Special - Zelda: Breath of the Wild und Tears of the Kingdom : Switch 2 Test: Zwei verführerische Upgrades
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Breath of the Wild ist ein inzwischen acht Jahre alter Open-World-Schinken, an dem man gut und gerne 200 Stunden knabbern kann. Und was ist mit dem Nachfolger Tears of the Kingdom? Der ist noch größer und aufgrund seiner drei Welten-Schichten noch komplexer. Lohnt es sich, bei diesen beiden Switch-Abenteuern 10 Euro für ein Switch-2-Upgrade auszugeben oder sie sogar zum Vollpreis neu zu kaufen? Ja, es lohnt sich! Und wir verraten euch, warum.
Es gibt zwei Typen von Zelda-Fans: jene, die sich vor acht Jahren über die Open-World-Neuausrichtung freuten und jene, die das alte, lineare Spielprinzip mit klassischen Dungeons bevorzugten. Allen dürfte jedoch klar sein, dass die beiden Switch-Episoden einen Sprung ins Unbekannte wagten, der besser gelang, als es sich die meisten vorstellen konnten.
Breath of the Wild und Tears of the Kingdom krönen die Serie in beinahe allen Belangen. Mögen sich die Geister an den Dungeons und den kleinen Tempel-Rätseln noch so scheiden, an der atmosphärisch genialen Zusammensetzung und Komplexität der offenen Welt kratzte nie ein Zweifel. Aus unserer Sicht haben die beiden Reviews zu Breath of the Wild und Tears of the Kingdom nie an Gültigkeit verloren.
Etliche Quadratkilometer mystischer Landschaft flehen geradezu danach, erkundet zu werden. Quadratkilometer? So richtig mit Sichtweite, Hügeln, Feldern und Wäldern? Kein Wunder, dass der kleinen Nintendo-Konsole gelegentlich die Puste ausging. Nicht nur im ominösen Wald der Krogs, wo man bei dichtem Nebel und reicher Vegetation nach dem Master-Schwert suchte. Auch bei Regen und beim Bekämpfen größerer Monsterhorden geriet der Grafikchip in Verlegenheit.
Die rund zehn Mal stärkere Switch 2 stemmt solche Engpässe natürlich problemlos, selbst wenn ihr auf die offiziellen Upgrades für je 10 Euro verzichtet. Dennoch fühlt es sich nach Last-Gen an: Es bleibt nämlich bei einer niedrigen Auflösung von rund 900p und festen 30 FPS. Es sei denn, man investiert läppische 10 Euro in Nintendos eShop (oder in einen Rubbelkarten-Voucher aus dem Einzelhandel). Danach will man nie wieder zur Ursprungsfassung zurück.
Link in scharf und flink
In der grafischen Gestaltung verändert sich nichts, darum sehen beide Spiele auf unseren Screenshots exakt genauso aus wie vor acht Jahren, beziehungsweise vor zwei. Ihr müsst die beiden Zeldas in Bewegung erleben, um einen Unterschied zu erkennen. Der ist dann allerdings gewaltig. 60 Bilder pro Sekunde, die nie einbrechen, egal ob im Krog-Wald oder sonst wo. Dazu eine wunderbar scharfe 1440p-Auflösung im Dock beziehungsweise 1080p im Handheld-Modus. Sieht das gut aus, trotz der alten Grafik-Assets? Darauf könnt ihr euren Allerwertesten verwetten!
Warum? Weil Nintendo schon bei der Umsetzung auf Wii U und Switch 1 sehr effektiv arbeitete. Viele Texturen wurden prozedural angelegt, beziehungsweise durch Textur-Knoten (Nodes), was bedeutet, dass sie nicht händisch gezeichnet wurden, sondern durch eine mathematische Formel zustande kamen. Skaliert man deren Zahlenwerte hoch, kommen noch immer scharfe Oberflächen heraus, und die Geometrie der Grafik profitiert sowieso von der höheren Auflösung. HDR-Kontraste runden das Gesamtbild ab. Das Rot des Blutmonds wirkte nie intensiver. Es wäre vermessen, den beiden Zeldas damit einen modernen Anstrich zuzugestehen, aber Nintendos beinahe zeitloses Art-Design macht sich einmal mehr bezahlt.
Nur um das klarzustellen: Nicht jede Textur profitiert von der gestiegenen Pixelzahl. Vor allem Baumstümpfe und Felsoberflächen auf Geröll sowie beweglichen Steinen zeigen allzu deutlich, dass sie handgezeichnet wurden und nicht mit der Hochrechnung mitwachsen. Auch Metallgitter in Tempeln bleiben zahnig, weil sie nicht ausmodelliert wurden. Schattenkaskaden flimmern nach wie vor in der Ferne und das Detail-Level in Links unmittelbarer Umgebung frönt dem Pop-up, auch wenn Bäume in der Distanz wesentlich stabiler und schärfer daherkommen.
Keine Sorge, das sind Einzelheiten, die sich kaum auf das Gesamtbild auswirken. Beide Spiele wurden schließlich nicht komplett überarbeitet (sofern man von Avatar-Bildern und Menü-Grafiken absieht). Trotz aller Mühe, die Nintendo sichtlich investierte, bleiben es hochskalierte Fassungen der jeweiligen Ursprungsspiele.
Kürzere Ladezeiten bedeuten doppelten Spaß beim Reisen
Ja, liebe Zyniker, das Spiel hätte schon immer so laufen sollen, ist klar. Ein Blick auf Kommentare in Social-Media-Kanälen verrät, wie vermessen und verwöhnt manche Gamer ihre Ansprüche auslegen. Auf der anderen Seite: Wer soll ihnen den Wunsch nach flüssigerem Gameplay verdenken? 60 FPS sind nun mal mehr als eine Statistik. Schlachten sind dynamischer, durch die Welt segeln fühlt sich luftiger an. Die bessere Bildrate verändert das gesamte Spielgefühl.
Ebenso tun es die enorm reduzierten Ladezeiten. Klingt geschrieben trivial, doch das Feixen vergeht einem schnell, sobald man mehrere Male hintereinander zu Tempeln teleportiert. Ganz besonders bei Breath of the Wild, wenn Links Waffen gefühlt im Sekundentakt zerbrechen und man sich an gewissen Orten Nachschub holt. Drei statt zehn Sekunden Wartezeit je Schnellreise geben dem Spielfluss einen gewaltigen Kick.
Nennt es ruhig ein Bequemlichkeits-Upgrade. Alles, was wir in diesem Artikel an Verbesserungen anführen, ist genau das oder ein audiovisuelles Vergnügen, denn inhaltlich ändert sich rein gar nichts an den beiden Abenteuern. Aber es ist eine Bequemlichkeit, an die man sich nur allzu gerne gewöhnt, die das Auge umschmeichelt und so schnell zur Gewohnheit wird, dass man Youtube-Videos von der Switch-1-Version nur noch als Pixelbrei wahrnimmt.
Nützliches und Belangloses in der Companion-App
Das Upgrade ist so gut, dass man die Abenteuer gerne freiwillig von vorne beginnt. Auf einem neuen Spielstand, versteht sich, da Nintendo nun jedem Account einen zweiten parallel nutzbaren Speicherslot zugesteht. Langes Grübeln, schweres Atmen, hochgezogene Augenbrauen: Wirklich noch einmal alle Tempel durch gehen? Alle Türme erklimmen? Krogs sichern? Die Krog-Kumpanen zusammenführen? Ja, warum nicht? Ist ja dank der neuen Zelda Companion-App für iOS und Android-Smartgeräte etwas entspannter.
Sie führt euch in bester Google-Maps-Manier durch die Landschaft (per Sprachausgabe) und deckt so die gesamte Karte für euch auf, sofern ihr zumindest im Groben das betreffende Gebiet schon einmal besucht habt. Zudem erhaltet ihr täglich einen Zufallsbonus und könnt eure Zelda-bezogenen Amiibos zwecks regelmäßiger Verwendung registrieren. Die App listet euch außerdem sämtliche Funde auf, katalogisiert kleinteilig alle Rüstungsgegenstände, Nahrungsmittel, Feindvarianten und sonstige Variablen, um euch mit einem Medaillensystem zu ausführlichen Erkundungstouren anzuspornen. Sozusagen eine Art Achievement- beziehungsweise Trophy-System, nur eben mit Nintendo-Geschmack.
Nicht so spannend geraten die Sprach-Anekdoten von Zelda, welche die App abspielt, sobald ihr gewisse Ortschaften aufsucht. Einerseits wirken sie im Rahmen der App sinnlos. Sie hätten schließlich genauso gut ins Spiel integriert werden können. Andererseits lässt der Inhalt zu wünschen übrig. Die geballte Ladung Lore, die Zelda in Form von gesprochenen Tagebucheinträgen vermittelt, hätte durchaus Reiz, wenn sie weniger belanglosen Kleinkram auftischen würde. Das geht vom Hundertstel ins Tausendstel, oft völlig ohne Verwertbares.
Ich glaube, Link hat sich nie dafür interessiert, wann Charakter XY vor drölfzig Jahren mal nach einer Portion Bohnensuppe pupsen musste. Ein Haus, das sich nicht verkaufen ließ, weil es nicht nah genug am Stadtzentrum stand? Meine Güte, in Hyrule gibt es wahrlich genügend Zeug zu finden, da muss man sich nicht so einen Käse anhören. Die arme Sprecherin, die den ganzen Schmus einsprechen musste, könnte einem fast leid tun.
Aber klar, das ist Meckern auf hohem Niveau. Niemand zwingt euch dazu, Zeldas Erinnerungen zu suchen und sie anzuhören. Der Rest der App erleichtert euch das Abenteuer und motiviert zugleich zum noch gründlicheren Suchen. Eine Win-Win-Situation bei zwei Action-Abenteuern, die sich schon in ihrer Ursprungsfassung als Vertreter der besten Spiele aller Zeiten in die Geschichtsbücher eintragen konnten. Solltet ihr an den Open-World-Zeldas schon damals keinen Gefallen gefunden haben, werden euch auch die Upgrades nicht bekehren. Wenn ihr die Originale jedoch mochtet, werdet ihr dank der neuen Features ein weiteres Mal gefesselt.

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