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Glücksspiel oder Glück im Spiel – Machen Lootboxen süchtig?

Die Diskussion um Lootboxen wird zum Dauerbrenner. Spätestens mit Fifa21 ist das Pack-Opening zu einem regelrechten Hype geworden. Was für die Fans ein Highlight ist, sehen Kritiker als eine Form des Glücksspiels. Sie warnen vor dem Suchtpotential der In-Game-Lotterien. Ist die Kritik begründet?

Das Spiel mit dem Glück
Sind Lootboxen Glücksspiel, erhöhen sie das Suchtpotential und ist das problematisch? Wer diese Fragen beantworten will, muss sich zuerst mit den Themen Glücksspiel und Sucht an sich auseinandersetzen.

Was Glücksspiele ausmacht, sagt eigentlich schon der Name. Das Glück ist entscheidend. Wissen, Können oder Strategie spielen hier bestenfalls eine untergeordnete Rolle. Ein Beispiel dafür ist der Klassiker unter den Glücksspielen, die Lotterie. Wer beim Lotto den Jackpot abräumen möchte, muss auf die richtigen Zahlen tippen. Welche das sein werden, lässt sich weder berechnen noch beeinflussen. Es ist dem Zufall überlassen und der Gewinn damit reines Glück.
Das trifft auch auf Lootboxen zu. Welche Inhalte sich beim Pack-Opening offenbaren, ist ebenfalls reine Glückssache.
Wenn Spielergebnisse auf Glück basieren, ist das natürlich zunächst mal nicht problematisch. Sonst wäre ja auch Mensch-ärgere-dich-nicht eine potenzielle Gefahr. Schwierig wird das Thema erst dann, wenn die Faktoren Geld und Sucht hinzukommen.

In-Game-Kauf oder Lotterie?
Dass viele Spiele Suchtpotential haben können, weiß wohl jeder begeisterte Gamer. Videospielsucht kann zu einem ernsthaften Problem werden, auch wenn es dabei nicht um Geld geht. Bei der klassischen Spielsucht, also beispielsweise nach dem Spiel an Spielautomaten im Casino, ist Geld sogar ein entscheidender Faktor. Die Hoffnung den gerade erlebten Verlust durch weiter spielen wieder herausholen zu können, weil das nächste Spiel vielleicht den großen Gewinn bringt, führt häufig in eine Abwärtsspirale.
Was ist nun mit Lootboxen? Auch sie sind verführerisch. Vielleicht wartet ja ausgerechnet im nächsten Pack ein Super-Gegenstand oder ein Top-Spieler. Und so folgt auf den letzten Versuch schnell mal noch einer und noch einer. Das Problem: Wenn es sich um In-Game-Käufe handelt, ist echtes Geld im Spiel.
An dieser Stelle sehen Kritiker auch rechtlich eine Problematik. Denn wenn Glücksspiel und Geld zusammenkommen, sieht der Gesetzgeber einen engen rechtlichen Rahmen vor. Ohne staatliche Genehmigung handelt es sich um illegales Glücksspiel. Und auch mit Genehmigung gelten für Anbieter und Spieler strenge Rahmenbedingungen, zum Beispiel beim Alter und bei der Einsatzhöhe.
Die Grenzziehung ist hier allerdings schwierig. Denn es folgen beispielsweise auch Sammelkarten einem ähnlichen Prinzip. Wer Lootboxen zu illegalem Glücksspiel erklärt, müsste also auch Dinge wie Pokémon-Karten zum Problem erklären.

Zwischen Geschäft und Gefahr
Das Problem mit den Lootboxen ist also gar nicht so einfach. Dass die Spielbranche sie kampflos aufgeben wird, ist unwahrscheinlich, denn Lootboxen sind für sie ein gutes Geschäft. 2020 lag der Umsatz mit Lootboxen bei etwa 15 Milliarden US-Dollar. Das Marktforschungsunternehmen Juniper Research prognostiziert steigende Umsätze und meint, dass 2025 bereits 20 Milliarden mit Lootboxen umgesetzt werden könnten.
Die Gesetzgeber könnten hier allerdings einen Strich durch die Rechnung machen. In den Niederlanden ist das bereits geschehen. Dort werden Lootboxen mittlerweile als Glücksspiel eingestuft.
Parallelen zum Glücksspiel und Suchtpotential sind letztlich nicht zu leugnen und erfordern zugegebenermaßen Selbstkontrolle von den Spielern. Das Thema bleibt also spannend und komplex.