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Test - Wolfenstein II: The New Colossus : Saftige Arschtritte für das Regime

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Das war knapp! Und zwar lebensbedrohlich knapp. Doch irgendwie hat es B.J. geschafft, das Ende von Wolfenstein: The New Order zu überleben. Spurlos ging das am harten Hünen jedoch nicht vorbei, ganz im Gegenteil.

Der sonst scheinbar unkaputtbare Nazi-Jäger hat den Bombenangriff am Ende des Vorgängers nur knapp überlebt. Ganze fünf Monate lag er danach im Koma. Kaum macht B.J. die Augen auf, muss er auch schon wieder zur Knarre greifen. Denn das Regime um ihre Anführerin Irene Engel macht noch immer Jagd auf ihn und seine Kameraden vom Wiesenau-Kreis, die nach wie vor für die Befreiung der USA von den deutschen Besatzern kämpfen.

Wolfenstein: The New Colossus knüpft unmittelbar an die Ereignisse des Vorgängers an. Zu Beginn werden diese rekapituliert, so dass auch Nicht-Kenner des ersten Teils wissen, was los ist. Sehr früh müsst ihr eine Entscheidung zwischen zwei eurer Mitstreiter fällen, die für unterschiedliche Abläufe in der Story sorgen. Spieler des Vorgängers wissen, worum es dabei geht, und können auf Wunsch die Zeitlinie von The New Order fortsetzen.

Faschisten in die Fresse feuern

Genau wie die Vorgänger gibt sich der Shooter nicht mit Geplänkel ab. Von Beginn an wird ein hohes Tempo gefahren, sowohl beim Spielablauf als auch bei der Abwechslung. B.J. kommt viel rum: Vom U-Boot der Rebellen führt die Reise über Manhattan, Roswell und New Orleans bis auf die Venus. Innerhalb der großen Gebiete habt ihr fast immer die Wahl zwischen Ballern und Schleichen. Aber ganz ehrlich: Es macht viel mehr Spaß, die Waffen sprechen zu lassen! Denn wenn Wolfenstein etwas besonders gut macht, dann die Action.

B.J. trägt jederzeit eine hübsche Auswahl an Wummen bei sich – angefangen von der Pistole über das Maschinengewehr und die Schrotflinte bis hin zum mächtigen Diesel- oder Laserkraftwerk (abhängig von eurer Wahl zu Beginn des Spiels). Besonders cool: Ihr dürft beliebige Kombinationen im Akimbo-Stil nutzen – räumt mit zwei MGs unter den Nazi-Soldaten auf oder sorgt mit dem Mix aus MP und Shotgun für klare Verhältnisse.

Wolfenstein II: The New Colossus - US-Schauplätze in deutscher Hand
Wir zeigen euch diverse Schauplätze aus dem neuen Wolfenstein II: The New Colossus.

Mit teils gut versteckten Waffenteilen lassen sich die Schießprügel verbessern: Schraubt für lautlose Kills einen Schalldämpfer an die Pistole oder vergrößert die Magazin-Kapazität des Sturmgewehrs. Auch die Fähigkeiten von B.J. steigern sich während der Hatz, indem ihr wiederholt bestimmte Aktionen ausführt, beispielsweise Feinde mit Akimbo-Waffen zu erledigen oder im Nahkampf auszuschalten.

Die Verbindung aus wuchtigen Waffen, guter Trefferrückmeldung und glasklarer Steuerung lässt die Feuergefechte nie langweilig werden. Vielmehr freut ihr euch nach einem heftigen Schlagabtausch schon auf die nächste Gelegenheit, den Faschisten die Stahlhelme vom Kopf zu schießen. Wolfenstein spart nicht mit heftiger Gewalt, muss in Deutschland aber wie üblich auf die einschlägige Symbolik verzichten und aus den Nazis wird hierzulande einmal mehr das Regime. Die englische Original-Tonspur ist nicht enthalten.

Wildes Durchballern könnt ihr euch aber abschminken, denn schon auf dem mittleren Schwierigkeitsgrad geben euch die Schergen von Frau Engel ordentlich Kontra. Weil B.J. nichts von Schnickschnack wie automatischer Energie-Regeneration hält, müsst ihr ständig Lebenspunkte und Panzerung im Blick haben. Steht der harte Hund kurz vor dem Exitus, deutet nur sein Schnaufen darauf hin. Sammelt also rechtzeitig entsprechende Upgrades ein – wie beim Vorgänger liegt viel davon in den Spielgebieten herum, auch besiegte Soldaten, Kampfroboter und Panzerhunde spenden Munition sowie Rüstung.

Das Aufnehmen klappt diesmal automatisch, was euch das Leben erleichtert. Dennoch können einige Stellen nerven, weil ihr von allen Seiten beschossen werdet und sterbt, bevor ihr die Lage überhaupt gecheckt habt. Allerdings lassen sich solche Passagen durch manuelles Speichern entschärfen, zusätzlich setzt das Spiel automatisch Checkpoints. Wird es dennoch zu leicht oder zu schwer, könnt ihr den Anspruch jederzeit hoch- oder runterschrauben.

Nazis an der Macht

Was die Action ebenso befriedigend wie intensiv macht, ist die gelungene Inszenierung von Spielwelt und vor allem Charakteren. The New Colossus präsentiert ein – trotz starkem Fantasy-Einschlag – sehr stimmiges "Was wäre, wenn"-Szenario. Jedes Gebiet fühlt sich lebendig an: Propaganda- und Werbeplakate hängen an den Wänden, feindliche Soldaten führen Privatgespräche und zahlreiche Dokumente wie Zeitungen oder Tagebücher geben Hintergrundinfos zu allen möglichen fiktiven Ereignissen preis. Lediglich einige Pop-ups und mitunter etwas grobe Texturen  kratzen am sonst sehr gelungenen Gesamteindruck.

Auf der Audio-Seite besticht vor allem die sehr gute deutsche Synchronisation: Nicht nur die zentralen Figuren wie B.J. oder Irene Engel klingen professionell, sondern auch der einfache Regime-Handlanger auf der Straße. Hört euch generell häufig um, dann bekommt ihr einige interessante und auch lustige Unterhaltungen mit. Umso bedauerlicher, dass die Animationen der Gesichter arg steif ausfallen und das gesprochene Wort kaum lippensynchron ist. Während der Kämpfe kommen kernige Schussgeräusche aus allen Richungen, dazu treibt euch der Score nach vorn.

Überraschung!

Sehr spannend und mit einigen herausragenden Momenten bestückt ist die Geschichte. Diese verläuft nicht nur überraschend, sondern packt auch unbequeme Themen mit dem richtigen Gespür an und bietet einige wirklich denkwürdige Charaktere auf. Dass sich dieser Umstand mit einer kräftigen Portion Humor und jeder Menge Action verträgt, darf man Entwickler MachineGames hoch anrechnen.

Das gilt ebenso für die Spielzeit. Während viele andere Shooter nach 8 bis 10 Stunden den Abspann über den Bildschrim flimmern lassen, dreht Wolfenstein II nach dieser Zeit erst richtig auf. Im Anschluss an eine krasse Story-Wendung gibt das Spiel neue Missionen und frische Fähigkeiten frei. Das ändert die Spieldynamik und bringt Frische rein – eine prima Entscheidung! Zusammen mit vielen Sammelgegenständen bietet The New Colossus somit richtig viel Spiel fürs Geld. Nur auf einen Mehrspieler-Modus müsst ihr erneut verzichten.

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