im Game Pass. Und dabei handelt es sich nicht um inhaltlich beschränkte Demos, sondern die Vollversionen. Nicht nur in Sachen Umfang, sondern auch Qualität und Aktualität ist Microsofts Abo darum konkurrenzlos gut.

Das alles hat aber nicht nur Vorteile. Während in früheren Tagen ein Titel oft über Monate mehrmals durchgezockt wurde, haben viele heute das Gefühl, angesichts der Menge mit dem Zocken gar nicht mehr hinterherzukommen. Also wird kräftig aussortiert und abgewogen, womit man seine Zeit verbringen möchte. Entsprechend intensiv werben Hersteller und Entwickler um die Gunst der Kunden. Während das Giganten wie EA oder Activision nicht zuletzt aufgrund fetter Marketingbudgets meist problemlos schaffen, kämpfen Entwickler aus der zweiten oder dritten Reihe um jedes bisschen Aufmerksamkeit für ihre Spiele.

Nichts zu verschenken

Der Game Pass bietet Indie-Projekten in dieser Hinsicht gute Chancen. Im Rahmen des Abos bekommen die Titel ein gewisses Maß an Werbung. Neuzugänge sind für die Spieler schnell erkennbar und somit auf dem Radar. Außerdem lädt das breit gefächerte Angebot dazu ein, selbst Genres auszuprobieren, die man in der Regel meiden würde. Für die Kunden ist das ein erstklassiger Service. Aber verdienen die Macher damit auch Geld?

Im Oktober 2019 erklärte Agostino Simonetta, Lead of ID@Xbox, dass der Game Pass die Verkäufe einiger enthaltener Spiele tatsächlich angekurbelt hätte. Zu welchen Konditionen diese Kooperationen stattfinden, bleibt unter Verschluss. Denkbar wären ein fester Betrag pro Spiel (ähnlich Netflix) oder eine Bezahlung nach Downloads (ähnlich Spotify). Dino Patti, Mitgründer von Playdead (Limbo, Inside), schätzt den Game Pass als faires Geschäftsmodell für Indies ein.

Sean Krankel, Mitgründer von Night School Studio (Oxenfree, Afterparty), hält den Game Pass gar für eines der besten Dinge, die der Spielebranche passiert sind. Im konkreten Fall von Afterparty stiegen die Verkäufe, obwohl der Titel bereits zum Release ein Bestandteil des Game Pass war. Offenbar liebten viele Spieler das Spiel und wollten es nicht nur leihen, sondern tatsächlich besitzen.

ID@Xbox Game Pass - X019 Amazing New Titles Trailer
Im Xbox Game Pass wird es via ID@Xbox auch etliche neue Indie-Titel direkt zum Release geben.

Allerdings ist nicht jeder Hersteller und Entwickler derart überzeugt. So findet etwa Frederick Webster, Ex-Chef bei Paradox Interactive, das Modell des Game Pass zwar gut, sieht jedoch auch Verbesserungsbedarf. Er wünscht sich mehr Geld angesichts der vielen Stunden, die Leute etwa mit ihrem Titel Europa Universalis IV verbringen.

Ausrichtung und Umfang eines Titels könnten also ebenfalls eine Rolle dabei spielen, ob sich der Game Pass für einen Entwickler lohnt oder nicht. Lineare, eher kurze Spiele könnten mit einer guten Bezahlung seitens Microsoft eventuell direkt refinanziert werden. Kommen dann noch Download-Käufe hinzu, hat man alles richtig gemacht. Dagegen könnten sich Open-World-Spiele oder Strategie-Schwergewichte unter Wert verkaufen, wenn viel gespielt, aber wenig gezahlt würde. Dieser Umstand scheint ein Grund dafür zu sein, dass der Großteil der Game-Pass-Neuzugänge aus dem Indie-Bereich kommt und eine eher überschaubare Spielzeit bietet.

Für dicke Fische wie Assassin‘s Creed oder FIFA macht der Game Pass sowieso keinen Sinn. Diese Kaliber verkaufen sich über klassische Downloads oder den Retail-Markt allein aufgrund ihres Namens millionenfach. Allerdings springen auch deren Hersteller auf den Abo-Zug auf: Ubisoft Plus beziehungsweise EA Access bieten gegen eine monatliches Entgelt ebenfalls Zugriff auf eine Spielebibliothek, die auf hauseigene Titel beschränkt ist, aber dennoch einiges zu bieten hat.

Streaming ist der nächste Schritt

Egal ob Game Pass oder klassischer Kauf: In den meisten Fällen wird die Software auf die Festplatte heruntergeladen. Spiele-Streaming fristet ein Nischendasein, primär aus technischen Gründen. Denn damit die Übertragung reibungslos funktioniert, braucht es eine stabile Internetverbindung mit ausreichender Bandbreite.

Wenn das nicht gewährleistet ist, folgen Einbrüche in der Bildrate oder Verzögerungen bei der Steuerung, denn jede Eingabe muss an den Server geschickt, dort verarbeitet und wieder zurückgesendet werden. Selbst Singleplayer-Titel laufen nur, wenn eine Onlineverbindung besteht. Aufgrund der nicht nur in Deutschland durchwachsenen Internet-Infrastruktur ist flächendeckendes Game-Streaming darum noch Zukunftsmusik.

PlayStation Now - January 2020 New Games Trailer

Diese Spiele erwarten euch ab Januar 2020 bei PlayStation Now.

Dass es sich durchsetzt, ist aber nur eine Frage der Zeit. Selbst grafisch aufwändige Titel können auf nahezu jedem Smartphone, Laptop oder einer alten Möhre gezockt werden – regelmäßiges und teures PC-Aufrüsten für die bestmögliche Grafikqualität gehört dann der Vergangenheit an. Einen Vorgeschmack auf diese Möglichkeiten gibt Google Stadia (zum ausführlichen Test) bereits heute, wenn auch mit Einschränkungen.

Sonys PlayStation Now ermöglicht schon länger den Stream auf PS4 und PC. Einige PS4-Spiele können sogar heruntergeladen werden, um von Internetschwankungen unabhängig zu sein. Mit etwa 650 Titeln ist das Angebot gigantisch. Darunter befinden sich hauptsächlich ältere Games, die bis zur PS2-Zeit zurückreichen. Somit ist das Programm derzeit eher etwas für Retro-Fans. Jedoch werden mehr und mehr PS4-Spiele hinzugefügt, so dass die Attraktivität allmählich wächst. Zudem ist PlayStation Now mit einem Preis von 5 Euro pro Monat äußerst günstig.

Nächster Halt: PlayStation 5 & Xbox Series X

Mit dem Anbeginn der neuen Konsolengeneration wird es weitere Veränderungen geben. Der Xbox Game Pass bleibt erhalten und bekommt Zuwachs. Microsoft kaufte mehrere neue Studios, deren First-Party-Spiele zur jeweiligen Veröffentlichung gleich im Abo enthalten sein werden. Bisher musste man mit einer neuen Konsole auch immer ein Spiel kaufen – das ist dann nicht mehr nötig. Ganz sicher legt Microsoft dem System einen Gratismonat Game Pass bei, sodass Käufer direkt eine stattliche Bibliothek zur Verfügung haben. Die bereits angekündigte Abwärtskompatibilität ist dabei ein Bonus, der zum Launch mehr als genug Software liefern dürfte.

Eine gute Mischung aus großen Exklusivtiteln wie Halo: Infinite, feinen Independent-Produktionen und interessanten Spielen vorheriger Xbox-Generationen könnte viele Gamer begeistern und langfristig an die Plattform binden. Dazu befinden sich mit Project xCloud und Xbox Console Streaming zwei eigene Services in der Testphase, mit denen Spiele in einigen Jahren entweder direkt aus der Cloud oder von der Konsole auf mobile Geräte gestreamt werden können.

Ob Sony das mit einem aufgebohrten PS-Plus- oder PlayStation-Now-Angebot kontert, bleibt abzuwarten. Trotz des bisherigen Erfolgs mit der PS4 wird sich der Konzern sicher nicht ausruhen, denn zu Beginn jeder neuen Konsolengeneration werden die Karten neu gemischt. Irgendeine Reaktion scheint darum wahrscheinlich, um auch PS5-Käufern ein ähnliches Preis-Leistungsverhältnis zu bieten.

Fazit: Wohin geht die Reise

Ohne Abos geht es nicht mehr. Microsoft hat mit dem Game Pass vorgelegt und damit die Weichen gestellt, um dem aktuellen Marktführer Sony in der nächsten Konsolengeneration wieder Konkurrenz machen zu können. Sony verfügt mit PlayStation Plus und PlayStation Now wiederum über zwei Angebote, die mit aufgebohrtem Inhalt zweifellos das Zeug zur Game-Pass-Alternative hätten. Parallel dazu versuchen Unternehmen wie Ubisoft und Electronic Arts, ihre eigenen Abomodelle an die Spielerinnen und Spieler zu bringen.

Für letztere dürfte die Lage noch komfortabler werden. Aus einem stetig wachsenden Portfolio picken sie sich künftig noch einfacher die passenden Inhalte heraus. Kurze Kündigungsfristen garantieren eine hohe Flexibilität und selbst wenn mehrere Mitgliedschaften parallel laufen, belastet es das Konto dank überschaubarer Kosten nicht ansatzweise so stark wie der Kauf eines einzelnen Spiels.

Kleinere Entwickler und Hersteller werden das Ganze etwas skeptischer betrachten. Sie dürften weiterhin Vor- und Nachteile einer Kooperation abwägen, abhängig von den finanziellen Anreizen und dem jeweiligen Spiel. Werden die Konditionen weiter verbessert oder beginnt gar ein Wettstreit der Abo-Anbieter um die besten Indie-Titel, könnte das vielen Projekten einen Schub geben. Streben jedoch mehr und mehr Spiele ins Abo, könnte Microsoft auch seine Macht ausspielen und die Preise drücken. Um überhaupt eine Chance auf Geld zu wahren, würden vermutlich einige in diesen sauren Apfel beißen.

Am Verhalten der großen Hersteller wird sich dagegen wenig ändern. FIFA, Call of Duty, Assassin‘s Creed oder Grand Theft Auto besitzen enorme Zugkraft und generieren ihre Einnahmen weiterhin aus Verkäufen im stationären und digitalen Handel – sie brauchen keinen Game Pass oder ähnliches. Es ist jedoch denkbar, dass die Zeiträume bis zur Verfügbarkeit dieser Spiele im Abo kürzer werden. Über Mikrotransaktionen wären die Titel weiterhin profitabel, besonders dann, wenn auf ein langfristiges Games-as-a-Service-Modell gesetzt wird.

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