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Test - Torment: Tides of Numenera : Hat sich die lange Wartezeit gelohnt?

  • PC
  • PS4
  • One
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Ich liebe Planescape: Torment. Dieses monumental textlastige Rollenspiel war 1999 nicht nur mein Einstieg in die bezahlte Schreiberei über Computer- und Videospiele, sondern auch ein Suchtmittel, das mich ewig lang beschäftigte. Große Freude also, als inXile Entertainment rund um Interplay-Legende Brian Fargo mit Torment: Tides of Numenera einen geistigen Nachfolger auf Kickstarter brachte, der von den Fans nur zu gern unterstützt wurde. Jetzt, vier Jahre und etliche Verschiebungen später, ist es endlich so weit. Also: Aufbruch in die neunte Welt.

Torment: Tides of Numenera ist tatsächlich „nur“ ein geistiger Nachfolger von Planescape: Torment. Während Letzteres auf dem Pen-&-Paper-Rollenspiel Planescape basiert, liefert Numenera vom ehemaligen Planescape-Autor Monte Cook die Vorlage für das neue Werk. Spielwelt und Story sind aber nicht minder abgefahren. Wir befinden uns nämlich in ferner Zukunft in der neunten Welt, so benannt, weil sich dort mittlerweile die neunte Zivilisation des Planeten angesiedelt hat. Spuren von früheren Zivilisationen, die sogenannten Numenera-Artefakte, sind noch überall zu entdecken. Für uns bedeutet diese ferne Zukunft einen munteren Mix aus Science-Fiction und Fantasy. Kann man mit leben.

Wir schlüpfen in die Rolle des letzten Ausgestoßenen (wahlweise männlich oder weiblich) und begeben uns auf die Suche nach unserem Schöpfer, dem Wandelnden Gott. Der nutzt gern mal Menschen als Hülle und hinterlässt beim Verlassen verbrannte Erde in ihren Schädeln. Viel tiefer wollen wir gar nicht in die Story einsteigen, denn es würde vermutlich schon den Rahmen des Tests sprengen, allein die Grundhandlung zu erzählen. Auf jeden Fall erwartet euch eine vielschichtige, zuweilen verwirrende und enorm textreiche Geschichte, die aber zu fesseln weiß und glücklicherweise insgesamt recht brauchbar ins Deutsche übersetzt wurde.

Schönes Design, holprige Technik

Recht schnell wird klar, dass Torment anders ist als so ziemlich alle aktuellen Rollenspiele. Statt mit cineastischer Inszenierung und High-End-Technik erlebt ihr die Abenteuer des letzten Verstoßenen aus der Isoperspektive in altbackener Unity-Engine-Optik. Der Titel setzt aber ohnehin verstärkt auf lange Texte und Dialoge.

Die Action steht weniger im Vordergrund, sodass die Darstellung der Spielwelt eigentlich eher Mittel zum Zweck ist, nämlich um die Darstellung des geschriebenen Wortes in der Fantasie anzukurbeln. Oh, und um Interaktion mit Objekten und Charakteren zu ermöglichen. Hinzu kommt ein ziemlich abgefahrenes und liebevolles Art Design – allein schon der Abschnitt im Flor, einem gigantischen Lebewesen, hat einige künstlerische Highlights zu bieten.

Da ist es verzeihlich, dass das Spiel insgesamt recht altbacken wirkt und vor allem auf den beiden Konsolen nicht sonderlich rund läuft. Zwar ist Torment auf PS4 und Xbox One durchaus gut spielbar, aber grenzwertige Framerates sowie eine etwas hakelige Steuerung nebst mühsamer Interface- und Inventarbedienung müssen in Kauf genommen werden. Hinzu kommen relativ lange Ladezeiten – Torment bietet keine offene Spielwelt, sondern ist in Levelabschnitte fragmentiert. Am PC funktioniert das Ganze deutlich fluffiger. Wenn ihr also die Wahl habt, solltet ihr der Steam-Version den Vorzug geben. Positiv ist allerdings anzumerken, dass die Schriftgröße bei der Konsolenversion keine Probleme darstellt, zumal sie in mehreren Stufen skalierbar ist. Die Unmengen an Text sind daher prima lesbar.

Kurz, aber inhaltlich sehr stark

Weg von der Technik, zurück zum Spiel. Die Spieldauer ist für ein Oldschool-Rollenspiel eine Enttäuschung. Nach 28 Stunden flackerte der Abspann über unseren Bildschirm, wobei wir nahezu alle Nebenquests erledigt und fast alle Dialogoptionen durchgehechelt hatten. Das ist für solch ein Rollenspiel wahrlich nicht viel. Man muss es als Kompliment verstehen, dass es gern 50 oder mehr Stunden hätten sein dürfen, denn was wir in der Spielzeit erlebten, war bemerkenswert und fesselnd.

Man darf natürlich nicht vergessen, dass es sich „nur“ um einen Crowdfunding-Titel mit recht kleinem Budget handelt. Dennoch verspürten wir am Ende eine gewisse Enttäuschung. Gerade als wir uns in der neunten Welt so richtig wohlfühlten, war schon das Ende erreicht. Doof. Aber bei aller Enttäuschung: Besser 28 gute Spielstunden als 100 qualvolle. Glücklicherweise macht Torment seinem Namen da keine Ehre, außer man beschäftigt sich nicht gern mit viel Text, denn viel wortreicher als Torment geht kaum, zumal Sprachausgabe eher Mangelware ist und viel und aufmerksam gelesen werden muss, um all die komplexen Zusammenhänge und Hintergründe zu verstehen.

Ohnehin gilt es, jederzeit auf Details zu achten, denn sonst entgeht euch einiges. Erst am Ende mancher zunächst nebensächlich wirkender Dialoge tauchen Belohnungen, Ereignisse, Informationen und Erinnerungen der Hauptfigur oder gar weitere Quests auf. Es ist absolut faszinierend zu sehen, wie stark all die Aufgaben miteinander verzahnt sind und sich zuweilen gegenseitig beeinflussen. Im Hinblick auf das gesamte Quest-Design muss man inXile Entertainment ein Lob aussprechen. Insbesondere, weil die Quests gut geschrieben sind und fast schon philosophische und mystische Aspekte aufgreifen, passend zum Gesamtkonzept der Story von Torment.

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