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Test - Razer Kraken V4 Pro : Test: Teures Headset mit haptischem Feedback

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Rund dreizehn Jahre tummelt sich das Razer Kraken in der Headset-Riege und das in sehr unterschiedlichen Ausführungen. Das Razer Kraken V4 Pro könnte von den Ursprüngen der Reihe kaum weiter entfernt sein und will Spieler mit haptischem Feedback unter die Ohrmuscheln locken. Aber das hat seinen Preis und gegen die Konkurrenz tut sich Razer trotz dieses Alleinstellungsmerkmals gewaltig schwer.

Nach der Kraken-Offensive vor gut drei Jahren mit der V3-Variante gibt es nun bereits einen Nachfolger und der setzt sich preislich gleich mal an die Spitze des Razer-Portfolios und will der Konkurrenz im Premium-Bereich kalte Ohren bereiten. Bei mehr als 400 Euro (449,99 Euro UVP, Straßenpreis niedriger) darf man sich allerdings keine Fehler erlauben. Immerhin lauert in dem Segment mit Audeze Maxwell und dem Allrounder SteelSeries Arctis Nova Pro absolut hochrangige Konkurrenz, was Klang, Bequemlichkeit und Feature-Umfang angeht. Razer bringt zwar mit haptischem Feedback ein Alleinstellungsmerkmal mit, aber das ist nicht für jeden etwas.

Bleiben wir direkt bei diesem Feature. Razer hatte bereits früher Versuche unternommen, das haptische Feedback bei Headsets umzusetzen, wie damals beim Nari Ultimate, wo das Features noch arg unbeholfen wirkte. Beim Kraken V3 mit HyperSense ging das schon etwas besser. Beim Kraken V4 Pro nennt sich das Ganze nun Razer Sensa HD Haptics und ist vor allem von den Einstellungen her ausgefeilter. So gibt es vier unterschiedliche Presets und ihr könnt die Intensität regeln.

Was bleibt ist, dass das Kraken V4 Pro teilweise den Klang als Basis für das haptische Feedback nutzt, zumindest im Audio-to-Haptics-Modus. Das hat, in Maßen, durchaus seine Momente, beispielsweise im Feuergefecht bei Titeln wie Battlefield oder Call of Duty. Andernorts zeigt es sich eher störend, weil es auch auf Klänge reagiert, die mit dem eigentlichen Spielgeschehen nichts zu tun haben oder wo es einfach zu intensiv wird. Bei Kingdom Come: Deliverance II beispielsweise triggert selbst das Durchblättern der Menüreiter die Haptik und ein Ausritt bei Gewitter fühlt sich eher so an, als ob jemand im Staccato mit einem Gummihammer auf den Ohrmuscheln herum klopft.

Ein weiterer Effekt ist, dass die Vibration für unseren Geschmack zu stark den reinen Klang beeinträchtigt und Details übertönt. Dank der Einstellmöglichkeiten ist die Haptik durchaus bei einigen Spielen mehr oder weniger gut einsetzbar, aber optimal ist das alles immer noch nicht. Wer so etwas mal ausprobieren möchte, kann dies natürlich gern versuchen und findet vielleicht Gefallen dran – wir eher nicht so und schon gar nicht bei längeren Sitzungen. Da sind die Vibrationen auf die Dauer eher kopfschmerzfördernd.

Einige Spiele sind optimiert, mit denen klappt das dann auch gleich etwas besser. Warum? Ganz einfach, weil der Effekt darin mit den jeweiligen Entwicklern abgestimmt und optimiert wurde. Im Sensa HD Games Modus kommen die haptischen Effekte deutlich gezielter und weniger zufällig zum Einsatz. Die Liste der unterstützten Titel ist bisher allerdings sehr überschaubar und aktuelle Hits wie besagtes Kingdom Come: Deliverance II oder Monster Hunter Wilds fehlen bisher gar völlig.

Kommen wir zum eigentlichen Headset. Selbiges zeigt sich als durchaus hochwertig und solide verarbeitetes Konstrukt. Ein kräftiger Metallbügel mit drehbar aufgehängten Ohrmuscheln, ein weiches Kopfpolster mit Textilbezug, die Ohrpolster leider nur mit Kunstlederbezug. Das Gewicht fällt mit knapp 400 Gramm relativ hoch aus, der Tragekomfort ist insgesamt in Ordnung, auch wenn der seitliche Druck bei längeren Sitzungen und etwas kräftigeren Schädeln unangenehm werden kann.

Bei den Anschlüssen wird durchaus einiges aufgeboten, obwohl auch ein externes Bedienteil (gleichzeitig Wireless-Sender) und die Synapse-Software genutzt werden können. Links findet ihr ein ausziehbares Mikrofon, dass eine solide Sprachübertragung gewährleistet – nicht Spitzenklasse, aber wahrlich auch nicht schlecht. Daneben sind Power-Taste, Lautstärkeregler und Mikrofontaste verbaut. Rechts findet ihr Schalter für die Einstellung des haptischen Feedbacks und der Klangquelle. Aufgeladen wird über einen USB-Anschluss mit entsprechendem Ladekabel. Die Akkulaufzeit hängt sehr vom Einsatz ab. Ohne RGB-Beleuchtung (Logo und Seitenblenden) und haptischem Feedback sind gut 40 bis 45 Stunden drin, mit beidem ist der Akku in rund zehn Stunden leer, abhängig von der Lautstärke.

Mit dabei ist ein Bedienteil mit integriertem Wireless-Sender und BlueTooth-Empfänger. Die Bedienung erfolgt über einen Menüschalter und ein Drehrad, wobei ein OLED-Display euch auf dem Laufenden hält, was ihr da eigentlich gerade anstellt. Damit regelt ihr Lautstärke, EQ-Preset (Game, Movie, Music, Standard), Haptik-Profil und Intensität sowie den Mikrofon-Sidetone. An der Rückseite befinden sich jeweils ein USB-C-Port für PC und Konsole, sowie ein 3,5-mm-AUX-Anschluss, was zusammen mit BlueTooth ein solides Portfolio an Anschlüssen bereitstellt. Zu beachten ist allerdings, dass am Konsolen-Port nur PlayStation und Nintendo Switch funktionieren, nicht aber eine Xbox. Dieses Feature bleibt dem Astro A50X vorbehalten, das auf HDMI statt USB setzt.

Als alternative Möglichkeit für die Bedienung steht die Synapse-Software zur Verfügung. Damit könnt ihr alles genannte ebenfalls regeln, zudem EQ-Einstellungen verändern, THX Spatial als Raumklang aktivieren, Haptikeinstellungen vornehmen und die Presets bearbeiten, euer OLED-Bedienteildisplay konfigurieren (leider keine eigenen sondern nur vorgegebene GIFs als Hintergrund) und an der Beleuchtung schrauben. Bedienung und Optimierung eures Kraken V4 Pro gehen damit recht gut von der Hand.

Klanglich erwarten euch keine großen Überraschungen, habt ihr schon eins der neueren Razer-Headsets auf dem Schädel gehabt. Der Hersteller setzt auch hier wieder auf die 40mm TriForce Titanium Treiber, die wir schon von anderen Headsets wie BlackShark kennen. Die Treiber decken einen Frequenzbereich von 20 bis 20.000 Hz ab und liefern eine insgesamt gute Vorstellung, erst recht mit ein paar kleinen Justierungen bei den EQ-Presets. Die Bässe sind Gaming-typisch kräftig, die Mitten haben viel Durchsatz und die Höhen bleiben klar und detailreich. Insgesamt erwartet euch eine breite Klangbühne, die auch auch eine gute Richtungswahrnehmung gewährleistet.

Wie schon erwähnt, kann die Klangqualität durch die Vibration des haptischen Feedbacks allerdings beeinträchtigt werden. Insgesamt hebt sich die Klangqualität aber deutlich zu wenig von günstigeren Modellen mit den eingesetzten Treibern ab, um den hohen Preis zu rechtfertigen und gegenüber eher audiophilen Headsets wie Audeze Maxwell zieht das Kraken V4 Pro am Ende doch deutlich den Kürzeren. Und damit sind wir beim Gesamtproblem: das Kraken V4 Pro ist wahrlich kein schlechtes Headset und hat einiges an Funktionsumfang. Letztendlich ist der Preis aber etwas zu saftig. Das durchaus nicht unähnliche, aber deutlich bequemere SteelSeries Arctis Nova Pro Wireless beispielsweise ist derzeit für rund 100 Euro weniger zu haben, ebenso wie das klangstarke Audeze Maxwell.

Greift zu, wenn...

… ihr ein gut klingendes Headset mit guten Anschlussoptionen sucht und mal Lust auf ein neues Gimmick in Form des haptischen Feedbacks haben wollt.

Spart es euch, wenn...

… euch haptisches Feedback egal ist. Hinsichtlich Klang und Features gibt es besseres und das Kraken ist für das, was es kann, schlussendlich zu teuer.

Fazit

Andreas Philipp - Portraitvon Andreas Philipp
Klangstarkes, aber überteuertes Headset mit durchwachsener Gimmick-Funktion

Irgendwie versucht Razer immer wieder, spezielle Funktionen als Alleinstellungsmerkmal an den Mann zu bringen und mit dem haptischen Feedback hat der Hersteller es schon einige Male versucht. Immerhin, die neue Razer Sensa HD Haptics bietet einiges an Einstellmöglichkeiten, anstatt nur sinnlos vor sich hin zu rumpeln. Das ist zuweilen ganz nett, insbesondere bei Spielen, in denen es ohnehin schon ordentlich kracht, vor allem bei den wenigen Titeln, die für Sensa HD Haptics optimiert wurden. Aber da die Haptik bei anderen Titeln weiterhin lediglich auf Audiodaten basiert, wirken die Effekte bei diesen doch zuweilen arg befremdlich bis hin zu störend. Ein Argument für den Kauf wäre das für mich nicht, vor allem angesichts der nur wenigen optimierten Spiele.

Das Kraken V4 Pro zeigt sich ansonsten als hochwertiges und gut verarbeitetes Headset mit einer ganzen Reihe von Anschlussoptionen. Schade nur, dass die Xbox wieder mal nicht berücksichtigt wurde, was bei dem horrenden Preis eigentlich drin sein sollte. Der Klang weiß zu gefallen, insbesondere nach leichten Nachjustierungen am Equalizer der Synapse-Software, und gehört zu den wuchtigeren, ohne es aber an Klarheit in den Höhen missen zu lassen. THX Spatial ist dabei ein gerngesehener Bonus am PC. Beim soliden Tragekomfort gibt es hingegen aufgrund des hohen Gewichts und des etwas straffen Sitzes noch Luft nach oben.

Allerdings tut sich das Razer-Modell abseits der Haptik schwer, gegen etablierte Konkurrenten anzustinken. Klanglich ist es dem Audeze Maxwell klar unterlegen und wer ein kabelloses Multiplattform-Headset sucht, ist beim SteelSeries Arctis Nova Pro deutlich besser aufgehoben, das sich klanglich etwa auf gleichem Niveau bewegt, aber dafür auch Xbox-Konsolen unterstützt und über zwei praktische Wechsel-Akkus verfügt. Schlussendlich ist das Razer Kraken V4 Pro trotz nettem haptischem Gimmick für das, was es kann, mit rund 400 Euro einfach viel zu teuer.

Überblick

Pro

  • haptisches Feedback bei einigen Titeln cool ...
  • solide Verarbeitung
  • insgesamt ordentlicher Tragekomfort
  • praktisches Bedienteil
  • insgesamt guter Klang
  • THX-Spatial-Support (am PC)
  • Anschluss mehrerer Geräte nebst BlueTooth möglich
  • gutes Mikrofon

Contra

  • ... bei anderen eher störend
  • sehr teuer
  • seitlicher Druck auf Dauer unangenehm
  • haptisches Feedback basiert allein auf dem Klang und ist nicht immer passend
  • kurze Akkulaufzeit mit Haptik und Beleuchtung
  • keine Xbox-Kompatibilität

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