Test - Trombone Champ Unflattened : Test: Herrlich schräg und kostet nur 13 Euro
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Trombone Champ war 2022 einer dieser Überraschungs-Hits, die aus dem Nichts auftauchen. Wie so oft steckte dahinter ein einfaches Rezept: Das Posaunen-Spiel vermengte eine Geschicklichkeitsaufgabe mit einer dicken Scheibe Humor und viel Spaß an Musik. Eine Formel, die in VR sogar noch besser aufgeht und euch zum Spottpreis von 13 Euro über Monate hinweg unterhalten kann. Das seit ein paar Tagen erhältliche Trombone Champ Unflattened ist unser neuer VR-Geheimtipp.
Trombone Champ Unflattend in einem Satz beschrieben: zum Totlachen, weil auf urkomische Art gruselig schräg. Nein, das ist keine augenzwinkernde Bemerkung, sondern wörtlich gemeint. Schräge Töne sind hier an der Tagesordnung, weil ihr im Gegensatz zu vielen anderen Musikspielen nicht einfach nur Knöpfchen drückt, um die Musik-Anteile von Playbacks auszulösen. Hier generiert ihr selbst Töne mit einer Posaune. Oder zumindest mit dem Klangsample einer Posaune. Und zwar analog zu eurer eigenen Bewegung, ähnlich, wie ein echter Posaunist es vollzieht.
Schon der Flat-Game-Vorgänger, der so unerwartet heftig durch die Decke ging, dass er inzwischen den Sprung von PC und Mac zur Nintendo Switch geschafft hat, bewies, dass diese Kombination Gold wert ist. Aus dem „leichter gesagt als getan“-Prinzip wächst eine unheimlich witzige Herausforderung für alle, die Musikspielen zugeneigt sind, während ihr euch aufgrund eurer eigenen unsauber gespielten Darbietungen vor Lachen in die Ecke werft. Selten wurde man für das Versagen bei einem Spiel so herrlich belohnt.
Je epischer der Song, desto größer der Lachanfall. Ihr prustet unkontrolliert, wenn ihr knapp neben dem gesuchten Ton einsetzt, bei gleitenden Noten (Glissandi und Portamenti) zu überschwänglich ausholt oder bei besonders schnellen Notenfolgen nicht hinterherkommt. Es ist so herrlich schepp und zugleich herausfordernd, dass euch eure Nachbarn verfluchen werden.
Was hat sich in der VR-Version geändert?
Das Spielprinzip bleibt in der neuen VR-Variante wie gehabt. Ihr sucht euch einen Song aus und spielt ihn dann anhand einer grafischen Tonhöhenanzeige, ähnlich wie es bei vielen anderen Musikspielen der Fall ist. Vereinfacht wird hier allerdings nichts. 27 Halbtonschritte, also knapp über zwei Oktaven, umfasst die Anzeige, und ihr müsst jeden Ton selbst anspielen.
Einziger Unterschied: Das Notenfeld zoomt nun aus der Tiefe vom Dirigenten zu euch, statt wie zuvor seitwärts heranzuscrollen. Dabei habt ihr die Wahl, ob ihr die Anzeige der Abwechslung halber mal links und mal rechts sehen wollt oder ob sie auf einer Seite bleiben soll.
Erfreulicherweise dürft ihr über Meta Quest 3 auch eine Mixed-Reality-Ansicht genießen, in der die Noten aus einer Art Fenster hereinzoomen. Spielerisch bringt euch das keinen Vorteil, aber es sieht netter aus. Nicht nur beim Spielen, sondern auch beim Umgestalten von Instrumenten. Dazu später mehr.
Bleibt nur noch die Umsetzung der Vorgabe. Was auf dem PC oder der Switch noch mit Maus oder Controller geschah, managt ihr nun über die Bewegungssteuerung eures VR-Headsets. PSVR2, Steam VR und Meta Quest vertrauen dabei auf dasselbe Prinzip. Je nachdem, ob ihr Linkshänder oder Rechtshänder seid, positioniert ihr mit der einen Hand die Posaune auf Kopfhöhe und greift mit der anderen Hand den Haltesteg, mit dem ihr den beweglichen Spielzug des Instruments verschiebt, um die richtige Tonhöhe einzustellen. Das Pusten durch das Mundstück kommt durch einen Druck auf einen beliebigen Knopf – was vor allem bei schnellen Notenfolgen praktisch ist, denn so braucht ihr nicht in gefühlter Lichtgeschwindigkeit auf eine Taste drücken, sondern könnt mehrere Tasten abwechselnd verwenden.
Genauer und übersichtlicher
Die analoge Ausrichtung des Spielzugs könnt ihr sowohl horizontal verschieben – so wie bei einer echten Posaune – oder vertikal, was in Hinsicht auf die Notendarstellung intuitiver erscheint. Da der Abstand relativ zum anderen Hand-Controller gemessen wird, erinnert die Steuerung entfernt an einen Theremin.
So oder so: Die neue Darstellung in VR hat erhebliche Vorteile gegenüber dem Flat-Gameplay. Ihr könnt die Notenfolgen viel weiter in den Song hinein abschätzen und die analoge Freihand-Steuerung lässt euch intuitiver, ja sogar genauer arbeiten, als es eine Maus je erlaubte. Selbst die Gyro-Steuerung der Switch kann da nicht mithalten, weil sie keinen Fixpunkt zur Orientierung anbot.
Was noch fehlt, ist eine Kalibrierungsoption, die jedoch laut den Entwicklern schon bald in einem Update nachgeliefert wird. Dann könnt ihr selbst bestimmen, wie viel Abstand zwischen höchstem und niedrigstem Ton liegen soll.
Tausende Songs und viel Musikwissen
Bei einem Anschaffungspreis von 13 Euro wären hohe Erwartungen an den Umfang deplatziert. Ihr bekommt zwar eine stattliche Auswahl von über 50 Songs geboten, doch geht es hier hauptsächlich um lizenzfreie Klassiker, Evergreens, Märsche und sogar Nationalhymnen.
Keine Sorge, der Spaß versiegt trotzdem nicht, denn zumindest in der Meta-Quest- und der PC-VR-Fassung könnt ihr eigenhändig Songs nachschaufeln. Die Trombone-Champ-Community hat inzwischen Tausende von Pop- und Rock-Songs sowie Videospiel-Soundtracks für das Spiel adaptiert, die ihr ohne große Mühen in den Unterordner „Custom Songs“ kopiert.
Schonmal „My Heart will go on“ auf einer Posaune vergurkt? Metal-Kracher von System of a Down zu Tode verschandelt? Unsere Warnung, dass euch eure Nachbarn hassen werden, während ihr vor Lachen auf dem Boden kullert, war keine Übertreibung. Vielleicht ist es doch besser, der guten Nachbarschaft wegen mit Kopfhörern zu spielen.
Sofern ihr ein DAW auf eurem Computer installiert habt, könnt ihr auch selbst Musikstücke für das Spiel anfertigen. Der Prozess ist gar nicht mal so schwer. Ob auch PSVR2-Spieler in den Genuss kommen, können wir mangels eines Testmusters leider nicht herausfinden.
An der Karriere ist derweil nicht so viel dran. Ihr klappert einfach einen Song nach dem anderen ab und bekommt für jede Note, die ihr spielt, eine Gutschrift. Diese Notengutschrift tauscht ihr im Shop gegen Sammelkarten-Booster-Packs, auf denen ihr etliche Einträge zu berühmten Musikern, Komponisten und anderen Bezügen zur Posaune findet. Fundiertes Fachwissen en Masse, falls ihr euch dafür interessiert.
Wenn nicht, auch nicht schlimm. Diese Sammelkarten tauscht ihr nämlich vornehmlich gegen neue Posaunen-Varianten ein, von denen die meisten völlig meschugge sind und weitere Lachanfälle bei euren Darbietungen hervorrufen. Kreuzungen aus Posaune und Grillhähnchen, Posaune und Rohrreinigungs-Pümpel, Dudelsack und was nicht alles. Sie quietschen, blubbern und quaken, es ist die wahre Freude.
Wer möchste, darf seine Instrumente zudem per Farb-Sprühdose umgestalten, was in der Mixed-Reality-Ansicht am meisten Freude bereitet, weil auch das händisch passiert.
Greift zu, wenn...… ihr ein Musikspiel sucht, dessen Herausforderung sowohl musikalisch wie auch in Sachen Geschicklichkeit erstaunlich akkurat ist und gerade deswegen zum Lachen anregt.
Spart es euch, wenn...... euch schräges Getröte zu albern erscheint.



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