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Test - The Occultist : Test: Horror-Game mit viel Atmosphäre, aber Macken bei den Rätseln

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Wer denkt, dass Sauftouristen auf Malle und Promis auf Teneriffa schon nervig sind, und beim bloßen Gedanken an den Strand von Ibiza bereits Sonnenbrand bekommt, dem schmeckt ja vielleicht The Occultist als passendes Insel-Alternativprogramm. Das Abenteuer auf dem nebelverhangenen Eiland Godstone wird euch definitiv beGEISTern und ihr könnt all eure Alltagssorgen begRABEN unter einer dicken Schicht Horror. Bleiben nur noch zwei Fragen: Ist das Spiel Oc-COOL-tist, nur OK-cultist oder sogar Occul-Mist? Und wie heiß ist es eigentlich zu dieser Jahreszeit in der Wortspiel-Hölle?

Als Debut-Projekt hat sich das spanische Studio Daloar ein storygetriebenes Survival-Horror-Adventure aus der Ego-Perspektive mit deutlichem Fokus auf Rätsel, Erkundung und Atmosphäre ausgesucht. Kämpfe stehen nicht im Vordergrund (ihr könntet euch ohnehin nicht wehren). Stattdessen kombiniert das Spiel paranormale Fähigkeiten, kleinere Schleichpassagen und vereinzelte Quick-Time-Events mit einer zunehmend düsteren Familiengeschichte.

Sie dürfen mich “Herr Okkultist” nennen!

Alan Rebels ist Okkultist. Nicht irgendein Okkultist, sondern (wie er nicht müde wird zu betonen) DER Okkultist. In seinem Berufsalltag untersucht er paranormale Phänomene, quatscht mit Geistern und wenn er so richtig in Stimmung ist, bricht er auch mal den ein oder anderen Fluch. Doch sein neuester Fall ist nicht irgendein Job, sondern eine persönliche Mission: Er ist auf der Suche nach seinem verschwundenen Vater.

Der hat sich nämlich eines Tages in Luft aufgelöst (nicht wörtlich, wobei das ja zu der Geister-Thematik passen würde) und ist ohne Nachsendeadresse abgehauen. Seine Suche führt Alan auf die kleine, britische Insel Godstone, auf der sein Vater geboren wurde und die frühen Jahre seiner Kindheit verbracht hat.

Godstone ist mittlerweile eine verlassene Geisterinsel, auf die seit den 50ern niemand mehr einen Fuß gesetzt hat. Damals soll ein makaberer Kult die Insel bewohnt haben und als OkKULTist ist das natürlich genau Alans Kragenweite. Also erkundet er die Insel, löst Rätsel, parliert mit Verstorbenen und entdeckt ein rabenschwarzes Kapitel in seiner eigenen Familiengeschichte.

Der wahre Blick und der falsche (Tasten-)Druck

Obwohl er bei seinen Ermittlungen ja auch durchaus mal Gegnern gegenüber stehen könnte, die NICHT geisterhafter Natur sind, hat es Alan mit Waffen nicht so. Statt auf Knarren oder Knüppel setzt er auf ein Pendel, ein altes Familienerbstück. Der Talisman besteht aus einem Rabenschädel, an den wohl jemand mit der Heißklebepistole einen Kristall geklebt hat. Anfangs nur ein Glücksbringer wird der Schädel schon bald zum Fokus für Alans magische Fähigkeiten.

Ein Blick durch den Kristall enthüllt verborgene Objekte, verschobene Elemente oder Dinge, die eigentlich vorhanden sein sollten, es aber nicht sind. Gerade bei den zahlreichen Denkaufgaben ist diese Gabe essenziell. Muss etwa eine Statue korrekt ausgerichtet werden, zeigt der Kristall die richtige Position. Erfordert es ein Rätsel, eine Löwenstatuette in die richtige Richtung zu drehen, enthüllt ein Blick durch den Kristall zum Beispiel die Position, die die Statue einnehmen sollte. Später kommen noch Zeitmanipulation, eine Art Telekinese (im weitesten Sinne) und eine weitere Fähigkeit dazu, die ich aber nicht spoilern will.

Ergänzt wird das Ganze durch vereinzelte Quick-Time-Events, deren Anzahl selbst Ethan Winters an seiner linken Hand abzählen könnte. Und zwischendurch schleicht ihr auch mal um ein paar unbesiegbare Gegner herum. Wer hier jedoch nervenzerreißende Katz-und-Maus-Duelle à la Resident Evil Requiem erwartet, sollte die Erwartungen etwas herunterfahren. The Occultist macht zwar auf dem Papier vieles richtig, tut sich aber mit der Umsetzung schwer.

Es ist mir ein Rätsel

Rätsel sind im Spieldesign eine heikle Angelegenheit. Sie sollen in sich logisch sein, in die Welt passen, lösbar sein, aber bitte ohne zu leicht oder zu schwer zu werden. Die Frage ist immer, mit wie vielen und welchen Informationen man den Spieler zu welchem Zeitpunkt füttert.

Nehmen wir als Beispiel mal eines der allerersten Rätsel im Spiel. Ihr durchsucht ein verlassenes Farmhaus, in dem sich eine brutale Familientragödie abgespielt hat und findet eine verschlossene Tür. Auch nach gründlichstem Umsehen erspäht ihr aber keinen Schlüssel, Dietrich, Kreditkarte, Vorschlaghammer oder sonstigen Gegenstand, den man mit dem Öffnen einer Tür in Verbindung bringen würde. Ich erspare euch mal minutenlanges Umherirren und verrate euch Ausnahmsweise die Lösung. Alan knackt die Tür mit einem Röntgenbild. Hinweise darauf gibt es im Vorfeld aber keine. “Benutze Röntgenbild mit Tür” ist dann doch eher eine Verzweiflungstat, die man erst versucht, wenn einem sonst wirklich nichts anderes mehr einfällt.

Solcherlei merkwürdige Design-Entscheidungen ziehen sich leider durch mehrere Passagen. Die Schleichsequenzen erzeugen wenig Druck, da Gegner kaum Schaden verursachen, nicht besonders aufmerksam sind und euch selten ernsthaft in Bedrängnis bringen. Hinzu kommen Gegenstände, die Alan kommentarlos einsteckt, ohne dass unmittelbar ersichtlich wäre, wofür. Ein Stück Menschenfleisch wandert ins Inventar? Na, hoffentlich plant er keine Grillparty. Genau diese Unebenheiten verhindern die ganz große Wertung. Aus einem potenziellen Genre-Highlight wird „nur“ ein solides Erlebnis.

Und dennoch sollten Horror-Fans den Titel nicht vorschnell abschreiben. Die Geschichte gewinnt im späteren Verlauf deutlich an Tempo und Intensität. Wer die ersten ein, zwei Stunden übersteht, hat viele der sperrigeren Mechaniken bereits hinter sich. Ein Walkthrough in Reichweite schadet allerdings nicht für den Fall, dass ihr nicht von selbst auf die Idee kommt, die Ergebnisse medizinischer Bildgebungsverfahren als Türöffner zweckzuentfremden.

Technisch punktet das Spiel vor allem atmosphärisch. Die Kulissen sind stimmungsvoll inszeniert, doch besonders der Soundtrack bleibt im Gedächtnis. Eingespielt vom Bratislava Symphony Orchestra, trägt die Musik viele Momente mühelos im Alleingang bis zur Gänsehaut.

Unterm Strich ist The Occultist kein perfektes Horror-Erlebnis. Aber eines mit Charakter, starken audiovisuellen Qualitäten und einer Geschichte, die euch tiefer hineinzieht, je länger ihr bleibt. Und manchmal reicht genau das ja schon.

Greift zu, wenn...

ihr storylastige Horror-Adventures liebt und euch Atmosphäre wichtiger ist als Action.

Spart es euch, wenn...

ihr Druck, Gefahr und intensive Survival-Horror-Action braucht.

Fazit

Sebastian Ruppert - Portraitvon Sebastian Ruppert
Mehr Séance als Sensation, aber dafür mit (blutigem) Herz

The Occultist ist kein lauter Schocker und auch kein Action-Feuerwerk. Stattdessen bekommt ihr ein ruhiges, storygetriebenes Horror-Adventure, das seine Stärken ganz klar in Atmosphäre, Sounddesign und der zunehmend intensiven Familiengeschichte ausspielt. Die Insel Godstone hat Charakter, das Setting funktioniert und spätestens im letzten Drittel zieht die Handlung spürbar an.

Leider stolpert das Spiel immer wieder über seine eigenen Rätsel. Wenn Lösungen mehr nach Zufall als nach Logik klingen und Schleichpassagen kaum Druck aufbauen, kratzt das ordentlich an der Immersion. Hier wäre mit etwas Feinschliff deutlich mehr drin gewesen.

>>Fast so praktisch wie ein Kristall in einem Rabenschädel: Die 10 nützlichsten Gadgets in Videospielen<<

Unterm Strich bleibt ein solides Debüt mit starken Momenten, hörbar beeindruckender Musik und einer Geschichte, die hängen bleibt – auch wenn man sich zwischendurch fragt, warum man gerade versucht, ein Röntgenbild als Universalwerkzeug zu benutzen.

Kein Genre-Meisterwerk, aber ein atmosphärischer Trip für alle, die lieber knobeln und gruseln als schießen.

Überblick

Pro

  • Dichte, stimmungsvolle Atmosphäre
  • Spannende, zunehmend intensive Familiengeschichte
  • Kreative paranormale Fähigkeiten rund um das Pendel
  • Starker Soundtrack vom Bratislava Symphony Orchestra
  • Visuell überzeugende Inszenierung der Insel

Contra

  • Teilweise unlogische oder schlecht kommunizierte Rätsel
  • Schwache Schleichpassagen ohne echten Nervenkitzel
  • Mechanisch nicht immer rund

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Kommentarezum Artikel

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